Zum Anfang

Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 666 Gäste online

Neue Kommentare

Herby Neubacher zu Mahlers Achte: Erlösung nicht wirklich garantiert: Faellt einem ein - nicht schoen aber laut. Es leb...
Marion Sörensen zu Unsere 17. Lange Nacht der Museen in Hamburg: Ich kann der Vorrednerin nur intensiv beipflichte...
Dirk Lübben zu Gezeitenkonzerte – Musik-Festival in Ostfriesland: Sturm und Klang: Ein schöner Artikel, der Lust macht, dieses Fest...
Some dude from north of the river zu „Gimme Danger” – Liebeserklärung an Iggy Pop & The Stooges: Das klingt wunderbar. Den Film werde ich mir ganz...
Lena Baal zu Unsere 17. Lange Nacht der Museen in Hamburg: Super unterhaltsamer, informativer Artikel, in de...

Anzeige

Spezial - Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Spezial - Hamburger Architektur Sommer 2015


Literatur

Dirk C. Fleck: Der Umbau der globalen Konsumkultur wird das wichtigste Ereignis in der Geschichte der Menschheit sein

Drucken
(210 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 12. Februar 2014 um 10:59 Uhr
Dirk C. Fleck: Der Umbau der globalen Konsumkultur wird das wichtigste Ereignis in der Geschichte der Menschheit sein 4.6 out of 5 based on 210 votes.
Dirk C. Fleck: GO! Die Ökodiktatur

Der Autor und Journalist Dirk C. Fleck gilt als der Vater des deutschen Öko-Thrillers.
Nach 20 Jahren gibt es jetzt sein visionäres Buch „GO! – Die Ökodiktatur" in einer Neuauflage. Ein Gespräch mit einem Pessimisten am Rande des Abgrunds.

"Niemand setzt sich vorsätzlich in einer geschlossenen Garage ins Auto und lässt den Motor laufen. Weil er weiß, was hinten rauskommt. Unsere Erde mit ihrer Atmosphäre ist aber auch so eine Garage, nur will das niemand sehen. Wir begehen globalen Ökozid und diskutieren derweil über Mindestlohn und Riesterrente." Dirk C. Fleck, Jahrgang 1943, findet klare Worte, wenn er über die globalen Umweltzerstörungen redet. Er beschäftigt sich seit seiner Zeit als Journalist (er schrieb u. a. für „Stern", „Spiegel", „Geo", „Berliner Morgenpost", „Welt", „Tempo" und „Merian") wieder und wieder mit den globalen Umweltzerstörungen, die immer umfassender die Lebensgrundlagen der Menschheit bedrohen.

Gerade erst wurde sein Öko-Thriller „Go! – Die Ökodiktatur" neu aufgelegt. Ein düsterer und aufrüttelnder Blick nach vorn in eine Zeit, in der mit Zwangsmaßnahmen versucht wird, zu retten, was noch zu retten ist. Erschienen war der Roman erstmals 1993 – er wurde ein Jahr später mit dem Deutschen Science-Fiction-Preis ausgezeichnet. Und steht jetzt am Beginn einer neuen Reihe, in der alle Preisträger-Romane erscheinen sollen, darunter Frank Schätzings „Der Schwarm", aber auch der ebenfalls ausgezeichnete erste Band („Das Tahiti-Projekt", 2009) von Flecks utopischer Öko-Trilogie, die er 2012 mit „Das "Südsee-Virus“ fortgesetzt hat. An einem drittem Band „Feuer am Fuß" arbeitet er derzeit – was wie zuvor von Gönnern ermöglicht wird, die seine Idee für überlebenswichtig halten. Seine Bücher werden inzwischen übersetzt und nachgedruckt, auf Kuba, in der Türkei, in Vietnam.

Fleck ist kein Öko-Eiferer, er spricht eher wie ein Arzt, der schon zu viel gesehen hat, um sich angesichts eines todkranken Patienten große Illusionen zu machen. „Wir Menschen haben Jahrhunderte lang in unser Wohnzimmer uriniert. Anstatt aber unsere Lebensweise zu hinterfragen, diskutierten wir lieber über die Saugfähigkeit des Teppichs. Erst jetzt, da der Sättigungsgrad des Teppichs erreicht ist, beginnen wir allmählich aufzuwachen."

