Zum Anfang

Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 816 Gäste online

Neue Kommentare

Dirk Sturmfels zu Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Hamburg: Nicht vergessen sollten wir das Kaiser-Wilhelm-De...
El Duderino zu „Elle” – Von Rache, Unterwerfung und der Komik des Schreckens : Isabelle Huppert ist die wohl beste Schauspieleri...
Anna Grillet zu „The Salesman” – Oder die Grenzen des Glücks : Ein Trailer verrät meiner Ansicht nach über ei...
Iha zu „The Salesman” – Oder die Grenzen des Glücks : Eure Besprechung ist sehr gut und zutreffend. Abe...
Isabel Mahns-Techau zu Die 17. Museumsnacht in Basel – Ein Erlebnisbericht: Lieber Claus, um diese Nacht in Basel bist Du wir...

Anzeige

Spezial - Lange Nacht der Museen Hamburg 2016

Spezial - Hamburger Architektur Sommer 2015


Musik

Heaven Can Wait Chor. Solange auf Erden so gut gerockt wird, kann der Himmel ruhig noch warten

Drucken
(58 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Freitag, den 18. Dezember 2015 um 10:09 Uhr
Heaven Can Wait Chor. Solange auf Erden so gut gerockt wird, kann der Himmel ruhig noch warten 4.0 out of 5 based on 58 votes.
Heaven Can Wait Chor

Stayin‘ Alive – mit diesem Song machten die Bee Gees 1977 Furore. Heute lebt von den drei Pop-Brüdern, Barry, Robin und Maurice Gibb, nur noch Barry. Doch der hätte mit seinen 69 Jahren kaum eine Chance, seinen Hit im Heaven Can Wait Chor zu singen.
70 Jahre ist Mindestalter in diesem Chor. Das hindert die 36 Mitglieder jedoch nicht daran, Songs im Programm zu haben, die eher die Enkel hören. Der Bee Gees-Hit von 1977 ist hier das älteste Stück.
 
„Es war die absolute Hölle! Ich wollte diese Pop-Songs nicht.“ Birgit Stiebeling (77), nimmt kein Blatt vor den Mund. Die Musikwissenschaftlerin mit dem Fachgebiet „Italienische Oper“ hatte sich etwas „völlig anderes vorgestellt“, als sie sich vor gut drei Jahren auf die Anzeige im Hamburger Abendblatt gemeldet hatte: „Ich dachte an Broadway-Musicals, an all die alten Schlager, die ich noch von früher kannte“.

Pustekuchen! Chor-Chef Jan Christof Scheibe, Komponist, Arrangeur, Musikproduzent und auf so ziemlich allen Hamburger Bühnen zu Hause, hatte sich gemeinsam mit dem St. Pauli Theater etwas ganz anderes ausgedacht: Einen Generations-Dialog ganz besonderer Art: Oldies singen die Hits von heute. Wobei der Begriff „heute“ durchaus großzügig gefasst ist. „Sexy“ von Marius Müller-Westernhagen ist schließlich auch schon von 1989 und „Da da da“, einer der größten Erfolge der Neuen Deutschen Welle, von 1982.  Selbst „Die Perfekte Welle“ (2004) der Gruppe Juli und Peter Fox‘ Megahit „Haus am See“ (2008) sind schon in die Jahre gekommen.

Aber natürlich nicht aus Sicht des Heaven Can Wait Chores. Wer, wie Birgit Stiebeling, sämtliche Partituren mit der Hand abgeschrieben hat, weil es noch keine Copy Shops gab, für den sind diese Songs ultramodern.  Stellt sich nur die Frage, warum die temperamentvolle Seniorin in diesem Chor geblieben ist. Birgit Stiebeling schmunzelt. „Ich bin ein sturer Bock“, sagt sie. „Ich dachte mir, jetzt hast Du das angefangen, jetzt ziehst du das auch durch!“. Und nach einer kurzen Pause: „Und außerdem macht es hier einfach unheimlich viel Spaß“. Das ist es! Und das merkt man auch bei dieser Chorprobe im Kampnagel Verwaltungsgebäude Anfang Dezember. Von Coldplay, Juli und Deichkind haben sicher die wenigsten vorher gehört, geschweige denn davon geträumt, deren Lieder zu interpretieren. Aber nun tun sie es und sie machen es hervorragend. Auch Evamarie Scheibe (80), die Mutter des Chorleiters, gibt unumwunden zu, dass sie anfangs mit diesen Songs „sehr gefremdelt“ hat. „Ich kannte viele Bands gar nicht. Das ist ja eher die Musik meiner Enkelin“ Auf der anderen Seite aber würde sich für sie nun ein Kreis schließen. „Nach dem Krieg habe ich im Mädchenchor ohne Noten gesungen, einfach, weil es keine Noten gab. Und heute singen wir wieder ohne Noten“.

