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Literatur

Wir sind alle anders: Edith Bruck zum Trauma der Shoah im dritten Jahrtausend

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Mittwoch, den 14. Dezember 2011 um 18:24 Uhr
Wir sind alle anders: Edith Bruck zum Trauma der Shoah im dritten Jahrtausend 4.8 out of 5 based on 233 votes.
Wir sind alle anders: Edith Bruck zum Trauma der Shoah im dritten Jahrtausend

Der deutsch klingende Name täuscht: Edith Bruck, Jahrgang 1932, ist eine italophone Schriftstellerin ungarischer Herkunft.
Sie entstammt einer kinderreichen jüdischen Familie in ärmlichen Verhältnissen, überlebte die Deportation nach Deutschland und ließ sich 1954 in Rom nieder. Im Alter von zwölf Jahren wurde sie in Auschwitz interniert, wo ihre Eltern und ihr Bruder starben. Nach der Befreiung zog sie zunächst nach Palästina/Israel und entschloss sich dort, nach Amerika aufzubrechen. Doch ihre Reise endete aus Geldnot bereits wieder in Italien: Sie blieb, heiratete den italienischen Autor und Filmregisseur Nelo Risi und schrieb auf Italienisch, einer ihr fremden Sprache, ihr erstes Buch, auf das weitere folgten. Brucks Werke sind stark vom Trauma der Shoah geprägt und thematisieren Momente der Trennung, des Zwiespalts und der Leidenschaft.

Bislang veröffentlichte sie über zwanzig Bände – Gedichte und Romane – sowie einige Filme. Ihr Erstling 'Chi ti ama così' (dt. Wer dich so liebt, 1961/1999) erschien 1959, wurde 2001 ins Englische übertragen (Who loves you like this?) und ist eine autobiographische Darstellung ihrer Erfahrungen im KZ. Ihr an Kafkas Brief an den Vater inspirierter Roman 'Lettera alla madre' von 1988 (Letter to my mother, 2007) erhielt den italienischen Literaturpreis Premio Rapallo Carige. 1999 publizierte sie 'Signora Auschwitz. Il dono della parola' (dt. etwa: Frau Auschwitz. Die Gabe des Wortes, bis heute im Deutschen leider unübersetzt) und wurde 2005 sowie 2009 mit weiteren literarischen Preisen ausgezeichnet. Im Frühjahr 2012 erscheint ein neuer Roman. Die Gastautorinnen Aline Wetzelaer und Ineke Minuscoli sprechen mit Edith Bruck über Literatur, Ausgrenzung, Antisemitismus, Politik und Judentum sowie über das Trauma von Auschwitz, über Geld, Gewalt und Dichtung.

Aline Wetzelaer (AW): Haben Sie Lieblingsautoren?

Edith Bruck (EB): Oh ja, diverse: In Italien schätze ich Tabucchi, Erri De Luca, früher Bassani, mit dem ich ebenso wie mit Vittorini und Pratolini befreundet war. Ich mochte den Dichter Montale [Literaturnobelpreis 1975; Anm. d. Red.]; Alberto Moravia war ebenfalls ein enger Freund. Primo Levi und Carlo Levi waren sehr wichtig für mich.
Ich liebe die südamerikanische Literatur: Dort haben die Autoren ähnlich wie in Afrika weit mehr zu sagen als wir Europäer, die wir seit sechzig Jahren in Frieden leben. Wo Leid herrscht, Gewalt, Unterdrückung, wo es keine Freiheit gibt, regen einen diese Themen weit mehr an als es die persönlichen, bürgerlichen Anliegen von uns Europäern vermögen. Die großen Schriftsteller kommen in Zukunft bestimmt aus der dritten und vierten Welt! Wer viel erleidet, schreit am lautesten. Auch ich habe sehr gelitten und viel aus mir herauszuschreien. Viele von ihnen haben dennoch zu gut gelebt, um den Schmerz „gut“ herauszuschreien. Auch ein italienischer Schriftsteller wie Giorgio Bassani, der hervorragende Bücher verfasst hat, war im Grunde nur ein reicher, jüdischer, bürgerlicher Intellektueller, der sich insgesamt ganz gut hinübergerettet hat. Er hat nicht so immens gelitten. Moravia allerdings, ja, der flüchtete in die Ciociaria. Und Primo Levi war wirklich wichtig: Er hat das KZ am eigenen Leib erfahren und darüber geschrieben. Wen die Katastrophen des Zweiten Weltkriegs gezeichnet haben, wer in die KZs nach Deutschland verschleppt worden ist, dessen Aussagen sind tiefreichender als die derer, die nur einfach mehr oder weniger gelitten haben, mit mehr oder weniger Diskriminierung davongekommen sind, oder die Rassengesetze nur mehr oder weniger zu spüren bekommen haben.

