Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 761 Gäste online

Neue Kommentare

C.Müller zu Roots – Katja und Marielle Labèque zum Schleswig-Holstein Musik Festival in der Laeiszhalle: Erhalt des Kultursommers auf der Trabrennbahn Bah...
Marlies Lampert zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo liebe Hüsungianer,
ich bin ca. 1999...

SingulART zu Kunstmuseum Wolfsburg: This Was Tomorrow. Pop Art in Great Britain: Grossartige Ausstellung war das! Wir haben unsere...
tommy zu Ensemble Resonanz zu Gast bei NEW HAMBURG: gute sache, dass sie mal aus ihrem bunker rauskom...
Lena Baal zu Zum Tode von Peter Härtling: Peter Härtling war nicht nur ein großartiger Sc...

Anzeige

Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Hamburger Architektur Sommer 2015


Musik

Im Gespräch: Claus Friede mit dem Komponisten, Performancekünstler und Dirigenten Rupert Huber

Drucken
(169 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Montag, den 01. Februar 2010 um 18:06 Uhr
Im Gespräch: Claus Friede mit dem Komponisten, Performancekünstler und Dirigenten Rupert Huber 4.7 out of 5 based on 169 votes.
Im Gespräch: Claus Friede mit dem Komponisten, Performancekünstler und Dirigenten Rupert Huber

„Schubert in New York“ – unter diesem Titel konzertierte das Ensemble Resonanz und das ChorWerk Ruhr am 29. Januar in der Philharmonie Essen und am 31. Januar 2010 in der Hauptkirche St. Jacobi in Hamburg.
Man muss kein Kenner sein, um zu wissen: Franz Schubert war nie in New York! Also, was hat es mit dem Thema auf sich, welche transatlantische Brücke wird bemüht, welches Beziehungsgeflecht steht hinter der Betitelung? Welche Verbindungen bestehen zwischen Franz Schubert und den Vertretern der ‚New-York-School’: Morton Feldmann, John Cage, James Tenney und Earle Brown? Und wie steht die Installation von Rupert Huber dazu?


Claus Friede (CF): Zunächst möchte ich kurz auf eines Ihrer ungewöhnlichen Interessensgebiete zu sprechen kommen: Sie arbeiten und forschen seit vielen Jahren in Nepal mit und über Schamanen. Was interessiert Sie daran?

Rupert Huber (RH): Mein Interesse gilt der Wirkung der Heilgesänge und der Rituale der Schamanen. Diese Heilriten sind komplexe ‚Settings’, die man dramaturgisch, psychotherapeutisch sowie musikalisch beschreiben und untersuchen kann. Der Gesang innerhalb eines schamanischen Rituals ist ein wesentlich integraler Bestandteil der Heilwirkung und ich gehe der Frage nach, woher diese Gesänge kommen und warum das Resultat des Heilgesangs tatsächlich so positive Auswirkungen hat.

CF: Ich kann das Thema der Schamanen jetzt nur marginal streifen, also lassen sie uns zu Ihrer Arbeit als Komponist kommen. Sie  legen einen Ihrer Schwerpunkte auf sogenannte 'musikalische Installationen'. Der Begriff der Installation wird überwiegend in der Architektur und Bildenden Kunst benutzt, als raumgreifendes, orts- und situationsgebundenes Werk. Wie gehen Sie in der Musik mit dem Begriff um?

RH: Es gibt mehrere Begriffe, die uns für das, was wir machen, zur Verfügung stehen. Der eine ist ‚Happening’, den wir seit den 1960er Jahren eingeführt haben, ein weiterer wäre ‚Performance’, aber auch der ist bereits aus dieser Zeit stark besetzt. Die musikalische Installation dagegen ist weitaus weniger stilistisch besetzt und füllt das begrifflich gut aus. In Kriterien der klassischen Form und Formenlehre gedacht, arbeiten wir mit der freien Form, der aber ein Konzept zugrunde liegt. Dieses ist ausschlaggebend für die Abfolge der musikalischen Installation.

CF: Wo wir bei Begriffsklärungen sind: Sie sind besonders an der Veränderung von Wahrnehmung interessiert und sprachen von ‚Kontaktsingen’. Was meint das?