Wie ausgezeichnet das klappt zeigt sich beim Weihnachts-Medley, der nun für die Kampnagel-Gastspiele geprobt wird. Ganz besinnlich geht es los – doch nur drei Takte lang. Dann wird losgerockt. Der Chor ist unglaublich gut bei Stimme. Und die Soli gehen unter die Haut, insbesondere das von Joanne Bell (76) der einzigen Profisängerin des Chores und bekannt als eine der „Three Ladies Of Blues“. Sie ist eine Klasse für sich, aber man merkt deutlich, dass alle  Amateure langjährige Chor-Erfahrungen mitbringen. Das gilt auch für Hans-Jürgen Grapenbrade (74), früher mal Vorstand einer kleinen Betriebskrankenkasse vor den Toren Hamburgs. In schwarzer Lederhose und offenem Hemd sieht er aus wie ein eingefleischter Rock‘ n‘ Roller. Grabenbade lacht. „Eigentlich singe ich eher Gospels, aber das hier ist spritziger. Ich fühle mich einfach jung, wenn ich singe“. Und genau das hört man – 36 Mal. Der Heaven Can Wait Chor bringt zwar zusammengerechnet mehr als 2000 Lebensjahre auf die Bühne, ist aber, um es mit Deichkind zu sagen: „Leider Geil“.


Heaven Can Wait Chor,  21.,22., 25., 26., 27., 28. Dezember auf Kampnagel, Jarrestraße 20, 22303 Hamburg.
Jeweils 19 Uhr, am 25. 12. Um 15 Uhr. Tickets unte 040-47110666 und allen bekannten VVK-Stellen.  
 
Foto: Copyright Stefan Malzkorn

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Musik > Heaven Can Wait Chor. Solange auf Erden so gu...

Mehr auf KulturPort.De

Paolo Conte in der Elbphilharmonie
 Paolo Conte in der Elbphilharmonie



Nur einen Katzensprung entfernt von Asti, dem Wohnort von Paolo Conte, dem inzwischen 80jährigen Maestro des poetischen Jazz, lebt und arbeitet in Alba, Pie [ ... ]



Omer Klein: Sleepwalkers
 Omer Klein: Sleepwalkers



Georg Wilhelm Friedrich Hegel gilt als Allzweck-Philosoph und ist deshalb für jeden da! So auch für den Jazzer Omer Klein. Bei seinem neuen Album „Sleepw [ ... ]



Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Hamburg
 Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Hamburg



„Wir wollen unsern alten Kaiser Wilhelm wieder haben…“, hallte es als Gassenhauer nach dem Tode Wilhelm I. durch die deutschen Lande.
„ [ ... ]



„Neruda” – Oder die unerträgliche Lächerlichkeit des Seins
 „Neruda” – Oder die unerträgliche Lächerlichkeit des Seins



„Neruda”, Pablo Larraíns neuer Film, ist ein aberwitziges Wunderwerk der Kreativität: Fiktion durchkreuzt Fiktion, überrumpelt dabei [ ... ]



Shakespeare und Verdi an der Staatsoper Hamburg – Schattenseiten der Seele
 Shakespeare und Verdi an der Staatsoper Hamburg – Schattenseiten der Seele



William Shakespeare ist seit 400 Jahren tot. Seine Werke leben bis heute und werden rund um den Globus gespielt. An der Staatsoper Hamburg feierte Verdis Shakesp [ ... ]



Mischa Kopmann: „Aquariumtrinker“
 Mischa Kopmann: „Aquariumtrinker“



Der Titel „Aquariumtrinker“, Mischa Kopmanns Erstlingsroman, ist ein Zitat aus dem Song „I am trying to break your heart“ der US-amerikan [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.