Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 556 Gäste online

Neue Kommentare

Lena Baal zu La Fura dels Baus: Die ‚Schöpfung’ in der Elbphilharmonie – tonbrillant, aber bildideenschwach: Wieder einige Fragen an den Autor dieser Zeilen, ...
Herby Neubacher zu La Fura dels Baus: Die ‚Schöpfung’ in der Elbphilharmonie – tonbrillant, aber bildideenschwach: Tja die Koelner - immer vorneweg. Hier in Vietnam...
Dr. Hans Jürgen von Lengerke, Hannover zu Urvashi Butalia, Emily Nasrallah und Irina Scherbakowa erhalten Goethe-Medaille: Ich würde gern an der Veranstaltung am 28. Augus...
Lena Baal zu Max Merseny: „World Traveller“: Das hört sich so spannend, groovig und "lecker" ...
Lothar zu La Fura dels Baus: Die ‚Schöpfung’ in der Elbphilharmonie – tonbrillant, aber bildideenschwach: Ich finde den (Antwort-)Kommentar ziemlich dämli...

Anzeige

Spezial - Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Spezial - Hamburger Architektur Sommer 2015


Festivals, Medien & TV

Elbjazz Festival – der erste Tag mit starken Frauen

Drucken
(62 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Samstag, den 03. Juni 2017 um 16:16 Uhr
Elbjazz Festival – der erste Tag mit starken Frauen 4.0 out of 5 based on 62 votes.
Elbjazz Festival – der erste Tag mit starken Frauen Isabelle Hofmann

Ein Jahr war Pause, jetzt ist das Elbjazz Festival wieder da, mit tollen Bands, so voll wie noch nie und deutlich konzentriert auf das Werftgelände bei Blohm + Voss.

Was am ersten Tag auch schon sichtbar wurde: In Punkto Organisation gibt es noch reichlich Luft nach oben – und der einzigartige Charme der ersten sechs Jahre ist unwiederbringlich dahin! Keine Live-Bands mehr auf den Barkassen, bis auf St. Katharinen und Mojo Club überhaupt keine kleinen Spielorte mehr, an denen man früher so viel Unbekanntes entdecken konnte. Das Jazz-Festival, das einst den ganzen Hafen – zu Wasser und zu Land – zum Swingen brachte, ist auf dem besten Weg eine Massenveranstaltung wie viele zu werden.

Chaos an den Kassen, kilometerlange Schlangen und zwanzigminütige Wartezeiten selbst bei den Bierständen – die Festivalbesucher mussten vergangenen Freitag schon viel Geduld aufbringen, aber bei dem großartigen Wetter war das für die meisten kein Problem. Einige erzählten von zweieinhalb Stunden, ehe sie von der Elbphilharmonie bis auf das Festivalgelände bei Blohm + Voss kamen, Kurzentschlossene freuten sich, dass die roten Ein-Tages-Bändchen am frühen Abend ausgingen und sie dafür die blauen Zwei-Tages-Bändchen bekamen. Ob es wirklich so war? Ich konnte es nicht nachprüfen, aber die Besitzer der blauen Bändchen, die diese Geschichte erzählten, strahlten vor Freude.

Ja, die Organisation eines solchen Festivals mit Sprung über die Elbe scheint wirklich eine gewaltige logistische Herausforderung zu sein. So immens, dass sie selbst einen alten Hasen wie Konzertveranstalter Karsten Jahnke logistisch überfordert! Es gab viel zu wenige Barkassen – und ohne Musik war es eben auch nur ein Transfer. Die freudig-erregte Festival-Stimmung, die früher schon auf dem Wasser zu spüren war, kam jetzt erst vor der Hauptbühne auf, als Miu, diese hinreißende, zierliche Hamburgerin, ihre raumfüllende, gurrende Soulstimme erklingen ließ. Was für eine Stimme, was für ein Sound, durchaus vergleichbar mit Alicia Keys oder Norah Jones. Mit ihrer direkten, unprätentiösen Gabe, die Leute anzusprechen, schaffte Miu es im Handumdrehen, den riesigen Platz vor der Bühne in ihr Wohnzimmer und die Zuschauer in gute Bekannte zu verwandeln. Nach ihrem spontanen Aufruf, einer ihrer Bandmitglieder würde übrigens umziehen, „und wir brauchen dringend noch ein paar Helfer“, haben ihr sicher etliche Fans die Bude eingerannt.

Überhaupt bleiben vom ersten Festivaltag vor allem starke Frauen in Erinnerung. Beady Belle mit ihrer samtweichen Stimme, die zur allgemeinen Überraschung noch Joshua Redman auf die Bühne holte. Sein Auftritt etwas später am Abend und die unglaublich tolle Interpretation und Phrasierung von Kurt Weills Mackie-Messer-Moritat waren ebenso Highlight, wie die elegisch-elegante Agnes Obel und ihre Musikerinnen, deren verführerisch sanften Stimmen und New-Age-artig fließenden Rhythmen einen in Trance versetzen konnten.

