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Musik

„Poetry Slam meets A-cappella“

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Geschrieben von Isabelle Hofmann  -  Dienstag, den 31. Januar 2012 um 10:05 Uhr
„Poetry Slam meets A-cappella“ 4.1 out of 5 based on 55 votes.
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Sie gurren, heulen und tröten, gurgeln, schnauben und zischen ins Mikrofon, dass man meint, ein ganzes Orchester zu hören.
Dabei haben sie nichts als ihre Stimme. Die Rede ist von A-cappella, einer Gesangsformation ohne Instrumentalbegleitung. Lange Zeit führte diese Musikgattung ein Nischendasein, doch mittlerweile ist sie wieder stark im Kommen. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass im Grunde jeder, der einen A-cappella-Chor zum ersten Mal hört, einfach nur begeistert ist“, sagt Dominique Heidle, promovierter Zahnarzt und leidenschaftlichen Chorsänger. Vor einem Jahr gründete der 44-jährige Hamburger gemeinsam mit Barbara Schirmer acappellica, das Hamburger Festival für das vielfältige Genre der Vokalmusik (13.-16. September 2012). Als Appetitanreger präsentiert acappellica ab heute beim BUDNI Poetry Slam „Hamburgs Dichter sind dran“ vier Vocal-Ensembles, die sich bereits deutschlandweit einen Namen gemacht haben. Zuvor sprach Isabelle Hofmann mit Dominique Heidle.

Isabelle Hofmann (IH): Was reizt einen Konzertveranstalter wie acappellica an der Kooperation mit einem Poetry Slam?

Dominique Heidle (DH): Der Übergang beider Kunstformen ist ja fließend. Viele Slamer sind auch Rapper oder umgekehrt. Und dieser Sprechgesang ist ja bereits eine Spielart von A-cappella. Bei so viel Verwandtschaft ist es doch eine tolle Idee, etwas gemeinsam zu unternehmen und die jeweils andere Fangemeinde zu begeistern. Die BUDNI-Konzerte sind für uns eine super Möglichkeit, auf uns aufmerksam zu machen. acappellica kennt ja kaum jemand. Im Sommer wollen wir ein großes Festival in Hamburg veranstalten. Da sollen viele Leute kommen. Da muss man raus aus der Virtualität. Die Leute müssen mal live erleben, wie toll so ein Vocal-Konzert ist. Viele denken bei A-cappella immer noch an die Comedian Harmonists und den „kleinen grünen Kaktus“.

IH: Was erwartet die Zuhörer musikalisch bei „Poetry Slam meets A-cappella“?

DH: Überwiegend Rock, Pop und Jazz. Das Ensemble „tonalrausch“, das heute Abend spielt, ist zum Beispiel ausgesprochen jazzig. „Quasi unisono“ geht schon fast in Richtung Klassik. Die Gruppe „KlangGold“ singen Jazz und Pop, aber nur eigene Arrangements. Ihre acht Mitglieder zeichnen sich dadurch aus, dass sie ganz eigenartige Klangteppiche und Klangsphären erzeugen. Und das „Wortart“-Ensemble hat sich auf die Vertonung moderner deutscher Lyrik, zum Beispiel von Eva Strittmatter, spezialisiert.

IH: Als BUDNI-Partner präsentieren Sie nicht nur die vier Konzerte, sondern waren auch in der Vor-Jury, die die 64 Teilnehmer des Poetry Slams auswählte. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?

DH: Ich habe mir zuvor jede Menge Poetry Slams angesehen. Im Oktober 2011 wurden ja die deutschsprachigen Meisterschaften in Hamburg ausgetragen. Da gab es viele Gelegenheiten, sprachlich ausgefeilte Texte zu hören. Das Halbfinale im Schauspielhaus fand ich superspannend und ich habe gemerkt: Auf diesem hohen Niveau ist es wirklich nicht einfach zu bewerten. Die waren alle sehr gut. Poetry Slam ist wirklich eine ganz eigene Welt. Das hatte für mich etwas von den Gladiatorenwettkämpfen, wie man sie aus den alten Römer-Filmen kennt. Wer dem Publikum nicht passte, der wurde gnadenlos niedergebuht. Das war zum Teil ganz schön hart.

