Zum Anfang

Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 522 Gäste online

Neue Kommentare

Friedrich von der Lange zu „Snowden” – Patriot oder Verräter? : Von keinem anderen, als von Ollie Stone hätte ic...
Hein Daddel zu „Alice und das Meer” – oder das Ende der Treue: Ein starker Film über eine starke Frau. Sehr gut...
Gerhard P. zu OKRA – Piano & Field Recordings: Wunderbar und spitzfindig geschrieben. Macht Spa...
Hans G. Gohlisch zu Chefredakteur von ZEIT ONLINE spricht über "Community Engagement und New Storytelling: Eigentlich habe ich einen Bericht über David Hoc...
adarompf@gmx.de zu „Mahana – Eine Maori-Saga”. Zwischen Tradition und Tyrannei : In allen Facetten genaue Beschreibung des Films, ...

Anzeige

Spezial - Lange Nacht der Museen Hamburg 2016

Spezial - Hamburger Architektur Sommer 2015


Festivals, Medien & TV

Stummfilmtage in Bonn zeigen den „Homunculus“

Drucken
(127 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Geschrieben von Mirjam Kappes  -  Montag, den 21. Juli 2014 um 10:01 Uhr
Stummfilmtage in Bonn zeigen den „Homunculus“ 4.6 out of 5 based on 127 votes.
Stummfilmtage in Bonn

Stummfilme im Kino? Heute eine Seltenheit.
Die Bonner Stummfilmtage dagegen begeben sich alljährlich auf ambitionierte Archivrecherche, und bringen zum 30. Jubiläum den verloren geglaubten Serienhit „Homunculus“ wieder auf die große Leinwand.

Der Stummfilm gilt vielerorts als medienhistorisches Relikt. Zum einen ist ein Großteil des frühen Filmschaffens bereits unwiederbringlich verloren, da zahlreiche Stummfilme stark beschädigt, unzureichend erhalten und archiviert, verschollen oder gar mutwillig zerstört worden sind. Zum anderen ist die heutige Lagerung und Restaurierung des empfindlichen Filmmaterials aufwendig, Vorführungen sind selten. Daher gehören die Internationalen Stummfilmtage in Bonn zu einer der wenigen Gelegenheiten, die frühe Filmkunst überhaupt aufgeführt zu sehen. Bei der Kino-Veranstaltungsreihe, das dieses Jahr vom 7. bis 17. August stattfindet, werden ausgewählte Stummfilmproduktionen als Open-Air-Veranstaltung im Arkadenhof der Bonner Universität gezeigt, untermalt von live eingespielter Musikbegleitung – und dazu noch kostenlos.

Ein Konzept, das auch bei Zuschauern ankommt, die sonst wenig mit Stummfilmen anfangen können: Denn obwohl – oder gerade weil – bei dem Programm bewusst auf übliche Stummfilmklassiker verzichtet wird, um auch bislang unbekanntere Produktionen vorzustellen, können die Bonner Stummfilmtage inzwischen mehr als 25.000 Besucher anlocken. Das diesjährige Festival-Plakat wirbt mit dem „Homunculus“, einem künstlich erschaffenen Menschen auf der verzweifelten Suche nach Liebe, ursprünglich eine sechsteilige Serie, die unter der Regie von Otto Rippert zwischen 1916-1917 entstand. Die bis dato nur fragmentarisch vorhandene Arbeit kommt in der vom Filmmuseum München rekonstruierten Fassung hier erstmals zur Aufführung. Weiterer Fokus der Stummfilmtage ist dieses Jahr der Erste Weltkrieg: Gezeigt wird z.B. „Ich klage an“ („J’accuse!“), ein später als pazifistisches Werk gefeierter Film von Abel Gance über den Horror des Krieges, vor dessen Hintergrund sich ein unglückliches Liebesdreieck entspinnt. Ähnlich widmet sich der Sonderprogrammpunkt „In Treue fest!“ den Kriegsjahren: Die Laterna-Magica-Performance, also einer frühen Projektionstechnik, bei der farbig gestaltete Glasplatten an die Wand projiziert werden, zeigt Lichtbilder aus der Zeit von 1914 bis 1918, die für die Zurückgebliebenen das Leben an der Front illustrieren sollten.

