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Literatur

Rezensiert! Zu Gast bei Monet

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(155 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Geschrieben von Claus Friede  -  Sonntag, den 10. Oktober 2010 um 14:36 Uhr
Rezensiert! Zu Gast bei Monet 4.6 out of 5 based on 155 votes.
Rezensiert! Zu Gast bei Monet

Es ist ein kleines ästhetisches Meisterwerk, was die österreichische Edition Styria da soeben auf den Markt gebracht hat. „Zu Gast bei Monet“ empfängt den Leser und Bildliebhaber nämlich wie einen Gast, führt diesen durch das fast zweihundert Seiten-Buch als ob er Haus und Besitz in Giverny von einem Mitglied der Familie Monet gezeigt bekommen würde.
Und so ist es denn auch: Claire Joyes, die Autorin, ist die Ehefrau des Urenkels von Monets zweiter Frau Alice.

Rezensiert! Zu Gast bei Monet„Der große Impressionist als Gourmet“ heißt es im Untertitel, doch man ahnt schnell, es ist mehr als ein Buch über das Essen. Die Autorin stellt neben vielen Originalrezepten nach Aufzeichnungen des Malers selbst, seines Personals und seiner Nachfahren auch Geschichten rund um die Familie und das Anwesen vor: Historische Fotografien des Hauses, der Familie, von Claude Monet und seinen Gästen sowie handschriftliche Speisekarten aus dem Nachlass des Künstlers, heben das Buch aus dem Einerlei von irgendwelchen Kochbüchern heraus. Dieses ist eine Verbindung von Kochen mit Kunst, mit Fotografie und Gartenarchitektur sowie mit stilvollem Ambiente.
Der bei Paris lebende Fotograf Jean-Bernard Naudin schafft mit seinen Farbaufnahmen eine Atmosphäre zwischen dem Damals und Heute. Dass auch er es versteht, mit seiner Linse das Licht auf eindruckvolle Weise zu bannen – und das bei allen Außenaufnahmen über die Jahreszeiten hinweg – ohne den großen impressionistischen Meister plump zu kopieren, ist ein weiteres Qualitätsmerkmal.

Claude Monet kaufte sein Refugium in der 600-Seelen-Gemeinde Giverny in der Haute-Normandie im Jahre 1883. Es war für ihn der „schönste Ort“. Auf Grund seines schlechten Sehvermögens war Monet nicht mehr in der Lage, seine intensiv farbig leuchtenden Freiluftbilder zu malen. Der Wassergarten mit seinen Seerosen und Brücken, den berankten Spalieren und Alleen gaben ihm Halt. Erst nachdem er durch einen medizinischen Eingriff sein Augenlicht wiedergewann, entstanden die berühmten Seerosenbilder.
Monet war nicht nur der große Impressionist, er war auch ein Feinschmecker – Essen und Trinken hatten einen sehr hohen Stellenwert. In seinem rosa verputzten Haus empfing er seine Malerfreunde, allen voran Paul Cézanne. Auch Camille Pissaro und Auguste Renoir kamen zu Besuch sowie der Maler, Kunstsammler und Lebemann Gustave Caillebotte.
Und – sie blieben zum Essen: Filets De Sole À La Florentine oder Canard Aux Navets und zum Dessert Crème Somptueuse oder im Herbst den herrlichen Gâteau De Marrons. Liebevoll beschreibt Claire Joyce die Details, wenn in der Jagdsaison die Familie aus ganz Frankreich zusammenkam und in den Nebengebäuden Quartier bezog. Sie beschreibt auch wie sie in den Rezeptvorlagen immer wieder Hinweise fand, wie man Fieber aller Art bekämpft oder der Bleichsucht der Mädchen entgegentreten konnte. Selbst wann welches Geschirr und Besteck benutzt wurde hat sie herausgefunden und welche Speisen sich vom späten Frühjahr bis zum frühen Herbst als Picknick auf dem Anwesen, im Schatten der Strohmatten, eigneten.

Das Buch entwickelt eine eigene Aura, die uns in das Leben der Monets eintauchen lässt.


Verlagsbeschreibung:
Claire Joyes gibt in diesem Buch Einblick in die private Welt des Malers und präsentiert 180 Lieblingsrezepte Monets aus seinen sechs „carnets de cuisine“, die noch heute in Familienbesitz sind. Diese kulinarische Biografie ist weit mehr als (auch) ein Kochbuch. Sie lenkt den Blick auf die sinnenfrohen Facetten eines Künstlerlebens. Der Leser lernt die vielfältigen Tafelgenüsse der Familie kennen. In dem berühmten gelben Salon seines Hauses und in dem Garten mit den Seerosenteichen bewirteten die Monets unzählige Gäste mit ihrer gutbürgerlichen Küche. Derlei Mahlzeiten im Kreise der Familie oder mit Freunden nahmen im Laufe der Jahre die Form eines festgefügten Rituals an. Ein Buch der besonderen Art, das nicht nur denjenigen Vergnügen bereiten wird, die Monet als Maler lieben. Auch diejenigen, die sich für kulinarische Dokumente begeistern, werden an diesem Buch große Freude haben.

Claire Joyes: Zu Gast bei Monet
Der große Impressionist als Gourmet 180 Originalrezepte
Aus dem Französischen von Ingrid Ickler
Edition Styria in Verlagsgruppe Styria, 2010, Erstauflage, 192 S. GB 27x21 cm
ISBN: 978-3-99011-018-8

Fotos: © Edition Styra

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