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Kultur und Management

Lauenburger Stipendiaten 2012: Katrin Pieczonka

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Donnerstag, den 17. Mai 2012 um 09:04 Uhr
Lauenburger Stipendiaten 2012: Katrin Pieczonka 4.5 out of 5 based on 108 votes.
Katrin Pieczonka

Katrin Pieczonka stammt aus Kiel. Dort besuchte sie die Humboldt-Schule. Nach dem Abitur studierte sie von 1993 bis 1999 Kunstgeschichte, Neuere Deutsche Literatur und Volkskunde an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und an der Universität Hamburg.
Danach kehrte sie in ihre Heimatstadt zurück und absolvierte von 2000 bis 2005 ein Studium der Freien Kunst an der Muthesius Kunsthochschule Kiel bei Elisabeth Wagner, Peter Nagel und Birgit Jensen. Seit 2008 lebt und arbeitet sie als freie Künstlerin in Hamburg.

Sie liebt die Leinwand und das das grosse Format. Als Vorlage für ihre Gemälde dienen ihr eigene Fotografien oder auch Schnappschüsse aus den Fotoalben ihrer Eltern und Freunde. Bei der Auswahl interessiert sie das eher Nebensächliche und Beiläufige. Es geht in ihrer Arbeit um Erinnerung: Parkplätze, Einkaufszentren, Häfen und Berge. Lampen und Straßen, Tankstellen und Strände, verlassene Konzertsäle, Kreuzungen auf dem Land, ein abgestellter Wohnwagen.

Kartrin Pieczonka: “Ich sammle Orte und lege sie in meinem Archiv ab; ich frage mich, wie die Erinnerung funktioniert und ob sie das Bild generiert oder umgekehrt.“ Ihre Bilder wirken oft skizzenhaft. Ihre frühen Arbeiten erinnern mit ihrer kühlen, pastelligen Farbgebung, aber auch in den Sujets, in ihrer Eingefrorenheit des Moments an den amerikanischen Realisten Edward Hopper. Im Gegensatz Hoppers sind ihre Bilder allerdings menschenleer. Zeigte er die Einsamkeit des modernen Menschen wirkt ihre Welt als sei die Menschheit bereits ausgestorben. In ihren aktuellen Arbeiten wird sie zunehmend abstrakter, schroffer. Es sind strukturelle Kompositionen in denen die Architektur, die die frühen Arbeiten dominiert, nur noch marginal zitiert wird.

Mario Scheuermann (MS): Woran arbeiten Sie gerade?

Katrin Pieczonka (KP): Meine Arbeiten entstehen immer aus dem Prozess heraus, sind also nicht im Vorfeld geplant, der gesamte Weg zum Bild befindet sich im Bild und ist häufig auch noch sichtbar oder zu erahnen. Die gegenständlichen Elemente stammen immer von realen Orten, an denen ich gewesen bin, von Fotos, die ich meist selbst gemacht habe. Diese Fotos dienen mir aber nur als Erinnerungsstütze und grobe Skizze, sie sind nur ein Anlass, damit die Malerei sich verselbständigen kann.

Zur Zeit arbeite ich an zwei Bildern - das eine ist ein kleines Format, auf dem Berge, eine Straßenlaterne und ein Spiegel aus einem Ort am Lago Maggiore auftauchen, und das andere wird wahrscheinlich eine Ansicht eines früheren Schlafzimmers von mir enthalten, aber so weit ist es noch nicht gediehen, dass ich das schon genau sagen könnte. Für eine Arbeit brauche ich meist zwischen 3 Wochen und zwei Monaten - manchmal ist es ein langer Prozess des Wegstellens und Wiederhervorholens, so lange, bis es stimmig ist.

MS: Wie sind Sie auf das Künstlerhaus Lauenburg aufmerksam geworden?

KP: Das Künstlerhaus Lauenburg ist an der Muthesius-Kunsthochschule, wo ich studiert habe, ein Begriff, und ich kenne viele der ehemaligen Stipendiaten, weil dort ja fast jedes Jahr jemand aus Kiel ein Stipendium erhält.

MS: Was erwarten Sie von Lauenburg? Haben Sie eine Vorstellung von der Stadt?

KP: Ich war leider noch nie in Lauenburg, aber habe schon öfter Bilder gesehen - im Internet, oder in den Nachrichten, wenn Elbe-Hochwasser war... und es erscheint mir sehr hübsch und beschaulich, so natürlich gewachsen am Fluss und so, als würde die Geschichte liebevoll gepflegt. Ich bin gespannt.

MS: Werden Sie die ganze Zeit hier leben und arbeiten oder pendeln?

KP: Genau geplant habe ich noch nichts, aber wegen der nur mittelgroßen Entfernung denke ich, dass es vermutlich eine Mischung wird und ich immer einige intensive Arbeitstage am Stück in Lauenburg einlegen werde und dann zwischendurch aber auch mal nach Hause fahren werde.

MS: Gibt es vielleicht schon ein konkretes Projekt, eine Idee?

KP: Da ich immer eher spontan arbeite und sich meine Arbeiten meistens erst hinterher in Werkgruppen zusammenfassen lassen - oder manchmal auch gar nicht, lasse ich es eher auf mich zukommen. Aber ich will auf jeden Fall mit der Kamera losziehen und jede Menge Fotos für mein Archiv machen. Und dann möglicherweise gleich vor Ort etwas von den gefundenen Bildern verarbeiten. Wenn es der Platz erlaubt, am liebsten so großformatig, wie es geht. Mein Atelier in Hamburg ist etwas beengt - ca. 25-30m², Deckenhöhe auch nur 2,60 m und das ich mit einer Illustratorin teile, welche allerdings nur sehr bescheiden in einer Ecke am Schreibtisch residiert.


Der Beitrag wurde veröffentlicht bei: weinreporter.posterous.com
Kultur-Port bedankt sich beim Verlags- und Redaktionsbüro Mario Scheuermann, Lauenburg/Elbe.

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