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Literatur

Im Gespräch: Dagmar Seifert mit dem Schriftsteller Uwe Friesel

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Geschrieben von Dagmar Seifert  -  Montag, den 19. April 2010 um 10:13 Uhr
Im Gespräch: Dagmar Seifert mit dem Schriftsteller Uwe Friesel 3.7 out of 5 based on 55 votes.
DS: Auch schwedische Krimis?

UF: Tatsächlich zwei Kriminalromane „Blut für Eisen“ und „Goldaugenmusik“. Den Ausdruck Krimi mag ich nicht, weil meine Texte eben Romane sind und literarisch offenbar so sperrig, dass niemand sie in Tatorte verwandelt. Daneben habe ich einen Kinderroman verfasst, „Der Zirkus der Tiere“, meine Tätigkeit als deutscher Korrespondent für die Internetzeitschrift „The Book & The Computer“ begonnen und zwei längere Zeitschriftenbeiträge für „mare“ und „brandeins“ geschrieben.

DS: ‚mare’ bringt doch Beiträge rund ums Meer?

UF: Allerdings. Ich hab über die „S/S Blidösund“ geschrieben, ein Schiffchen, das wie zu Strindbergs Zeiten im Stockholmer Archipel verkehrt, die Dampfkesel noch immer mit Kohle befeuert, eine gemütliche Geschichte. Die ist auch gedruckt worden.
sDS: Die andere nicht?

UF: Die war brisanter; die Schweden pflegen ja eine kleine U-Boot-Phobie, ausgelöst durch das sowjetische Atom-U-Boot U 137, das im Jahre 1983 in den Schären vor dem schwedischen Kriegshafen Karlskrona auf Grund gelaufen war und nicht mehr wenden konnte. Die Besatzung war betrunken und hatte sich bei einem Flottenmanöver verfahren. Da es sich um ein Boot der Whisky-Klasse handelte, sprach man fortan unter nüchternen Fachleuten von „Whisky on the rocks“. Dieser Tatsachen ungeachtet hält die schwedische Marine bis heute eine teure Flotte hochmoderner U-Boot-Zerstörer gegen angebliche nuklear betriebene Mini-U-Boote fahrbereit, obwohl die Sowjetunion und später Russland längst ihre Archive geöffnet haben, um die Nichtexistenz solcher Boote zu beweisen. Doch da der derzeitige Außenminister Carl Bildt seine ganze Karriere auf der U-Boot-Legende gründet, darf sie nicht zerstört werden... Das Interessante ist nun, dass „mare“ meine penibel recherchierte Geschichte zwar bestellt, aber nie gedruckt hat, mit der Begründung, man sei kein politisches Wochenmagazin.

DS: Das heißt, du hast umsonst gearbeitet?

UF: Oh, ich denke nicht. Ich hab weiter recherchiert und jetzt ein druckfertiges, offenbar ziemlich heißes Sachbuch in meinem qualmenden Computer…

DS: Du erwähntest ‚brandeins’. Ist das nicht ein Wirtschaftsmagazin?

UF: Vielleicht eher ein wirtschafts- oder gesellschaftspolitisches Magazin. Die Geschichten, die ich für diese Zeitschrift geschrieben habe, handeln vom ersten BoD-Druckhaus in St. Petersburg und vom „Recryterings Bazaar“ im Stockholm, was man mit „Jobbörse für Immigranten“ übersetzen könnte.
Die normalen Arbeitsämter werden nämlich Dank ihrer ausgeprägten Bürokratie mit dem Problem arbeitsloser Einwanderer nicht fertig. So kutschieren in ganz Schweden gut ausgebildete Ärzte, Lehrer, ja sogar Uni-Professoren aus dem Iran, Libanon, Afrika und Asien als Taxifahrer umher, während gerade bei den genannten Berufen Mangel herrscht.
Da es sich nun in Deutschland ganz ähnlich verhält, hat „brandeins“ die Story gern gedruckt. Und siehe da, jetzt gibt es in Hamburg einen ersten Versuch, nach dem schwedischen Modell qualifizierte Ausländer in ihren erlernten Berufen anzusiedeln.

DS: Dein Name wird häufig in Verbindung mit Bosnien genannt. Wie ist es zu dieser speziellen Beziehung gekommen?

UF: Wenn es in Hamburg um Bosnien geht, ist die Schlüsselfigur zweifellos meine Kollegin Emina Kamber, in der Nähe von Sarajevo gebürtig, doch bereits 1968 nach Deutschland ausgewandert. Als Doppelbegabung ist sie Malerin und Autorin zugleich. Zusammen mit ihrem Mann betrieb sie damals in Hamburg ein jugoslawisches Restaurant, in dem sie auch Lesungen und Ausstellungen veranstaltete. Ich hatte gerade einem aufregenden Lyrikband des Exil-Iraners Parviz Sadighi, der in Hamburg Germanistik studierte, zum Druck verholfen. Den stellten wir in ihrem Lokal vor.

DS: Das heißt, das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft? Immerhin vor mehr als dreißig Jahren…

UF: Wir haben seitdem gemeinsam vieles unternommen, zum Beispiel zwei Anthologien herausgegeben. Die erste heißt „Ich hätte dich gern lachen sehen / Gedichte zum Frieden“, die zweite enthält Prosa und basiert auf einem Workshop, den Emina und ich auf der Halbinsel Peljeschatz bei Dubrovnik veranstaltet haben: „...und Bosnien, nicht zu vergessen“.


 

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