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Peter Heinrich Brix – Norddeutsch

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Geschrieben von Isabelle Hofmann  -  Montag, den 11. Mai 2015 um 09:49 Uhr
Peter Heinrich Brix – Norddeutsch 4.6 out of 5 based on 125 votes.
Peter Heinrich Brix Foto I.Hofmann

Als Adsche Tönnsen wurde er zum Lieblings-Bauern der TV-Nation. Jetzt feiert Peter Heinrich Brix seinen 60. Geburtstag – und wird vom NDR mit einem Themenabend geehrt.

Isabelle Hofmann (IH): Für Ihr Geburtstags-Spezial „Brixi – mich gibt’s nur zweimal“ standen Sie erstmals ihrem Alter Ego Adsche Tönnsen gegenüber. Wie war das?

Peter Heinrich Brix (PHB): Ein wenig, wie der Ritt auf der Rasierklinge.

IH: Das klingt gefährlich.

PHB: Na ja, es ist nicht so einfach eine Doppelrolle zu spielen und bei dem ständigen Wechsel immer den richtigen Ton zu treffen. Und dann ist Brixi sehr nah an Brix, das ist schon sehr privat. Aber Brixi ist auch nicht ganz Brix. Er ist so leicht überhöht. Brixi ist ein wenig lauter als ich es wäre. Er taucht am Set in einem Anzug auf, das würde ich auch nicht machen.

IH: Aber beide, Adsche und Brixi, schnacken nicht viel, besonders nicht übers Privatleben.

PHB: Ja das ist wohl richtig. Ich bin norddeutsch geprägt und nicht unbedingt jemand, der sein Herz auf der Zunge trägt.

IH: Besitzen Sie auch Adsches „feines Talent zum Schweigen“?

PHB: Partiell. Ich kann auch ganz anders. Ich kann auch sehr anstrengend und sehr kleinteilig sein. Ich kann mich auch aufregen. Wenn man immer nur die Schnauze hält und sagt „bitte, nach Ihnen“, dann wird das ja auch nix.

IH: Sie sind auf dem Hof ihrer Eltern in Angeln aufgewachsen, haben ihn auch geführt, bis Sie sich mit 34 Jahren ganz für die Schauspielerei entschieden. Was unterscheidet Sie eigentlich von Adsche?

PHB: Ich habe sicher viele Verhaltensweisen aus der Umgebung meiner Kindheit adaptiert. Aber Adsche geht naiver an die Sachen ran und tut Dinge, die ich so nicht tun würde. Ich hätte zumindest mal den Wohnort gewechselt.

IH: Sie haben Adsche mal als „Grenz-Debilen“ bezeichnet. Dennoch kann man vom ihm lernen.

PHB: Ja, die unkomplizierte Art mit dem Leben umzugehen. Er kann sich an den kleinen Dingen freuen. Und sich in dem zu bescheiden, was da ist. Zufrieden zu sein, ohne nach etwas Höherem zu streben. Er hat vielleicht nicht das Leben, das er sich wünscht, aber er ist immer fröhlich und nicht selten läuft er durch die Gegend und sagt: „Was ist das wieder herrlich heute!“

IH: Er ist jedenfalls ein unglaublich sympathischer Typ!

PHB: Wenn das so ist, freut mich das.

IH: Ich glaube, das kann man so gar nicht spielen, oder?

PHB: Neee. Man bringt schon eine Menge mit in solchen Rollen.

IH: Nicht alle TV-Sympathieträger sind auch privat nette Menschen.

PHB: Na ja, Schauspieler können ja auch nicht immer Everybody’s Darling sein. Sie haben eine Menge Interessen zu vertreten, sie müssen sich gegen vieles durchsetzen. Und es sind eitle Menschen, das ist nun mal so, sonst stellt man sich nicht hin und sagt: guckt mich an.

IH: Sie sind eitel?

PHB: Ja, ich glaube schon. Ich muss ja eitel sein, sonst würde ich mich nicht ins Fernsehen stellen. Es gibt sicher Kollegen, da ist die Eitelkeit ausgeprägter als bei mir. Aber ich hab` sie doch auf meine Art auch, alles andere wäre doch gelogen.

IH: Ich denke, Ihre Spielfreude hat sie zum Fernsehen gebracht?

PHB: Natürlich bin ich da hingegangen, weil ich gerne spiele, aber ich wollte doch auch spielen, weil ich dadurch Anerkennung bekomme und auch mein Leben ganz gut gestalten kann.

IH: Haben Sie noch andere charakteristische Eigenschaften?

PHB: Jede Menge. Ich bin eigenbrötlerisch auf eine Art. Ich muss viel alleine sein. Ich komme gerade von drei Wochen Dreharbeiten Büttenwarder, da brauche ich schon drei Tage, um wieder auf Kurs zu kommen.

IH: Hängen Sie noch so lange in der Rolle drin?

