Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 1651 Gäste online

Neue Kommentare

Willem van Rensenbrink zu „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”. Oder die Heimat des Zorns: Danke für den Tipp. Ein klarer Oscar-Kandidat!...
h. pöhls zu James Rosenquist. Eintauchen ins Bild – vom Plakatmaler zur Pop-Art-Ikone: war genauso beeindruckt. Gut beschrieben....
Gerd Kruse zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo Frau Lampert,
ich war durch meine He...

Herby Neubacher zu Elbphilharmonie: Das perfekte Buch zum Bau: Absolut richtig. Ich habe das gabnze Drama Elbphi...
Giulio zu „Die Spur”. William Blake und die Rache der Eigenbrötler : Prost Neujahr! Und danke für die vielen schönen...

Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Hamburger Architektur Sommer 2015


Musik

„Figaros Hochzeit“ in der Hamburger Kammeroper

Drucken
(77 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Sonntag, den 01. November 2015 um 10:08 Uhr
„Figaros Hochzeit“ in der Hamburger Kammeroper 4.4 out of 5 based on 77 votes.
„Figaros Hochzeit“ in der Hamburger Kammeroper

Temporeich, frech-fröhlich, einfach hinreißend – so ist diese umjubelte Neu-Inszenierung von „Figaros Hochzeit“ in der Hamburger Kammeroper.
Applaus schon nach der Ouvertüre. Man vergisst völlig, dass in dem kleinen Orchestergraben nur sechs Musiker Platz haben. Zwei Geigen, eine Flöte, eine Klarinette, ein Fagott, ein Kontrabass, mehr braucht es nicht, damit sich unter der Leitung von Ettore Prandi Mozarts filigraner Klangkosmos klar und kammermusikalisch transparent entfalten kann. Wie immer wird in der Kammeroper auf deutsch gesungen, der Inhalt der Rezitative wird gesprochen.

Applaus auch für Kathrin Keglers Bühnenbild. Anfangs sieht man Kulissen-Teile, die man noch nicht so recht zuordnen kann. Ungewöhnlich, aber sehr ästhetisch. Von rechts bis in die Bühnenmitte eine rotlackierte Schräge – wie ein Laufsteg. Links am Bühnenrand eine fragile, sehr schöne Figurine, auf der ein Schleier drapiert ist, der mehr ent- als verhüllt. Und über dem Ganzen schwebt in einem großen Goldrahmen ein geheimnisvoller Frauenkopf, er könnte von einem Manieristen stammen.

  • Image folder specified does not exist!
  •  
Was das alles mit einer Grafen-Residenz zu tun hat, mag man sich zunächst fragen. Aber wenn die Bühne sich bevölkert, wird schnell klar, dass Barbara Hass den Plot in eine andere Zeit verlegt hat. Wir befinden uns in der Modewelt, wo ein Modezar Hof hält, der sich heute kleidet wie ein Fürst zu Mozarts Zeiten. Mit weißer Zopfperücke, Sonnenbrille, Spitzenjabot, Weste und engen Beinkleider. Erraten, wir sind im Reich von Karl Lagerfeld.

Marius Adam als Chef des Modehauses Almaviva bewegt sich darin so selbstverständlich, als sei das sein tägliches Outfit. Mit seinem schönen, warmen Bariton, gibt er den Grafen auch stimmlich verführerisch.
Die anderen Figuren fügen sich wie selbstverständlich in diesen Rahmen. Regisseur Andreas Franz und sein Ensemble haben sichtlich Spaß am Verwirrspiel mit Moden und mit Gefühlen, er inszenier Sing-Spiel im wahrsten Sinne des Wortes. Mit einem glänzend besetzten Ensemble, bei dem man nicht weiß, was man mehr bewundern soll: das Singen oder das Spielen. Alle müssen sich auf dem Laufsteg beweisen.
Wenn Titus Witt als Basilio, dort entlang tänzelt, als Moshammer mit Schoßhündchen Daisy im Arm, hindert ihn das Gelächter aus dem Publikum erst mal am Singen.
Aber es geht weiter im Defilee, mit Cherubino, dem Knaben, der die Gräfin anbetet, und weil er jung und schön ist, den Grafen vor Eifersucht rasend macht. Als Zuschauer wissen wir ja, dass diese Rolle immer von Sängerinnen gesungen wird. Und man die ganze Zeit so tun muss, als würde man das nicht durchschauen.
In der Kammeroper kommt eine junge, zarte Figur, mit Jeans und T-Shirt und Kopfhörern, Hände provokativ in den Hosentaschen, zur Musik rappend auf die Bühne und ist unglaublich präsent und sexy. Völlig egal, ob unter der Maske ein Mann oder eine Frau steckt (tatsächlich ist es Silvia de Stefano) – der kecke Knabe ist begehrenswert für beide Geschlechter, und Susanne und die Gräfin dürfen auch mal handfest werden. Natürlich darf nicht nur gelacht werden.
Besonders Kathja Rothfuss als Gräfin und Gattin ihres schürzenjagenden Gatten, gibt ihrer Figur und der Handlung Tiefe, Trauer und Innigkeit.

