Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 800 Gäste online

Neue Kommentare

Marlies Lampert zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo liebe Hüsungianer,
ich bin ca. 1999...

SingulART zu Kunstmuseum Wolfsburg: This Was Tomorrow. Pop Art in Great Britain: Grossartige Ausstellung war das! Wir haben unsere...
tommy zu Ensemble Resonanz zu Gast bei NEW HAMBURG: gute sache, dass sie mal aus ihrem bunker rauskom...
Lena Baal zu Zum Tode von Peter Härtling: Peter Härtling war nicht nur ein großartiger Sc...
Elisabeth Warken zu Gurre-Lieder in der Elbphilharmonie: Zu wenig Vertrauen in die leisen Töne: Die Kritik zu den Sängern kann ich nicht ganz ve...

Anzeige

Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Hamburger Architektur Sommer 2015


Literatur

Lesung mit Benedict Wells in Lübeck: „Vom Ende der Einsamkeit“

Drucken
(64 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 13. Dezember 2016 um 11:06 Uhr
Lesung mit Benedict Wells in Lübeck: „Vom Ende der Einsamkeit“ 3.9 out of 5 based on 64 votes.
Benedict Wells Lesung Foto Marion Hinz

150.000 Mal wurde Benedict Wells vierter Roman „Vom Ende der Einsamkeit“ bisher verkauft. Mehr als 350 unabhängige Buchhandlungen wählten seinen Roman in diesem Jahr zu ihrem Lieblingsbuch. Auf „LovelyBooks“ stimmten Tausende Leser für das aktuelle Buch des 32jährigen Autors und bedachten ihn mit dem Leserpreis 2016 in Bronze. Die Stiftung Ravensburger Verlag ehrte Benedict Wells am 28. November für seinen Familienroman mit dem Buchpreis 2016. Dotiert ist der Preis mit 12.000 Euro. „Was für ein Glück, einmal einen solchen Erfolg zu haben“, so der 32jährige Schriftsteller bei seiner Lesung in der Lübecker Buchhandlung Hugendubel.

Die Begründung der Ravensburger Jury erklärt Erfolg und Preisverleihung folgendermaßen: „Der Roman „Vom Ende der Einsamkeit“ ist die Geschichte dreier behütet aufwachsenden Geschwister, die durch Unfalltod der Eltern entwurzelt werden und fortan mehr oder weniger getrennt im Internat leben müssen. Berührend erzählt, sprachlich großartig, schildert Benedict Wells, wie die Traumatisierung nach und nach in Lebensbewältigung übergeht und in einen starken Zusammenhalt und ein gemeinsames Lebensmodell der Geschwister mit ihren Kindern mündet. Ein kluges Werk über Verlust und Bewahren, über langsame Selbstfindung, über die Macht des Vergangenen, ungeachtet seiner Traurigkeit tröstlich, zuweilen sogar komisch. Ein Roman, den man nicht so schnell vergisst.“

Benedict Wells Foto Marion Hinz LuebeckDer Ruhm des jungen Autors scheint sich schnell herumgesprochen zu haben, gemessen am Andrang zur Lesung aus „Vom Ende der Einsamkeit“ in Lübeck im Rahmen der LiteraTourNord. Kurz vor Beginn war kein einziger freier Platz mehr im Saal zu finden. Beifall brandete auf, sowie Buchhändlerin Martina Dusollier und Autor Benedict Wells den Raum betraten. Wie Benedict Wells zum Schriftsteller wurde, welche Werke und Leseerlebnisse ihn beeinflusst und geprägt haben in seinem Werdegang, erfuhren die Zuhörer aus dem intensiven Gespräch, das sich rasch zwischen Autor und Buchhändlerin entwickelte.

