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Musik

‚Lux aeterna – das Musikfest für die Seele’. Eine Bilanz von Generalintendant Christoph Lieben-Seutter

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Dienstag, den 03. März 2015 um 12:24 Uhr
‚Lux aeterna – das Musikfest für die Seele’. Eine Bilanz von Generalintendant Christoph Lieben-Seutter 4.9 out of 5 based on 122 votes.
‚Lux aeterna – das Musikfest für die Seele’. Eine Bilanz von Generalintendant Christoph Lieben-Seutter

Am Montag ging das Festival „Lux aeterna“ zu Ende, das 24 Konzerte mit spiritueller Musik aus aller Welt präsentiert hat. Stolze Bilanz: Auch weniger bekannte Künstler spielten vor vollem Haus; elfmal hieß es gar „ausverkauft“. Knapp 22.000 Besucher bescherten dem Musikereignis eine Auslastung von 85 Prozent. KulturPort.De sprach mit Elbphilharmonie-Generalintendant Christoph Lieben-Seutter über den Stellenwert solcher Festivals und über die neue Neugier auf unbekannte Musik.

Lieben-Seutter sieht mehrere Faktoren für den Erfolg von „Lux aeterna“, das nach zwei Jahren nun zum zweiten Mal stattfand. „Wir haben viele außergewöhnliche Konzerte nach Hamburg geholt. Denken Sie an Tans Duns „Water Passion“, die acht italienischen Kontrabässe von ‚Ludus Gravis’, die armenische Musik des ‚Gurdjieff Folk Instruments Ensembles’, an den Elektroniker ‚Oneohtrix Point Never’ aus New York, an Kayhan Kalhor und Ali Bahrami Fard aus dem Iran. Oder an den großartigen Klavierabend von Pierre-Laurent Aimard mit Musik von Bach, Kurtag und Messiaen – ein Abend voller spannender Querbeziehungen.“

Die Neugier der Hamburger auf bislang wenig gehörte Klänge erstaunt den Generalintendanten nicht wirklich: „Sie sind nicht weniger neugierig als andere auch – aber man muss den richtigen Kontext herstellen. Im normalen Konzertleben zählen vor allem große Namen und populäre Werke. Da muss man die Routine des Konzertbetriebs brechen, neue Sichtweisen und Anhaltspunkte schaffen und diese in der Öffentlichkeit gut positionieren.“

„Lux aeterna’“, sagt Lieben-Seutter, „ist eine Plattform geworden, die die Leute anspricht. und wo man inzwischen fast blind kauft – da ist Vertrauen in die Marke gewachsen. So wie auch bei unserer Reihe ‚Jazz Piano’, die wir zusammen mit der Konzertdirektion Karsten Jahnke auf die Beine stellen. Diese Konzerte in der Laeiszhalle sind fast immer sehr gut besucht, auch bei weniger bekannten Namen, und das heißt: Die Leute vertrauen den Programmmachern.“

Das Aimard-Konzert war eine Kooperation mit dem örtlichen Veranstalter Pro Arte. Haben sich die Wogen von Misstrauen und Konkurrenzdenken im Hamburger Konzertbetrieb inzwischen etwas geglättet? „Absolut. Das ist, wenn man so will, einer der Vorteile der langen Wartezeit auf die Elbphilharmonie, dass man sich aneinander gewöhnt hat. Es herrscht Vertrauen, und das ist eine gute Voraussetzung, das neue Haus in der Hafencity aus einer Idee heraus zu denken. ‚Lux aeterna’ ist ja eine Kooperation vieler Veranstalter in Hamburg, insbesondere der NDR hat eine ganze Reihe von Konzerten zum Festival beigetragen.“

Unser Publikum lässt sich auf Experimente ein
Wie genau kennen die Programmmacher ihr Publikum? Unterscheidet sich ein Festival-Publikum von dem des Konzert-Alltags? „‚Lux aeterna – das Musikfest für die Seele’ hat eine Message, die sich herumspricht: Es gibt andere musikalische Welten, auf die man sich einlassen kann, auch wenn man mal nicht genau weiß, was einen erwartet.“ So wie manche, die zum Konzert „Jerusalem in my heart“ in den Bunker an der Feldstraße kamen, verwundert feststellten, dass das ein Live-Happening mit elektronischer Musik und Projektionen ist – und die sich auf das Experiment eingelassen haben. Oder wie bei Jordi Savall in St. Katharinen mit seiner ausverkauften Zeitreise in die musikalisch-philosophische Welt des Erasmus von Rotterdam.

