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Musik

Elbphilharmonie-Programm: Ein musikalischer Quantensprung

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Geschrieben von Hans-Juergen Fink  -  Montag, den 11. April 2016 um 17:55 Uhr
Elbphilharmonie-Programm: Ein musikalischer Quantensprung 4.6 out of 5 based on 81 votes.
Elbphilharmonie maxim_schulz

Ein heißes Programm, zu dessen Präsentation Elbphilharmonie-Chef Christoph Lieben-Seutter und ein angesichts der Zielgeraden sichtlich erleichterter Bürgermeister Olaf Scholz ins kalte Parkhaus des Prestige-Neubaus am Kaiserkai gekommen waren. Nach sieben Jahren des Warmlaufens wurde enthüllt, worauf sich Hamburger und Hamburg-Musik-Touristen in der ersten Saison mit dem neuen Konzerthaus am Hafen freuen dürfen. Es sind über 300 Konzerte, die Bandbreite ist kaum übersehbar und ungeheuer vielfältig – und sie markieren kaum weniger als, wie es ein Kollege punktgenau formulierte, einen Quantensprung im Hamburger Musikangebot.

Die Liste der Toppkünstler, die nicht kommen, ist gefühlt kürzer als die derjenigen, die vom 11. Januar 2017 an vorbeischauen, um zu sehen und zu hören, ob das neue Konzerthaus hält, was Architekten und Akustiker versprochen haben. Auch wenn wir hier einige der Highlights zur Eröffnung vorstellen – am besten holen Sie sich das kostenlose 200-seitige Programmbuch mit der markanten Elbphilharmonie-Silhouette in der Laeiszhalle ab und nehmen sich ein ruhiges Wochenende zum Stöbern: Es gibt diesmal zwischen Mitte Januar und Ende Juni 2017 in beiden Konzerthäusern – und davor schon in der Laeiszhalle – ungeheuer viel zu entdecken!

Am 11. Januar (Wiederholung am 12.) geht es los. Das NDR-Elbphilharmonie Orchester (ehemals NDR-Sinfonieorchester), Residenzorchester im neuen Großen Saal, startet zur Eröffnung eine programmatische Reise von der Renaissance bis zur Gegenwart („Triptychon und Spruch in memoriam Hans Henny Jahnn", eine Auftragskomposition von Wolfgang Rihm). Wer mit dem Orchester auf der Bühne steht, steht bereits auf Seite 70 des Programmbuchs: als Sänger Anja Harteros, Wiebke Lehmkuhl, Philippe Jaroussky, Jonas Kaufmann, Bryn Terfel. Iveta Apklana spielt die neue Orgel, es singt der Chor des Bayerischen Rundfunks, Thomas Hengelbrock dirigiert.

Nur für geladene Gäste? Nein. Es gibt zwar keine Karten im freien Verkauf, aber 1.000 Tickets werden aber verlost, die Verlosung startet am 9. Mai 2016 unter www.elbphilharmonie.de.

Am 12. (Wiederholungen am 15. und 20.) Januar wird gleich noch einmal eröffnet: der Kleine Saal. Und zwar vom dortigen Ensemble in residence, dem Ensemble Resonanz, gemeinsam mit der Sopranistin Sandrine Piau und dem Schlagquartett Köln. Titel des Konzerts: „unknown space“ – im Programm: das neue Werk „release“ von Georg Friedrich Haas.

Am 13. Januar feiert dann das Philharmonische Staatsorchester unter Kent Nagano sein erstes Konzert im Großen Saal der Elbphilharmonie – mit einem Oratorium für Soli, Chor und Orchester von Jörg Widmann, mit dem Chor der Hamburgischen Staatsoper, der Audi Jugendchorakademie und Thomas E. Bauer, Bariton. Insgesamt gibt es im ersten elbphilharmonischen Halbjahr 20 Uraufführungen.
 
Die großen Orchester der Welt sind neugierig
Der neue Saal hat eine gewaltige Anziehungskraft auf die neugierigen Spitzenorchester der Welt. Die geben sich ab Januar die Klinke in die Hand – die Wiener Philharmoniker mit Semyon Bychov und Ingo Metzmacher, die Sächsische Staatskapelle Dresden mit Christian Thielemann, Rotterdams Phiharmonisch Orkest mit Yannick Nézet-Séguin, das Orquesta Sinfónica Simón Bolívar (das mit Gustavo Dudamel alle neun Beethoven-Sinfonien zu Gehör bringt). Das New York Philharmonic mit Alan Gilbert, Daniel Barenboim mit der Staatskapelle Berlin und seinem West-Eastern Divan Orchestra, Mariss Jansons mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und das Mahler Chamber Orchestra unter Teodor Currentzis.