Sieben Jahre hat Wells an dem Buch gearbeitet, das ursprünglich 800 Seiten umfasste und aus der Ich-Perspektive von Jules geschrieben ist. Während der Entstehung des Romans habe er nicht ausschließlich an diesem Werk gearbeitet, sondern auch andere Projekte bearbeitet, verriet Benedict Wells den Zuhörern. Er liebe es geradezu, nicht immer nur an einem Buch zurzeit zu arbeiten. Schreiben - und das zugleich an mehreren Werken - diese tägliche Arbeit sei sowohl mit Lust und Phantasie als auch mit Quälerei verbunden, gestand Benedict Wells. Dabei schreibt er einfach drauflos, lässt seinem Spieltrieb freien Lauf. „Das Buch muss fließen.“ Die Erwartungshaltung anderer interessiert ihn nicht. „Es gibt nur eine Enttäuschung und das bin ich“, dies sei für ihn der Maßstab, so der Autor.
Autor und Lektorin haben das Buch letztendlich stark eingekürzt. „Meine Lektoren haben im Laufe der Zeit gemerkt, sie können viel mehr draufhauen“, lacht Benedict, gesteht aber, das Kürzen eines Werks sei für ihn immer wieder aufs Neue ein schmerzhafter Prozess. Dennoch sei es ihm lieber, später ganze Szenen aus einem Roman herauszuschneiden, als sich beim Schreibprozess einzuschränken. Im aktuellen Roman schnitt er zum Beispiel am Ende, nachdem er 800 Seiten geschrieben hatte, die Vergangenheit des Vaters komplett heraus. Er habe beim Schreiben plötzlich messerscharf bemerkt, der Fokus war inzwischen umgeschwenkt, richtete sich nun statt auf Jules auf dessen Vater. „Es geht aber um den Sohn, der seine Eltern verlor“.

Das Buch ist in zehn Handlungskapitel gegliedert. Thematisch geht es ums Erinnern und Vergessen, um Selbstfindung und Verlust, Liebe und Tod, Glück und Unglück, Einsamkeit und Geborgenheit. Kurz gesagt: es geht um den Facettenreichtum des Lebens, es geht um die große Liebe. Das Werk ist auch ein Familienroman. „Eine schwierige Kindheit ist wie ein unsichtbarer Feind. Man weiß nie, wann er zuschlagen wird“, heißt es an einer Stelle. Eine schwierige Kindheit wartet auf die drei Geschwister Jules, Liz und Martin. Zunächst wachsen die Kinder wohlbehütet auf. Umso schwerer wiegt der Verlust der Eltern, die bei einem Unfall ums Leben kommen. Nach diesem Schicksalsschlag leben die Geschwister zwar gemeinsam im Internat, doch sie gehen getrennte Wege. Sie werden einander fremd, verlieren sich aus den Augen, finden sich wieder. Und dann ist da noch Alva, Jules große Liebe. Auch sie kommt und geht. „Die einzige, die Jules zeitweise aus seiner Einsamkeit befreien kann, ist Jules Jugendliebe Alva“, erklärt Martina Dusollier. Doch auch das ist leider nicht von Dauer.

„Das Gegengewicht zu Einsamkeit ist Geborgenheit. Doch Menschen, die Verletzungen mit sich herumtragen, fällt es schwer, Nähe zuzulassen“, sagt der Autor. Genau das erlebt Jules, nachdem seine Eltern tödlich verunglückt sind. „Man verändert sich nach solchen Dingen“, ist Benedict Wells` Überzeugung. Doch was ist es, das immer gleichbleibt? Was ist das Unveränderliche? Wie kann man etwas, das man verloren hat, wiedergewinnen? Wie Benedict Wells schreibend nach Antworten auf diese Fragen sucht, wie er Probleme beschreibt, von Grenzerfahrungen spricht, eine Lebens- und Liebesgeschichte ausschreibt, „das geschieht in einer klassischen, geraden Sprache“, so Buchhändlerin Dusollier. „Man gerät als Leser in einen Sog. Das Buch ist sehr berührend“, gesteht sie.

So berührend wie der Roman „Das Herz ist ein einsamer Jäger“ von Carson McCullers, dessen Titel in Wells aktuellem Buch mehrfach genannt wird. So berührend wie der Roman „Das Hotel New Hampshire“ von John Irving. „Ein Autor, der seinen Helden nichts erspart“, erklärt Benedict Wells dem Publikum. Das fasziniere ihn, sei einer der Gründe, warum er die Bücher von Irving gerne liest. Auch F. Scott Fitzgerald, Vladimir Nabokov, Jack Kerouac und Ernest Hemingway gehören seit langem zu seinen Lieblingsautoren. Schon mit 15 Jahren las Benedict vor allem englischsprachige Literatur, erst viel später kamen deutsche Autoren wie Thomas Mann hinzu. Ob dicke oder dünne Bücher, das ist Leser Wells egal. „Bücher müssen einfach gut lesbar sein, Inhalt und Form müssen eine Einheit bilden.“
Dieser Anspruch gilt auch für das eigene Schreiben, das gleich nach dem Abitur begann. Damals zog Benedict Wells von München nach Berlin. Er entschied sich gegen ein Studium und für das Schreiben. „Seinen Lebensunterhalt verdiente er hauptsächlich als Kellner“, verriet Buchhändlerin Dusollier dem Publikum. Tagsüber jobbte Benedict, nachts schrieb er unermüdlich. Er glaubte an sich. Er hatte Recht und hatte Glück: Nur alle drei Jahre verlegt der Diogenes Verlag einen unbekannten Autor. Benedict Wells gehört zu den Glücklichen, für die sich der Verlag entschied. Auch der Verlag hatte Recht: er hatte auf das richtige Pferd gesetzt.

