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Musik

La Fura dels Baus: Die ‚Schöpfung’ in der Elbphilharmonie – tonbrillant, aber bildideenschwach

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(68 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 07. Juni 2017 um 09:00 Uhr
La Fura dels Baus: Die ‚Schöpfung’ in der Elbphilharmonie – tonbrillant, aber bildideenschwach 3.4 out of 5 based on 68 votes.
La Fura dels Baus - Die Schöpfung

‚La Fura dels Baus’, vom Theater der Welt angekündigt als „die wohl spektakulärste Theatergruppe der Welt“, hat in den bald 40 Jahren seit ihrer Gründung ihre ständig wachsende Fan-Gemeinde mit zahlreichen bildmächtigen Bühnenshows in Atem gehalten.
Was sich die Katalanen allerdings zur „Schöpfung“ haben einfallen lassen, war enttäuschend: Ein Kran, an dem die Sänger wie Leuchtkäfer hingen, ein großes Wasserbassin als Gegengenwicht und Swimmingpool, mittelmäßige Licht-und Video-Projektionen, sowie 36 Heliumballons boten bei ihrem Gastspiel in der Elbphilharmonie alles andere als eine optische Explosion zu Joseph Haydns grandiosen Oratorium über die Erschaffung der Welt. Das Ereignis fand vielmehr auf der Empore statt: Der 36-köpfige Chor, der hinter und zwischen den Zuschauerreihen die Stimme erhob, erzeugte zwischendurch Gänsehaut-Feeling.

Zuerst einmal fragt man sich, warum diese szenische Aufführung unbedingt in der Elbphilharmonie stattfinden musste? Die Hamburg Oper hätte sich wahrscheinlich sehr viel besser dafür geeignet, denn ganz offenbar hat ‚La Fura dels Baus’ das „Schöpfungs“-Konzept für die Guckkastenbühne entwickelt: Die Schriftzüge, die über die mobilen, meterhohen weißen Stoffbahnen flackerten, waren von der Seite einfach nicht zu lesen – und die Zuschauerreihen hinter den Gazebahnen wurden erst gar nicht verkauft, sondern blieben leer. Und auch sonst gab es visuelle Einschränkungen: Der mächtige Kran verstellte zum Großteil den Blick auf die Taucheinlagen der Sänger in dem Bassin. Wäre der Kran nicht ab und zu herumgeschoben worden, hätten die seitlich der Bühne sitzenden Zuschauer kaum etwas davon mitbekommen. Übrigens ist die Idee, die Sänger in ihren futuristisch-blinkenden LED-Kostümen am Kran hochzuziehen, mittlerweile auch schon etwas abgegriffen.

Nein, ein Feuerwerk an visuellen Einfällen, wie man es sonst von ‚La Fura dels Baus’ gewohnt ist, blieb an diesem Abend leider aus.
Am besten, man schloss die Augen und konzentrierte sich auf die brillante Akustik des großen Saals. Es ist einfach wunderbar, wie sich hier die Töne entfalten und den Raum bis in die letzten Reihen fluten. Und es war ein Erlebnis, das ‚Insula Orchestra’ und den großartigen Chor ‚Accentus’ hier zu Gast zu haben. Beide Institutionen wurden von der französischen Dirigentin Laurence Equilbey gegründet (die jetzt auch am Pult stand) und beide sind einfach traumwandlerisch aufeinander abgestimmt.

Hinreißend auch die Solisten: Die zierliche Koreanerin Sunhae Im (Gabriel/Eva) bezauberte mit ihrem christallklaren Sopran, der Tiroler Martin Mitterrutzner (Uriel) mit vollem, warmen, recht tiefem Tenor und Daniel Schmutzhard (Rapael/Adam) mit seinem wunderschönen, samtweichen Bariton.
Carlus Padrissa verlangt den Protagonisten eine Menge ab. Immer wieder müssen sie ins Wasser. Aus dem Becken heraus oder klitschnass an Gurten befestigt singen.

Der Regisseur, ein Gründungsmitglied von ‚La Fura dels Baus’, hatte (wie so viele Kreative gegenwärtig) die Idee, den klassischen Stoff mit Zeitgeschichte zu verschränken und kombiniert die Schöpfungsgeschichte mit der Flüchtlingskrise. Während die Welt in sieben Tagen erschaffen wird, fliehen die Menschen vor Krieg und Chaos. Gut gemeint ist aber, wie bekannt, das Gegenteil von Kunst. Der Chor als Flüchtlingstreck, ausgestattet mit Lumpen und Tablets, wirkt auf der Bühne eher wie eine Oberammergauer Laienspieltruppe. Selbst ein „Flüchtling“ in roter Schwimmweste, der im Wasserbassin vergeblich nach der Hand Raphaels, dem Geist des Wassers, ausstreckt, vermag das Grauen von Krieg und Flucht, die unzähligen Ertrunkenen im Mittelmeer, nicht auf die Bühne zu bringen. Das wirkt nur prätentiös und hilflos.

