Kultur und Management

Neues Zentrum für zeitgenössische Kunst im Baltikum

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Mittwoch, den 18. Oktober 2017 um 08:42 Uhr
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Neues Zentrum für zeitgenössische Kunst im Baltikum - Adjaye Associates (UK) und AB3D (LV)

2021 wird in Riga das erste Museum für Gegenwartskunst in Lettland und somit ein neues Zentrum für zeitgenössische Kunst im Baltikum eröffnet. Als ehemalige Kulturhauptstadt (2014) hat Riga zahlreiche Museen zu bieten: Mit knapp 50 Museumsstätten deckt die Stadt eine große Bandbreite von Kunst, Kultur, Geschichte und Wissenschaft ab.

Seeking possibilities for successful dialogue with the audiences influenced by the contexts of globalism, theoreticians are discussing ‘a new genre museum’” (Zitat aus dem Museumskonzept des Latvian Museum of Contemporary Art)

Bereits Mitte 2018 soll das Gebäude des „Latvian Museum of Contemporary Art” (LMoCA) – erst 2016 waren die Gewinner des Architekturwettbewerbs verkündet worden: Adjaye Associates aus England und AB3D aus Lettland – bereits als fertiger Baukörper stehen. Als Standort wurde das aufstrebende Viertel Skanste, konkreter das „Neue Hansa Quartier“ ausgewählt, in dem sich schon seit 2009 eine andere Institution aktueller Kunst, das „kim? - contemporary art center” (Sporta iela 2, Vidzemes priekšpilsēta) befindet. Hier stellten bisher über 150 lokale und internationale Künstler ihre Werke aus. Darüber hinaus dient das „kim?” als Plattform für Lesungen, Seminare, Workshops und Performances, die sich mit zeitgenössischer Kunst, Theorie und sozialen Fragen beschäftigen.

Abseits von Skanste, arbeitet auch schon das Lettische Nationalmuseum an dem Ziel, Gegenwartskunst nach Lettland zu bringen. Seit der Neueröffnung im Mai 2016 legten die Kuratoren den Fokus in den Wechselausstellungen besonders auf Kunstwerke mit gegenwärtigem Bezug. So auch mit der kommenden Ausstellung „NNN”, lettisch „Nosaukumam nav nozīmes”, zu deutsch „Der Name ist bedeutungslos“. In dieser Ausstellung werden seit dem 7. Oktober 2017 Werke von Künstlern unterschiedlicher Generationen zu sehen sein, darunter: Maija Kurševa, Biennale-Künstler Krišs Salmanis (Venedig, 2013), Anta Pence und die 1989 gegründete lettische Künstlergruppe „F5". In einer privaten Institution südlich der Altstadt Rigas ist noch bis zum 5. Novermber eine Ausstellung mit junger israelischer Kunst zu sehen: „Dreams and Dramas“ (lettisch: Sapņi un Drāmas) im Zuzeum Art Center (101 Lāčplēša iela, u.a.O.)

Zusätzlich zu institutionalisierten Einrichtungen findet in Riga seit 2009 das im Baltikum größte Kunstfestival “Survival Kit” statt, das jährlich über 10.000 Besucher anlockt. Das Festival entstand als Reaktion auf die ökonomische Krise 2007 und beschäftigt sich mit Veränderungen in der modernen Welt und sozial relevanten Themen. In wechselnden leerstehenden Gebäuden stellen Künstler ihr eigenes Survival Kit vor. Mit ihren Arbeiten versuchten sie in diesem Jahr, durch Empathie für die Natur ein holistisches Weltverständnis zu entwickeln. Ein vergleichbares Festivalkonzept findet sich auch in Deutschland. Die “ZukunftsVisionen” in Görlitz bespielen seit 2007 Leerstand mit zeitgenössischer Kunst.

Das nächste Highlight folgt im kommenden Jahr, wenn erstmals die “Riga International Biennial Of Contemporary Art” (RIBOCA) stattfinden wird. Sie bietet baltischen und internationalen Künstlern eine Chance, in Dialog mit kulturellen, historischen und sozio-politischen Kontexten der Stadt und dem geographischen Umfeld zu treten. Diverse Orte in der Stadt werden hierfür als Ausstellungsfläche genutzt. Die Gründerin Agniya Mirgorodskaya will mit der RIBOCA nach ihrem Studium in London und St. Petersburg ihrer alten Heimat, dem Baltikum, zu neuer Aufmerksamkeit verhelfen und die Region auch künstlerisch mit dem Rest der Welt stärker vernetzen.

Die bereits bestehenden Veranstaltungen in Riga fördern den kulturellen Austausch, der die Vorfreude auf das Latvian Museum of Contemporary Art steigert. Dort wird die Gegenwartskunst eine neue Plattform erhalten. Mit seinen Ausstellungsräumen erweitert das LMOCA die Reichweite für zeitgenössische Kunst und bietet eine größere Fläche als die bisherigen Galerien in Riga. In Kooperation mit dem lettischen Kulturministerium, der “The Boris and Ināra Teterev Foundation” und der “The ABLV Charitable Foundation” wird mit dem Museum eine Balance zwischen Wechsel- sowie Dauerausstellung geboten. So kann sich die Gegenwartskunst in Lettland entfalten und sich in ihrem neuen Zuhause stetig entwickeln.

Foundation Latvian Museum of Contemporary Art (LMoCA)
Weitere Informationen (in engl.)

Weitere Links zu erwähnten Ausstellungen und Institutionen:
- kim? – contemporary art center
- Ausstellung „NNN” – “Nosaukumam nav nozīmes” (engl.)
- Ausstellung „Dreams and Dramas“ (engl.)
- Riga International Biennial Of Contemporary Art
- Survival Kit (engl.)
- ZukunftsVisionen Görlitz


Die Autoren dieses Beitrags: Marie-Theres Krack, Georg Lehmann, Mariella Röhrl, Verena Stemme, Frauke Ziegler sind Medien- und Kulturmanagement-Studenten der Lettische Kulturakademie in Riga.



Abbildungsnachweis: Alle Architekturaufnahmen: © Adjaye Associates (UK) und AB3D (LV).

Header: Modell des LMoCA
Galerie:
01. Umgebundmodell Skanske
02. Museumsmodell (Abendansicht)
03. Virtualities and Realities, Viktor Timofeev. © RIXC Center for New Media Culture und kim?
04. „NNN“
05. „Dreams and Dramas“
 

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