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Im Gespräch: Claus Friede mit Kultmoderator Bedo

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(370 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Freitag, den 17. Juli 2009 um 14:57 Uhr
Im Gespräch: Claus Friede mit Kultmoderator Bedo 4.6 out of 5 based on 370 votes.
CF: Lass uns an dieser Stelle von den grundsätzlichen Dingen dieser Welt zurück kehren zu deinen biographischen Entwicklungen. Nach Ende deiner Radiosendung beim Offenen Kanal ging es für dich dann gleich nahtlos weiter zum Fernsehen?
Radiomachen ist ja etwas ganz anderes als Fernsehen...

Bedo mit Mahir Oral, BoxerBedo: Ja, da bin ich ins kalte Wasser gesprungen und gleichzeitig geworfen worden. Am Anfang war ich mir total unsicher, ob ich das überhaupt kann. Die Kameras leuchten rot, okay, da musst du jetzt nicht nur reinsprechen, die zeichnet mich auch visuell auf. Ich wusste in den ersten Sendungen gar nicht wohin mit mir. Ich will nicht sagen, dass ich mich unwohl gefühlt habe, aber sehr ungewohnt.
Radio war mein Medium, da war ich voll in meinem Element. Dann kam die Zeit, im Juni 2003, als der Hamburger Senat beschloss, dem Offenen Kanal die Gelder zu streichen und ihn zu schließen. Oh, das war erst einmal ein Schock und wir haben dann gleich eine Unterschriftenkampagne gestartet. Wir waren auf der Straße, sind zu Unternehmen gegangen, haben versucht die Kulturbehörde auf unsere Seite zu bekommen und die Medien zu aktivieren, aber das hat alles nichts bewirkt. Aber was dann doch geblieben ist und das nenne ich Nachhaltigkeit, war eine enorme Aufmerksamkeit in der Stadt. Unsere Aktionen waren dann tagelang in den Zeitungen. Und wir bekamen viele Anrufe, Leute, die ebenfalls Unterschriften sammeln wollen. Allein meine Redaktion „Oriental Sabah“, hatte am Ende 18.000 Unterschriften gesammelt. Und das hat eine große Aufmerksamkeit auf die Sendung und auf mich gelenkt.
Und dann traf sich der Zufall, dass ich den damaligen Lokalchef (heute Politikchef, Anmerk. d. Red.) von Hamburg1 Fernsehen, Herbert Schalthoff, bei meinem Friseur in Altona kennen gelernt habe. Da fing die Idee vom Fernsehen für mich an. Wenn ich das heute erzähle, dann glauben viele, ich nehme sie auf den Arm, weil „Oriental Night“ bei meinen Friseur begonnen hat...
Ich hab mich erst gar nicht getraut Herbert Schalthoff anzusprechen, aber mein Friseur sagte dann immer: Hey, Bedo, red doch mal mit ihm, stell dich vor!
Ich dachte nur: „Was soll ich denn sagen? Ich bin Bedo, ich will Fernsehen machen?“ Ich sagte zu meinen Friseur: „Frag doch mal den Schalthoff, ob er meine Sendung beim Offenen Kanal überhaupt kennt und was er davon hält und ob er sich auf ein Gespräch mit mir einlässt – vielleicht mag er uns gar nicht...“. Und Herbert Schalthoff antwortete, er fände es traurig, dass der Offene Kanal geschlossen werde, das sei ein guter Sender, wo viele Kulturen zusammen gekommen wären. Und dann sagte er noch, er fände es furchtbar, dass die Sendung von dem Türken, auf dessen Namen er jetzt nicht käme, abgesetzt würde. Das war mein Zeichen! Dann bin ich also zu ihm hin, hab mich vorgestellt und wir kamen ins Gespräch und ein paar Tage später gab es dann ein weiterführendes Gespräch zwischen Hamburg1 und der Firma Öger Tours wie man eine solche Sendung finanzieren könnte. Und Vural Öger sagte dann gleich zu, sich finanziell daran zu beteiligen. Und Nina Öger, die Tochter, war auf meiner Seite und meinte, wenn einer die Sendung moderieren könne, dann Bedo. Und damit war der Kreis geschlossen und zwei Monate später ging es los. Und das ist die wahre Geschichte... (lacht)

CF: Der Start war dann am 1. September 2003. Ich bin übrigens auf die Sendung von meiner Frau aufmerksam gemacht worden, die sagte mir damals: Schau dir das einmal an, das wird dir gefallen... und das tat es dann auch!

