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Blick über den Tellerrand nach Dänemark: Silkeborg

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Geschrieben von Claus Friede  -  Samstag, den 30. April 2011 um 07:54 Uhr
Blick über den Tellerrand nach Dänemark: Silkeborg 4.6 out of 5 based on 123 votes.
Blick über den Tellerrand nach Dänemark: Silkeborg

Es ist ein ausgesprochen schöner Landstrich, in dem die knapp 45.000 Einwohner der Mitteljütländischen Stadt Silkeborg leben.
Umgeben von Wäldern und Wasser, dem See Silkeborg Langsø, der von Dänemarks längstem Fluss, dem Gudenaa gespeist wird, spielt die Stadt seit ihrer Gründung im Frühsommer des Jahres 1385 eine zentrale Rolle.

Neben all der landschaftlichen Schönheit, hat die Stadt auch kulturell viel zu bieten. Es gibt ein Museum, das sich in der alten Papierfabrik, um die sich das Städtchen einst formierte, mit der Papierherstellung beschäftigt und Freunde von Oldtimern und Autos kommen im Jysk Automobilmuseum auf ihre Kosten. Die bildende Kunst nimmt allerdings einen besonderen Stellenwert ein.
Das ist einem der bekannten dänischen Malern zu verdanken: Asgar Jorn, dessen gleichnamiges Museum sich in Silkeborg befindet. Jorn (1914-73), dessen Namen eigentlich Asger Oluf Jørgensen lautet, wuchs in Silkeborg auf, und erhielt dort seinen ersten Malunterricht. Er war nicht nur Maler, Grafiker und Bildhauer und wurde als Mitglied der COBRA-Gruppe international bekannt, er war auch Kunstsammler. In den Jahren 1953 bis 1973 stiftete Jorn fünfeinhalbtausend Werke von 150 nationalen und internationalen Künstlerkollegen an die Stadt. Auch eine Auswahl von diesen, sind Teil der Ausstellung. So findet man Werke von Fernand Léger, Max Ernst, Lucio Fontana und Max Beckmann. Das Museum Jorn beherbergt heute jedoch die größte Sammlung von eigenen Werken des Künstlers; 137 Gemälde, etwa 100 Keramikobjekte und Skulpturen und über 600 Zeichnungen und Grafiken bilden den Kern des 1982 eröffneten Hauses.
Im COBRA-Forum lagert ein erstaunliches Archiv an Material über die Künstlergruppe, deren Namen sich aus den Anfangsbuchstaben der Städte herleitet, in denen die Künstler einst arbeiteten: ‚Co’ für Kopenhagen, ‚Br’ für Brüssel und ‚A’ für Amsterdam. Einem der Mitglieder, Pierre Alechinsky (*1927 in Brüssel) ist eine kleine Ausstellung im Sockelgeschoss gewidmet: „Flora Danica“. Grundlage der Arbeit ist das aus über 3.000 Blättern bestehende gewaltige Werk über die dänische Flora, das 1761 begonnen wurde und sämtliche Wildpflanzen und Gewächse des Königreichs Dänemark in 51 Mappen umfasst.
Alechinsky erwarb eine dieser Radiermappen als Faksimile und überarbeitete diese mit Bleistift und Tusche in den frühen 1990er-Jahren zeichnerisch. Herausgekommen ist eine sehenswerte humorvolle, skurrile und surreale Arbeit. (Zu sehen noch bis 22. Mai.)

Im Zentrum Silkeborgs liegt die Galerie Moderne. Das private Kunsthaus, gegründet 1962, das sich zunächst mit Ausstellungen der COBRA-Künstler einen Namen machen konnte, hat längst das Programm erweitert. Neben den dänischen Künstlern Robert Jacobsen, Carl-Henning Petersen und Peter Brandes, vertritt die Galerie auch den informellen Künstler Karl Otto Götz, Jörg Immendorf, Tal R oder den Russen Andrei Kolkoutine. Drei Werke des Letztgenannten waren zu „Påske“, zur Osterausstellung zu sehen. Sein zwischen Malewitsch und Chagall, zwischen Ikonen- und bäuerlicher Malerei gelegener Stil besticht durch beeindruckende Klarheit und Einfachheit. Weitere sehenswerte Arbeiten in den großzügignen Räumen stammten von Peter Brandes, dessen Abgüsse für das Portal des Domes von Roskilde präsentiert waren sowie drei kleinere Werke von Joseph Beuys. Von den COBRA-Künstlern über Arman, bis zu Per Kirkeby, Günter Förg und Alexander Schabracq konnten die Besucher sich - bei entsprechendem Kleingeld - das Kunstosternest füllen.
Die comiczitierenden Bilder mit Textrahmen von David Spiller sind vom 7. Mai bis 4. Juni in einer Einzelausstellung in der Galerie zu sehen.

Eine weitere Kunstinstitution, die zum Besuch einlädt, ist das Kunstzentrum Silkeborg Bad. Etwas außerhalb der Stadt am Ørnsø See gelegen, war der Gebäudekomplex einmal ein bekanntes Heilbad, dessen mineralische Quelle und ländliche Umgebung Erholung bot.
Nach der Schließung des Badebetriebs in den 1980er Jahren gründete sich 1992 die selbstverwaltete und international ausgerichtete Institution Kunstzentrum Silkeborg Bad. Eine permanente Kunstsammlung und Wechselausstellungen von dänischen und internationalen Künstlern bilden den Nukleus. In fünf der alten Spa-Gebäuden und im Park finden die Besucher neben der bildenden Kunst auch ein Amateurtheater, das ‚Ny Teater’ sowie einen Kindergarten. Lesungen und Konzerte stehen vor allem im Sommer regelmäßig auf dem Programm.
Grundsätze und Vorgaben der Institution sind, dass auch noch heute die Besucher über das Bad in der Kunst, anstatt im Wasser zu Erholung und Kontemplation finden sollen, was bei dem Ambiente nicht schwer fällt. Außerdem beziehen sich immer wieder Wechselausstellungen auf den Heilort, die Erholungsfunktionen und die ländliche Umgebung, zuletzt 2008 mit der Schau „Trees of Life – Art, Culture, Nature“.
Allerdings hat die zur Zeit noch laufende Ausstellung einen ganz anderen Charakter: „Shelter me – Voices from Nairobi and Silkeborg“ ist ein soziales Kunstprojekt. Die Basis der Ausstellung bilden Fotowerke von Patrick Mukabi und Allan Githuka aus Kenia mit dem Titel „Kenya Burning“, die unter der Mitarbeit von Kindern aus den Slums von Nairobi und Kindern aus Dänemark in einem übergreifenden Projekt entstanden.
Anfang Mai folgt eine Malereiausstellung über die Erhabenheit der Landschaft.

Weitere Informationen zur Stadt und zu den Institutionen:
Silkeborg: www.silkeborg.dk
Museum Jorn: www.museumjorn.dk
Galerie Moderne Silkeborg: www.galeriemoderne.dk
Art Center Silkeborg Bad: www.silkeborgbad.dk

Fotonachweis:
1. / 2. Museum Jorn
3. Pierre Alechinsky "Flora Danica"
4. / 5. Galerie Modern, Silkeborg
6. / 7. Kunstzentrum Silkeborg Badalt

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