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Musik

Hamburg im siebten Gitarrenhimmel

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Geschrieben von Michael Böhm  -  Montag, den 07. Februar 2011 um 22:00 Uhr
Hamburg im siebten Gitarrenhimmel 4.3 out of 5 based on 47 votes.
Hamburg im siebten Gitarrenhimmel

„Wenn vier Sologitarristen über vier Stunden ein Konzert bestreiten und es bleibt dauerhaft, bis zur letzten Zugabe, erfrischend und spannend, dann haben die Veranstalter des 4. Hamburger Gitarrenfestivals die richtige Mischung gefunden“ schrieb Nathan Steinhagen, hier bei Kultur-Port.De in seinem begeisterten Bericht über die Fingerstyle-Night, mit der das Hamburger Gitarrenfestival vom 29.-31.10.2010 eröffnet wurde.
Diese positive Bewertung des Auftaktkonzerts ließ sich getrost auch auf das gesamte Festivalwochenende übertragen. Einmal mehr wurden in der Hansestadt drei hochintensive Tage rund um die akustische Gitarre geboten. Obwohl sich das Hamburger Gitarrenfestival schon nach der dritten Auflage deutschlandweit zu den wichtigsten derartigen Veranstaltungen zählen durfte, konnte das Programm in Umfang und Qualität eine weitere Steigerung erfahren.

Dies versprach schon die internationale und stilistisch sehr vielfältige Riege an Künstlern und Dozenten, die Namen wie David Russell, Andrew York, Don Ross, Peter Finger, Antoine Dufour, Michael Tröster, Johannes Tonio Kreusch, Olaf Van Gonnissen, Prof. Klaus Hempel, Analia Rego, André Krikula, Johannes Tappert und Dianji Estevez Caraballo umfasste.

Hochkarätige Festivalkonzerte
Vier exquisite Konzerte bildeten den künstlerischen Rahmen des 4. Hamburger Gitarrenfestivals, das nach lieb gewonnener Tradition wieder von den „Fingerstylern“ eröffnet wurde. Noch einmal sei hier der schon weiter oben genannte Artikel zitiert: „Beim Eröffnungskonzert folgt auf einen begabten Youngster, ein Innovationsmeister, danach ein vollendeter Virtuose romantischer Gitarrenkunst und zuletzt der König der Könige.“ Hatten die Programmmacher schon in 2008 mit Andy McKee ein gutes Gespür für aufstrebende Talente bewiesen, konnten sie in 2010 mit der Verpflichtung des erst 20 Jahre alten Dianji Estevez Caraballo einen weiteren hochinteressanten Newcomer präsentieren. Mit seiner sehr groovebetonten und percussiven Spielweise war der junge Göttinger weit mehr als der willkommene „Warmmacher“ für die arrivierten Stars der Szene. Auch Antoine Dufour nutzt in seinen Kompositionen gern auf virtuose Weise Spieltechniken wie Tapping und Slapping. Der Francokanadier verfügt darüber hinaus über ein hochsensibles Klangempfinden, das sicher seiner klassischen Ausbildung geschuldet ist und bescherte dem Publikum damit viele Momente höchster musikalischer Spannung und Intensität. Nach so viel Gitarren-Perkussion bewies Peter Finger, dass er ein virtuoser Meister der großen melodischen Linie und weiten Spannungsbögen ist. Nicht wenige Besucher empfanden dies als geradezu wohltuende Abwechslung. Danach war alles für ein grandioses Finale mit Don Ross bereitet. Er gilt mittlerweile fast als eine Art Vaterfigur der Neuen Fingerstyle-Generation, denn wohl keine der aufstrebenden Persönlichkeiten der Fingerstyle-Szene kann seinen großen Einfluss verleugnen. Don Ross enttäuschte die hohen Erwartungen des Publikums nicht. Was er bot war eine grandiose Show zwischen musikalischem Feuerwerk und großem Entertainment.

Ein Konzert, das bei den meisten Besuchern sicher zu den „unvergesslichen Momenten“ zählen dürfte, sollte auch der Auftritt von David Russell am 30.10.2010 werden. Ihm eilt der Ruf des Grammy-Gewinners und derzeitigem „Maß aller Dinge“ voraus. Die Vorfreude des Publikums war lange vor Konzertbeginn deutlich spürbar. Schon beim Betreten der Bühne wurde der in Spanien lebende Schotte frenetisch vom Hamburger Publikum gefeiert. Was folgte war feinsinnige und unglaublich sauber vorgetragene Virtuosität, die sich voll in den Dienst des musikalischen Ausdrucks stellt. Als Künstlerpersönlichkeit sympathisch normal und charismatisch zugleich und im Vortrag durchgeistigt aber absolut nicht „kopflastig“, so präsentierte David Russell seinem Auditorium ein sehr vielschichtiges Programm aus Kompositionen von F. Sor, F. Couperin, A. Neves, J.S. Bach, F. Kleynjans und I. Albeniz.

