Zum Anfang

Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 966 Gäste online

Neue Kommentare

Friedrich von der Lange zu „Snowden” – Patriot oder Verräter? : Von keinem anderen, als von Ollie Stone hätte ic...
Hein Daddel zu „Alice und das Meer” – oder das Ende der Treue: Ein starker Film über eine starke Frau. Sehr gut...
Gerhard P. zu OKRA – Piano & Field Recordings: Wunderbar und spitzfindig geschrieben. Macht Spa...
Hans G. Gohlisch zu Chefredakteur von ZEIT ONLINE spricht über "Community Engagement und New Storytelling: Eigentlich habe ich einen Bericht über David Hoc...
adarompf@gmx.de zu „Mahana – Eine Maori-Saga”. Zwischen Tradition und Tyrannei : In allen Facetten genaue Beschreibung des Films, ...

Anzeige

Spezial - Lange Nacht der Museen Hamburg 2016

Spezial - Hamburger Architektur Sommer 2015


Musik

Bach in der Tempo-Hall-Akustik des Hamburger Michels

Drucken
(73 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Geschrieben von Hans-Juergen Fink  -  Dienstag, den 15. September 2015 um 11:06 Uhr
Bach in der Tempo-Hall-Akustik des Hamburger Michels 4.7 out of 5 based on 73 votes.
Bach in der Tempo-Hall-Akustik des Hamburger Michels

Die Musikstadt Hamburg hat ihre Höhen und ihre Tücken – manchmal sogar beides am selben Abend. Die zweite Philharmonische Akademie St. Michaelis am Montagabend mit dem Kammerorchester des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg wartete mit beidem überreich auf.

So großartig, musikgeschichtsträchtig und inspirierend der Michel als Konzertsaal ist, so heimtückisch ist seine hallige und wenig trennscharfe Akustik, die vor allem große Chorwerke im prall besetzten Kirchenraum und Orgelmusik sehr anhörbar transportiert. Man darf sich ein wenig wundern und muss es wohl dem Elan des philharmonischen Neubeginns zuschreiben und Kent Naganos Suche nach dem „Hamburger Klang“, wenn höchstfiligrane Werke wie Bachs „Brandenburgische Konzerte“ ausgerechnet in diesem Raum aufgeführt werden.

Stand bei der ersten Philharmonischen Akademie der neue Hamburgische Generalmusikdirektor noch selbst am Pult auf der Chorempore, so spielten diesmal die Kammer-Philharmoniker im Altarraum, als autonomes Ensemble ohne Dirigent. Der saß ganz entspannt mitten im Publikum und hörte sich an, was seine Musiker in Proben inner- und außerhalb ihrer philharmonischen Dienstzeiten einstudiert hatten.
Das dürfte ihm – was deren Leistung und Motivation angeht – vermutlich recht gut gefallen haben. Bach zelebriert seine Kunst in den sechs Konzerten, die er dem Markgrafen von Brandenburg gewidmet hat, auf höchsten Niveau, und die wechselnden, immer kleinen Besetzungen fordern von den Musikern konzentrierte Team- und solistische Höchstleistungen, jedes Detail zählt. Es schweißt zusammen, das gemeinsam zu erarbeiten.

Die kammerphilharmonischen Streicher spielten mit Barockbögen und hatten sich mit Ausnahme von Celli, Gamben und Cembalo befreit von den Einschränkungen des Sitzens – sie musizierten im Stehen. Hörner und Trompete setzten auf moderne Instrumente. Es gab bei ihnen nur wenige Ausrutscher in den vertrackten Partien, abgesehen von ein paar Kieksern in den höchsten Horn-Lagen des ersten Brandenburgischen und bei den Gipfeltönen der hohen Trompete im zweiten.

Sie sind weniger dem druckvollen Engagement der Musiker zuzuschreiben als vor allem den irrwitzigen Tempi wie beim zweiten Konzert. Denn die bekamen dem Klangeindruck, der das Publikum erreicht, ganz und gar nicht. Das war gleich im ersten Konzert so, wo der opulente Hornklang im Original und dem minimal verspäteten Echo-Nachhall miteinander konkurrierte und über die Streicher schwappte, da entstand ein höchst irritierender Eindruck von Ungleichzeitigkeit. Fast durchweg sportliche Tempi auch in den folgenden Konzerten sorgten dafür, dass feinere Details vielleicht noch in den ersten beiden Reihen wahrgenommen werden konnten – weiter hinten kam statt der tatsächlich gespielten Präzision kaum mehr an als ein verwaschener Klangbrei.

