Zum Anfang

Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 750 Gäste online

Neue Kommentare

Claus Friede zu „Paterson” – Die Poesie des Alltäglichen: Aber natürlich fällt Rockmusik darunter!
...

Ein Miltenberger in Eimsbüttel zu „Paterson” – Die Poesie des Alltäglichen: Ein neuer Film von Jim Jarmusch ist (zumindest f...
Didi Thureaux zu „Mapplethorpe: Look at the Pictures” – Die Rehabilitierung des Obszönen: Zensierte Fotos in der Bildergalerie? Hm......
Hans-Juergen Fink zu Großes Miau in der Staatsoper Hamburg: „Katze Ivanka“ nervt die Primadonna: Sehr geehrter Herr Matesic, da haben Sie natürli...
Peter Schmidt zu Hamburgs Kultursenatorin Prof. Barbara Kisseler gestorben: Zum Tod von Senatorin Barbara Kisseler

Anzeige

Spezial - Lange Nacht der Museen Hamburg 2016

Spezial - Hamburger Architektur Sommer 2015


Musik

Heaven Can Wait Chor. Solange auf Erden so gut gerockt wird, kann der Himmel ruhig noch warten

Drucken
(58 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Freitag, den 18. Dezember 2015 um 10:09 Uhr
Heaven Can Wait Chor. Solange auf Erden so gut gerockt wird, kann der Himmel ruhig noch warten 4.0 out of 5 based on 58 votes.
Heaven Can Wait Chor

Stayin‘ Alive – mit diesem Song machten die Bee Gees 1977 Furore. Heute lebt von den drei Pop-Brüdern, Barry, Robin und Maurice Gibb, nur noch Barry. Doch der hätte mit seinen 69 Jahren kaum eine Chance, seinen Hit im Heaven Can Wait Chor zu singen.
70 Jahre ist Mindestalter in diesem Chor. Das hindert die 36 Mitglieder jedoch nicht daran, Songs im Programm zu haben, die eher die Enkel hören. Der Bee Gees-Hit von 1977 ist hier das älteste Stück.
 
„Es war die absolute Hölle! Ich wollte diese Pop-Songs nicht.“ Birgit Stiebeling (77), nimmt kein Blatt vor den Mund. Die Musikwissenschaftlerin mit dem Fachgebiet „Italienische Oper“ hatte sich etwas „völlig anderes vorgestellt“, als sie sich vor gut drei Jahren auf die Anzeige im Hamburger Abendblatt gemeldet hatte: „Ich dachte an Broadway-Musicals, an all die alten Schlager, die ich noch von früher kannte“.

Pustekuchen! Chor-Chef Jan Christof Scheibe, Komponist, Arrangeur, Musikproduzent und auf so ziemlich allen Hamburger Bühnen zu Hause, hatte sich gemeinsam mit dem St. Pauli Theater etwas ganz anderes ausgedacht: Einen Generations-Dialog ganz besonderer Art: Oldies singen die Hits von heute. Wobei der Begriff „heute“ durchaus großzügig gefasst ist. „Sexy“ von Marius Müller-Westernhagen ist schließlich auch schon von 1989 und „Da da da“, einer der größten Erfolge der Neuen Deutschen Welle, von 1982.  Selbst „Die Perfekte Welle“ (2004) der Gruppe Juli und Peter Fox‘ Megahit „Haus am See“ (2008) sind schon in die Jahre gekommen.

Aber natürlich nicht aus Sicht des Heaven Can Wait Chores. Wer, wie Birgit Stiebeling, sämtliche Partituren mit der Hand abgeschrieben hat, weil es noch keine Copy Shops gab, für den sind diese Songs ultramodern.  Stellt sich nur die Frage, warum die temperamentvolle Seniorin in diesem Chor geblieben ist. Birgit Stiebeling schmunzelt. „Ich bin ein sturer Bock“, sagt sie. „Ich dachte mir, jetzt hast Du das angefangen, jetzt ziehst du das auch durch!“. Und nach einer kurzen Pause: „Und außerdem macht es hier einfach unheimlich viel Spaß“. Das ist es! Und das merkt man auch bei dieser Chorprobe im Kampnagel Verwaltungsgebäude Anfang Dezember. Von Coldplay, Juli und Deichkind haben sicher die wenigsten vorher gehört, geschweige denn davon geträumt, deren Lieder zu interpretieren. Aber nun tun sie es und sie machen es hervorragend. Auch Evamarie Scheibe (80), die Mutter des Chorleiters, gibt unumwunden zu, dass sie anfangs mit diesen Songs „sehr gefremdelt“ hat. „Ich kannte viele Bands gar nicht. Das ist ja eher die Musik meiner Enkelin“ Auf der anderen Seite aber würde sich für sie nun ein Kreis schließen. „Nach dem Krieg habe ich im Mädchenchor ohne Noten gesungen, einfach, weil es keine Noten gab. Und heute singen wir wieder ohne Noten“.