RH: Beim Kontaktsingen wird die Stimme wie eine Sonde benutzt, um einen Kontakt herzustellen. Der Kontakt definiert sich durch einen Kontaktpunkt, bei dem sich zwei oder mehrere Dinge berühren und sein Umkehrmoment. Indem ich berühre, werde ich berührt. Es gibt dann den Effekt, dass aktiv und passiv verschwimmen. Dies ist eine der elementaren Erfahrungen, die wir machen können. Das gilt nicht nur für den physischen Kontakt, sondern auch für metaphorische Phänomene, wie beispielsweise den Blickkontakt. Das lässt sich auch auf die Stimme anwenden, diese, also der Kehlkopf ist das Senderinstrument, das Ohr der Empfänger. Die Qualität der Musik des Kontaktgesanges ist abhängig von der Intensität der Wahrnehmung. Der Kontakt hat eine Bedeutung, die außerhalb seiner selbst liegt. Dahinter steht keine L’Art-pour-L’Art-Haltung des 19. Jahrhunderts.

CF: Ist das idealistisch, wenn es außerhalb seiner selbst ist?

Im Gespräch: Claus Friede mit dem Komponisten, Performancekünstler und Dirigenten Rupert HuberRH: Nein, neugierig, nicht idealistisch. Man muss die Position der Musiktheorie des 19. Jahrhunderts hinterfragen. Der gesamte metaphysische Unterbau oder religiöse Hintergrund ist zerbrochen in der Aufklärung und die Kunst befand sich in einem luftleeren Raum und sie musste sich an sich selbst orientieren. Das ist die Reaktion des 19. Jahrhunderts, die einen immensen Einfluss auf die Geistesgeschichte des Abendlandes hatte. Ich glaube, dass man die Fragen, die aus den damaligen Haltungen wieder neu stellen kann: Was war denn der Zweck von Musik? War dieser immer in ihr selbst begründet? Übrigens schlagen wir hier wieder einen Bogen zu den Schamanen und warum sie mich so interessieren. Ich wollte wissen, wie das bei denen funktioniert, was bei uns längst abhanden gekommen ist oder es überhaupt gar nicht gab.




 

Home > Blog > Musik > Im Gespräch: Claus Friede mit dem Komponiste...

Mehr auf KulturPort.De

200 Jahre Kunstverein in Hamburg
 200 Jahre Kunstverein in Hamburg



„Just what is it that makes today’s Kunstverein so different? So appealing?” Nach Charity Auktion (14.9.) und Festakt im Rathaus (22.9.) klingen mit einer  [ ... ]



Fassadendemokratie und tiefer Staat. Das marktgetreue Grinsen
 Fassadendemokratie und tiefer Staat. Das marktgetreue Grinsen



Was denn? Das Volk sei unfähig, Politisches zu durchschauen oder gar mitzuregieren? Liest man dies im Buch „Fassadendemokratie“, dann ist man bass erstaunt, [ ... ]



„Tom of Finland” – Revolutionär schwuler Ästhetik
 „Tom of Finland” – Revolutionär schwuler Ästhetik



Er inspirierte Künstler wie Andy Warhol, Robert Mapplethorpe und die Village People, seine markanten erotischen Zeichnungen veränderten radikal das Selbstverst [ ... ]



Serenata Italiana – Raphaela Gromes und Julian Riem
 Serenata Italiana – Raphaela Gromes und Julian Riem



Gerade war sie noch beim Schleswig-Holstein-Musikfestival zu hören und debütierte – nun kommt zeitnah dazu ihr Debütalbum auf dem Markt. Gemeinsam mit Piani [ ... ]



Achim Freyer und sein „Parsifal“ in Hamburg: Viel Bühne, wenig Weihe, eine Menge Spiel
 Achim Freyer und sein „Parsifal“ in Hamburg: Viel Bühne, wenig Weihe, eine Menge Spiel



Es ist dunkel in der Hamburger Gralsburg, als Achim Freyer mit seiner „Parsifal“-Interpretation den Start in die neue Saison der Staatsoper zelebriert. Der 8 [ ... ]



Jens Düppe: Dancing Beauty. Eine Hommage an John Cage
 Jens Düppe: Dancing Beauty. Eine Hommage an John Cage



Wie kann ein Künstler heute ungebunden und frei arbeiten? Ungebunden ist durchaus möglich – frei arbeiten stößt aus unterschiedlichen Gründen an Grenzen.  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.