Zum Anfang

Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 1359 Gäste online

Neue Kommentare

Herby Neubacher zu Jordi Savall und die Routen der Sklaverei: Musik, die unter die Haut geht: Auf der DVD die Savall als Livekonzert veroeffent...
Gerd Freeland Zürich zu Kunstmuseum Wolfsburg: This Was Tomorrow. Pop Art in Great Britain: Hallo eine Super Ausstellung.
Weiter so, w...

Miko zu Zebra Katz: Ein queerer New Yorker Hip-Hop rappt die Elphie!: War auch im Konzert. C.Schiller beschreibt in ihr...
Cuckie zu Zebra Katz: Ein queerer New Yorker Hip-Hop rappt die Elphie!: Spannender Artikel, der für mich das Konzerterle...
Herby Neubacher zu Nigel Kennedy „Bach meets my World“ in der Hamburger Laeiszhalle: Das ist nur grausam wenn man so jemand wie diese ...

Anzeige

Spezial - Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Spezial - Hamburger Architektur Sommer 2015


Literatur

Olga Martynova zu Gast im Lübecker Buddenbrookhaus: „Der Engelherd“

Drucken
(52 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Montag, den 31. Oktober 2016 um 10:17 Uhr
Olga Martynova zu Gast im Lübecker Buddenbrookhaus: „Der Engelherd“ 4.2 out of 5 based on 52 votes.
Olga Martynova zu Gast im Lübecker Buddenbrookhaus - Der Engelherd

Olga Martynova, Bachmannpreisträgerin 2012, stammt aus Sibirien, wuchs in Leningrad auf, studierte dort russische Sprache und Literatur. Seit 1991 lebt sie in Frankfurt/Main. Ihr jüngstes Werk, den Roman „Der Engelherd“, stellte sie im Gewölbekeller des Lübecker Buddenbrookhauses in einer öffentlichen Lesung im Rahmen der „LiteraTourNord“ vor.

„Dieses Buch musste ich einfach schreiben“, sagt sie. „Ein rätselhafter Titel“, forderte Prof. Dr. Hans Wisskirchen, Leitender Direktor der Lübecker Museen die Autorin zur Antwort heraus und fügte hinzu, „mit einer Inhaltsangabe kommt man bei diesem Buch nicht weit“. Das Titelrätsel löste die Autorin sofort. Die Sache mit dem Inhalt klärte sich im Laufe des Abends.

„Engelherd ist eine Vorrichtung zum Fangen von Engeln, vergleichbar mit dem Vogelherd“, so Olga Martynova. Der Vogelherd habe im 19. Jahrhundert als Freizeitvergnügen gedient, erklärte sie dem Publikum. Wie der von ihr erdachte Engelherd funktioniert, und was es mit Engelsüchtigen und Engelsammlern auf sich hat, das wird im Roman auf phantastische, märchenhafte Weise erzählt. Doch wozu braucht man überhaupt Engel in einem Buch?
„Es gibt manche Dinge, bei denen ich nicht wüsste, wie ich anders darüber sprechen könnte. Ich wollte keine starken Gefühle gebrauchen und missbrauchen.“ Es gehe in dem Buch auch um Schuldgefühle, erklärt Olga Martynova. Doch über Schuld zu sprechen, das sei schwierig. Also habe sie „kleine Figuren“, kleine Engel zu Hilfe genommen. „Ich verwende auch keine Phantasie in der Sprache, wenn es um Euthanasie geht“, nennt sie ein weiteres Beispiel, warum es Engel in ihrem Buch geben muss und fügt nachdenklich hinzu, „das Thema Sterbehilfe ist immer präsent, auch heute.“

Drei Jahre lang hat Olga Martynova an ihrem Roman „Der Engelherd“ gearbeitet. Sie hat zu Themen wie Drittes Reich und Euthanasie recherchiert, hat Fachbücher und Biografien gelesen. Zum Beispiel über die Kunsttänzerin Lucia Joyce, der Tochter von James Joyce, die vierzig Jahre in der Psychiatrie zubrachte. Sie hat sich mit dem Leben der Lyrikerin Christine Lavant befasst, für die der Aufenthalt in der Psychiatrie zum traumatischen Ereignis geriet.

Olga Martynova wollte jedoch kein Fachbuch, sondern einen Roman schreiben. Denn: „Jedes Wissen ist begrenzt. Wissen allein genügt nicht. Kunst kann mehr. Ich glaube, dass ein Schriftsteller der Wahrheit näher sein kann, wenn er ein literarisches Kunstwerk schafft.“ Außerdem, so berichtet sie, habe sie den Protagonisten Caspar und seine Geliebte Laura näher kennenlernen wollen. Die beiden spielten bereits im letzten Buch der Autorin eine Rolle, allerdings nur eine sehr kleine. „Ich hatte Caspar nur schlecht dargestellt. Ich dachte, er muss doch auch noch andere Seiten haben.“ Diese anderen Seiten wollte sie aufdecken, freilegen. Das war der Anfang, das war die Idee, so entstand der Roman, der zu einem vielstimmigen Werk angewachsen ist. Ein Werk, das uns viel zu sagen hat.
Es geht um Liebe, um Schuld, Familie und Verantwortung, Vergangenheit und Gegenwart. Es geht um Fragen wie: Was ist normal und was ist verrückt? Sind wir frei oder gefangen? Sind wir gut oder schlecht? „Wir können nicht sagen, es gibt gute und schlechte Menschen. Wir können nur sagen, es gibt gute und schlechte Zeiten. Das Leben ändert sich nicht schlagartig, sondern allmählich“, sagt Olga Martynova.

