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Festivals, Medien & TV

Art Basel Miami Beach. Licht und Schatten unter der Sonne Floridas

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Mittwoch, den 26. Oktober 2016 um 08:50 Uhr
Art Basel Miami Beach. Licht und Schatten unter der Sonne Floridas 4.5 out of 5 based on 94 votes.
Art Basel Miami Beach. Licht und Schatten unter der Sonne Floridas

Am 1. Dezember öffnet die Art Basel Miami Beach zum 15. Mal ihre Pforten. Trotz des schillernden Images gilt sie als eine der wichtigsten Kunstmessen weltweit. Fast 80.000 Menschen drängeln sich durch die Gänge des Convention Centers oder besuchen eine der zahlreichen Satelliten-Messen. 269 Galerien stellen dieses Jahr aus, 32 davon kommen aus Deutschland. Fast alle sind Dauergäste auf der Kunstmesse – nicht ohne Grund.

Lustvolle Amerikaner, diskrete Deutsche
„Die Messe in Miami gehört für mich – neben der Art Basel und der TEFAF in Maastricht – zu den wichtigsten im Jahr.“ Silke Thomas ist mit ihrer Galerie aus München bereits seit 2003 dabei. Die Spezialistin für Deutschen Expressionismus und Klassische Moderne trifft hier vor allem Kunden aus den USA und Lateinamerika. Ihr gefällt, wie diese Sammler an den Kunstkauf herangehen. „Der Unterschied ist die Lust! Pauschal ausgedrückt, lässt sich der US- oder Südamerikaner viel leichter von einem Objekt begeistern als ein deutscher Kunde. Die Amerikaner sind dann richtig stolz auf die neue Erwerbung und lassen andere gerne daran teilhaben. Das ist dann für uns eine unheimlich erfrischende, schöne Erfahrung. Deutsche Kunden sind da wesentlich diskreter und zurückhaltender.“ Annette Kicken, Deutschlands führende Galeristin für Fotografie, mit Sitz in Berlin, erlebt das ähnlich. Viele Kunden, die sie in Miami trifft interessieren sich nicht nur für Kunst: „Das sind ja oft sehr vermögende Sammler in Miami. Das Drumherum und der Eventcharakter ist für sie schon auch wichtig.“

Kontaktbörse bei Sonnenschein
Diese Begeisterung schlägt sich in einer gewissen Feierfreudigkeit nieder. Wer einmal die Art Basel in Miami besucht hat, kennt das: Kunst und Kunstkauf wird hier zelebriert. Die Presse hechelt dankbar dem Partymarathon und der Prominenz hinterher. Dabei geht es hinter der Glitzerfassade vor allem ums Geschäft. Silke Thomas und Annette Kicken kommen vor lauter Arbeit kaum aus der Ausstellungshalle. Feiern dürfen nur die anderen. Experten schätzen, dass rund 60 bis 80% des Gesamtumsatzes einer Galerie auf Messen gemacht werden. Hier werden Kontakte geknüpft, Kunden akquiriert und Kooperationen eingegangen. Das ist in Miami Beach nicht anders als in Basel oder Maastricht – nur dass eben die Sonne strahlt und das Meer glitzert.

„Viele amerikanische Kuratoren haben außerdem wenig Reisebudget. In Miami können wir sie dann leichter persönlich treffen. Wir kommen dann quasi zu ihnen“ sagt Annette Kicken. Sie schätzt, dass die Hälfte ihrer Kunden aus den USA kommen, wo Fotografie schon früh als künstlerisches Medium anerkannt wurde. „Wir können hier mehr Sammler über die Gattungsgrenzen hinweg erreichen und die Fotographie aus ihrem künstlerischen Ghetto holen.“ Annette Kicken erschließt sich in Miami also auch einen neuen Kundenstamm, der sich vielleicht bisher nur für Gemälde interessiert hat.

Die härteste Tür der Messewelt
Über 600 Galerien bewarben sich 2016 für einen Stand in Miami. Weniger als die Hälfte wurde von der Jury ausgewählt; laut eigener Aussage ohne Länderquote. Wer einmal vertreten war, bewirbt sich jedes Jahr aufs Neue. Die Wiederholungsquote liegt bei annähernd 100%. Eine erlesene Clique. Die Art Basel hat angeblich eine der härtesten Türen weltweit. Annette Kicken und Silke Thomas sind jedoch jedes Jahr dabei.

