Alte Synagoge Essen: Haus jüdischer Kultur |
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| Geschrieben von: Claus Friede |
| Montag, den 10. Januar 2011 um 17:55 Uhr |
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Seite 1 von 2 ![]() Einst war es der größte Synagogenbau in Deutschland, dem man seine Bedeutung bis heute ansehen kann. Erbaut zwischen 1911 und 1913 vom Essener Architekten Edmund Körner, diente sie Jahrzehnte der großen jüdischen Gemeinde Essens als Ort der Versammlung und des Gebets. Körners Pläne sahen einen monumentalen, freistehenden und beeindruckenden Baukörper vor, mit angrenzendem Rabbinerhaus und einem Verwaltungsteil der jüdischen Gemeinde. Ein selbstbewusstes Sinnbild für den Platz des Judentums in der deutschen Gesellschaft des Kaiserreichs. Aber nicht nur die äußerliche Erscheinung war und ist bis heute imposant, auch das Innere war besonders. Eine große farbige Glasfensterreihe mit jüdischen Symbolen warf Licht auf die Frauenempore und eine weitere, niedrigere auf den Betsaal unterhalb des u-förmigen Balkons. Vier große und mehrere kleine Leuchter hingen von der Kuppel herab und spendeten dem riesigen Innenraum mit dem nach Osten, zur Klagemauer ausgerichteten, mächtigen Thoraschrein Licht. Mosaike, verschiedene Leuchter, Thorarollen, die in samtenen Mänteln, edel bestickt, mit Schild und Lesehand behängt und glockenverzierten Granatäpfeln versehen waren, gehörten zur reichen Ausstattung der Synagoge und des Thoraschreins. Die auf goldenem Grund verzierte blaue, hebräische Inschrift mit den drei Löwen und Rankenpflanzen über dem Muschelkalkschrein – heute rekonstruiert – war und ist ein Zitat aus der Mishna „Sprüche der Väter“ und lautet in der Übersetzung „Wisse, vor wem Du stehst“. Eine Orgel war jenseits des Thoraschreins eingebaut und jüdische Chöre aus Essen und Düsseldorf sorgten für den musikalischen Teil der Liturgie. Nur 25 Jahre nach der Einweihung versuchten die Nationalsozialisten während des Novemberpogroms die Synagoge zu zerstören. Der Innenraum brannte am 10. November 1938 lichterloh aus, jedoch bleib das Gebäude äußerlich stehen, weil es solide aus Stahlbeton besteht und eine Sprengung zu gefährlich gewesen wäre. Wie bei annähernd 1400 weiteren Synagogen- und jüdischen Gebetsstättenschändungen in Deutschland, waren Teile der Bevölkerung schaulustig dabei. Im September 1943 hatte der letzte Transport die Stadt verlassen – Essen galt als „judenfrei“, die Synagoge war längst keine mehr. Nach 1945 stand sie jahrelang mahnend als Ruine im Essener Zentrum, bis die Stadt 1959 das Gebäude von der 'Jewish Trust Corporation' erwarb. Die neugegründete und kleine jüdische Gemeinde weihte im Oktober 1959 ihre neue Synagoge der Architekten Dieter Knoblauch und Heinz Heise in der Sedanstraße ein. Entkernt wurde die Alte Synagoge in den 1960er-Jahren dann schließlich genutzt: das Haus Industrieform e.V. entstand. Der Thoraschrein wurde abgerissen, die Kuppel abgehängt und Mosaike übermalt oder entfernt. Fast gar nichts erinnerte mehr im Innenraum an eine Synagoge. Verschiedene Industriedesign- und Plakat-Ausstellungen wurden bis zu einem Kurzschlussbrand 1979 in regelmäßigen Abständen gezeigt. Zeitgemäß wurde dann aus der Alten Synagoge in den 1980er-Jahren ein Zentrum des Gedenkens. Eine Dauerausstellung zeigte "Stationen jüdischen Lebens - von der Emanzipation bis zur Gegenwart". |