Schon für sein Debüt „Becks letzter Sommer“, das 2015 verfilmt wurde, erhielt der Newcomer 2009 den Bayerischen Kunstförderpreis. Zahlreiche Preise folgten. Benedict Wells nächstes Buch soll ein Jugendbuch werden, erzählte er seinem Auditorium in der Lübecker Buchhandlung Hugendubel. Wir dürfen gespannt sein. Müssen wir wieder sieben Jahre warten bis zum Erscheinen des Buches? „Nein“, sagt der Autor und schmunzelt, „diesmal brauche ich nur vier Jahre.“ Wenn das kommende Buch auch so gut lesbar ist wie „Vom Ende der Einsamkeit“, dann soll uns das recht sein. Darauf warten wir gerne.

Benedict Wells, Vom Ende der Einsamkeit
Diogenes Verlag, Zürich 2016
ISBN 9783257069587
Gebunden, 368 Seiten, 22,00 Euro
Weitere Informationen zur Literatur Nord

Benedict Wells wurde 1984 in München geboren. Im Alter von sechs Jahren begann seine Reise durch drei bayerische Internate. Nach dem Abitur 2003 zog er nach Berlin, wo er heute noch lebt. Er entschied sich gegen ein Studium und widmete sich dem Schreiben. Seinen Lebensunterhalt bestritt er mit diversen Nebenjobs. Sein vielbeachtetes Debüt ›Becks letzter Sommer‹ erschien 2008, wurde mit dem Bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet und 2015 fürs Kino verfilmt. Wie bereits sein dritter Roman ›Fast genial‹ steht auch sein soeben erschienener Roman ›Vom Ende der Einsamkeit‹ auf den Bestsellerlisten. Wells wurde dafür 2016 mit dem ›Literaturpreis der Europäischen Union‹ Deutschland ausgezeichnet. Das Buch ist auch als Hörbuch mit der Stimme von Robert Stadlober zu haben. (Quelle: Diogenes Verlag)


Abbildungsnachweis:
Fotos: Marion Hinz

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Literatur > Lesung mit Benedict Wells in Lübeck: „Vom ...

Mehr auf KulturPort.De

Vienna Vocal Consort: Nostre Dame
 Vienna Vocal Consort: Nostre Dame



Das Vienna Vocal Consort zählt seit Gründung im Jahr 2007 zu Österreichs renommiertesten Vokalensembles für Alte Musik. Deren neues Album „Nostre Dame“  [ ... ]



„Dalida”. Oder die Angst vor der Dunkelheit
 „Dalida”. Oder die Angst vor der Dunkelheit



Wie viel Tragik verkraftet ein Film in Zeiten von „Wonder Woman” oder „Atomic Blonde”? Tough ist angesagt, und viele Kritiker reagierten eher störrisch  [ ... ]



Chilly Gonzales in Lübeck – atemberaubend mitreißend
 Chilly Gonzales in Lübeck – atemberaubend mitreißend



Der Schlafrock war schwarz und nicht rot, wie am Vorabend in der Elbphilharmonie. Entsprechend seriös, ganz leise und melodisch der Einstieg.
Chilly Gonzales l [ ... ]



Sommerliche Musiktage in Hitzacker: Durchwoben vom ständigen Wandel
 Sommerliche Musiktage in Hitzacker: Durchwoben vom ständigen Wandel



Dass „die Tonkunst eine rührend-kurze Freude (ist), die aus dem Nichts entsteht und ins Nichts vergeht... eine kleine fröhliche Insel... die auf dem dunklen, [ ... ]



Kassé Mady Diabaté – ein Ausflug in die westafrikanische Musik
 Kassé Mady Diabaté – ein Ausflug in die westafrikanische Musik



„La parole des anciens est secrée.“ (Das Wort des Ältesten ist heilig)

Das Mandingo-Reich (Manding) wurde im 13. Jahrhundert vom sagenhaften Mali-Kaiser [ ... ]



Rudi Stephan – Chamber Works and Songs
 Rudi Stephan – Chamber Works and Songs



Rudi Stephan (1887-1915) konnte sein Leben nicht lange leben, er konnte sein unglaublich großes musikalisch-kompositorisches Talent nicht vollständig ausreifen [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.