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„Sidekick“ zur Leipziger Buchmesse 2014

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Geschrieben von Fee Isabelle Lingnau  -  Montag, den 17. März 2014 um 11:03 Uhr
„Sidekick“ zur Leipziger Buchmesse 2014 4.6 out of 5 based on 237 votes.
„Sidekick“ zur Leipziger Buchmesse 2014

In der Straßenbahn, im Park, im Supermarkt: Lange grüne Haare, lila Zöpfe, Katzenöhrchen. Petticoat und Elfenflügel. Rote Augen, blaue Haut.
Ein wenig mädchenhaft und außerirdisch. Sehr kunstvoll, fast wie gemalt.
Natürlich! In Leipzig ist Buchmesse! Und mit Ausstellern, Verlegern, Autoren und Buchbesuchern kommen da alljährlich auch Cosplayer – als Manga-, Videospiel- oder Animefiguren Verkleidete – mit ihren aufwändigen, bunten Kostümen in das Blickfeld der Stadt. Durch sie ist das erste große Festival des Jahres nicht zu übersehen: Seit Jahren gehören die bunten Gestalten zur Leipziger Buchmesse.

In diesem Jahr bekommen sie sogar ihre eigene Cosplay-Veranstaltung; Die Manga-Comic-Convention (MCC) findet in einer separaten Halle parallel zur Buchmesse statt. Damit honoriert die Leipziger Buchmesse, dass der Bereich Comic, Manga, Graphic Novel und Anime-Drehbücher immer größeres Interesse erfährt. Sicherlich so großes, dass es gerechtfertigt erscheint, eine eigene Veranstaltung zu etablieren. Dass deren Besucher dank eines zusätzlichen eigenen Eingangs auch für sich bleiben können, wie der Text der MCC-Startseite wirbt, mag für manchen Teilnehmer attraktiv sein. Aber schade ist es auch. Die bisherige Integriertheit in das Getümmel der Buchmesse hat sicherlich dazu beigetragen, dass sich mancher Besucher unversehens in der Welt von Graphic Novel, Comic und Manga wiederfand und sein Interesse geweckt war, ohne die Schwelle zu einer neuen Halle überschreiten zu müssen. Schließlich ist das eine der Stärken der Leipziger Buchmesse: Interesse wecken. Darum ist sie die Publikumsmesse der Buchmessen. Damit schmückt sich die Leipziger Messe – völlig zu recht.

Leipzig liest um die Messe herum
Der Titel des Lesefests „Leipzig liest“ ist umfassend wörtlich zu nehmen, denn um die Zeit der Buchmesse wird in der gesamten Stadt wie auf der Messe gelesen. Lesungen im Haus des Buches, in Bibliotheken und Buchhandlungen – klar! Auch in Cafés, Theatern und Galerien – noch nicht überraschend. Doch in Leipzig scheint überall gelesen zu werden: Friseur und Wohnung, Pathologie und Fahrradladen, Werkstatt und Bestattungsinstitut. 410 Leseorte, 3.200 Veranstaltungen, so die Zahlen. Die Veranstalter sind stolz auf sie.

„Vielfalt ist Programm zur 23. Ausgabe von Europas größtem Literaturfest 'Leipzig liest'“, so die Veranstalter. Ja. Der Vielheit aber werden sie leider nicht Herr. Seit Jahren schon kann man sich ärgern über ein dickes, unübersichtliches Programmheft. Und das Programm im Internet ist nicht besser. Durch 373 Seiten kann sich der Leseinteressent klicken. Eine Unterteilung in Fachbesucher und Publikum? – leider nein. So liest man nach dem Klick auf manch interessanten Titel: nicht öffentlich. Hilft der Les-O-Mat? Er „soll Ihnen helfen, schnell und unkompliziert – ganz nach dem Zufallsprinzip – Veranstaltungsempfehlungen zu erhalten. Beantworten Sie die drei Fragen und erfahren, welche Veranstaltungen für Sie in Frage kommen. Probieren Sie es aus!“ Gern. Tag: egal. Ort: Stadt. Begleitung: mit Kind. Ergebnis: „Vergewaltigt im Krankenhaus“, die Veranstaltung ist nicht öffentlich.

Eine einfache Kategorisierung von Besuchern und Programm wäre schon gut. Und eine Suchhilfe, die sinnhafte Ergebnisse liefert, ist möglich! Wünschenswert sind darüber hinaus Veranstaltungsbeschreibungen. Und zwar welche, die klar und lesbar sind. Das macht Arbeit. Die aber lohnt sich! Generell gilt für die Texte und Beschreibungen zur Leipziger Buchmesse: Bitte lasst die heiße Luft aus den Texten! Es gibt so viel zu sagen und tatsächlich Gutes darzustellen, dass es schade ist, wenn es im Geschwurmel untergeht.

Die diesjährigen Schwerpunkte der Messe dagegen zeigen tatsächliche Vielfalt. „Auftritt Schweiz“ geht von „bekannten und unbekannten Autoren aller Landessprachen“ über „HR Gigers Archetypen der Angst“ und „Absinth – eine Schweizer Schnapsidee“ bis zum drängenden „Unbehagen im Kleinstaat – Spezialveranstaltung zur Schweiz nach dem Volksentscheid vom 9. Februar 2014“. „tranzyt.kilometer 2014. Literatur aus Polen, der Ukraine und Belarus“ thematisiert die aktuellen Entwicklungen in der Ukraine, das „Erstarken der Rechten“, den ersten Weltkrieg. Und beide präsentieren ein breites Bild der jeweiligen Literaturen, Autoren und Lebenswelten.

Die Leipziger Buchmesse mit ihren Begleitern ist ein vielseitiges Festival der Literatur. Eine Freude, dort sich zu tummeln! Bücher, Autoren und Stadt erscheinen in immer wieder neuen Perspektiven. Schade, wenn die durch den Willen zur Masse bisweilen verschwimmen. Origami für Fortgeschrittene – Ohrringe aus Papier falten...


Weitere Informationen: www.leipziger-buchmesse.de


Abbildungsnachweis: Leipziger Buchmesse (13. bis 16. März 2014)
Header: Am Gemeinschaftsstand "Schweiz" in Halle 4 präsentieren Schweizer Verleger die Literatur des Nachbarlandes. Foto: Leipziger Messe GmbH / Uli Koch
Galerie:
01. Am Buchmessesamstag fand im Congress Center Leipzig der Vorentscheid zum European Cosplay Gathering 2013 statt. Foto: Leipziger Messe GmbH / Norman Rembarz
02. Impression aus der World of Manga in Halle 2. Foto: Leipziger Messe GmbH / Norman Rembarz
03. Programm-Pressegespräch Leipzig liest: Aufsteller zur Pressekonferenz vor dem Eingang. Foto: Leipziger Messe GmbH / Rainer Justen
04. Logo Programmschwerpunkt "tranzyt"
05. Screenshot "Les-O-Mat". Foto: Fee Isabelle Lingnau
06. Impression zur Ankündigung der Leipziger Buchmesse 2015. Foto: Leipziger Messe GmbH / Uli Koch

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