Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 845 Gäste online

Neue Kommentare

Marlies Lampert zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo liebe Hüsungianer,
ich bin ca. 1999...

SingulART zu Kunstmuseum Wolfsburg: This Was Tomorrow. Pop Art in Great Britain: Grossartige Ausstellung war das! Wir haben unsere...
tommy zu Ensemble Resonanz zu Gast bei NEW HAMBURG: gute sache, dass sie mal aus ihrem bunker rauskom...
Lena Baal zu Zum Tode von Peter Härtling: Peter Härtling war nicht nur ein großartiger Sc...
Elisabeth Warken zu Gurre-Lieder in der Elbphilharmonie: Zu wenig Vertrauen in die leisen Töne: Die Kritik zu den Sängern kann ich nicht ganz ve...

Anzeige

Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Hamburger Architektur Sommer 2015


Musik

Kent Nagano und der „Hamburger Klang“

Drucken
(107 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Freitag, den 06. Mai 2016 um 10:02 Uhr
Kent Nagano und der „Hamburger Klang“ 4.8 out of 5 based on 107 votes.
Kent Nagano Foto: Steven Haberland

Seit acht Monaten ist der Amerikaner Kent Nagano Generalmusikdirektor in Hamburg. Hans-Juergen Fink sprach mit ihm über den Hamburger Klang, Olivier Messiaen, seine Arbeit mit Frank Zappa, seine „schrecklichen Ohren“ sowie über Schönheit und Balance. Ein Gespräch in zwei Teilen.


Hans-Juergen Fink (HJF): Hamburger Klang – was bedeutet das für Sie?

Kent Nagano (KN): Das ist eine offene Frage, ohne eine bestimmte Antwort. Normalerweise repräsentiert ein bestimmter Klang eine Kultur, eine lange Geschichte und eine Tradition. Was für uns interessant ist, ist nicht nur zu wissen, was war früher los, sondern herauszufinden: Was bedeutet das für eine lebendige Tradition heute?
Jetzt haben wir einen Anfang, eine Ahnung, was das ist. Für mich ist es sehr lebendig und voller Inspiration. Denn der Klang von Hamburg ist echt, einzigartig und echt schön. Man hört es jetzt langsam im Orchester, nach acht Monaten kommt dieser Klang hervor. Vorgestern waren wir auf der Bühne mit „Tristan und Isolde“, es gab ja einen Streik, und wir mussten auf der Bühne spielen. Es war sehr besonders zu spüren, wie dieser Klang Publikum und Orchester verbindet. Oder in „La Passione“ bei Bachs „Matthäus-Passion“ – man hört jetzt, wie dieser Klang eben aufzublühen beginnt. Das ist unglaublich schön.

HJF: Was macht diesen Hamburger Klang aus – nur die Tradition? Oder wird das auch physisch ein anderes Hörerlebnis?

KN: Natürlich ist Klang etwas Physikalisches, etwas Akustisches. Es ist aber noch viel mehr: Es ist Emotion, Charakter, Persönlichkeit, Vergangenheit und alte Geschichte, eine Kultur und ihre Menschen.

HJF: Sie haben mit vielen Orchestern – in Berlin, München, Lyon, Manchester und aktuell in Montreal – über längere Zeit gearbeitet. Haben Sie mit jedem dieser Orchester einen solchen spezifischen Klang entwickelt?

KN: Das hoffe ich. Es ist aber wie mit den Menschen selbst: Manchmal ist diese Klangpersönlichkeit stärker, manchmal ist sie nicht so stark. Aber es soll ganz einzigartig sein. Ein Orchester ist ein Kollektiv, eine Mikrokultur. Auf Hamburg bezogen bedeutet das: Dieses Orchester ist mit seinem Gründungsjahr 1828 Teil eines sehr exklusiven Klubs. Es gibt nicht so viele Orchester in diesem privilegierten Klub; es ist einer, in den man sich nicht hineinkaufen kann. Unser Orchester, unsere Oper ist ein Teil vom Original, es hat eine der ältesten Traditionen der Welt, zusammen mit Dresden oder Wien. Die Tradition lebt noch hier bei uns, und man kann sie hören. So etwas kann nur in solch einer langen Zeit wachsen.

HJF: Hat das auch etwas mit dem breiten Repertoire zu tun, das in der Musikstadt Hamburg über die Jahrhunderte entstanden ist?

KN: Natürlich. Die Hamburger Komponisten, ihr Weg und ihre Entwicklung spielen da eine große Rolle.