Den Anfang macht am 14. und 15. Januar das Chicago Symphony Orchestra, dirigiert von Riccardo Muti.
Am 16. Januar hat der Jazz Saal-Premiere mit Brad Mehldau, die „Einstürzenden Neubauten“ testen am 21., wieviel Klanggewalt der Saal verträgt.
Am 17. Januar treten die Hamburger Symphoniker mit Beethovens „Missa Solemnis“ an – die Leitung hat Jeffrey Tate. Unter den Solisten: Klaus Florian Vogt. Das Arditti Quartet erobert mit einem zeitgenössischen Programm (darunter eine Uraufführung) die Bühne des Kleinen Saals ebenfalls am 17. Januar, den ersten Klavierabend spielt Mitsuko Ochida.

Im Eröffnungsfestival gibt es am 21. Januar einen Abend mit Indischer Musik, am 28. dirigiert Ingo Metzmacher das NDR Elbphilharmonie Orchester Schönbergs „Moses und Aron“. Eigene Konzertabende haben Thomas Hampson (25.) und Yo-Yo Ma (26.) sowie die Titular-Organistin der Elbphilharmonie, die Lettin Iveta Apkalna (27.).

Die Wiener Philharmoniker schauen am 22. und 23. vorbei, es gibt musikalische Blind Dates, Funkelkonzerte für Kinder und einen Familientag.
300 Konzerte im ersten Halbjahr 2017, eine Unzahl von Education-Angeboten (sie soll in der Saison darauf steigen auf 1.500 Termine). Das „klingende Museum“ wir integriert und runderneuert.
 
Festivals von syrischer bis zu spiritueller Musik
Und dann sind da noch die Festivals, die jeweils ein Thema intensiver in den Fokus rücken: „Salam Syria“ mit sieben spannenden Begegnungen mit der großen syrischen Musiktradition (16.-18. März). „New York Stories“ (derzeit sieben Termine vom 30.3. bis 4.4.), „Transatlantik“ bündelt Musik der drei Kontinente, die den Ozean umgeben, und spürt den Wanderungswegen von Klängen und Rhythmen nach – von Jordi Savall bis zum Fado, kubanischer Rumba, von Calypso bis zu afrikanischer Musik (12.-17.4.). „Maximal Minimal“ präsentiert Musik von Steve Reich (der sein Kommen zugesagt hat) und anderer Minimalisten von Hamburg bis zu Wurzeln in Ghana. Der Festival-Reigen umfasst dann noch „Greatest Hits“ mit zeitgenössischer Musik, das Musikfest für die Seele „Lux Aeterna“ und „Into Iceland“.

Wer intensiv im Programmbuch blättert, finden dann vom 8.-10.3. noch Delikatessen wie die Auftritte von John Malkovich mit dem Wiener Organisten Martin Haselböck. Malkovich in einer One-Man-Show mit dem Titel „Call me God“ als abdankender Diktator, der seine letzte Rede hält. Oder Brian Eno, der zur Plaza-Eröffnung Ende November 2016 die Kaistudios in ein Klanglaboratorium verwandelt. Und „La Fura dels Baus“, die sich am 5. und 6. Juni 2017 Haydns „Schöpfung“ annehmen. Und das sind nur einige Highlights aus einem Programm, das sich liest wie ein „Who is who“ des globalen Musikangebots.

Lieben-Seutter Copyright  Michael ZapfEin Haus für alle soll die Elbphilharmonie werden, das betonten Bürgermeister Olaf Scholz und Intendant Lieben-Seutter, der gemeinsam mit dem NDR das Haus öffnet für die „Konzerte für Hamburg“: Einstündige Programme zum Schnuppern, ohne Dress-Code zu kleinen Preisen, die bei 6.- Euro starten (Vorverkauf ab 4. Oktober 2016). Das könnte manchen beruhigen, der beim Blick auf den Saalplan und sein Kulturbudget feststellt, dass von den 2100 Plätzen dank der vorzüglichen Planung guter Sicht von Herzog & de Meuron nur 400 in den beiden unteren Preiskategorien angesiedelt sind. Sparen und Elbphilharmonie genießen kann man aber auch mit einer der insgesamt etwa 35 Aboreihen.

Es ist wohl, zunächst mal für die fulminante Eröffnungs-Saison, kaum zuviel versprochen, was Lieben-Seutter am Ende der Programmvorstellung stolz formulierte: „Sie sehen ein Programm von einer Dichte, Vielfalt und Qualität, wie Sie es wahrscheinlich kaum woanders auf diesem Planeten finden werden.“
  

Elbphilharmonie Ticket-Telefon: (040) 3576 6666
Internet: www.elbphilharmonie.de
 
▪ Die Abo-Reihen können ab sofort gebucht werden.
▪ Die Verlosung für die Eröffnungskonzerte startet am 9. Mai.
▪ Der Einzelverkauf beginnt dann am 20. Juni.
▪ Karten für die „Konzerte für Hamburg“ gibt es ab 4. Oktober (keine Vorbestellung).


Abbildungsnachweis:
Header: Elbphilharmonie. Foto-Copyright: Maxim Schulz
Christoph Lieben-Seutter . Foto-Copyright: Michael Zapf

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