Ja, und sind dann noch Figaro und seine Susanna. Jakob Vad spielt ihn als gut aussehenden, schlanken, gut in die
Modewelt passenden Streber mit einem warmen, tragenden Bariton. Und umschwärmte Susanna, Directrice des Hauses, wird von Natascha Dwulecki zum Mittelpunkt des Abends gemacht – mit einer großartigen Stimme, weich, schlank, beweglich, aber auch zupackend, wenn’s sein muss. Ein leuchtender Stern im kleinen Haus an der Max-Brauer-Allee.

Vier Wochen vor der Stefan Herheims „Figaro“-Premiere in der Staatsoper legt die Kammeroper eine grandiose Vorlage hin – musikalisch und darstellerisch, Szene und Kostüme, ein Vergnügen für Auge und Ohr. Sollte man unbedingt ansehen. Und „Figaros Hochzeit“ ist nur der Auftakt zur Mozart-Spielzeit, in der noch „Don Giovanni“ und „Così fan tutte“ folgen!

Figaros Hochzeit von Wolfgang Amadeus Mozart (Originaltext von Lorenzo da Ponte, Hamburger Kammeroper im Allee Theater. Max-Brauer-Allee 76, 22765 Hamburg.
Zu genießen bis zum 7. Februar 2016. Beginn: mittwochs, freitags und samstags um 19.30 Uhr, sonn- und feiertags um 19.00 Uhr
Alle Plätze und alle Vorstellungen sind über den Saalplan im Internet buchbar unter www.alleetheater.de, dann zu „Angebote“ und „Tickets“ oder unter Tel. (040) 3829 59.


Abbildungsnachweis: alle Fotos © Joachim Flügel
Header: Szene aus Figaros Hochzeit
Galerie:
01. bis 03. Szenen aus Figaros Hochzeit. Hamburger Kammeroper.

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Musik > „Figaros Hochzeit“ in der Hamburger Kamme...

Mehr auf KulturPort.De

Karl Schmidt-Rottluff: expressiv, magisch, fremd
 Karl Schmidt-Rottluff: expressiv, magisch, fremd



Gut Ding will Weile haben, heißt es. Manchmal erstaunlich lange Weile: Zum ersten Mal untersucht eine Ausstellung den Einfluss außereuropäischer Kunst auf das [ ... ]



„Alles Geld der Welt”. Die Kapitalismuskritik des Ridley Scott
 „Alles Geld der Welt”. Die Kapitalismuskritik des Ridley Scott



Elegantes Kidnapping-Drama als Psychogramm menschlicher Gier.
Rom, Juli 1973. „Bambino” nennen ihn die Prostituierten vom Piazza Farnese ironisch-mitleidig, [ ... ]



Machen sie mich schön, Madame d’Ora
 Machen sie mich schön, Madame d’Ora



Sie setzte mit großer Leidenschaft die schönen Dinge des Lebens in Szene: Die Mode. Die Kunst. Die feine Gesellschaft im Wien der K.u.k.-Monarchie und später  [ ... ]



Uri Korea – Ruhe in Beschleunigung
 Uri Korea – Ruhe in Beschleunigung



In den vergangenen Monaten machte Korea oft Schlagzeilen, aber immer war es Nordkorea, verbunden mit den Drohgebärden seines atomraketenverliebten Staatschefs K [ ... ]



„The Disaster Artist”. James Franco und der Kult um das Scheitern
 „The Disaster Artist”. James Franco und der Kult um das Scheitern



Vor vierzehn Jahren erlangte Tommy Wiseaus Leinwand-Epos „The Room” in Hollywood zweifelhafte Berühmtheit als „schlechtester Film aller Zeiten”. Lächer [ ... ]



Hamburger Kunsthalle – erneutes Finanzdefizit
 Hamburger Kunsthalle – erneutes Finanzdefizit



Zwei Mal hat die Freie und Hansestadt die Hamburger Kunsthalle mit großer Anstrengung entschuldet, jetzt muss sie wohl wieder in das Staatssäckel greifen: Das  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.