Wer hier ausstellen möchte, muss nicht nur höchsten Ansprüchen genügen, sondern auch gut bei Kasse sein. Ein Stand kostet 50.000 Euro aufwärts – ohne Nebenkosten, Versicherungen und Reisespesen. Schnell kommt da ein sechsstelliger Betrag zusammen. Eine lohnende Investition, denn die Käufer sind erlesen, die meisten Sammler haben dickere Geldbeutel als ihre deutschen Kollegen. „Hier treffen wir vor allem sehr wohlhabende Leute. Die soziale Schere in den USA ist wesentlich größer als in Deutschland. Hierzulande haben wir einen soliden Mittelstand, der Kunst sammelt“ stellt Silke Thomas fest.

Knüppel zwischen die Beine
Dabei sind die deutschen Galerien auf der Messe nur kleine Fische, verglichen mit den Mega Galerien aus den USA. Der gesamte deutsche Markt für Gegenwartskunst macht weniger Jahresumsatz als zum Beispiel Kunsthändler Larry Gagosian, mit geschätzten 982 Mio. Dollar. Seine Galerie gehört zu den ganz dicken Fischen – genauso wie Hauser & Wirth oder Zwirner. „Diese global aufgestellten Galerien vermitteln natürlich den Anschein von Stärke, Stabilität und Macht. Aber dabei geht manchmal das, was den Kunsthandel all die Jahre ausgemacht hat, verloren: Nämlich die tatsächliche, persönliche Beziehung zum Käufer.“ Silke Thomas weiß, welchen Vorteil ihre Art zu arbeiten hat: Den Kunden über Jahre hinweg kennen und wissen, was er sucht und mag – das bieten vor allem Galerien, die auf hohem Niveau spezialisiert sind.

Verglichen mit den Konkurrenten aus den USA, fühlen sich aber viele deutsche Kunsthändler im Nachteil. „Man schmeißt uns Knüppel zwischen die Beine, wir sind auf dem internationalen Kunstmarkt benachteiligt!“ Kommt die Rede auf die neuesten Regelungen wirkt Silke Thomas aufgebracht. Gewinne werden seit kurzem mit dem vollen Mehrwertsteuersatz belegt. Das sogenannte Folgerecht beteiligt Künstler auch beim Wiederverkauf ihrer Werke. Eine Regelung, die es in anderen Ländern so nicht gibt oder nicht angewandt wird. Und schließlich das neue Kulturschutzgesetz, das streng reglementierte Ausfuhrgenehmigungen vorsieht. Das alles schlägt sich im Preis nieder. „Die amerikanischen Galeristen haben viel freiere Handelsmöglichkeiten“, davon ist Silke Thomas überzeugt.

Umso wichtiger ist es für deutsche Top-Galerien, Präsenz auf dem amerikanischen Markt zu zeigen – zumindest einmal im Jahr. Dann gilt es, die Trümpfe auszuspielen, die sie zu bieten haben. Intensive Kundenpflege, eine exquisite Auswahl an Kunstwerken und unermüdliches Engagement. Sowohl Silke Thomas als auch Annette Kicken sind charismatische Frauen mit Bodenhaftung. Und was das wichtigste ist – mit einer großen Lust an dem, was sie tun. Und das kommt bei ihren Kunden in Übersee natürlich gut an.

Art Basel Miami Beach 2016
1.-4. Dezember 2016
Weitere Informationen
Eintritt-Tickets zwischen 50 und 105 US$
Online Booking



Abbildungsnachweis:
Header: Art Basel Miami Beach 2015. Galleries Sadie Coles. © Art Basel
Galerie:
01. und 02. Messestand der Galerie Kicken, Berlin auf der Art Basel Miami Beach, 2015. Courtesy Kicken Berlin.
03. Porträt von Annette Kicken. © Alex Dwyer/Courtesy Kicken Berlin
04. und 05. Messestand der Galerie Thomas, München auf der Art Basel Miami Beach 2014 und 2015. Courtesy Galerie Thomas.
06.
Porträt von Silke Thomas. © Robert Haas.

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