Dabei hätte es, sagt er, nicht zwangsläufig so weit kommen müssen. „Wir hatten unsere Chance, wir hatten sie immer. Wir konnten sie nur nicht nutzen, weil wir als politisches Gemeinwesen keine Idee besaßen, was und wer wir eigentlich sein wollten, jenseits unseres immer kümmerlicher werdenden Konsumentendaseins im Scheinpluralismus weniger Konzerne. Das Profitinteresse einer kriminellen Finanz- und Wirtschaftselite hat in den letzten Jahrzehnten jede vernünftige Problemlösung im Ansatz erstickt."

Wohin das führe, sei längst absehbar. „Meine Ökodiktatur", sagt Dirk C. Fleck, „ist ein politischer Notwehrreflex, der erst dann aktiviert wird, wenn das kapitalistische System erkennbar an seinem Ende angelangt ist, wenn das Giersystem definitiv an seine natürliche Grenze gestoßen ist. Wenn der Planet nicht mehr intakt ist, dann bleibt nicht viel anderes, dann müssen zwei, drei Generationen ruhig gestellt werden in der Hoffnung, dass sich die Erde erholt und die Menschheit überleben kann. Und wenn es doch anders kommt, dann geht nicht die Erde kaputt, sondern die Menschheit stirbt aus." Er vergleicht das mit der zerstörenden Tätigkeit von Krebszellen. „Vielleicht ist die Menschheit ja nur ein Krebsgeschwür am Lebewesen Erde. Eine Krebszelle weiß ja auch nicht, dass sie mit ihrem Wuchern ihren Wirt am Ende vernichtet und damit auch sich selbst."

Die Menschen, so sieht er das und die Geschichte des Untergangs von Zivilisationen im Lauf der Geschichte gibt ihm Recht, werden erst umdenken, wenn die Folgen ihres Tuns in eine so gigantische Katastrophe führen, dass gar keine andere Wahl mehr bleibt. In „GO! – Die Ökodiktatur" sorgen internationale Wissenschaftler durch einen elektronischen Staatstreich für die notwendige Ruhepause, für das notwendige Umdenken sowie für schockierende Umerziehungsmaßnahmen gegen hartnäckige Umweltsünder.

Go! CoverAuch wenn das Buch jeden Tag aktueller wird – ganz tief in seinem Autor sitzt der Wunsch, es möge doch anders kommen. In seiner „Tahiti"-Trilogie entwirft er eine Rettungsstrategie, die auf der radikalen ökologischen Umstrukturierung einer – wenn auch winzig kleinen – Volkswirtschaft mitten in der Südsee beruht: Tourismus, Verkehr, Energie, Produktion – alles wird radikal umgebaut. Sie stellt sich der globalen Unvernunft entgegen wie David dem Goliath. Eine klassische Utopie, eine Idee davon, was sein könnte. Privat ist Fleck indes sehr viel skeptischer: „Auch ein gelungener Modellversuch auf Tahiti wäre ja nur ein Fliegenschiss in der Katastrophe."

Nun den dritten Band zu schreiben, in dem die Überlebensinseln der visionären Umsteuerer sich angesichts der global herienbrechenden Katastrophe behaupten müssen, ist schwere und bedrückende Arbeit – einerseits. Es hat aber auch etwas Befreiendes, darüber nachzudenken, welche anderen Wege es geben könnte. Und, nicht unwichtig, es heilt die eigenen Ängste."

Worin er die Chance sieht für ein Überleben der Menschheit? „Ein Verbündeter, heute schon gut aufgestellt, ist der spürbar wachsende Überdruss an der Gier und Konsumgeilheit. Statt dessen sind immer mehr gefragt: Erlebnisse statt Besitz, Kommunikation und Gemeinschaft, Mitmenschlichkeit und der Mut, Neues zu wagen." Sein Blick geht vom Schreibtisch im Generalsviertel in Hamburg weit hinaus: „Der Umbau unserer globalen Konsumkultur wird das wichtigste Ereignis in der Geschichte der Menschheit sein. Dafür müssen wir uns wieder als politisches Gemeinwesen verstehen, weltweit."

