Zum Anfang

Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 1155 Gäste online

Neue Kommentare

Toby Alderweireld zu „Rammstein: Paris”. Neue Deutsche Härte trifft auf Mad Max: Ein so großer, noch dazu dermaßen durchdachter ...
Lena zu Paula Modersohn-Becker. Der Weg in die Moderne: Was Frau Isabelle Hofmann da schreibt, stimmt haa...
Peter Schmidt zu Verleihung der Goldenen Kamera – mit Bruno Ganz und ohne Friede Springer: Ich hatte nicht geahnt, dass ich der Verleihung i...
Bertil und Astrid zu Paolo Conte in der Elbphilharmonie : Genau so war es !! Paolo , die Band und Elphi ! G...
Knörz zu „Silence” – Wo Judas zum Wiederholungstäter wird: Ja, ist denn schon wieder Ostern?...

Anzeige

Spezial - Lange Nacht der Museen Hamburg 2016

Spezial - Hamburger Architektur Sommer 2015


Kultur und Management

Werner Bokelberg „Unser Sylt vor 100 Jahren“

Drucken
(57 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 03. Januar 2017 um 11:00 Uhr
Werner Bokelberg „Unser Sylt vor 100 Jahren“ 4.2 out of 5 based on 57 votes.
Werner Bokelberg Unser Sylt vor 100 Jahren

Sie gilt als „Insel der Schönen und der Reichen“, als „Königin der Nordsee“ und als das „Saint Tropez“ des Nordes. Sylt ist für die meisten ihrer Fans viel mehr als ein Urlaubsort: Sylt ist eine Philosophie.
Seit der Playboy Gunter Sachs die größte deutsche Nordseeinsel Ende der 60er Jahre für sich entdeckte und hier mit Brigitte Bardot (seiner damaligen Frau) wilde Partys im legendären Pony und dem Gogärtchen feierte, kann der Sommer noch so verregnet und kalt sein – dem Sylt-Feeling tut das keinen Abbruch. Unverdrossen zieht es Promis und alle, die sich dafürhalten, an die (FKK)-Strände zwischen Kampen und Hörnum.

Julius Rodenberg jedoch kam eindeutig zu früh nach Sylt. „Keine Musik, kein Tanz, keine Gesellschaft“ beschwerte sich der Schriftsteller im Jahre 1859, vier Jahre nach Eröffnung des ersten Seebades auf Sylt, über das „höchst monotone“ Badeleben und kam zu dem Schluss: „Nein, ein Modebad ist Westerland nicht und wird es auch schwerlich werden."

Wir wissen es besser! Innerhalb weniger Jahre stieg Westerland zum mondänen Badeort auf – und zum fortschrittlichsten der damaligen Zeit: 1902 lockerte das Dorf als erster deutscher Badeort die strickte Geschlechtertrennung und richtete ein Familienstrand ein. Kampen zog bald nach. Auch das mag dazu beigetragen haben, dass die Insel schon lange vor dem 1927 eröffneten Hindenburgdamm außerordentlich beliebt war und Persönlichkeiten aus Kunst, Großbürgertum wie Adel anlockte. Die größte Attraktion aber war und bleibt die unvergleichliche Natur, die mittlerweile rund eine Millionen Touristen jährlich auf die Insel spült: Die Luft, das Meer, den weißen Strand und endlosen Horizont. Auf keiner anderen Nordseeinsel ist die Landschaft so beeindruckend und vielfältig. Man denke nur an die spektakuläre Dünenlandschaft und das Rote Kliff, die verwunschene Braderuper Heide oder das „grüne Herz der Insel“ zwischen Tinnum, Keitum und Morsum.
Die Kollektion historischer Postkarten aus der Sammlung Werner Bokelberg, die nun in einer Auswahl neu auflegt wurden, zeugt von dem illustren Strandleben jener Zeit, als die Insel an der Schwelle vom abgeschiedenen Eiland zum mondänen Urlaubsort stand. Schon damals drängten sich die typischen Sylter Strandkörbe dicht an dicht vor der imposanten Kulisse des 1897 erbauten Westerländer Kurhauses. Elegante Damen flanierten in bodenlangen Gewändern und Schnürstiefelchen über die Holzstege, die Herren spazierten in Gehröcken und mit Prinz-Heinrich-Mützen am Meer entlang und die Kinder - Jungen in Matrosenanzügen und Mädchen in weißen Spitzenkleidchen - buddelten mit Eimern und Schaufeln im Schlick.
Die feine Gesellschaft traf sich zum Austernessen im Lister „Alten Gasthof“, zum Bummeln in der damals noch recht verträumten Westerländer Friedrichstraße – oder vergnügte sich beim Bau abenteuerlicher Burgen aus Treibholz und Strandgut.
Damals war Sylt noch wirklich exklusiv – denn Urlaub war ein Luxus, den sich nur die Oberschicht leisten konnte. Die rumänische Königin Elisabeth beispielsweise, der Tenor Richard Tauber, die Schriftsteller Stefan Zweig und Carl Zuckmayer. Nicht zu vergessen Marlene Dietrich, Gret Palucca und Thomas Mann, der nach einer Liebesaffäre mit einem 17jährigen Jüngling aufgewühlt im Gästebuch seiner Kampner Künstlerpension „Kliffende“ notierte: „An diesem erschütternden Meere habe ich tief gelebt“.