Andrew York, ehemaliges Mitglied und Mitbegründer des weltberühmten Los Angeles Guitar Quartet und Hamburgs „Artist in Residence“ Johannes Tonio Kreusch gestalteten das sonntägliche Matineé-Konzert, das zwischen zeitgenössischen Kompositionen der beiden Musiker und improvisierten Klängen changierte. Das Hamburger Abendblatt hatte dieses Konzert mit der Überschrift „Zwei Alleskönner vereint im Gitarren-Duett“ angekündigt, da beide Künstler zu der seltenen Spezies von Musikern gehören, die sich als Interpreten klassischer Literatur und eigener Werke und darüber hinaus als begnadete Improvisateure einen Namen gemacht haben. Mit seinen faszinierenden Klangräumen, experimentellen Sounds und immer wieder erstaunlicher expressiver Musikalität eröffnete der sympathische Münchener Gitarrist das Konzert und bot ausschließlich Eigenkompositionen aus der „Siddartha Suite“ und seiner CD „Cristallization“ dar. In der zweiten Hälfte fesselte Andrew York das Publikum mit seinen Werken zwischen klassischer Idiomatik, Jazz und Fingerstyletechniken. Die Fangemeinde wartete natürlich auf Hits wie Sunburst und Marley´s Ghost und der Meister enttäuschte sie nicht. Geradezu weltentrückt und völlig eins mit sich und seiner Musik entführte er die Zuhörer in sein musikalisches Universum. Zum Abschluss formierten sich beide Musiker zu einem Duo der Extraklasse und präsentierten das von einem Tempel in Kyoto inspirierte und aus Andrew Yorks Feder stammende Stück „Sanzen In“ sowie eine komplett freie Improvisation. Lediglich der sehr dichte Festivalzeitplan unterband - zum Leidwesen der Zuhörer - weitere Zugaben der wunderbar harmonierenden Musiker.

Neu im Programm war das Abschlusskonzert des Festivals, welches in Zukunft Raum für jeweils wechselnde Stilrichtungen geben soll. In 2010 war es die Südamerikanische Musik vertreten durch die argentinische Tangogitarristin Analia Rego und dem in Hamburg lebenden André Krikula. In der ersten Konzerhälfte zeigte Analia Rego eindrucksvoll auf, warum der Satz des Tango-Texters Enrique Santos Discepolo „Der Tango ist ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann“ so oft im Zusammenhang mit diesem Genre zitiert wird. Im Widerspruch zu ihrem hochkonzentrierten und zu Beginn fast ein wenig steif wirkenden Auftreten war der Vortrag sehr emotional und äußerst berührend. Das Festivalfinale gestaltete André Krikula mit brasilianischer Leichtigkeit. Zu Beginn solistisch später mit dem Percussionisten Oscar Ferreira ließ er noch einmal echte Feierstimmung aufkommen. Mit großer Zufriedenheit konnte das Organisationsteam insgesamt rund 1.200 Konzertbesucher bilanzieren.

Kurse, Workshops und Vorträge
Auch die Angebote der gitarristischen Weiterbildung ließen nichts zu wünschen übrig und stießen mit 150 Teilnehmern auf ein erfreulich großes Interesse. Traditionell treten alle Künstler des Festivals auch als Kursdozenten in Erscheinung. Neben den klassischen Gitarrenkursen wurden drei verschiedene Fingerstyle-Workshops und Kurse zu den Themen Tango und Brasilianische Gitarrenmusik geboten. Nicht zuletzt die Dauer der Unterrichtseinheiten ermöglichte substantielle Wissensvermittlung mit Langzeitwirkung! Zudem bietet eine Kursteilnahme die einzigartige Möglichkeit, die Stars der Szene aus nächster Nähe erleben zu können. Abgerundet wurde das Kursangebot durch Vorträge zu den Themen „Traditioneller Gitarrenbau“ von Trevor Semple und dem äußerst unterhaltsamen Vortrag von Olaf Van Gonnissen mit dem Titel „Der Stille-Post-Effekt“ in der Interpretationspraxis, der die willkürlichen musikalisch/stilistischen Merkwürdigkeiten und deren unbewusste Vererbung untersucht. Nachdem sich die Landesmusikakademie Hamburg in 2008 mit einem Fachforum zum Thema „Klassenmusizieren mit der Gitarre“ inhaltlich in das Festivalprogramm eingebracht hatte, hieß das diesjährige Thema einer Podiumsdiskussion – gemeinsam präsentiert mit der European Guitar Teachers Association - „Herausforderung JeKi“. Unter der Moderation von Tilman Hübner diskutierten wichtige Vertreter der gitarristischen Ausbildung wie Dieter Kreidler oder Prof. Klaus Hempel und Behördenvertreter über Möglichkeiten der Qualitätssicherung, inhaltlichen Umsetzung, Anforderungen an „JeKi-Lehrkräfte“ und viele andere Themen rund um diese große instrumentalpädagogische Bewegung.


 

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