HJF: Können Sie es noch etwas genauer beschreiben, wie dieser Hamburger Orchesterklang sich anhören soll, welche Eigenschaften er haben soll und wie er sich unterscheiden soll zum Beispiel von dem der Wiener Philharmoniker? Oder von ihrem Orchestre Symphonique de Montréal?

KN: Es ist eine ungewöhnliche Kombination von Dunkelheit und hat vielleicht etwas zu tun mit dem Meer oder der Erde hier, die sehr dunkel sind, aber auf der anderen Seite weich und transparent. Eine einzigartige Kombination, sehr energiegeladen. Diese tiefe Energie, unglaublich dunkel und gleichzeitig transparent. Vielleicht kann man es mit dem Unterschied zwischen einem modernen Wein und einem Wein aus alten Weinstöcken besser illustrieren. Das gibt eine ganz andere Tiefe, ist sehr sophisticated und komplex im Klang. Hat nicht nur fünf oder sechs Farben oder ist lauter oder weniger laut. Eben sehr viel komplexer.
Das spricht für Hamburg. Die Stadt ist, das lerne ich gerade, mit ihrer langen Geschichte als Tor zur Welt und zu Deutschland unheimlich reich an Pioniererfahrungen. Man fühlt diese besondere Energie und Entdeckungslust.

HJF: Ihre Station vor München war Hamburg. Was hat Hamburg, das München nicht hat?

KN: Das Meer – man riecht das sofort. Ich liebe Bayern, und ich liebe München. Aber von der Natur her ist es völlig anders, das alpine Naturdrama. Nicht besser, nicht schlechter – anders. Das war vielleicht die erste Sache, die ich hier bemerkt habe: Es riecht anders, und die Luft hat eine ganz andere Qualität, so sauber. Auch der Nebel hier ist anders, er wird vom Meer produziert, nicht von Bergen.

HJF: Sie sagten, der Hamburger Klang beginne jetzt gerade, aufzublühen...

KN: ...nein, nein, der Klang ist ja längst da, viel länger als Kent Nagano. Er ist uralt. Und es ist unsere Verantwortung als Orchester und als Philharmonisches Staatsorchester, dass wir klingen wie Hamburg heute. Hamburg ist nicht mehr das Hamburg, wie ich es vor 25 Jahren kennen gelernt habe und sicher auch nicht mehr das Hamburg von 1960 oder das vor 100 Jahren. Die heutige Generation im Philharmonischen Staatsorchester soll wie Hamburg klingen.


 

Home > Blog > Musik > Kent Nagano und der „Hamburger Klang“

Mehr auf KulturPort.De

Philippe Quesne: Die Nacht der Maulwürfe – magische Farborigien
 Philippe Quesne: Die Nacht der Maulwürfe – magische Farborigien



Es gibt sie noch, die wundersamen Glücksmomente im Theater, die gestandene Kritiker (und Kritikerinnen) mit großen Augen dasitzen und staunen lassen wie Kinder [ ... ]



Mariano Pensotti: „Loderndes Leuchten in den Wäldern der Nacht“
 Mariano Pensotti: „Loderndes Leuchten in den Wäldern der Nacht“



Was für ein ungewöhnliches Stück! Eines? Nein: Was für drei ungewöhnliche Stücke – so intelligent, humorvoll und hintersinnig!
Mariano Pensottis „Lod [ ... ]



Vienna Vocal Consort: Nostre Dame
 Vienna Vocal Consort: Nostre Dame



Das Vienna Vocal Consort zählt seit Gründung im Jahr 2007 zu Österreichs renommiertesten Vokalensembles für Alte Musik. Deren neues Album „Nostre Dame“  [ ... ]



„Dalida”. Oder die Angst vor der Dunkelheit
 „Dalida”. Oder die Angst vor der Dunkelheit



Wie viel Tragik verkraftet ein Film in Zeiten von „Wonder Woman” oder „Atomic Blonde”? Tough ist angesagt, und viele Kritiker reagierten eher störrisch  [ ... ]



Chilly Gonzales in Lübeck – atemberaubend mitreißend
 Chilly Gonzales in Lübeck – atemberaubend mitreißend



Der Schlafrock war schwarz und nicht rot, wie am Vorabend in der Elbphilharmonie. Entsprechend seriös, ganz leise und melodisch der Einstieg.
Chilly Gonzales l [ ... ]



Sommerliche Musiktage in Hitzacker: Durchwoben vom ständigen Wandel
 Sommerliche Musiktage in Hitzacker: Durchwoben vom ständigen Wandel



Dass „die Tonkunst eine rührend-kurze Freude (ist), die aus dem Nichts entsteht und ins Nichts vergeht... eine kleine fröhliche Insel... die auf dem dunklen, [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.