IH: Muss man beim BUDNI-Poetry Slam auch damit rechnen?

DH: Nein, das denke ich nicht. „Poetry Slam meets A-cappella“ hat einen ganz anderen Charakter. Das soll jetzt nicht so ein knallharter Wettbewerb werden. BUDNI will für alle da sein. Das hat man auch schon an den Einsendungen gemerkt.

IH: Inwiefern?

DH: Das Niveau der Einsendungen war sehr, sehr breit gefächert. Manche haben ihre Verse ganz künstlerisch auf Papier gedruckt, manche einfach ein paar Zeilen auf einen Zettel geschmiert. Ich muss sagen, so etwas hätte ich mich nicht getraut. Aber wir haben insgesamt recht wohlwollend geurteilt, das war auch Sinn und Zweck der Geschichte.

IH: Lyrik gilt im Allgemeinen als elitär und abgehoben, Poetry Slam hingegen entwickelt sich immer mehr zu einer Massenbewegung. Haben Sie eine Erklärung dafür?

DH: Ich glaube, der Erfinder, Marc Kelly Smith aus Chicago, hat es einfach geschafft, Dichtkunst von seinem verstaubten Image zu befreien.

IH: Vielleicht auch, weil er Dichtkunst aus dem Dunstkreis der Hochkultur herausgeholt hat? Poetry Slam ist doch eher eine Kultur von unten, so, wie Rap oder Hiphop.

DH: Rap und Hiphop sind sicher auch Vorreiter der Poetry-Slams. Es gibt mittlerweile ja auch Hiphop-Slams.

IH: Gibt es auch A-cappella-Slams?

DH: Noch nicht. Da bin ich noch gar nicht drauf gekommen. Super-Idee, das könnten wir mal veranstalten.

IH: Während die aktiven Poetry-Slamer überwiegend männlich sind, werden Jungs, die in einem Chor singen, oftmals belächelt oder sogar verspottet.

DH: Ja, das Vorurteil gibt es leider immer noch: Echte Kerle spielen E-Gitarre oder Bass und singen nicht in einem Chor. In der TV-Serie „Glee“ werden genau diese Probleme thematisiert und seitdem sind Chöre, auch bei den Jungs, in den USA ziemlich angesagt. Aber bei uns muss man sicher noch viel Überzeugungsarbeit leisten.

IH: Sie selbst singen bei „Vocal Express“, einem 35 Personen starken Chor. Wie sind Sie dazu gekommen? Waren Sie schon als Kind ein Chorknabe?

DH: Überhaupt nicht. Ich habe erst mit 38 Jahren angefangen zu singen – durch puren Zufall. Auf einer Party wurde gesungen, ich habe mich getraut, mitzusingen und dann hat mich jemand angesprochen und gesagt: „Mensch, du hat eine gute Stimme. Komm doch mal zu uns in den Chor“. Es bedurfte ziemlicher Überredungskunst, bis ich tatsächlich hinging. Aber heute empfinde ich es als ein großes Geschenk, selbst Musik machen zu können. Und ich musste mir nicht einmal etwas anschaffen dafür. Das Instrument hat man immer dabei.


Infokasten: „Hamburgs Dichter sind dran – Poetry Slam meets a-capella“:
31. Januar, 20 Uhr Haus im Park, mit dem Ensemble Tonalrausch. Bergedorf, Gräpelweg 8, 21029 Hamburg.
1. Februar, 20 Uhr, mit dem A-capella-Ensemble „quasi unisono“. Hamburger Kammeroper, Max-Brauer-Allee 76, 22765 Hamburg.
3. Februar, 20 Uhr, mit dem „Wortart“-Quintett. Rudolf Steiner Haus, Mittelweg 11, 20148 Hamburg.
4. Februar, 19 Uhr, mit der Gruppe „Klang Gold“, Uebel und Gefährlich, im Bunker Feldstraße 66, 20359 Hamburg.

Foto Dominique Heidle: Isabelle Hofmann

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