„Auch den Leuten im Konzert ist die Vielfalt des Publikums aufgefallen. Die jungen Fans von Mirel Wagner waren ganz erstaunt über die vielen älteren Besucher beim Konzert, die persischen Fans von Kayhan Kalhor waren verblüfft, wie viele Menschen sich für ‚ihre’ Musik interessieren. Dazu kommt, dass ‚Lux Aeterna’ mit seiner spirituellen Ausrichtung gut in die dunklen und kalten Wintermonate passt, der Februar ist eine gute Konzertzeit in Hamburg.“

Natürlich wirft ein Festival wie „Lux Aeterna“ auch Angeln aus für festivalfreie Zeiten. „Wir haben jede Woche ein paar hundert neue Namen in unserem Ticketsystem, da wächst der Kreis der Interessenten. Es geht uns ja darum, in sich geschlossene Musik-Biotope und -Orte zu öffnen und allen zugänglich machen. Nehmen Sie die wunderbaren Armenier: Wenn die nur spielen für Leute, die ihre Musik schon kennen – damit kämen wir nicht weit. Im Rahmen von ‚Lux Aeterna’ aber war das Konzert in der Kulturkirche Altona ausverkauft und wir hatten eine Warteliste, wie auch bei Mirel Wagner und einer ganzen Reihe anderer Auftritte.“

Vier Wochen lang hat „Lux Aeterna“ jeden Abend eine pralle Wundertüte gepackt. Wie vermeidet man da ein gewisse Beliebigkeit? „Indem man Qualität in die Wundertüte gibt, nur handverlesene Konzerte anbietet, die einen auch selbst faszinieren.“
Solche thematischen Programmbündel namens „Festival“ schärfen vor allem die musikalische Marke Elbphilharmonie. Welche Startposition will sich Lieben-Seutter erobert haben, wenn seine neuen Säle an der Elbe endlich fertig sind?

Auf großartige Musik noch sehr viel stolzer sein, auch wenn sie sich nicht rechnet
„Wir arbeiten vor allem an der Qualität des Programms. Die Stimmung in der Musikstadt Hamburg wird immer besser und das Publikum offener. Das brauchen wir als Basis dafür, dass wir nach der Eröffnung der Elbphilharmonie noch einmal zusätzliche Anreize für mehr Besucher schaffen können. So wie ich das jetzt spüre, wird da in der ersten Zeit auch quantitativ sehr viel mehr drin sein. Das Potenzial dafür liegt auf der Straße. Es zu mobilisieren kostet aber auch viel Geld. Da kommt man nicht weit, wenn sich Kultur – wie in Hamburg gern behauptet – rechnen soll. Wir dürfen kein schlechtes Gewissen mehr haben, wenn etwas Geld kostet. Und wir müssen lernen, auf großartige Musik noch sehr viel stolzer zu sein. Auch wenn sie sich nicht rechnet.“

Welches Festival kommt als nächstes? „In dieser Saison nur noch ein kleines vom 22. bis 25. April mit Alpenmusik im Mojo Club. Das steht ein bisschen in der Tradition unseres Akkordeon Festivals. Im Alpenraum gibt es viel gute Musik, die mit den volkstümlichen Hitparaden nichts zu tun hat. Ich glaube, die Hamburger haben eine gewisse Empfänglichkeit dafür.“

Und von welchem Festival träumt Lieben-Seutter dann in der fertigen Elbphilharmonie? „Dass wir die, die wir jetzt schon machen und noch entwickeln, noch toller programmieren können. Und wir haben einen Nachholbedarf im Begleitprogramm – Vorträge, Einführungen, Gespräche – da geht noch eine Menge, was wir im Augenblick mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln noch gar nicht leisten können.“
Das nächste „Lux aeterna“-Festival wird für 2017 geplant.

Homepage Lux aeterna


Abbildungsnachweis:
Header: Christoph Lieben-Seutter vor der Elbphilharmonie. Foto: Michael Zapf
Galerie:
01. Programm-Cover 2015
02. Tan Dun. Foto: Nana Watanabe
03. Gurdjieff Folk Instruments Ensemble. Foto: Alber Babelon
04. Oneohtrix Point Never. Foto: Timothy Saccenti
05. Kayhan Kalhor. Foto: Ali Boustan
06. Khan Akram iTMOi. Foto: J. Louis Fernandez
07. Jordi Savall. Foto: David Ignaszewski
08. Jerusalem in my Heart. Foto: Tanya Traboulsi
09. Alpenmusik-Festival im April im Mojo Club Hamburg. (Mnozil Brass. Foto: Carsten Brunnemann)

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