Die historischen Aufnahmen lassen aber auch erahnen, wie es auf der Insel ausgesehen haben mag, bevor die Badegäste Geld und Glamour brachten. Als das Leben hier eintönig, gefährlich und entbehrungsreich war. Noch im 18. Jahrhundert war die Insel bitterarm. Die Einwohner lebten vom Walfang und der Schafzucht, nicht wenige von der See- und Strandräuberei. Die malerischen Postkarten von Keitum mit seinen urigen Reetdachhäusern und der markanten Mühle erwecken diese Zeit zum Leben. Insbesondere die Aufnahme einer Landschaftsszene mit Magd, die eine Kuh über die Landstraße treibt. Kein Mensch weit und breit. Der reetgedeckte Hof mit seinem markanten Giebel, an dem sie vorbeigeht, liegt wie ausgestorben und am Horizont ragt die stolze Keitumer Seefahrerkirche St. Severin, ein spätromanischer Bau aus dem frühen 13. Jahrhundert, wie ein Fingerzeig Gottes empor.

Auch die Fotografie des Alt-Westerländers in friesischer Tracht erzählt von jenen Tagen, als die Eisfahrer ihr Leben riskierten, um die Post ans Festland zu bringen und Pidder Lüng, der Sylter Freiheitsheld, lieber tot sein wollte als von den Dänen versklavt. Die Geschichte vom unbeugsamen Fischer gehört ins Reich der Märchen und Legenden, doch sie passt zu dem stolzen Friesenvolk, dessen Wahlspruch auch heute überall auf der Insel zu finden ist: „Rüm Haart, klaar Kimming“ – weites Herz, klarer Blick.

Werner Bokelberg „Unser Sylt vor 100 Jahren“
48 Postkarten (17x11cm) mit Motiven von der Nordsee-Insel Sylt in einer attraktiven Weißblech-Box (18x12cm) gibt es für 19,80 Euro im Buchhandel oder direkt online im Bokelberg-Shop.
ISBN 4260241480405


Abbildungsnachweis: Bokelberg.com
Header: Weißbleck-Box von oben. Sylt
Galerie: Inselansichten

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Kultur & Management > Werner Bokelberg „Unser Sylt vor 100 Jahren...

Mehr auf KulturPort.De

Werner Bokelberg „Kopenhagen vor 100 Jahren“
 Werner Bokelberg „Kopenhagen vor 100 Jahren“



Entspannt, liberal, gastfreundlich, humorvoll, sozial und als „Grüne Hauptstadt Europas 2014“ auch noch ökologisch vorbildlich: Kopenhagen  [ ... ]



Kopf-Hörer 13: Am Anfang war das Wort – Zum Reformationsjubiläum kommt Musik hinzu
 Kopf-Hörer 13: Am Anfang war das Wort – Zum Reformationsjubiläum kommt Musik hinzu



Der 31. Oktober 1517 ist das Bezugsdatum unseres Kopf-Hörers. Auf jenen Tag wird die Reformation festgesetzt, die ganz Europa und die Glaubenswelt veränderte.  [ ... ]



Vom Glotzen & Labern oder Durchbruch durch acedia
 Vom Glotzen & Labern oder Durchbruch durch acedia



„Trägheit, lateinisch acedia, der wir alle unterliegen (…) ein Zustand,
den schon die alten Buddhisten reflektierten,
ob Versenkung und Meditatio [ ... ]



„Salām Syria“ – Weltmusik als Heimat
 „Salām Syria“ – Weltmusik als Heimat



Ja, ich weiß, alle beschweren sich, dass nur noch aus der Elbphilharmonie berichtet wird, alles andere werde vernachlässigt von uns Journalisten etc. [ ... ]



„Rammstein: Paris”. Neue Deutsche Härte trifft auf Mad Max
 „Rammstein: Paris”. Neue Deutsche Härte trifft auf Mad Max



„Rammstein: Paris” ist ein futuristisch anmutendes Gesamtkunstwerk, genial, brutal, laut, kreativ und lustvoll in Szene gesetzt. Am 6. und 7. Mä [ ... ]



Lorelei Dowling: Ein Fagott zum Verlieben
 Lorelei Dowling: Ein Fagott zum Verlieben



Vergessen Sie alles, was Sie bisher vom Fagott gehört haben! Diese CD von Lorelei Dowling zeigt das Instrument, das auch Frank Zappa besonders mochte, in einem  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.