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Zebra Katz: Ein queerer New Yorker Hip-Hop rappt die Elphie!

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(56 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 11. April 2017 um 08:52 Uhr
Zebra Katz: Ein queerer New Yorker Hip-Hop rappt die Elphie! 3.7 out of 5 based on 56 votes.
Zebra Katz: Ein queerer New Yorker Hip-Hop rappt die Elphie!

Es ist schon skurril, witzig und amüsant, welche oft ausgefallenen Geschmacks-Nischen diese wunderbare, erhabene Elbphil-Harmonie in ihren Anfangsmonaten bedient.
Das sorgt zwar auch oft für Dis-Harmonie bei jenen Besuchern, die Karten aufs Geratewohl gekauft haben, weil sie ultimativ in der ersten Spielzeit Hamburgs neues Wahrzeichen von innen gesehen haben müssen. Aber es sorgt ebenso oft bei den eher auf Überraschung abzielenden und aufgeklärten Exemplaren dieser „Blinddate-Kartenkäufer“ für einmalige Aha-Erlebnisse.

Michael und Cornelia aus Berlin gehören zu dieser Spezies, die allseits interessiert sind und sich nicht nur notgedrungen, sondern auch gerne überraschen lässt. Und bei ihnen hat Zebra Katz, was das Aha-Gefühl und „New York-Style-Erlebnis“ betrifft, gut abgeschnitten.

Und das zu Recht: „First name Zebra, last name Katz, middle name fuckin‘ what you know about that“ wie sich der 30jährige Ojay Morgan selbst auf der Bühne aufruft und die Zuschauer befeuert, es ihm gleichzutun, ist eine wahre Rakete erotischer Explosivkraft. Ein musikalischer Feuerwerker, tigerhaft-durchtrainiert und dabei von massiv-wuchtiger Geschmeidigkeit, gehüllt in glitzernde Pomp-, Leder-, und stilisierte Martial-Arts-Roben und im eindeutig „State of the Art Onesuit“. Alles exklusive Outfits, exklusive Rollen. Und Zebra Katz ist auch Alles: Das Künstler-Ich von Ojay Morgan ist ein begnadeter, in sich selbst verliebter Performer eines sehr reduzierten, spacigen Hip-Hops. Er ist ein bekennender queerer Hip-Hopper und Rapper mit einer kunst- und medienorientierten Ausbildung am Eugen Lang College of Liberal Arts in New York City. Morgan nennt sein Alterego Zebra Katz „the dark rapper, the dark villion, the dark Lord of the fashion world“. Er ist ein Selfmade-Man, der einfach so ist wie er gerne sein will, das sieht und spürt man in jeder Minute des „Konzerts“, das eigentlich viel mehr ist als ein solches! Es ist in chronologischer Reihenfolge: Video- und Musikspektakel, softe SM-Modenschau im Space-Outfit, die von der Anmutung her an eine Mischung aus Grace Jones-Auftritten und der Hardcore-SM-Kellerszene in „Pulp Ficion“ erinnert. Aber auch an ‚Plava Laguna’, die Alien-Opernsängerin in „Das fünfte Element“ muss man denken oder an einige Hardcore-Verließe auf der Reeperbahn, weshalb Zebra Katz allein schon deshalb ausgezeichnet nach Hamburg passt. Darüber hinaus atmet, schwitzt, singt, performt und strahlt er mit allem den Geist der New Yorker Independent Club- und Mode-szene aus. Seine wilden Augenrollspiele, seine obszönen Bewegungen, sein kapriziöses Tänzeln und sein unprätentiöses auf Tuchfühlung-Gehen mit dem Publikum sind so professionell wie mega großstädtisch und powerful, dass mit ihm an diesem Abend im kleinen Saal der Elbphilharmonie auf jeden Fall für alle eins spürbar ist: Hamburg hat Besuch aus New York! Wir sind voll und ganz up to date mit dieser Tanz-Musik-Performance-Show. Sehr passend, da Zebra Katz an diesem Abend im Rahmen des ‚New York-Festivals’ an der Elbphilharmonie auftritt.