Ineke Minuscoli (IMI): Fühlen Sie sich als gebürtige Ungarin in Italien als vollwertige italienischsprachige Autorin anerkannt?

EB: Ich fühle mich als italienische Schriftstellerin in Italien, werde von den anderen aber nicht als italienische Schriftstellerin wahrgenommen. Ich glaube, man bleibt immer ein Außenseiter. Ich bleibe eine Ausländerin. Sie nennen mich die ungarische Jüdin, die die Shoah überlebt hat. Es liegt auch an mir: Ich erzähle von der Welt, die ich kenne, die ich erlebt, gesehen und erlitten habe. Viele meiner Bücher sind in Ungarn angesiedelt, in Israel, Amerika, Tschechien und in einer jiddischen Umgebung, die weder die Italiener, noch die italienischen Juden, so kennen. Kann sein, dass ich einen anormalen Fall der italienischen Literatur darstelle.

AW: Würde es Sie denn stören, als Anomalie betrachtet zu werden?

EB: Ja, das stört mich, denn wenn eine Person seit über fünfzig Jahren in diesem Land lebt und auf Italienisch schreibt, sollte sie mit Fug und Recht als Italienerin gelten. Auch wenn ich einen ausländischen Namen trage: Mein Name ist nicht Bruck. Mein richtiger Name ist Steinschreiber. Das kann hier kein Mensch buchstabieren. Bei der Blutspende sollte ich meinen Namen selber aufschreiben. Die Leute konnten noch nicht einmal „Stein“ schreiben. Die Italiener sind sprachlich völlig unbegabt. All die neuen Autorinnen aus Afrika, Indien, Bangladesch, die auf Italienisch publizieren, müssen ständig erläutern, woher sie kommen, wer sie sind usw. Das ist falsch: Sie sollten wie alle anderen behandelt werden und nicht ständig die eigene Andersartigkeit betonen müssen. Wir sind alle anders. Es gibt keine zwei gleichen Menschen, auch keine zwei Italiener!

IMI: Was bedeutet Ihnen Auschwitz heute?