Eröffnet werden die Stummfilmtage allerdings mit etwas leichterem Stoff: Den Auftakt macht „Der Angeber“ („The Show Off“), eine auf dem gleichnamigen Broadway-Stück basierende Komödie mit der jungen Louise Brooks, einer späteren Stummfilm-Ikone, und Ford Sterling, der als einer der größten Konkurrenten von Charlie Chaplin gehandelt wurde. Von Chaplin selbst wird „Die Rollschuhbahn“ („The Rink“) bei den Bonner Stummfilmtagen zu sehen sein, der erste Chaplin-Film, der nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland gezeigt wurde. Zu den bekannteren Namen des Festivals gehört auch Buster Keaton, dessen Film „Der Boxer“ („Battling Butler“) laufen wird, ebenso wie Hitchcocks Frühwerk „Der Schrecken von London“ („The Lodger“) oder Ernst Lubitsch mit seiner Musical-Komödie „Monte Carlo“. International gesehen sind Stummfilme aus Tschechien, Spanien, Frankreich, Großbritannien, USA, der UdSSR, Österreich, Schweden und sogar China beim Bonner Sommerkino mit vertreten.

Ganz klar: Die Stummfilmtage sind ein Herzblutprojekt, wie auch Leiterin Sigrid Limprecht herausstellt. Denn neben dem organisatorischen Mehraufwand an Recherche, Filmbeschaffung, Projektionstechnik und Musikbegleitung müssen die Stummfilmtage immer wieder um ihre Finanzierung kämpfen – und bestehen dennoch weiterhin auf freien Eintritt. Das diesjährige Budget von 160.000 Euro wird von einer Mischfinanzierung aus Mitteln der Stadt, der Filmstiftung NRW und der Filmförderung des Bundes getragen, zusätzlich gestützt von Eigenmitteln und Sponsorengeldern. Ein Engagement, das belohnt wird: Dieses Jahr feiern die Internationalen Stummfilmtage ihr 30. Jubiläumsjahr, und das, obwohl das ursprüngliche Rahmenfestival „Bonner Sommer“ längst eingestellt worden ist. „Hauptsache ist, dass möglichst viele Leute die Filme zu sehen bekommen“, so unterstreicht Leiterin Limprecht das erklärte Ziel der Bonner Stummfilmtage. Ganz in diesem Sinne finden die Film-Vorführungen auch bei schlechtem Wetter statt – Regencapes gibt es zur Not vor Ort zu erwerben.
 

Informationen zu den Stummfilmtagen
Das Programm zum Herunterladen
Datum: vom 7.-17. August 2014
Veranstaltungsort: Arkadenhof der Universität Bonn; Sonderveranstaltungen im LRV LandesMuseum Bonn.
Eintritt: Kostenlos. Im Arkadenhof ist die Platzzahl auf 1500 Personen begrenzt, Plätze können nicht reserviert werden.


Abbildungsnachweis:
Header: Blick in den Arkadenhof mit Stummfilmleinwand.
Galerie:
01. "Homunculus". Foto: Filmmuseum München
02. "Der Angeber". Foto: Förderverein Filmkunst Bonn e.V.
03. Arkadenhof der Universität Bonn.

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Mehr auf KulturPort.De

Knauer, Safaian, Schumacher: Zeitloses Treiben in Bachs Notenmeer
 Knauer, Safaian, Schumacher: Zeitloses Treiben in Bachs Notenmeer



In der CD-Reihe „Neue Meister“ präsentieren Arash Safaian, Sebastian Knauer und Pascal Schumacher die Musik nach Motiven von Bach so, wie der Meiste [ ... ]



Reeperbahn Festival 2016: Auf der Suche nach der Kunst
 Reeperbahn Festival 2016: Auf der Suche nach der Kunst



Die Autorin dieses Beitrags ist begeisterte Reeperbahn Festival-Besucherin, schaut sich aber neben dem umfassenden Konzertangebot besonders gerne im „Arts& [ ... ]



Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper
 Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper



Radikal entschlackt, mit großen Lichtvorhängen ins Computerzeitalter gebeamt, lässt Regisseurin Jette Steckel die Neuinszenierung von Mozarts Opernhit „ [ ... ]



„Snowden” – Patriot oder Verräter?
 „Snowden” – Patriot oder Verräter?



Das Schlachtfeld heißt Cyberspace, und für US-Regisseur Oliver Stone ist sein Protagonist ein Widerstandskämpfer mit Vorbildfunktion. Ziviler Ung [ ... ]



Ars apodemica – Foto-Text-Reisen mit Boris von Brauchitsch
 Ars apodemica – Foto-Text-Reisen mit Boris von Brauchitsch



„Manchmal fotografiert man die Welt, um sie und sich selbst besser verstehen zu können, eignet sich Dinge durch Abbilder an, um sie sich zu gegebener Zeit [ ... ]



Saisonstart mit philharmonischem Glück und symphonischem Tiefgang
 Saisonstart mit philharmonischem Glück und symphonischem Tiefgang



Die Hamburger Philharmoniker mit Kent Nagano punkten bei ihrer Saisoneröffnung mit Brahms’ Erster. Die Symphoniker Hamburg holen mit Thomas Adè [ ... ]



Weitere aktuelle Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.