PHB: Das nicht, aber nach drei Wochen Dreharbeiten sehe ich natürlich entsprechend aus. Warum soll ich mir abends die Fingernägel saubermachen, wenn sie morgens wieder dreckig gemacht werden? Man lässt alles wachsen und mit der Zeit sieht man dann ziemlich verwahrlost aus.

IH: Überträgt sich das auch auf die Psyche?

PHB: Na ja, vielleicht strahlt das so ein bisschen aus. Ich bin jedenfalls froh, dass meine Frau die Macken, die ich zweifelsohne habe, verstehen und vor allem aushalten kann.

IH: Ihre Frau ist aus der gleichen Branche, sie arbeitet beim Fernsehen in der Produktionsleitung. Hatten Sie als junger Mensch eigentlich Probleme, Frauen für sich zu gewinnen?

PHB: Ja sicher. Ich war viel zu schüchtern. Ich war nie mit den wirklich guten Mädels unterwegs. Ich war ja immer an Spitzenfrauen interessiert, aber die haben mich nie angeguckt.

IH: Na, schließlich haben Sie ja doch eine bekommen. Sie sagten mal, sie gehören nicht zu den schönen Menschen. Haben Sie sich manchmal ein anderes Gesicht gewünscht?

PHB: Nein, nie! Damit habe ich mich nicht aufgehalten. Keinen Millimeter! Ich war in der Schule immer der kleinste, das hat mich viel mehr genervt. Ich war noch mit 15 der kleinste und das musste ich immer mit Humor kompensieren. Aber das sollte dann wohl so sein, denn das konnte ich später ja gut gebrauchen.

IH: Es gibt ja viele Jungs, die noch spät in der Pubertät einen Wachstumsschub machen. Heute sind Sie mit fast 190 cm ja nicht zu übersehen. Was sagen denn eigentlich Ihre Jugendfreunde zu Büttenwarder? Sind die nicht sauer, dass Sie den Bauernstand ins Lächerliche ziehen?

PHB: So was gab es zu Anfang. Nach dem Motto: Jetzt ist er in Hamburg und jetzt verscheißert er uns auch noch. Dann musste ich immer in aller Deutlichkeit darauf hinweisen, dass es sich um eine Fiktion handelt und nicht um eine Dokumentation. Mittlerweile ist es aber kein Thema mehr, Büttenwarder gehört dazu wie Weihnachten.

IH: Ja, seit nunmehr 18 Jahren. Warum lieben die Menschen Büttenwarder so sehr?

PHB: Es gibt ja diesen Spruch: Büttenwarder ist überall. Diese scheinbar banalen Probleme kann man ja auf die große weite Welt projizieren. Damit identifizieren sie die Zuschauer ein Stück weit. Man ist gerne in Büttenwarder, weil das so eine heile, überschaubare Welt ist.

IH: Die Sehnsucht nach dem kleinen Glück?

PHB: Natürlich! Büttenwarder ist der total Gegensatz zu dieser globalisierten, digitalisierten, schnelllebigen Welt. Da gibt es halt noch das Telefon mit der Wählscheibe, auch, wenn‘s nicht funktioniert. Man ist gerne da, das ist tatsächlich so.

IH: Dabei gibt es dort gar keine Frauen.

PHB: Na und? Mir haben die Frauen in Büttenwarder bisher nicht gefehlt. Die würden ja auch einiges durcheinanderbringen. Wir sehen doch, wieviel Konfliktpotential allein in dieser Gerlinde Kökenbrück liegt, dann wollen wir es doch lieber bei ihr belassen (lacht).

IH: Frauenmangel ist ja wirklich ein Thema auf dem Land. Ist der Beruf Bäuerin so unattraktiv?

PHB: Das weiß ich gar nicht. Das ist ein hochqualifizierter Job, aber die Höfe werden immer weniger. Es gibt weniger Arbeit auf dem Land, deshalb gibt es auch weniger Frauen in der Landwirtschaft.

IH: Und Typen wie Adsche und sein Freundfeind Brakelmann sterben aus.

PHB: Diese Typen gibt es überall, aber sie verändern sich. Sie werden ja durch ihr Umfeld geprägt. Die Bauern fahren heute mit ihren computergesteuerten Maschinen über das Feld. Wir entwickeln uns mit rasender Geschwindigkeit auf die industrielle Landwirtschaft zu. Nicht, dass sie käme, sie ist da, nur die Strukturen sind noch nicht überall vollendet. Wir sind jetzt im Übergang. Aber die industrielle Landwirtschaft wird unseren ländlichen Raum noch einmal sehr viel mehr verändern.

IH: Ist die Beziehung der Bauern zur Natur nicht immer noch größer als bei Städtern?

PHB: Durch den Beruf schon. Ich würde aber diese Unterscheidung zwischen Stadt und Land so nicht mehr machen. Das wächst immer mehr zusammen. Wenn Du mit der Sau über die Wiese läufst, hörst du vielleicht noch eine Rohrdommel, aber nicht bei zweitausend Schweinen im Stall. Die Betriebe mit Zukunft haben industrielle Ausmaße, man muss sich nur mal so eine Biogasanlage angucken.

