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Musik

Finbar Furey: Acoustic Lonesome Boatman Tour 2015

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Geschrieben von Hans-Juergen Fink  -  Donnerstag, den 29. Januar 2015 um 11:08 Uhr
Finbar Furey: Acoustic Lonesome Boatman Tour 2015 4.6 out of 5 based on 148 votes.
Finbar Furey: Acoustic Lonesome Boatsman Tour 2015

Wenn man das Herz des irischen Folks sucht, landet man seit Jahrzehnten ohne allzu viele Umwege beim Familienclan der Fureys.
Die Dubliners – das waren die Rauf- und Saufbolde. Die Feingeister, die das Gälische mit Polyphonie und Elektronik aufpeppten – das sind die Musiker von Clannad. Die Fureys waren immer eine Klasse für sich, schon als Vater Ted, der Fiddler, noch mit ihnen auftrat, als die vier Brüder mit Davey Arthur die Folkfestivals aufmischten. Konzentrierter dann bei Eddie und Finbar Furey. Die Essenz all dessen – das ist Finbar Furey, der – inzwischen 68 – im vergangenen Jahr in Irland den Nr.1-Hit „The Last Great Love Song“ landen konnte und nun mit dem gleichnamigen Album auf Tour ist.

In Deutschland ist es etwas stiller um ihn geworden, seit in Irland das Europa-Fieber gegen die von deutschen Folk-Romantikern so geschätzte Einfachheit des Lebens zu Felde zog. Zuhause auf der Insel aber ist Finbar Furey längst eine Art Vaterfigur der irischen Folklore geworden, in einer Liga mit ihm spielt derzeit höchstens noch Christy Moore.
Finbar Furey ist ein Mann mit vielen Talenten. Ein sensationeller Tinwhistle-Virtuose und Banjo-Spieler. Ein Poet von hohen Graden und einfachen Worten. Vor allem aber der absolute Großmeister des irischen Dudelsacks. Kein Wettbewerb, den er in dieser Disziplin nicht abgeräumt hätte. Mit dem hochkomplizierten Instrument, das Basspfeifen besitzt (Drones), Akkordpfeifen zur Begleitung von Melodien (Regulators) und eine Melodiepfeife, den Chanter. Aufgeblasen nicht mit dem Mund, sondern mit einem Blasebalg unter dem Arm, so dass man sich selbst beim Singen begleiten kann. Vielleicht fallen diese Uillean Pipes deshalb nicht unter das Kriegswaffenkontrollgesetz wie ihre schottischen Dudelsäcke, sondern produzieren einen unverwechselbar feinen, fast kammermusikalischen Klang.

Finbar Furey kann auf seinen Pipes alles ausdrücken – von der honigbraunen Melancholie irischer Moor-Landschaften, von der Bitternis der Armut auf der Grünen Insel und der Sehnsucht der irischen Auswanderer bis zur überbordenden Freude, wenn gefeiert und getanzt werden soll. Man taucht mit ihm ein in ein einmaliges musikalisches Universum und mag kaum glauben, dass das alles mit diesem einzigen, einzigartigen Instrument produziert wird.

Und dann ist da noch der Sänger. Finbar Furey beherrscht alle Emotionen, derer die menschliche Stimme fähig ist: vom leisesten ersterbenden Hauch bis zum schmeichelnd weichen Klang für romantische Balladen. Forciert klingt seine Stimme manchmal leicht scharf, und am schönsten ist sie mit dem dezent rau geschmirgelten Timbre, das sein Markenzeichen ist. Mit dem Alter ist sie besser geworden wie ein alter Whiskey, den man nochmal in Sherry- oder Portfässern lagern.

Last-Great-Love-SongDer Mann hat alles schon gehabt, was ein Folkmusiker erreichen kann, in seinen diversen Formationen und als Solist. Lovesongs wie „When You Were Sweet Sixteen“, das erschütternde Antikriegslied „Green Fields of France“, „Red Rose Café“ und sein furioses Flötenspiel in „The Lonesome Boatman“ sind Hits, die nicht nur in Irland jeder im Ohr hat. Nach letzterem heißt die aktuelle Tour; Acoustic Lonesome Boatsman Tour.

Seit 2000 tritt Finbar Furey immer wieder auch als Filmschauspieler in Erscheinung. 2013 wurde er in die Jury der irischen Castingshow „The Hit“ berufen, was ihm einen ungeheuren Popularitätsschub bescherte. Er nahm dafür einen Song des Iren Gerry Fleming auf – und landete damit auf Platz 1 der irischen Charts. „The Last Great Lovesong“ ist natürlich auf seiner neuen CD dabei, so wie Songs von Donovan („Colours“), Beatle George Harrison („Something in the way she moves“), Bob Dylan („Blowin’ in the wind“) und Ewan McColl („Schol Days Ober“). Als Gäste sind Mary Black und Shayne Ward in Songs dabei, einen eigenen Titel („Sitting in the Railway Square“) hat Finbars ältester Sohn Martin Furey mit seiner Band beigesteuert – die nächste Generation. Nicht fehlen darf bei Finbars Fußballbegeisterung eine stille Hymne auf sein Idol George Best. Und die Uillean Pipes sind das tragende Instrument in dem bewegenden Tune „Joy of my heart“.

Das Hamburger Konzert der Tour findet Freitagabend im Knust statt, ein weiteres folgt noch am Samstag im Düsseldorfer Savoy Theater. Die CD, herausgebracht von Konzertveranstalter Karsten Jahnke, verspricht einen großen Abend mit einem der besten Musiker Irlands.

Finbar Furey: Acoustic Lonesome Boatman Tour 2015
Hamburg: Knust (Neuer Kamp 30), Fr, 30.1., 21:00 Uhr und Düsseldorf, Savoy Theater (Graf-Adolf-Straße 47), Sa, 20:00 Uhr.

CD: Finbar Furey: The Last Great Lovesong. PRCD 3405052.
Video „The Last Great Lovesong“


Abbildungsnachweis:
Finbar Furey, 2014
CD-Cover

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