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The Beijing View - Kunst aus dem Reich der Mitte

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Geschrieben von: Claus Friede   
Dienstag, den 24. August 2010 um 11:32 Uhr
The Beijing View - Kunst aus dem Reich der Mitte

Im Zeitraum August bis Oktober 2010 präsentieren drei Kunstinstitutionen in der Metropolregion Hamburg zeitgenössische Kunst aus China: die Stiftung Landdrostei in Pinneberg, der Kunstverein Elmshorn und die Galerie Atelier III in Barmstedt.
Die Ausstellung „The Beijing View“ wird im Rahmen der Veranstaltungsreihe „CHINA TIME Hamburg 2010“ parallel gezeigt. Zu sehen sind Malerei, Fotografie und Bildhauerei aus dem Großraum Peking.

Seit Mitte der 1990er-Jahre werden in Hamburg und Schleswig-Holstein immer wieder Ausstellungen gezeigt, die zeitgenössische Positionen aus China vorstellen. Wie unterschiedlich und weitgefächert einerseits die künstlerischen Äußerungen und Themen aus China sind, so nah sind die Stilmittel und Techniken an westlicher Kunst orientiert. „The Beijing View“ macht da keine Ausnahme. Es gibt Werke an allen drei Orten, die man ohne jedwede Probleme dem europäisch-westlichen Kulturkreis zuordnen kann.
Die Eröffnungsbesucher in der Drostei in Pinneberg, in der etwa die Hälfte der Werke der Ausstellung zu sehen sind, suchten augenscheinlich nach den chinesischen Aspekten der zeitgenössischen Kunst und wurden nicht immer fündig.

Ren Rong (1960 in Nanjing geboren), einer der beteiligten Künstler, der in beiden Kulturkreisen zu Hause ist, weil er sowohl an der Kunstakademie in Nanjing als auch an denen in Münster und Düsseldorf studierte und zwischen Bonn und Beijing pendelt, begründete im Gespräch anlässlich der Eröffnung, dass über viele Jahrzehnte hinweg, bis in die 2000er-Jahre hinein, die Ausbildung an chinesischen Kunsthochschulen an der sozialistischen Malerei der Sowjetunion orientiert gewesen sei. Seit den frühen 50er-Jahren haben mehr als zwei Generationen nur in dieser Stilrichtung arbeiten dürfen. Die Hochschulausbildung hinkte der Kunstentwicklung Chinas lange hinterher. Die Unterschiede in der Ausbildung verdeutlichte Ren dann auch damit, dass an den Hochschulen in China es zunächst darauf ankam, Techniken zu erlernen und Meister zu kopieren. Über Jahre hinweg – und hier sieht er ein wichtiges Moment der asiatischen Auffassung von „lernen“ – sind die Studenten damit befasst, ihre Fähigkeiten im Kopieren von Kalligraphie oder Meisterwerken der Landschaftsmalerei zu trainieren, bis sie schließlich selbst einen eigenen, persönlichen Stil finden können und dürfen.

The Beijing View - Kunst aus dem Reich der Mitte Seine Ausbildung in Deutschland sei hingegen von Individualismus geprägt gewesen, von Anbeginn an. Technik spielte zunächst keine zentrale Rolle, vielmehr ging es darum, schnell einen eigenen Stil und differenzierte Positionen innerhalb des westlichen Kunstsystems zu entwickeln.
Weiter sagte er, er habe erst in Deutschland seine chinesischen Wurzeln fühlen, ja begreifen und künstlerisch darauf reagieren können. So sei er beiden Kulturkreisen eng verbunden.
Dies ist auch in seinen, bei „The Beijing View“ gezeigten Werken evident: Die Welt der von ihm entwickelten „Pflanzenmenschen“ ist es, die das Werk von Ren Rong der letzten Jahre prägt: organische Figuren und Ornamente, die er in verschiedenen Materialien und Techniken variiert. So findet man Fabelwesen, gepaart mit alten chinesischen Bildzeichen als Eisenobjekte, aber auch auf Holzreliefs und in Collagen wieder. Besonders das Verhältnis von Mensch und Natur sowie Objekte und Elemente der Geschichte Chinas unter und nach Mao sind Themen, die sein Werk durchziehen.



 

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