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Wenn es dunkel wird, kommen die Bilder

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Geschrieben von: Claus Friede   
Dienstag, den 01. September 2009 um 23:00 Uhr
Wenn es dunkel wird, kommen die Bilder

Den Hannoverschen Bahnhof in Hamburg gibt es nicht mehr. Einst, im späten 19. Jahrhundert, verband er Hamburg mit dem Süden, mit Harburg und Hannover, mit dem Ruhrgebiet bis zum niederländischen Venlo und weiter nach Paris.

Nach 1906, als die Hamburger ihren Hauptbahnhof bekamen wurde der Hannoversche Bahnhof zum Güterbahnhof und knapp 10 Jahre später zum Truppenbahnhof des Ersten Weltkriegs.

 

Aber es kam noch schlimmer - der Bahnhof wurde zum Deportationsbahnhof Hamburgs! Zwischen dem 25. Oktober 1941 und dem 14. Februar 1945 verließen 17 Transporte den Hannoverschen Bahnhof, mit denen insgesamt ungefähr 7.000 Personen – überwiegend jüdische Bürger, aber auch etwa 1.200 Sinti und Roma die Stadt verlassen mussten. Die Transporte endeten in osteuropäischen Ghettos, in Konzentrations- und Vernichtungslagern: nach Lodz, Minsk, Riga, Auschwitz sowie Theresienstadt. Fast 90% der Deportierten wurden ermordet.
1955 wurde der durch den Zweiten Weltkrieg stark beschädigte Bahnhof abgerissen.

Anlässlich des HarbourFront Literaturfestivals rückt der Ort des ehemaligen Hannoverschen Bahnhofs am heutigen Lohseplatz wieder ein Stück weit in die Erinnerung. Einige Veranstaltungen beziehen sich auf den Ort, auf die Geschichte und Schicksale und finden dort in einem Zelt statt, so „In Erinnerung zurück: der Hamburger Lohseplatz“ (Lesung mit Laura de Weck, 15.09. um 18 Uhr), „Das Recht auf Rückkehr“ (Leon de Winter, 16.09. um 19 Uhr), „Die Geschichte einer großen Sinti-Familie“ (Dotschy Reinhardt, 17.09. um 19 Uhr) - um nur einige zu nennen.

Eindrucksvolle großformatige Fotoprojektionen im Außenraum der Künstlerin Katrin Bethge begleiten vom 15. bis 19. September 2009 zwischen ca. 18 und 22 Uhr die Lesungen. Die Projektionen verschiedener historischer Aufnahmen des alten Hannoverschen Bahnhofes werden an die benachbarte Fassadenfläche einer Stückguthalle, an einem Backsteingebäude und auf dem Lohseplatz selbst zu sehen sein.

Die Projektionen sind Folien der Erinnerung und geben eine Ahnung, wie es damals an diesem Ort ausgesehen hat, und die Besucher merken, wie stadtnah und eingebunden der einstige Deportationsbahnhof lag. „Trotzdem wussten und wissen viele Hamburger Bürger nicht um die Geschichte des heute, mitten in der HafenCity gelegenen Lohseplatzes“, sagt Barbara Guggenheim, die die Organisation der Veranstaltungen an jenem Ort leitet.
In der Tat entsteht eine historische Bilderwelt, die die Vergangenheit in der Dunkelheit wieder real werden lässt.

Fotos: Museum für Hamburgische Geschichte, HHLA, Stadtteilarchiv Hamburg-Hamm, Katrin Bethge
Weitere Informationen: www.harbourfront-hamburg.com alt

Ihre Kommentare (Gast-Eintrag auch ohne Mitgliedschaft möglich)

avatar David
+10
 
 
Ich war dort und fand die Projektionen sehr beeindruckend. Der Lohseplatz war wie verwandelt.
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