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Kultur und Management

A Space Called Public / Hoffentlich Öffentlich. Elmgreen & Dragset in der Münchener Innenstadt

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Montag, den 18. März 2013 um 10:25 Uhr
A Space Called Public / Hoffentlich Öffentlich. Elmgreen & Dragset in der Münchener Innenstadt 4.5 out of 5 based on 237 votes.
A Space Called Public

Für die Stadt München kuratiert das skandinavische Künstlerduo Elmgreen & Dragset von Januar bis September 2013 eine Ausstellungsreihe mit dem Titel „A Space called Public/Hoffentlich Öffentlich“, die auf verschiedenen bedeutenden Plätzen in der Innenstadt stattfinden wird.
Eine Lektüre der Internetseite des Projektes lohnt sich, kann man sich doch ein dreiviertel Jahr auf Projekte bekannter zeitgenössischer Künstler wie Stephen Hall, Martin Kippenberger, Ed Ruscha und vielen mehr freuen. Die Künstlerauswahl ist spannend und überraschend für ein Projekt des Kulturreferates unserer schönen, aber auch sehr behaglichen bayerischen Landeshauptstadt.

Den Anfang machen gleich zwei Kunstaktionen: Am zwölften März um 11:45 Uhr findet sich auf dem Odeonsplatz ein kleines Personengrüppchen ein. Es ist der Auftakt einer Performance, die hier stattfinden soll und die dazu passende Pressekonferenz in einem. Da stehen Mitarbeiter des Kulturreferates, eine handvoll Journalisten, Fotografen, Mitarbeiter des Kunstvereins und natürlich zwei auffallende große Männer, das Künstlerduo und Kuratorenteam Michael Elmgreen und Ingar Dragset.

Der Frühling, der vor ein paar Tagen noch mit milden Temperaturen und Sonne verwöhnt hatte ist verschwunden. Grau ist es und etwas zugig. Nach zehn Minuten trippeln die ersten schon von dem einen Bein auf das andere, um die kriechende Kälte, die vom Kopfsteinpflaster über die Schuhsohlen langsam nach oben wandert, etwas zu verlangsamen.
Es gilt noch mindestens weitere fünf Minuten durchzuhalten, denn die Performance ist für 12 Uhr angesetzt. Jeden Tag. Für drei Monate. Und keine Minute vorher darf sie beginnen.

Und dann läuten die Glocken der benachbarten Theatinerkirche. Die Fotografen halten auf die Vitrine, die bereits die ganze Zeit unscheinbar in der linken vorderen Ecke des Platzes steht. bestückt ist sie mit einer silbern glänzenden, großen Flüstertüte.
Plötzlich erscheint ein dünner, blasser, älterer Herr, der leicht gebeugt, aber schnurstracks auf die Vitrine zugeht. Ganz dem Klischee eines deutschen Rentners nach ist er ganz und gar beige und hellgrau. Von den Schuhen über seinen Blouson zur Schiebermütze hin. Sogar die Haut und der Bart sind beige und hellgrau. Etwas unsicher öffnet er die Schlösser der Vitrine mit einem Schlüssel, den er offensichtlich dabei hat und nimmt die Flüstertüte heraus. Er setzt sie an die Lippen, räuspert sich und sagt mit Frosch im Hals auf deutsch „es hähmm hähmm ist niemals zu spät sich zu entschuldigen!“ setzt die Flüstertüte ab, räumt sie auf, sperrt die Vitrine zu und verschwindet schnellen Schrittes durch die Hofgartenarkaden.