Ihm geht es darum, „die Brille des alten Umweltschutzes abzunehmen, der eigentlich nur Menschenschutz bedeutet. Und sie durch die Brille der ganzheitlichen Ökonomie zu ersetzen." Wenn die Rede darauf kommt, schwankt Fleck immer wieder zwischen Hoffnung und Verzweiflung. In einem Vortrag, der ebenfalls in der Neuauflage der „Ökodiktatur" abgedruckt ist, sagt er zum Schluss: „Die eigentliche Frage heißt also: kollektiver Selbstmord oder geistige Erneuerung? Es wird wohl auf kollektiven Selbstmord hinauslaufen. Also vergessen Sie meine Fiktion einer Ökodiktatur. Sie müssen schon von selbst darauf kommen, dass man die notwendige Operation auch wollen muss, wenn man am Leben hängt."


Dirk C. Fleck: GO! Die Ökodiktatur
Verlag p. Machinery, 212 Seiten, 21,90 €
Vom selben Autor: "Das Tahiti-Projekt" und „Das Südsee-Virus".


Abbildungsnachweis: Dirk C. Fleck. P. Machinery Verlag und Buchcover

Dirk Fleck Autor

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

avatar Volker
+9
 
 
Meine Hoffnung speist sich aus den Gesetzen der Evolution: Entwicklung zu Höherem ging immer eine Notwendigkeit voraus, eine Stresssituation. Entweder die Menschheit vollzieht einen Bewusstseins-Sprung (die Grundlagen legen die neuen Erkenntnisse der Quantenphysik ebenso wie die alten der Mystiker), oder sie wird wieder vollständig auf die tierische Ebene zurück fallen. So oder so: alles was kommt hat seine Berechtigung!
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
avatar Jens
+8
 
 
Vielen Dank für den ausführlichen und sehr lesenswerten Artikel! "GO! Die Ökodiktatur" gibt es übrigens auch als Hörbuch/Hörspiel. Wer sich für das Konzept hinter den neueren Romanen von Dirk Fleck interesiert, wird ebenfalls auf dieser Seite fündig: https://www.equilibrismus.org/versand/go-die-okodiktatur-dirk-c-fleck/
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Literatur > Dirk C. Fleck: Der Umbau der globalen Konsumk...

Mehr auf KulturPort.De

Mahlers Achte: Erlösung nicht wirklich garantiert
 Mahlers Achte: Erlösung nicht wirklich garantiert



Härtetest für den Großen Saal der Elbphilharmonie: Mahlers gewaltige Achte Symphonie. Die Staatsoper Hamburg bringt das Werk um Erlösung durch Glauben und Li [ ... ]



Carion Quintet: „Northwind"
 Carion Quintet: „Northwind



Eine der schönsten Tatsachen ist, dass man auch im 21. Jahrhundert Kunst, Musik und Literatur entdecken kann, von denen man zuvor noch gar nichts gesehen, gehö [ ... ]



„Gimme Danger” – Liebeserklärung an Iggy Pop & The Stooges
 „Gimme Danger” – Liebeserklärung an Iggy Pop & The Stooges



Regisseur Jim Jarmusch will sein Porträt des ‚Godfathers of Punk’ als collageartigen Essay und nicht als Dokumentation verstanden wissen. So coo [ ... ]



Gezeitenkonzerte – Musik-Festival in Ostfriesland: Sturm und Klang
 Gezeitenkonzerte – Musik-Festival in Ostfriesland: Sturm und Klang



Klassikstars in verwunschenen Kirchen hinterm Deich – das Festival Gezeitenkonzerte bespielt im Sommer Ostfriesland und entwickelt einen ganz besonderen Ch [ ... ]



Elbphilharmonie: Blind Date mit dem Jazz-Duo Vincent Peirani und Emile Parisien
 Elbphilharmonie: Blind Date mit dem Jazz-Duo Vincent Peirani und Emile Parisien



„Blind Date“ im Kleinen Saal ist das zweifellos spannendste Musikformat in der Elbphilharmonie. Selbst die Türsteher verraten nicht, wer fünf Minut [ ... ]



Unsere 17. Lange Nacht der Museen in Hamburg
 Unsere 17. Lange Nacht der Museen in Hamburg



Dagmar Seifert (DS) und Claus Friede (CF) sind wie bereits in den vergangenen gefühlten 20 Jahren für KulturPort.De in die Lange Nacht der Museen in Hamburg au [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.