EB: Es heißt immer: Die Bruck schreibt nur über den Zweiten Weltkrieg und die KZs. Ich bin Auschwitz, werde mit Auschwitz gleichgesetzt. Ich halte das für unangebracht, weil Auschwitz mehr die anderen betrifft als die, die Auschwitz erlebt haben. Es betrifft eher die ganze Welt bzw. die westliche Welt, inklusive Amerika, weil sie Auschwitz zugelassen und ausgeführt hat. Es gab ja eine enorme Komplizenschaft. Daher glaube ich, dass Auschwitz mehr diejenigen, die es zugelassen und betrieben haben, angeht. Gleichzeitig delegieren sie das Wort an dich: Du bist Zeugin, du musst schreien, du musst in die Schulen gehen, erzählen, was dir widerfahren ist. Nach dem Krieg hat man in Europa bis in die 1960er-Jahre hinein versucht, alles auszulöschen. Hoffentlich fühlen sich all die schuldig, die diese unglaubliche Monstrosität verdrängt haben! Sie ist das Tragischste, was sich im 20. Jahrhundert ereignet hat. Filmisch hat Fassbinder das Thema in den Sechzigerjahren in Deutschland verarbeitet. Auch wenn Auschwitz als der Schrecken schlechthin gilt, so ereignen sich, symbolisch gesprochen, jeden Tag weiterhin viele kleine Auschwitz’. Und das wird heute, morgen und übermorgen so sein! Und deshalb werde ich heute, morgen und übermorgen über Auschwitz sprechen.
Es ist wichtig, die Fakten zu kennen. Das gilt heutzutage, da in Europa der Rassismus stetig wächst, der Antisemitismus wegen der Zustände in Israel Auftrieb erhält und der Antizionismus mit Antisemitismus verwechselt wird, mehr denn je. Die Juden sind schuld am Schicksal der Palästinenser: Das ist eine Tragödie, denn es handelt sich um zwei unterschiedliche Sachverhalte. Heute wirft man gern alles in einen Topf: Faschisten, Antifaschisten, Partisanen, kurz alle Opfer. Nein! Es gibt Opfer und Opfer. Ich hatte große Schwierigkeiten, mit einer Deutschen Freundschaft zu schließen, die zu mir sagte: „Auch mein Vater ist im Krieg gestorben!“. Darauf habe ich geantwortet: „Ja, aber vielleicht hat dein Vater meinen Vater erschossen!“ Das sind zwei verschiedene Dinge. Man neigt zuweilen dazu, alles miteinander zu verbinden, um alles auszulöschen. Je mehr man die Dinge zusammenwirft, desto mehr verflachen sie.
Die, die das Geschehene abstreiten, wie Le Pen oder Faurisson, begehen ein weiteres, eiskaltes Verbrechen! Als ob man die, die schon tot sind, noch einmal umbrächte. Was geschehen ist, kann nicht bestritten werden, ebenso wenig wie man das, was in Hiroshima oder Nagasaki oder Vietnam geschehen ist, abstreiten kann. Aber der Mensch ist schwach. Und wenn dann ein Pinochet, ein Hitler oder ein anderer, z.B. afrikanischer Diktator kommt, dann klatschen die Leute, morgen weinen sie, dann klatschen sie, und morgen weinen sie.

IMI: Bestimmt ist es für Sie schwierig, uns zu erklären, was Sie unter menschlicher Schwäche verstehen?

EB: In zehn Tagen kommt mich der Cheflektor vom Garzanti-Verlag besuchen, weil er mit mir über das Thema Scham sprechen möchte. Primo Levi bekräftigend habe ich öffentlich erklärt, dass wir uns schämen: uns für die Welt schämen, und uns vor uns selber schämten, als uns die jungen Deutschen ins Gesicht gespuckt haben. Ich schaute diese sechzehnjährigen Jugendlichen von der Hitlerjugend an und muss sagen, dass ich mich nicht deshalb schämte, weil ich nackt war oder sie mich anspuckten, sondern weil ich mich für sie geschämt habe. Während ich sie anblickte, dachte ich: „Wie kann man nur so tief fallen? Ist das noch ein Mensch? Wie kann man sich bloß so verhalten?“. Ich merkte gar nicht, dass ich nackt war. Es interessierte mich nicht. Die anderen waren nackt, bar jeglicher Menschlichkeit, jeglicher seelischer Regung, jeglichen Seins. Auch viele Frauen benahmen sich so. Als ich in einem kleinen Lager in Dachau war, insgesamt nur fünfzehn Personen, durfte ich das Beste verrichten, was ich jemals in einem KZ getan habe: Kartoffeln schälen, und Karotten für die Offiziere. Wenn ich im Morgengrauen aus Schloss Igling kam, stand da jedes Mal eine SS-Frau, die die Hand nach mir ausstreckte und mir jeden Morgen eine Ohrfeige verpasste. Ich schaute sie mit unsäglicher Verachtung an. Es war kein Hass. Ich habe mich einfach gefragt, wie so etwas möglich ist? Es war eine junge Frau. Ich war zwölf, sie hätte meine Schwester sein können. Das war ein unsäglicher Schmerz. Viel schmerzlicher, als wenn mich ein Mann geschlagen hätte. Die Frauen setzten mir noch mehr zu. Die älteren Frauen überredeten einen z.B., irgendwohin zu gehen, weil man da angeblich eine bessere Baracke bekäme, doch am nächsten Morgen landete man im Krematorium. Das mit anzuhören, anzusehen, zu ertragen, war unendlich schmerzhaft. Darüber möchte der Lektor mit mir sprechen.