Aufgewachsen ist der junge Perfomer in Brooklyn, sieht sich als Multimediakünstler mit Nina Simone, Missy Elliot, James Blake und Lauryn Hill als Vorbildern. Seinen Durchbruch hatte er 2012 mit „Iam Read“, einem Song, den der Modedesigner Rick Owens auf seinen Shows zur ‚Pariser Fashion Week’ benutzte und damit Zebra Katz in eine neue Umlaufbahn katapultierte. Ojay Morgan alias Zebra Katz nutzte die damit einhergehende Chance, um sich einem größeren Publikum bekannt zu machen; ‚The Guardian’ schrieb damals über den Song der Fashion Week: „...ein queerer Rap-Crossover-Hit, der den Slow HipHop feiert und einen völlig neuen Sound kreiert.“ In der Szene wurde Zebra Katz fortan für seine extravagante Individualität und Schrägheit geliebt, allein der Song „Iam Read“ wurde sogar fast 80(!) Mal von anderen Musikern (z.B. Azealia Banks, Twincest, Tricky, Gangsta Boo...) gecovert. Ojay Morgan freut sich laut eigenem Bekunden über jede neue Version.

Und er genießt diese Verehrung, ja beschwört sie bei seinen Auftritten geradezu heraus. Er ist ein „Rampenlicht-Tier“ im besten Sinne. Er liefert ab: Showtime vom Besten. Er ist cool, er hat Humor, er ist hintergründig, untergründig, steigt wie eine Diva von der Bühne, das Meer der Zuschauer teilt sich, um ihm eine breite Schneise anzubieten, ohne, dass er hierfür eine Geste bemühen müsste. Er hip-hoppt, singt, (g)rollt mit den dunklen Augen, dass es Frauen und Männern durch und durch geht, schlängelt sich singend am Boden entlang durch seine Fans. Man meint, er käme von einem anderen Planeten, sei eine andere weichere und zugleich bedrohlichere, weil dermaßen energiegeladene, selbstbewusste und kontrollierte Spezies. Zebra Katz sollte jeder einmal gesehen haben. Er ist klasse, und er ist wirklich eine Klasse für sich und dabei schön anzusehen, schräg anzuhören, zugänglich, berührend, berührbar, schleppt Leute auch auf die Bühne um ihnen Applaus zu geben für Ihre Begeisterungsfähigkeit, tanzt unten im Zuschauerraum mit einem Fan Anklänge an ein ‚Battle’. Dabei sieht er in immer neuen überraschenden Outfits überzeugend und spannend aus und ist erfreulicherweise kein bisschen klapperdürr und zeigt sogar einen winzigen Hügel „Hüftgold“, was seiner Attraktivität aufgrund des harmonischen Gesamteindrucks seiner Person kein bisschen schadet. „Ja, Zebra Katz ist „cool“, Michael und Cornelia aus Berlin nicken bestätigend. Der mit dem Mittelnamen „fuckin‘ what do you know about that“ Zebra Katz ist ein Hammer, eine „coole Socke“!

Es war wirklich ein „sauguter“ später Abend im kleinen Saal der Elbphilharmonie. Und außerdem war alles sehr stimmig, was das Berliner Paar und alle anderen Besucher im ausverkauften Saal zu sehen und hören bekamen – und damit auf extrem außergewöhnliche Art in sich harmonisch.

Jetzt reicht es also aus, in die HafenCity zu „reisen“, um ein bisschen New York-Feeling zu erleben und anschließend mit nach Hause tragen zu können. Äußerst erfreulich!



Abbildungsnachweis: © Fotos: Cornelia Schiller
Header: Plakatmotiv
Galerie:
01. Zebra Katz, Augenrollen
02. Michael und Cornelia aus Berlin
03. Zebra Katz, pure Hip-Hop
04. Zebra Katz, Video
05. Sad Song, performance
06. Zebra Katz mitten im Publikum
07. Zebra Katz im neuen Anzug
08. Zebra Katz im Silber-Outfit mit SM-Maske
09. Zebra Katz performing
10. Zebra Katz in action

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avatar Cuckie
+2
 
 
Spannender Artikel, der für mich das Konzerterlebnis durch gute Hintergrundinformationen abgerundet hat.
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avatar Miko
+1
 
 
War auch im Konzert. C.Schiller beschreibt in ihrem Artikel sehr gut die Stimmung/Atmosphäre des Abends bei diesem Konzert bzw. dieser Performance!






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