Spätestens beim Zweiten mit dem Solistenquartett Violine, Blockflöte, Oboe und Trompete hätte man für diesen Raum deshalb das olympiamedaillenreife Tempo besser deutlich herunterbremsen sollen. Denn von virtuosen Läufen blieb nicht viel mehr hörbar als schliddernde Glissandi, die Violine ging nahezu unter im Wettbewerb mit den durchsetzungsfähigeren Bläsern, die fein austarierte Gleichberechtigung der Soloinstrumente geriet im Höreindruck aus den Fugen. So blieben leider nur in die langsamen Sätze der Konzerte, um zu genießen, wie sich Bachs Kontrapunktik entfaltete und zum ruhigen Strahlen gebracht wurde.

Besonders schade war das unselige Zusammenspiel von Tempo und Hall im Fünften, das sich an der Grenze zum Cembalokonzert bewegt, trotz der beiden weiteren Solostimmen von Violine und Querflöte. Vom hochvirtuosen Cembalosatz (mit Bravour gemeistert von Michael Fürst) war mit Ausnahme der mächtigen, harmonisch tollkühnen Solokadenz kaum mehr wahrnehmbar als ein paar Hände voll Sternenstaub.
Am wenigsten beeinträchtigt blieb noch das Vierte mit seinen beiden Soloblockflöten und der Solovioline, die sich dank ihrer hohen Frequenzen gut hervorhoben. Klug im zurückgenommenen Tempo auch das Sechste, dessen beide Solobratschen klar durch den Raum drangen. Die beiden Gamben der Originalbesetzung indes gingen im Bassgegrummel fast völlig unter – bedauerlich.

Am Ende gab es für die großartigen Kammerphilharmoniker lang anhaltenden Applaus – der sicher auch ihre Leistung würdigte, alle sechs Brandenburgischen Konzerte an einem Abend auf hohen Niveau gespielt gemacht zu haben, der Generalmusikdirektor kann stolz sein auf diese Musiker. Schade, dass von ihrem großen Können aufgrund der akustischen Tücke des Raums so wenig die Ohren des Publikums erreichte. Am alles verwischenden Michel-Klang (der nicht gemildert wird, wenn der Raum nicht ausverkauft ist) sind doch schon ganz andere gescheitert. Erstaunlich, dass sich das offenbar nicht herumspricht.

Man würde dieses so engagiert gespielte Konzert gern noch einmal in der Laeiszhalle oder irgendwann in der Elbphilharmonie hören. Ich bin sicher, es würde ein glänzender, ein prachtvoller, ein inspirierender Abend.


Abbildungsnachweis: Notenblatt der Brandenburgischen Konzerte. Quelle: jsbach.net

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Mehr auf KulturPort.De

Knauer, Safaian, Schumacher: Zeitloses Treiben in Bachs Notenmeer
 Knauer, Safaian, Schumacher: Zeitloses Treiben in Bachs Notenmeer



In der CD-Reihe „Neue Meister“ präsentieren Arash Safaian, Sebastian Knauer und Pascal Schumacher die Musik nach Motiven von Bach so, wie der Meiste [ ... ]



Reeperbahn Festival 2016: Auf der Suche nach der Kunst
 Reeperbahn Festival 2016: Auf der Suche nach der Kunst



Die Autorin dieses Beitrags ist begeisterte Reeperbahn Festival-Besucherin, schaut sich aber neben dem umfassenden Konzertangebot besonders gerne im „Arts& [ ... ]



Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper
 Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper



Radikal entschlackt, mit großen Lichtvorhängen ins Computerzeitalter gebeamt, lässt Regisseurin Jette Steckel die Neuinszenierung von Mozarts Opernhit „ [ ... ]



„Snowden” – Patriot oder Verräter?
 „Snowden” – Patriot oder Verräter?



Das Schlachtfeld heißt Cyberspace, und für US-Regisseur Oliver Stone ist sein Protagonist ein Widerstandskämpfer mit Vorbildfunktion. Ziviler Ung [ ... ]



Ars apodemica – Foto-Text-Reisen mit Boris von Brauchitsch
 Ars apodemica – Foto-Text-Reisen mit Boris von Brauchitsch



„Manchmal fotografiert man die Welt, um sie und sich selbst besser verstehen zu können, eignet sich Dinge durch Abbilder an, um sie sich zu gegebener Zeit [ ... ]



Saisonstart mit philharmonischem Glück und symphonischem Tiefgang
 Saisonstart mit philharmonischem Glück und symphonischem Tiefgang



Die Hamburger Philharmoniker mit Kent Nagano punkten bei ihrer Saisoneröffnung mit Brahms’ Erster. Die Symphoniker Hamburg holen mit Thomas Adè [ ... ]



Weitere aktuelle Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.