AW: Welche Auswirkungen haben solche Erfahrungen auf Ihr Leben, Ihren Alltag?

EB: Sie tun heute noch unablässig ihre Wirkung. Sie beeinflussen meine ganze Existenz. Jeden Tag, jedes Ereignis, alles was passiert, sogar im Privatleben. Meine Geschichte prägt mein Liebesleben, mein Zusammenleben mit anderen Menschen, mein ganzes Dasein ist in einem bestimmten Maß, in einem bestimmten Sinn auf jeden Fall davon betroffen. Es kann gar nicht anders sein! Ich trage das Erlebte an alles heran: an alles, was auf dieser Welt geschieht, an alles, was sich innerhalb der Gesellschaft und in unserer Umgebung ereignet, sowohl politisch als auch privat. Ja!

IMI: Ich habe gelesen, dass Sie sich zu den Entschädigungen geäußert haben...

EB: Eigentlich wollte ich mich nie mit solchen Entschädigungen befassen, weil das eine lächerliche Angelegenheit ist. Es geht um 250 Euro im Monat, besser gesagt, um 800 Euro alle drei Monate; damit ist kein Leben zu meistern. Und von den Deutschen wollte ich schon mal absolut rein gar nichts. Mein Bruder hat mich 1998 dazu überredet, und so habe ich mich sieben Jahre lang mit Formularen und Unterlagen herumgeschlagen. Erst dann habe ich entdeckt, dass diese lebenslange Pension von Juden vergeben wird und über die sogenannte Claims Conference läuft, die in Amerika und in verschiedenen europäischen Ländern, eigentlich weltweit, die Entschädigungen regelt. Das Geld geben die Deutschen – die Juden verwalten es. In Deutschland soll es einen Skandal gegeben haben, weil sie diese Gelder in Immobilien, Bankgeschäften und anderweitig angelegt haben. Mir jedenfalls wollten sie nicht glauben: Sie haben nach Fotos von meinen Wunden verlangt. Also, das fand ich surreal. Obwohl ich ihnen Originaldokumente geschickt hatte, glaubten sie mir noch nicht einmal, dass ich deportiert worden war! Das ging sieben Jahre lang so. Ich gelte als schwarzes Schaf in der jüdischen Gemeinde, weil ich mich nicht zurückhalte. Und dass sich die Juden durch die Entschädigungen bereichert hätten, halte ich für einen Antisemitismus.

IMI: In vielen Büchern von Ihnen spielt Gewalt eine Schlüsselrolle. Was verstehen sie unter gewalttätigem Verhalten? Was ist Gewalt?

EB: Gewalt besteht aus vielen Dingen. Gewalt an sich – das sind für mich Gewehre, in die Höhe gestreckte Arme. Aber auch ein Blick kann Gewalt beinhalten, oder ein Wort. Alles, was nicht Harmonie ist, Übereinkunft, was nicht demokratisch ist, ist Gewalt. Die Gewalt kennt genauso viele Spielarten wie die Musik. Wenn ich jemanden dazu zwinge, das Gleiche zu denken wie ich und meine Meinung zu teilen, dann ist das auch Gewalt. Gewalt ist Rassismus, die Missachtung des anderen, Intoleranz, das Fernsehen, die Werbung; alles was einem vorgeschrieben wird, ist Gewalt. Und auch unser globalisiertes Konsumleben zeugt von Gewalt. Mein Neffe in Amerika, den ich sehr liebe, hat mich einmal gefragt: „Wie viel Geld hast du auf der Bank?“. Ich: „Gar nichts!“. „Dann hast du kein Geld. Warum schreibst du, wenn du nichts verdienst? Du solltest lieber arbeiten gehen!“. Dann fügte er hinzu: „Warst du im Fernsehen?“. Ich verneinte und er hat mir geantwortet: „Dann bist du niemand!“.
Heutzutage lässt sich jeder Angestellter mit der Aussicht, Geld zu verdienen – um vielleicht 100.000 Euro in einer Spielsendung zu gewinnen – gern im Fernsehen sehen und platzt dabei noch vor Freude. Das zeigt, dass wir uns unserer Existenz nicht mehr sicher sind. Wir fühlen nicht, dass es uns gibt. Wir brauchen einen Beweis dafür. Tragisch.

