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Geschrieben von: Dagmar Seifert   
Donnerstag, den 28. Mai 2009 um 20:02 Uhr
27. Mai 2009, Rothenbaumchaussee.

Ein Beitrag zum nicht ganz unkomplizierten Verhältnis von Film und Musik: Im großen Hörsaal des Völkerkundemuseums diskutierten zwei Komponisten, zwei Filmproduzenten (ein Männchen und ein Weibchen) sowie ein Alleskönner (im besten Sinne), nämlich Tom Tykwer, über ‚den Mehrwert von guter Filmmusik’.

 

Das Interesse an dieser Veranstaltung war so groß, dass die überraschten Veranstalter – die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein und der Composers Club e.V. – hastig noch einige Namensschildchen zum An-die-Brust-Heften herstellten, um sorglose Nichtangemeldete, die den Andrang zum Event unterschätzt hatten, ehrlich zu machen. Schließlich saßen etwa zweihundert Zuhörer erwartungsvoll in der Arena.
 

John Groves, Musikproduzent und Vorsitzender des Composers Clubs, umriss in seiner Einleitung das Dilemma, um das es geht. Es scheint fast die Regel zu sein, dass beim der Herstellung eines Films ziemlich zum Schluss plötzlich der Gedanke aufkommt: Oh, wir brauchen ja auch noch Musik - um dann für diesen Punkt das Budget zu kürzen. Komponisten seien zudem meist ruhige, bescheidene Wesen, die im stillen Kämmerlein arbeiteten. Groves hielt gerade für sie die Devise ‚Tu Gutes und rede drüber’ für bedeutend sinnvoller. Er seinerseits wünschte sich die Musik an erster Stelle – wenigstens für diesen Abend.
 

Nach ihm sprach Tom Tykwer sein kleines Vorwort. Der Mann ist von Geburtsrecht Regisseur, Leiter, Kapitän. Er muss eingreifen, wo etwas nicht stimmt – so springt er auf, um den umgekippten Kragen von John Groves mal eben zurechtzuklappen und biegt später flink Lars Büchels Mikrophon, das sich nicht in Mundhöhe befindet, mit einem langen Arm in die perfekte Position.
 

Tykwer redete präzise, amüsant und leider so schnell, dass man’s gern gestoppt und noch mal gespielt hätte. Er beklagte, dass die eine Filmmusik häufig das mehr oder weniger eindeutige Imitat einer anderen sei, einfach, weil die woanders bereits funktioniert hat. Verantwortlich dafür sei die Angst der Macher (Regie und Produktion) vor der Masse, eine panische Unsicherheit über die erfolgreiche Vermarktung - der Gral allen Filmkönnens.
 

Falls es eine Szene gäbe, von der niemand so recht weiß, wie sie im Kontext zusammenhängt oder in der das Schweigen überhand nimmt, käme gern der Tipp: „Ach, da legst du einfach Musik drüber!“ Das klingt, findet Tykwer, nicht nur pornografisch, das ist es auch: Wie vom Zuhälter gezwungen muss die Komposition sich auf jede beliebige Szene ‚legen’, sie bekommt ihre Chance, wenn im Bild gerade nichts los ist, sie stopft die Lücken, anstatt integraler Bestandteil zu sein.



 

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