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11. Norddeutsche Handpressenmesse BuchDruckKunst

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Geschrieben von Isabelle Hofmann  -  Freitag, den 15. Januar 2016 um 13:02 Uhr
11. Norddeutsche Handpressenmesse BuchDruckKunst 4.4 out of 5 based on 64 votes.
11. Norddeutsche Handpressenmesse BuchDruckKunst

Zum 11. Mal findet an diesem Wochenende die Norddeutsche Handpressenmesse „BuchDruckKunst“ im Museum der Arbeit statt – und zum 1. Mal ohne Stefan Bartkowiak. Der Initiator und Spiritus rector zeitgenössischer Buchkunst in Hamburg starb am 5. November 2015 im Alter von 75 Jahren. Mit seiner warmherzigen, überaus freundlichen Art gelang es dem umtriebigen Grafiker und Gestalter in jahrelanger Aufbauarbeit der Buchkunst in Hamburg einen festen Platz zu geben. Jürgen Bönig vom Museum der Arbeit kündigte bereits an, die Messe künftig fortführen zu wollen – obwohl sich auch Wibke Bartkowiak zurückzieht und die Organisation dieser in Norddeutschland größten Buchkunst-Schau nach der diesjährigen Messe beendet.

Immer noch fristet die Buchkunst ein Nischendasein. Oder muss man sagen: immer mehr? Im digitalen Zeitalter wird ein Großteil aller Texte am Computer gelesen; Zeitungen und Zeitschriften verlieren ihren Stellenwert und es gibt nicht wenige Pessimisten, die in nicht mehr allzu ferner Zukunft das Ende des gebundenen Buches prognostizieren. Was dabei an sensitivem Vergnügen verloren gehen würde, zeigt die „Buch Druck Kunst“ vom 15. bis 17. Januar 2016. Denn auf dieser Messe kann man das Buch noch als Gesamtkunstwerk aus Literatur und ästhetischer Aufmachung erfahren: Ein schöner Einband, griffiges Papier und vor allem die zahlreichen original Holzschnitte oder Lithografien machen das Buch nicht nur zu einem veritablen Kunstwerk, sondern auch zu einem optischem und haptischen Erlebnis, das nicht nur passionierten Sammlern besonderes Vergnügen bereitet.

Die Zeremonie des Aufblätterns, Schauens, Umschlagens und Lesens hat Stefan Bartkowiak von Kindesbeinen an genossen. Bereits sein Vater, Professor für Typographie in Berlin, sammelte zeitgenössische Buchkunst. Nach dessen Tod begann der Sohn 1982, damals noch unterstützt durch seine Mutter und später tatkräftig von seiner Frau Wibke, einen Antiquariatshandel aufzubauen und 18 Kataloge zusammenzustellen. Eine leidenschaftliche Arbeit, die schließlich in einem Kompendium zeitgenössischer Buchkunst mundete – sowie in der Gründung des „forum book art“. Ein Forum, auf dem sich die Szene der Buchkünstler und Handpressendrucker traf und austauschen konnte. Das Haus der Bartkowiaks unweit der Außenalster wurde fortan so eine Art Heimstatt für alle in- und ausländischen Buchkunst-Freunde. Als das Museum der Arbeit 1997 gegründet wurde, fiel es Stefan Bartkowiak nicht schwer, den damaligen Direktor Gernot Krankenhagen und Kurator Jürgen Bönig davon zu überzeugen, dass dieses Haus genau der richtige Ort für eine große BuchDruckKunst-Messe sei.

Die über 50 Künstlerinnen und Künstler, die in diesem Jahr ihre überaus kostbaren und fantasievoll aufgemachten Produkte im Museum der Arbeit vorstellen, haben Stefan und Wibke Bartkowiak noch gemeinsam ausgesucht. Renommierte Buchkünstler aus ganz Deutschland, aber auch Stars ihrer Branche aus Spanien, Polen, Litauen und der Schweiz, wie Antonio Alcaraz von der Universitat politècnica de València/Spanien oder Kestutis Vasiliunas, Dozent für Druckgrafik an der Kunstakademie von Vilnius/Litauen.
Fast alle Aussteller sind nicht nur Gestalter, Illustratoren und Schriftsetzer, sondern oft auch noch Buchbinder, Verleger und Buchhändler in einer Person.

Mit einer Premiere der besonderen Art wartet erstmals auch der Buchkunst-Nachwuchs auf: Studenten der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, von Burg Giebichenstein bei Halle (der deutschen Kaderschmiede für exzellentes Kunsthandwerk) und von der Kunsthochschule Llotja aus Barcelona/Spanien werden die Lithografie- und Druckabteilung des Museums der Arbeit aktivieren und vor den Augen der Besucher ihre Meisterschaft unter Beweis stellen.

Zu dem Messeschwerpunkt Papier gibt es eine kleine Sonderschau, die über geschichtliche Entwicklung seiner Verarbeitung aufklärt. Wie heute noch handgeschöpftes Papier aussieht und entsteht, zeigt Johannes Follmer, Besitzer einer historischen Papiermühle in Franken und einer der wenigen Meister dieses Fachs. Und wer sich für kunstvoll gestaltete Bucheinbände interessiert, dem wird die Hamburger Buchbindemeisterin Karen Begemann gerne zeigen, wie ihr Handwerk genau funktioniert.
Und Stefan Bartkowiak, das ist klar, wird mit seiner roten Cordhose und seiner roten Jacke auf Wolke Sieben sitzen und aus seinen warmen, freundlichen Augen über sein rotes Brillengestell auf das bunte Treiben schauen.
Und sein Geist wird die Messe beflügeln.
11. Norddeutsche Handpressenmesse BuchDruckKunst
Zu sehen im Museum der Arbeit, Wiesendamm 3, in Hamburg-Barmbek
Eröffnung 15.1., 19 Uhr. Öffnungszeiten: 16.1., 10-19 Uhr und 17.1. 10-17 Uhr. Eintritt 9 Euro / 7 Euro.
Weitere Informationen


Abbildungsnachweis:
Header: Aussteller und Besucher bei der Norddeutschen Handpressenmesse im Museum der Arbeit
Foto: SHMH/Museum der Arbeit
Galerie:
01. Einladungskartenmotiv
02. Stefan Bartkowiak. Foto: privat
03. Aussteller und Besucher bei der Norddeutschen Handpressenmesse im Museum der Arbeit
Foto: SHMH/Museum der Arbeit.
04. Atelier G auf der Norddeutschen Handpressenmesse, Foto: SHMH/Museum der Arbeit.

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