|
Geschrieben von: Claus Friede
|
|
Freitag, den 20. Februar 2009 um 15:29 Uhr |
|
Seite 1 von 2 
Der Künstler und Fotograf Stefan Szczygiel arbeitet seit mehreren Jahren an seinem Projekt „Urban Spaces“, groß- und mittelformatigen Architekturfotografien und Filmen, die Gebäudekomplexe und städtische Räume abbilden und in Beziehung setzen.
Im Gegensatz zu seinen Künstlerfotografen-Kollegen der ehemaligen Düsseldorfer Becher-Klasse, fotografiert Szczygiel die Interieurs, Architekturen und Stadträume selten menschenleer, sondern immer im Hinblick auf die alltäglichen Nutzungen. Seine teilweise überdimensionalen Fotos bilden eine Stadt in der Stadt ab, konstruieren Beziehungen und Gegenüberstellungen. Mit einer Portion Ironie konterkariert der Fotograf zuweilen die klare und strengen Architekturen mit kleinen Widerborstigkeiten des Alltags: ein verbogenes Verkehrschild, Bauschutt vor der Sehenswürdigkeit oder Graffitis an Wänden und Mauern.
Neben den innerstädtischen Räumen hat der Künstler ein starkes Interesse an Stadtrandgebieten – dem Raum für die Kurzerholung und Besinnung des Städters. Durch die Kontrastierung der parkähnlichen Randgebiete zum städtischen, architektonisch-strukturierten Lebensraum im engen Sinn, entstehen unweigerlich Konvergenzpunkte und Fragestellungen. Stadtbewohner suchen keine reine, „unverletzte“ Natur in urbanen Räumen mehr, aber die Sehnsucht nach ihr schwingt dennoch mit.
Die Präzision von Szczygiels Fotografien ist einmalig, jedes Detail ist von ungeheurer Klarheit und Schärfe. Somit erkennt der Betrachter die Feinheiten bis in den Mikrobereich der Bilder und geht auf Entdeckungsreise. Schon die Landschaftsmalerei des 17. Jahrhunderts und die Landschaftsbilder der Filmkultur des 20. Jahrhunderts haben diese und weitere ikonographischen Assoziationen hervorgerufen, bis hin, sich selbst in die Landschaft hinein zu projizieren. Der Betrachter versetzt sich in die Landschaft in verschiedenen Größen, die von der Perspektive abhängen. Wir werden klein und verbinden uns somit mit den anderen Bildbestandteilen. Landschaftsfotografie sowie die fotografischen Abbilder von städtischen Räumen sind aber auch immer Entdeckungen von Manipulationen. Die Geometrie einer Stadt ist immer die Manipulation der Formensprache der Natur, auch dann, wenn sie Landschaft nachempfindet.
|