In der Alten Maschinenbauhalle beeindruckte die Saxophonistin Anna-Lena Schnabel, die zwar bald 28 Jahre alt wird, aber eher wie ein höchst selbstbewusster Teenager wirkt. Diese junge Ausnahmemusikerin scheint gar nichts aus der Ruhe zu bringen, auch nicht ein verpatzter Anfang. Während Techniker hektisch versuchten, die Tonstörung zu beheben, stellte sie eben mal ihre Band vor – um dann, nur mit dem Mundstück des Saxofons die Klänge eines sterbenden Schwans zu interpretieren. Anna-Lena Schnabel sucht nach ungewöhnlichen Ausdrucksformen und das mit ungewöhnlichen Mitteln. So stopft sie auch alle möglichen Dinge in den Korpus des Flügels, man sieht aus der Ferne nicht genau, was, aber offenbar auch Flaschen und ein Tamburin. In jedem Fall verändern sich die Töne ununterbrochen und entführen dabei in eine Klangwelt zwischen experimentellem Jazz und Neuer Musik.

Wer keine Elbphilharmonie-Tickets hatte, wo Jan Garbarek und seine Band alte Jazzliebhaber begeisterten (später traten noch Youn Sun Nah und Christoph Spangenberg auf), pendelte zwischen Hauptbühne, Am Helgen und der Alten Maschinenbauhalle hin und her, deren Acts so gut aufeinander abgestimmt waren, dass es nur wenige Überschneidungen gab. Aber selbst auf dem Festivalgelände bei Blohm + Voss war es unmöglich, alle Konzerte zu hören. Das Erik Truffaz Quartet beispielsweise hat die Autorin dieser Zeilen zu ihrem großen Bedauern verpasst. Als sie an der Alten Maschinenbauhalle ankam, strömten ihr die Menschenmassen entgehen, fast alle mit lächelnden Gesichtern und lauthals davon schwärmend, wie unglaublich toll der französische Trompeter gewesen sei. Tant pis pour toi – Pech gehabt, sagen Franzosen in diesem Fall.

Elbjazz Festival
Alle Informationen


Abbildungenachweis: Alle Fotos: Isabelle Hofmann
Header:
Elbjazz Bühne
Galerie:
01. Miu
02. Anna-Lena Schnabel
03. Beady Belle
04. Agnes Obel
05. Helgen Bühne
06. Beady Belle und Joshua Redman
07. Benny Greb Trio Moving-Parts
08. Nguyen Le mit der BDR Bigband
09. Abendstimmung Hauptbühne

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

avatar Frederik Cassens
+4
 
 
Das Anstehen um Ticket gegen Benzel umzutauschen war eine Zumutung. Leider habe wir auch ein paar Konzerte verpasst, weil wir nicht in die Halle bei der Werft kamen. Da ist krass nachzubessern.
Das Wetter hat etwas versöhnt und auch die Akkordeon-Nacht in der Kirche.
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Festivals, Medien & TV > Elbjazz Festival – der erste Tag mit starke...

Mehr auf KulturPort.De

Von Hopper bis Rothko. Amerikas Weg in die Moderne – Ein Rundgang durch die Ausstellung
 Von Hopper bis Rothko. Amerikas Weg in die Moderne – Ein Rundgang durch die Ausstellung



Amerikaner erobern Potsdam! Nach der spektakulären Impressionismus-Ausstellung nun der Blick über den großen Teich nach Nord-Amerika: Das Museum Barberini am  [ ... ]



„Axolotl Overkill”. Dialektik eines Enfant Terrible
 „Axolotl Overkill”. Dialektik eines Enfant Terrible



Verweigerung als Selbststimmung: „Axolotl Overkill” ist das hinreißend provokante Porträt einer 16-Jährigen zwischen Realität un [ ... ]



Das Ravenna-Festival. Himmel und Hölle an der Adria
 Das Ravenna-Festival. Himmel und Hölle an der Adria



Das Leben das Universum und der ganze Rest: Nein, ganz so viel wie Douglas Adams berühmter Sience-Fiction-Klassiker „Per Anhalter durch die Galaxis&l [ ... ]



Gurre-Lieder in der Elbphilharmonie: Zu wenig Vertrauen in die leisen Töne
 Gurre-Lieder in der Elbphilharmonie: Zu wenig Vertrauen in die leisen Töne



Noch ein Anlauf, Repertoire-Riesen zu bezwingen. Und diesmal, für Arnold Schönbergs „Gurre-Lieder“, stand Kent Nagano wieder genesen selbst am Pult [ ... ]



Pascal Schumacher, Maxime Delpierre: Drops & Points
 Pascal Schumacher, Maxime Delpierre: Drops & Points



Keine Linie in Sicht – weit und breit. Dafür Tropfen, Punkte, Flecken, Tupfen und Blasen.
„Drops & Points“ heißt das neue Album des Luxembu [ ... ]



Hip-Hop White Trash Geheimtipp: Snak the Ripper im Harburger Stellwerk
 Hip-Hop White Trash Geheimtipp: Snak the Ripper im Harburger Stellwerk



Confessio: Die Autorin dieses Artikels ist bekennender Hip-Hop-Fan und liebt die Geschichte, Lässigkeit, den „Swag“, den „Style“, den Mo [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.