Kraft entfaltet das Wasserbild erst bei der Erschaffung von Adam und Eva, die beide eine ganze Weile in diesem Becken tauchen, bis sie der Kran gemeinsam in die Lüfte schwingt. Zwei (fast) nackte Leiber, zwei wunderschöne Stimmen – ohne blinkende LED-Lämpchen und sonstigen Multimedia-Schnickschnack.

Diese Szene im dritten Teil des Oratoriums entfesselt dann endlich die alte magische ‚Fura-dels-Baus’-Qualität.

Theater der Welt 2017
La Fura dels Baus: Die Schöpfung
Insula orchestra
accentus Chor
Sunhae Im Gabriel / Eva
Martin Mitterrutzner Uriel
Daniel Schmutzhard Raphael / Adam
Dirigentin Laurence Equilbey
La Fura dels Baus Konzept, Inszenierung, Bühne, Kostüm, Choreographie, Licht, Video

Joseph Haydn: Die Schöpfung / Oratorium für Soli, Chor und Orchester Hob. XXI/2
Szenische Aufführung


Abbildungsnachweis:
Alle Szenenfotos Claudia Höhne

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avatar Herby Neubacher
-4
 
 
Muss man heute eigentlich zu allem und jedem heute irgendeine Affenshow liefern. Genuegt nicht mehr Haydns Schoepfung pur. Da reicht die Fantasie nicht mehr - da muss man ein paar Zirkusleute aufbieten damit das Ganze verstanden wird. Und Slogans an die Tapete zum Mitschreiben. Die Elbphilharmonie entwickelt sich langsam zum gemixten Affen-Theater. Ein Haeppchen hier, ein Haeppchen da, ein Haeppchen Sklaven Geschichte, ein Haeppchen Haydn, ein Haeppchen Donner Mahler. Haeppchen - alles zu Haeppchen. Tragisch und traurig zugleich.
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avatar Lena Baal
+12
 
 
Nur zwei Fragen an den Schreiber dieses Kommentares, dessen Kommentare mir als Leserin immer wieder durch konsequente Negativität und verbale Kraftmeierei auffallen: Haben Sie erstens diese Show oder irgendeine andere Veranstaltung, die Sie kommentieren, selbst gesehen und zweitens jemals selbst die Elbphilharmonie besucht?
Nur mal so, Interesse-halber gefragt.
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avatar Herby Neubacher
-1
 
 
Ich halte diesen ganzen aufgeblasenen Musentempel fuer nichts anderes als den Versuch Musik zu einem billigen Surround Erlebnis zu gestalten fuer Leute die sich sonst Johnny Depp in Pirates of the Carribean zu Gemuete fuehren. Leute ohne Geschmack und Stilbewusstsein wo der Bombast die Sensibilitaet ersetzt. Showeffekte statt Innerlichkeit.Passt zum vorgetragenen Bombast dieser ganzen Stadt die sich langsam und ihre Seele zerstoert. Dabei ist Kommerz - das heisst ausverkaufte Veranstalungen - keine Entschuldigung fuer blasphemisches Banausentum.
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avatar Lothar
+12
 
 
Ich finde den (Antwort-)Kommentar ziemlich dämlich, es würde bedeuten, dass weder Musiker, noch die Elphi-Verantwortlichen, noch das Publikum die notwendige Fantasie und Sensibilität hätten. Das ist völliger quatsch. Es gibt - wie so oft - eine Bandbreite an Qualität, aber das platte überhebliche Rumgekotze ist einfach nur dumm. Und die Entwicklung Hamburgs ist auch keineswegs seelenlos, denn die Menschen die in der Stadt leben, geben viele hochwertige kulturelle Werte. (Hätte nicht gedacht, dass ich das als Kölner für Hamburg einmal schreiben muss).
Sensibilität, Feingefühl und Differenzierung lässt hingegen der Kommentator vermissen - er scheint selbst irgendwo weit weg in einem Käfig zu sitzen!
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avatar Herby Neubacher
-6
 
 
Tja die Koelner - immer vorneweg. Hier in Vietnam findet die Kultur noch auf der Strasse statt und nicht in einem Millionen Tempel der aussieht wie eine notgelandete Schiessbude? Kaefig? Das sitzen die drin die die laengste Rolltreppe der Welt benoetigen um zum Konzert zu kommen. Ach ja, noch zum Thema Koeln - mal in die Philharmonie dort gehen - da kann man erleben wie es geht ein modernes Kozertgebaeude mit Leben zu fuellen und nicht mit diestwilligem Kasperletheater fuer Banausen.
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avatar Lena Baal
+6
 
 
Wieder einige Fragen an den Autor dieser Zeilen, der meine letzten Fragen (war er jemals selbst in der Elbphilharmonie, hat er jemals dort selbst ein Konzert gehört) noch immer nicht beantwortet hat : Was ist eine, ich zitiere "notgelandete Schiessbude" / ein "Kozertgebaeude" / und wie kann man etwas "mit diestwilligem Kasperletheater" füllen?
Herzlicher Gruß von Lena
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