IH: Macht Sie diese Entwicklung traurig oder wütend?

PHB: Beides ist zu viel gesagt. Es ist eine zwangsläufige Entwicklung. Wir wollen für 1,70 Euro unser Fleisch essen, das spiegelt sich auf der Produktionsseite wieder. Da kann man wütend drüber sein, aber wir werden die Räder nicht rückwärts drehen. Alles, was möglich ist, wird möglich gemacht - wenn es sich rechnet. So sehe ich das und so ist es auch. Und so war es auch schon immer. Es ist eine Rechenaufgabe.

IH: Ja, aber der Widerstand wächst.

PHB: Das sind alles Einzelmaßnahmen. An dem Großen und Ganzen ändern wir da gar nichts. Wenn wir an dieser massenhaften Fleischproduktion etwas ändern wollen, dann läuft das nur übers Geld.

IH: Dennoch: Immer mehr Menschen kämpfen gegen Massentierhaltung und genetisch verändertes Saatgut, mittlerweile bringen auch die Medien zunehmend kritische Berichte.

PHB: Das ist ja auch wunderbar! Vor allem schafft es Bewusstsein, und das ist das wichtigste. Aber manchmal kommt es mir auch wie ein hilfloser Versuch vor, sich von diesen ganzen Entwicklungen, die wir nicht stoppen können, abzukapseln.

IH: Wir werden das Problem nicht lösen, deshalb zurück zu Ihrer Person: Sie haben in „Großstadtrevier“ und in „Pfarrer Braun“ Polizisten gespielt, und in der bezaubernden Komödie „Butter bei die Fische“ einen Pastor. Aber, egal, was sie spielen, es sind immer Figuren mit einer besonderen Bedächtigkeit und Bodenständigkeit. Hätten Sie nicht Lust, mal total aus der Rolle zu fallen?

PHB: Das hat man immer. Ein paar Mal habe ich es ja auch hinbekommen: Ich habe einen Kindermörder im Tatort gespielt und kürzlich eine Transe. Aber meistens wird man auf der Ecke besetzt, aus der man kommt.

IH: Weil es sich anbietet?

PHB: Natürlich. Und wenn man so eine Nase im Gesicht hat, dann bietet es sich noch ein bisschen mehr an. Das ist Segen und Fluch – aber vielmehr Segen als Fluch.

IH: Träumen Sie nicht heimlich von der großen, klassischen Rolle?

PHB: Ich möchte gern Geschichten von Menschen erzählen, die vom Leben gebeutelt sind, aber ich bin nicht darauf aus, mich noch einmal neu zu erfinden. Den King Lear werde ich nicht spielen, das kann ich jetzt schon verbindlich sagen. Das können andere besser.

Peter Heinrich Brix wurde am 13. Mai 1955 in Flensburg geboren und wuchs in Angeln auf dem elterlichen Hof auf. 1983 stand der staatlich geprüfte Landwirt erstmals auf einer Laienbühne, 1989 entschloss er sich, für seinen Betrieb einen Meister einzustellen und sich ganz der Schauspielerei zu widmen. Er zog nach Hamburg und übernahm Klein- und Kleinstrollen. Den Durchbruch im Fernsehen schaffte Brix in der Krimi-Serie „Großstadtrevier“ (1995-2010). Als Polizist Lothar Krüger stand er gemeinsam mit Jan Fedder (Polizeioberkommissar Dirk Matthies) vor der Kamera, an dessen Seite er erstmals 1989 auftrat. Seit 1997 spielen Brix und Fedder die beiden Hauptrollen in der norddeutschen TV-Serie „Neues aus Büttenwarder". Die in herzlicher Freundfeindschaft verbundenen Bauern Adsche Tönnsen und Kurt Brakelmann sind gemeinsam alt geworden und haben längst Kultstatus erlangt. In der ARD-Reihe „Pfarrer Braun“ (2003-2013) kennt man Brix zudem als Kommissar Geiger. Weitere Hauptrollen spielte der Schauspieler in etlichen Kino- und TV-Filmen, u.a.: „Butter bei die Fische“ (2009), „Fischer fischt Frau (2011) und „Der Mann, der alles kann“ (2012).
Peter Heinrich Brix ist Ehrenkommissar der Polizei Hamburg und lebt mit seiner Frau Angelika in der Hansestadt. Den elterlichen Hof will er dennoch nicht verkaufen. Begründung: „Man verkauft nicht. Das ist schon mal das erste“.

Peter Heinrich Brix - Themenabend am 14. Mai im NDR Fernsehen:
20.15 Uhr „Neues aus Büttenwarder: Vatertag“
20.40 Uhr „Neues aus Büttenwarder: Knopfhase“
21.10 Uhr „Peter Heinrich Brix - Ein Mann mit Charakter“
22.10 Uhr „Brixi – mich gibt`s nur zweimal“
22.25 Uhr „Der Mann der alles kann“


Abbildungsnachweis:
Header: Portrait Peter Heinrich Brix. Foto: Isabelle Hofmann

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