Wie ausgezeichnet das klappt zeigt sich beim Weihnachts-Medley, der nun für die Kampnagel-Gastspiele geprobt wird. Ganz besinnlich geht es los – doch nur drei Takte lang. Dann wird losgerockt. Der Chor ist unglaublich gut bei Stimme. Und die Soli gehen unter die Haut, insbesondere das von Joanne Bell (76) der einzigen Profisängerin des Chores und bekannt als eine der „Three Ladies Of Blues“. Sie ist eine Klasse für sich, aber man merkt deutlich, dass alle  Amateure langjährige Chor-Erfahrungen mitbringen. Das gilt auch für Hans-Jürgen Grapenbrade (74), früher mal Vorstand einer kleinen Betriebskrankenkasse vor den Toren Hamburgs. In schwarzer Lederhose und offenem Hemd sieht er aus wie ein eingefleischter Rock‘ n‘ Roller. Grabenbade lacht. „Eigentlich singe ich eher Gospels, aber das hier ist spritziger. Ich fühle mich einfach jung, wenn ich singe“. Und genau das hört man – 36 Mal. Der Heaven Can Wait Chor bringt zwar zusammengerechnet mehr als 2000 Lebensjahre auf die Bühne, ist aber, um es mit Deichkind zu sagen: „Leider Geil“.


Heaven Can Wait Chor,  21.,22., 25., 26., 27., 28. Dezember auf Kampnagel, Jarrestraße 20, 22303 Hamburg.
Jeweils 19 Uhr, am 25. 12. Um 15 Uhr. Tickets unte 040-47110666 und allen bekannten VVK-Stellen.  
 
Foto: Copyright Stefan Malzkorn

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Musik > Heaven Can Wait Chor. Solange auf Erden so gu...

Mehr auf KulturPort.De

Christoph Spering musiziert ohne Dogma: Bach – Lutherkantaten
 Christoph Spering musiziert ohne Dogma: Bach – Lutherkantaten



Um die rechte Art, Johann Sebastian Bachs Kantaten aufzuführen, tobt seit Jahrzehnten fast ein Glaubenskrieg. Nun nimmt Christoph Spering den bevorstehenden 500 [ ... ]



„Marie Curie” – Das Innenleben eines Genies
 „Marie Curie” – Das Innenleben eines Genies



Mit ihrem Film „Marie Curie” zeigt Regisseurin Marie Noëlle die legendäre Wissenschaftlerin und zweifache Nobelpreisträgerin von einer [ ... ]



Nikolai Astrup – Norwegen. Eine Entdeckung in der Kunsthalle Emden
 Nikolai Astrup – Norwegen. Eine Entdeckung in der Kunsthalle Emden



„Ich wollte mich in den rohen Farben Westnorwegens waschen, um mich von all dem zu reinigen, was ich von der Kunst anderer aufgenommen haben könnte, u [ ... ]



Teresa Präauer: „Oh Schimmi“
 Teresa Präauer: „Oh Schimmi“



Teresa Präauers erster Roman „Für den Herrscher aus Übersee“ wurde 2012 mit dem Aspekte-Literaturpreis ausgezeichnet. Ihr zweiter Roman „Joh [ ... ]



Johanna Elina: Belonging
 Johanna Elina: Belonging



Vier Jahre ist es her, da machte die finnische Sängerin mit Wohnsitz in Dänemark durch ihr Debütalbum auf sich aufmerksam. „Belonging“ ist nun das [ ... ]



„Ich, Daniel Blake” – Marktwirtschaft frisst Menschenwürde
 „Ich, Daniel Blake” – Marktwirtschaft frisst Menschenwürde



Ken Loach ist 80 Jahre alt und sein Kampfgeist ungebrochen. In „Ich, Daniel Blake” prangert der britische Regisseur den heimischen Sozialstaat an. Ak [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.