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„Pharao“ in Rosenheim – Ausstellung über das Leben im Alten Ägypten

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Mittwoch, den 10. Mai 2017 um 10:08 Uhr
„Pharao“ in Rosenheim – Ausstellung über das Leben im Alten Ägypten 3.8 out of 5 based on 85 votes.
Ausstellungsfoto Copyright Lokschuppen Rosenheim, Foto Andreas Jacob

Stadtmarketing mit einer Jahrtausende alten Kultur: Die Stadt Rosenheim im bayerischen Südosten der Republik zeigt seit Jahrzehnten, wie man überregional wirksame Anziehungspunkte schafft, die viele tausend Besucher zu einem Tagesausflug oder Zwischenstopp auf der Reise nach dem Süden animierten. 2017 geht es in einer anspruchvollen Ausstellung mit dem Titel „Pharao“ um das Leben im Alten Ägypten – Pharaonen, Pyramiden, Tempelanlagen und eine Mumie inklusive.

In Rosenheim hat man seit Jahrzehnten eine gute Nase dafür, was Ausstellungsbesucher bewegt. Die Wikinger waren im vergangenen Jahr Thema im Ausstellungszentrum Lokschuppen. Seit 1988 wird jedes Jahr ein großes Thema aus Geschichte, Archäologie und Wissenschaft in den Fokus gestellt und publikumsattraktiv aufbereitet: Regenwald, Inkas, Tiefsee, Gewürze, Kelten, Insekten, Dinosaurier, aber auch Afrikanische Kunst, die Bajuwaren oder Adel in Bayern. Stadtmarketing mit Kultur und Wissenschaft – ein Erfolgskonzept, das der bayerische Staatskanzleiminister Marcel Huber zu Recht lobt: „Rosenheim ist ein einzigartiges Aushängeschild für den Kulturstaat Bayern.“

Nachdem 2016 die Wikinger 207.000 Besucher angelockt hatten, geht jetzt der Blick zum Nil: „Pharao – Leben im Alten Ägypten“ heißt die neue Erlebnisausstellung, die bis in den Dezember im Lokschuppen gezeigt wird. Kurator ist der Architekt, Ingenieur und Archäologe Christian Tietze, mit im Boot sind als Leihgeber bedeutende Ägypten-Sammlungen, wie das Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim und das Universitätsmuseum Aberdeen. Aber auch das Ägyptische Museum in Berlin ist mit Leihgaben dabei. Etwa 400 bis zu 4500 Jahre alte Original-Exponate werden, wissenschaftlich penibel aufbereitet, in der Ausstellung gezeigt: Statuen, erhaltene Stoffstücke, Keramik, Gebrauchsgegenstände, erlesener Schmuck, Reliefs, Papyri, Grabbeigaben, bemalte Särge wie der des Herrn Nacht und die 4000 Jahre alte, komplett erhaltene, mit großer Sorgfalt einbalsamierte Mumie der Dame Ta-Cheru aus der altägyptischen Oberschicht.

Die Ausstellung nimmt ihre Besucher mit auf eine intensive Reise an den Nil; beantwortet mit ihren Exponaten, Bildern und Texten Fragen nach den Lebensumständen in dem Land, das wegen der Nilschwemmen so fruchtbar war und das so früh Schrift, Staat, Astronomie, Kalender, eine weit ausdifferenzierte Götterwelt, den Steinbau und – bis heute erhalten – eine Vielzahl von Pyramiden und komplexen Grabanlagen schuf.

Ein modernes Highlight sind die großflächigen und exakten Modelle von Palastanlagen etwa aus Amarna, Pharao Echnatons neuer Hauptstadt seines revolutionären Sonnenkults, von gewaltigen Tempelanlagen (wo Lichtpunkte die kultischen Prozessionen nachvollziehbar machen), von gigantischen Grabbezirken, von Wohnvierteln der Arbeiter und von den Anwesen der Wohlhabenden.
 