IMI: Anders oder besser schaffen wir es nicht...

EB: Genau, wir schaffen es nicht. Weder mit Hilfe des Kommunismus, noch des Sozialismus, noch jeglicher Form von Demokratie. Wir führen das Wort „Frieden“ im Mund, aber es gibt ihn nicht. Wenn es wahren Glauben gäbe, dann gäbe es all diese anderen Dinge nicht... Auf den Gürteln der Nazis stand: „Gott mit uns“, und dann zerrissen sie Kinder in Stücke und schlitzten den Bauch von Frauen auf, die ein Kind darin trugen.

IMI: Was bedeutet Ihnen Dichtung?

EB: Alles. Dichtung ist wie ein Gebet. Ich kann selbst nicht beten, aber Dichter sind für mich wahre Propheten. Ich spreche von großer, klassischer Dichtung, die aus der Seele kommt. Dichtung hat mit der Seele zu tun, und damit meine ich keine Religion, vielmehr Religiosität, etwas, das deinem tiefsten Inneren entspringt. Es ist ein großer Schrei, ein Tränenausbruch, eine Sehnsucht nach etwas Reinem, Richtigem, Gerechtem. Es hat mit Harmonie zu tun, mit dem Himmel, vielleicht mit Gott. Es ist die größte Ausdrucksmöglichkeit, gleich nach der Musik. Auch Musik rührt mich zu Tränen: die Piaf, Bach, Schubert, Beethoven, Mozart... Sie ist der Dichtung am allernähesten. Manchmal lese ich einen Vers, lese ihn erneut und weine. Das ist absolute Anteilnahme, Identifikation mit dem Unglück, dem Gefühl, der Enttäuschung. Gedichte verkaufen sich schlecht. Sie sind keine Ware. Das ist unmöglich: Sie werden nie eine Ware werden. Sogar Eugenio Montale erzählte mir, dass er nur eine Auflage von 2.000 Exemplaren verkaufte. Die meisten wissen nicht, was Dichtung ist. Es ist die am wenigsten nachgefragte Ware auf dem Markt. Aber Spekulationsobjekte interessieren mich nicht. Es gibt so viele unverdiente Erfolge: Diese schwedischen Krimis z.B., diesen Larson, könnte ich an die Wand klatschen. Ich habe mir auch die Filme dazu angesehen: nur Gewalt, Folter, Vergewaltigung. Die Menschen sind verrückt. Aber davon verkaufen sich 300.000 Exemplare. Hauptsache Gewalt, Hauptsache Krimi. Für mich ist das mentale Kälte, eine Starre, von der ich weder ergriffen noch mitgerissen werden will.

Ghostwriting und wissenschaftliche Beratung: Dagmar Reichardt

Fotonachweis:
Header: © Till Leeser; Detail aus der Serie "Displaced Memories" (Baracke in Fürstenberg)
Galerie:
1. Edith Bruck © Steed Gamero
2. Buchcover der italienischen Fassung: Chi ti ama cosí
3. Buchcover der deutschen Fassung: Wer Dich so liebt
4. Buchcover der englischen Fassung: Who loves you like this
5. Buchcover: Quanta stelle c`é nel cielo

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