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Jörgen Bracker: "Hinter der Nebelwand"

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(189 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Geschrieben von: Susanna Schöttmer   
Freitag, den 09. Dezember 2011 um 01:00 Uhr
Jörgen Bracker:

Der Titel ist gut gewählt - wie hinter einer Nebelwand spielen sich Ereignisse ab, die nur schemenhaft als verbunden erkennbar sind:
Der gewaltsame Tod eines jungen Fischers, eine bestürzend verlaufende Schiffstaufe, die Hexenjagd auf eine junge Frau aus dem Wanderarbeiter-Milieu, alles das ist eingebettet in den historischen Hintergrund der Vorweltkriegszeit. Beruhend auf einer wahren Begebenheit, angesiedelt im Jahre 1911, zeichnet das Buch das schon morbide Moral- und Sozialgefüge in einem eng begrenzten Bereich der süderdithmarscher Küste nach, in das jedoch die Tendenzen der Außenwelt, Kapitalismus, Kommunismus, Militarismus bereits hineinwirken. Das Wattenmeer mit seinen besonderen Reizen, aber auch seinen ständig lauernden, schwer erkennbaren Gefahren ist Kulisse und Paradigma zugleich.

Bei einem wirklich guten Roman muss, so man ihn aufteilt, aus jedem Teilstück ein neuer Roman entstehen können, sagt man. So gesehen, ist „Hinter der Nebelwand“ ein ungewöhnlich guter Roman. Dass die Handlungsstränge und ihre Verknüpfung sich nicht auf den ersten Blick erschließen, dass der Leser durch geschickt nahe gelegte Vermutungen auch nicht selten in die Irre geführt wird, macht durchaus den Reiz dieses Kriminalromans aus. Und es macht nachdenklich: zum guten, weil vollkommen unerwarteten Schluss wird eine ganze Reihe von gewohnten Klischees demontiert.

Der Historiker Jörgen Bracker bedient sich, speziell für dieses Buch, einer eigenwilligen Sprache, die an Romane des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts erinnert. Auch dies verdichtet noch die Atmosphäre von Vernebelung, Verschweigen, Undurchschauberkeit. Und, zu selten in unseren Tagen: dieses Buch ist ungewöhnlich sorgfältig ausgestattet, exzellent gesetzt und - sparsam, aber sensibel – mit zeitgenössischen Bildern versehen.

„Hinter der Nebelwand“ ist, weitab jeder Effekthascherei, ein Buch, das man für stille Stunden gern zur Hand nimmt und so rasch nicht wieder los lässt.


Jörgen Bracker: "Hinter der Nebelwand"
Wachholtz Verlag GmbH
414 Seiten. ISBN 3-529-04525-X

Fotonachweis:
Header: Details vom Buchumschlag
Galerie:
1. Buchumschlag
2. Jörgen Bracker (Foto privat)

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