Leser von „Der Engelherd“ können auf wundersam eindringliche Art miterleben, wie sich Menschen ändern, wie sich Zeiten ändern. „Ich verzichte das ganze Leben lang auf das Leben, um Bücher zu schreiben, die immer weniger Menschen in der Lage sind zu lesen“, sinniert der Protagonist, der Schriftsteller Caspar Waidegger zu Beginn des Romans und fragt sich, ob das richtig sei. Oder sollte er doch lieber leben, nur leben? Wer weiß. Vielleicht wissen es die Engel. Die allerdings können uns Menschen letztendlich auch nicht helfen, sagt uns Olga Martynova. „Warum, wenn es Engel gibt, obliegt keinem die Aufgabe, Dinge, die erst in der äußersten Hölle vorkommen dürfen, hier auf Erden zu verhindern?“ Diese Frage stellt Christine Lavant in einem der Zitate, die dem Roman vorangestellt sind.

Olga Martynova: „Der Engelherd“
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2016
ISBN 9783100024329
Gebunden, 368 Seiten, 23,00 EUR

Weitere Informationen zu
LiteraTour Nord

Vita
Olga Martynova, 1962 bei Krasnojarsk in Sibirien geboren, wuchs in Leningrad auf und studierte dort russische Sprache und Literatur. 1991 zog sie nach Deutschland. Sie schreibt Gedichte (auf Russisch) und Essays und Prosa (auf Deutsch). Mit ihrem Romandebüt ›Sogar Papageien überleben uns‹ (2010) kam sie auf die Longlist des Deutschen Buchpreises und auf die Shortlist des Aspekte-Preises. 2011 erhielt sie den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis und den Roswitha-von-Gandersheim-Preis. Für ein Kapitel aus ihrem Roman ›Mörikes Schlüsselbein‹ gewann sie 2012 den Ingeborg-Bachmann-Preis. 2015 erhielt sie den Berliner Literaturpreis und hatte die Heiner-Müller-Gastprofessur für deutschsprachige Poetik an der FU Berlin inne. Olga Martynova lebt mit ihrem Mann, dem Autor Oleg Jurjew, in Frankfurt am Main. Quelle: S. Fischerverlage


Abbildungsnachweis:
Header: Olga Martynova. Foto: © Jürgen Bauer
Galerie:
01. Buchumschlag. S. Fischer Verlag
02. Olga Martynova bei der Lesung im Buddenbrookhaus, Lübeck. Foto: Marion Hinz

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Literatur > Olga Martynova zu Gast im Lübecker Buddenbro...

Mehr auf KulturPort.De

Unsere 17. Lange Nacht der Museen in Hamburg
 Unsere 17. Lange Nacht der Museen in Hamburg



Dagmar Seifert (DS) und Claus Friede (CF) sind wie bereits in den vergangenen gefühlten 20 Jahren für KulturPort.De in die Lange Nacht der Musseen in Hamburg a [ ... ]



So geht Oper fürs junge Publikum: „Erzittre, feiger Bösewicht!“
 So geht Oper fürs junge Publikum: „Erzittre, feiger Bösewicht!“



Die Staatsoper Hamburg nimmt junges Musiktheater ernst: Mit GMD Kent Nagano am Pult und Intendant Georges Delnon als Regisseur präsentieren sie eine Zauberflöt [ ... ]



Shot in the Dark – Bilder von blinden Fotografen
 Shot in the Dark – Bilder von blinden Fotografen



Zunächst herrscht Verwunderung, ja Irritation, vor allem bei Menschen, die sich nicht professionell mit Bildern befassen: Blinde FotografInnen – ist das n [ ... ]



Hinreißend elegant: Niklas Schmidt spielt die Cello-Suiten von Bach
 Hinreißend elegant: Niklas Schmidt spielt die Cello-Suiten von Bach



Niklas Schmidt, Hamburger Cello-Professor und Motor des International Mendelssohn Festivals Mitte September, hat ein Opus magnum vollendet: Seit kurzem ist die z [ ... ]



China Moses: Nightintales
 China Moses: Nightintales



Der britische Pianist John Taylor behauptete einmal: „Was die Leute dafürhalten, ist meistens gar kein Jazz.“ Er hatte ja so recht! Und das gilt [ ... ]



Traumspiel mit Traumstimmen in der Staatsoper: Die Frau ohne Schatten
 Traumspiel mit Traumstimmen in der Staatsoper: Die Frau ohne Schatten



Symbolbefrachtet, rätselhaft – Regisseur Andreas Kriegenburg sortiert in der Staatsoper Hamburg „Die Frau ohne Schatten“ von Richard Strau [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.