Man wird als Besucher mitgenommen an die Ufer des Nils und in Grabkammern, kann sich rasch einen Überblick über interessante Themen verschaffen oder sich lange in die faszinierenden Details der großartigen Exponate vertiefen. Die Texte bereiten die unterschiedlichen Lebenswelten dieser alten Gesellschaft auf. Sie erzählen von der Arbeit, den Feiern, den Göttern, den damaligen Vorstellungen über das Leben nach dem Tod. Und sie stellen einige der großen Pharaonen vor – sie standen an der Spitze der Gesellschaftspyramide, sollten die Kontinuität der Nation sichern und zu diesem Zweck immer besten Kontakt zu den Göttern pflegen, in deren Kreis sie nach ihrem Tod selbst aufsteigen würden.
 
Eine ambitionierte, besucherfreundlich gestaltete Ausstellung mit Angeboten, die die Faszination der uralten Kultur für Erwachsene und Kinder gleichermaßen leicht zugänglich macht. 2,5 Millionen Euro hat die Veranstaltungs- und Kongress GmbH Rosenheim in die Schau investiert, 2,1 Millionen sollen sich durch die Eintrittsgelder der Besucher refinanzieren. Ein hoch gestecktes Ziel, wenn man weiß, dass von etwa 11.000 Sonderausstellungen jährlich in 7000 deutschen Museen nur etwa zehn mehr als 100.000 Besucher haben. Gar nicht unwahrscheinlich aber, dass die Pharaonen und die Kultur ihres Landes am Nil ganz oben mitspielen werden – die Dinosaurier, auch so ein Thema von breitem Interesse bei Jung und Alt, sind die bisherigen Lokschuppen-Spitzenreiter, sie hatten 2009 mehr als 280.000 Besucher.

Pharao – Leben im Alten Ägypten
Ausstellung bis zum 17. Dezember 2017 im Lokschuppen Rosenheim.
Geöffnet täglich 9-18 Uhr, Fr-So und Feiertage 10-18 Uhr.
Alle Infos zur Ausstellung: www.lokschuppen.de/lokschuppen/vorschau-2017/pharao-2017.html
 
Pharao – Leben im Alten Ägypten. Katalogbuch zur Ausstellung. Christian Tietze (Hrsg.). 294 Seiten, Verlag Philipp von Zabern WBG, 32,00 Euro. ISBN 978-3-8053-5074-7.


Abbildungsnachweis:
Header: Ausstellungsfoto © Lokschuppen Rosenheim, Foto: Andreas Jacob.
Galerie:
01: Kopf einer Sphinx der Hatschepsut, Sandstein/Quarzit, Neues Reich © Staatliche Museen zu Berlin – Ägyptisches Museum und Papyrussammlung, ÄM 2301, Foto: Jürgen Liepe.
02: Ausstellungsfoto © Lokschuppen Rosenheim, Foto: Andreas Jacob.
03: Ausstellungsfoto © Lokschuppen Rosenheim, Foto: Andreas Jacob.
04: Ausstellungsfoto © Lokschuppen Rosenheim, Foto: Andreas Jacob.
05: Ausstellungsfoto © Lokschuppen Rosenheim, Foto: Andreas Jacob.
06: Relief mit Getreide-Ernte, Kalkstein, Altes Reich © King’s Museum, University of Aberdeen, ABDUA:21630, Foto: Andreas Jacob.
07: Modell eines Speichers, Holz, Mittleres Reich © King’s Museum, University of Aberdeen, ABDUA:22166, Foto: Andreas Jacob.
08: Modell eines Bootes mit Segel, Holz, Mittleres Reich © King’s Museum, University of Aberdeen, ABDUA:21817, Foto: Andreas
Jacob.
09: Statuetten des Amenophis III. und der Teje, Ebenholz und Gold, Neues Reich © Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim, PM53a/b, Foto: Andreas Jacob.

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