Bedo: ...weißt du, dass das sehr häufig der Fall ist. Das habe ich schon so oft gehört, dass die Freundin oder die Frau ihre Männer auf meine Sendung aufmerksam gemacht haben. Woran mag das liegen?

CF: Vielleicht sind die Männer in ihren Sehgewohnheiten so eingeschliffen...
Okay, weiter, jetzt haben wir 2009, wenn du zurück schaust, was hat sich in der Zeit getan?

Bedo: Oh je, wo fang ich an? Also erst nach 5 Jahren Sendung hatte ich das Gefühl, jetzt sitzt „Oriental Night“ richtig und ich bin jetzt am Ende des 6. Jahres. Die Sendung ist reifer geworden, vor allem qualitativ von den Gästen her und auch thematisch. „Oriental Night“ ist genauer, präziser als früher. Im Anfang habe ich es nicht geschafft, jedes Mal hochkarätige Gäste einzuladen. Ich war neu und es fiel mir schwer, immer die Leute dazu zu bewegen zu mir zu kommen. Ich wollte, dass sie aus Überzeugung zu mir in die Sendung kommen und nicht weil ich sie lange dazu überreden musste. Wenn sie aus Überzeugung kommen, macht man `ne ganz andere Sendung. Heute ist „Oriental Night“ gefestigt, relativ bekannt und wenn einer mal nicht kommen kann, dann weil er oder sie keine Zeit hat.
Und ich bin im Laufe der Zeit lockerer geworden - und souveräner.

CF: Aber wie kommt es, dass du immer noch Pionier bist? Warum gibt es nichts Vergleichbares auf nationalen Niveau?

Bedo: Die Frage stelle ich mir auch. Ich weiß nicht warum! Die Frage sollte anderen gestellt werden, TV-Sendern, Produzenten, Intendanten. Ich weiß auch nicht warum und ich verstehe es auch nicht.
Vielleicht – nee, ich sag das nicht – oder doch, ich glaube vielleicht ist die Gesellschaft hier noch nicht reif dafür! Jetzt kriegen die Migranten auch noch eine eigene Sendung deutschlandweit!

CF: Für mich stellt sich da eher die Frage, ob die Entscheider nicht so weit sind oder wirklich die Gesellschaft. Ich hab die Erfahrung gemacht, dass die Leute, die Entscheidungen treffen, ängstlicher sind als die Gesellschaft. Die ist nämlich für vieles bereit!

Bedo: Du hast recht. Die Zuschauer sind nicht das Problem, sondern die Macher von Fernsehen. Weißt du, als ich damals einen neuen Sendeplatz für meine Radiosendung suchte, hat mir doch tatsächlich einer der Macher gesagt, er hätte Angst, dass ihm die Hörer davon laufen würden, sprich die Deutschen (gemeint sind die Bio-Deutschen. Anmerk. d. Red.). Ich glaub das nicht. Das Publikum ist längst reif für eine solche Sendung, vielleicht nicht die Massen, aber eine Menge. Und meine Sendung ist ja für alle gemacht und nicht nur für Deutschtürken. Ich bewege mich auch immer mehr weg von meinen Untertitel: Deutsch-türkisches Lifestyle-Magazin. Es ist ein Lifestyle-Magazin. Fertig. Ich sag nicht mehr „deutsch-türkisch“, das war für den Anfang wichtig. „Oriental Night“ ist Lifestyle und ein Teil der Kultur in diesem Land. Die Angst der Macher, mit ungewöhnlichen Sendungen scheitern zu können sitzt fest. Schau, die deutschen Sender machen doch alle das gleiche. Mit Moderatoren, die gleich reden, das gleiche anhaben und sich gleich geben. Sie stellen die selben Fragen, haben den gleichen Haarschnitt und bekommen auch noch die gleichen Lacher. Das ist immer dasselbe. Ganz ehrlich, die Moderatoren sehen doch alle gleich aus, es gibt einfach keine Moderatoren mehr, die anders sind, individuell und dann auch was anderes machen. Außer vielleicht der Gottschalk. Das ist nicht der Fehler der Moderatoren, sondern der Macher und Produzenten.
Für mich ist das, was ich tue anders. Das Format bin ich und ich bin nicht austauschbar. Ich bestimme Inhalte, Themen und ich moderiere auf meine Art. Das ist viel Aufwand, aber ich will das so. Damit schütze ich mich auch immer etwas selbst, wenn das Format gekickt wird, musst ich mit gekickt werden, weil es einander bedingt. Ich bin nicht austauschbar. Bei anderen Formaten wird der Moderator versetzt oder entlassen und schwups ist für das gleiche oder ein ähnliches Format ein anderer Moderator da, der das nahtlos weitermacht.


 

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