Ein älterer Herr geht vorbei und sagt „hätte die Stadt nicht Geld für schöne Kunst ausgeben können“? eine Frau ruft „was soll das, das ist doch peinlich?“ In der Zeitung steht, der Satz banalisiere gerade auf diesem historischen Platz die deutsche Geschichte.
Das Künstlerduo hat diese Performance in englischer Sprache im vergangenen Jahr schon in Rotterdam und in New York gezeigt. Immer an historischen oder politisch aufgeladenen Stellen und so ist auch die Wahl des Odeonsplatzes, vor der Feldherrnhalle kein Zufall.
Auf der ganzen Welt ist dieser Platz als besonderer Ort der NS Propaganda, als Teil der Hitler- Ikonografie in das Gedächtnis eingebrannt.
Doch was macht die Performance? Zunächst fühlen sich vorbeieilende Passant vielleicht persönlich angesprochen. Ja denn es ist niemals zu spät sich zu entschuldigen, oder?
Oder ist vielleicht die deutsche Vergangenheit gemeint? Geht der Hinweis vielleicht in Richtung Theatinerkirche als Institution Kirche im Allgemeinen? Oder alles zusammen?
Die Aktion regt zum nachdenken an und sorgt für Gesprächstoff, führt von der privaten Dimension in ein kollektives Geschichtsverständnis, ist persönlich und politisch zugleich.

Zum Ende der Pressekonferenz passiert dann etwas tatsächlich komisches: Der Performer kommt zurück und posiert mit an der Vitrine mal mit Flüstertüte, mal mit Elmgreen & Dragset für die Fotografen. Darf er das? Kann er einfach zurück kommen und die Performance nachstellen?
Eigentlich hätten die Fotografen bis zum nächsten Tag um 12 Uhr warten müssen um das perfekte Foto zumachen, denn führt das Nachstellen einer Performance diese nicht ad absurdum?

Direkt im Anschluss an „It's Never Too Late To Say Sorry“ wird dann die Aktion „4th Plinth Munich“ von Stephen Hall & Li Li Ren auf dem Wittelsbacherplatz schräg gegenüber dem Odeonsplatz der Presse vorgestellt.
Seit Januar wundern sich die Münchner über den Bau eines neuen Skulpturensockels auf dem Platz, der bislang allein vom Reiterdenkmale Kurfürst Maximilian I. geschmückt wird.

In der linken vorderen Ecke parallel zur Strasse hin passt sich dieser in Farbe und Größe scheinbar dem ersten an.
Der Name der Aktion verrät, was es mit diesem sonderbaren Sockel auf sich hat. Er zitiert freilich den vierten Sockel welchen Elmgreen & Dragset auf dem Londoner Trafalgar Square 2012 mit einem berittenen Schaukelpferd bestückt haben.
Ähnlich wie in London wurde auch für den Münchner Nachbau des Sockels ein Wettbewerb ausgeschrieben, den der Münchner Künstler Alexander Laner mit seinem Entwurf „Schöner Wohnen“ gewonnen hat.

Der Sockel ist nämlich ein Hohlkörper und wird von Laner statt als Plattform für eine Skulptur selbst als Monument ausgebaut, als exklusive Wohnimmobilie mit Dachterrasse soll das Objekt in den gängigen online Maklerportalen tatsächlich vermietet werden. Um den Sockel wird Rollrasen ausgelegt, der selbstverständlich von einem Zaun umfasst sein wird. Bis Mai soll diese Kleinstwohnung in exponierter Lage entstehen und von Juni bis September wird der Künstler diesen temporären Wohnraum vermieten, Besichtigungen veranstalten und was zur Vermietung von Wohnraum eben sonst so üblich ist.

Zwei kritische Aktionen die mit einem Augenzwinkern zum Nachdenken anregen und die nur den Anfang dieser interessanten Reihe von Kunstaktionen im öffentlichen Raum machen.
Wir sind sehr gespannt, mit welchen Themen wir uns in München mit Hilfe von Elmgreen & Dragset im nächsten halben Jahr schmunzelnd und grübelnd beschäftigen werden.


Die Reihe „A Space Called Public/Hoffentlich Öffentlich“,
kuratiert von Elmgreen & Drageset zu sehen bis September 2013
gefördert von Landeshauptstadt München Kulturreferat
www.aspacecalledpublic.de

Fotonachweis:
Header: „It's Never Too Late To Say Sorry“
Galerie:
01. "4th Plinth Munich". Foto: Hannes Magerstaedt
02. „It's Never Too Late To Say Sorry“. rechts, die Künstler Elmgreen & Dragset
03. Alexander Larner: "Schöner Wohnen"

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