Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 926 Gäste online

Neue Kommentare

Angela zu „The Square”. Oder das Zeitalter des Misstrauens: Oh, dann Danke für den Lang-Spoiler - da muss ja...
Eva-Maria Reinders zu Opernstars auf der Leinwand – die Met-Saison im Kino: 14.10.17
ich habe schon mehrere Aufführun...

Constanze Rüttger zu Film Festival Cologne 2017: Einiges Bekanntes, einiges Brandneues: Ich habe bereits alle 6 Folgen von 'Broken' mit S...
Tim of Fonland zu „Tom of Finland” – Revolutionär schwuler Ästhetik: Ich habe geweint, dann gelacht und zum Ende wiede...
C.Müller zu Roots – Katja und Marielle Labèque zum Schleswig-Holstein Musik Festival in der Laeiszhalle: Erhalt des Kultursommers auf der Trabrennbahn Bah...

Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Hamburger Architektur Sommer 2015


Kultur und Management

Winston Churchill. Schriften. Reden. Bilder

Drucken
(107 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 17. November 2016 um 10:55 Uhr
Winston Churchill. Schriften. Reden. Bilder 4.5 out of 5 based on 107 votes.
Winston Churchill. Schriften. Reden. Bilder

Er war zweimal britischer Premierminister, berühmt für seine brillante Redekunst, Nobelpreisträger der Literatur, überzeugter Monarchist. Von der Queen wurde er mit dem Ritterschlag in den Adelsstand erhoben, von seinen Landsleuten zum bedeutendsten Briten aller Zeiten gewählt: gemeint ist Sir Winston Churchill. In einer Sonderausstellung präsentiert das Günter Grass-Haus in Lübeck bis zum 12. Februar 2017 die andere Seite des Politikers: den Schriftsteller, Redner und Maler. Ein Mann mit vielen Facetten.

Mit der aktuellen Ausstellung setzt das Günter Grass-Haus seine Ausstellungsreihe über Persönlichkeiten mit künstlerischen Mehrfachbegabungen fort. Nach John Lennon, Markus Lüpertz oder Cornelia Funke widmet das Haus sich jetzt Winston Churchill. Die Schau zeigt elf Originalgemälde aus den Jahren 1920 bis 1950. Hinzu kommen Hörstationen mit Auszügen aus Churchills Reden und literarischen Texten, gelesen von dem Schauspieler Manfred Zapatka. Und ein Filmgespräch des Literaturkritikers und Journalisten Denis Scheck mit der Kuratorin der Ausstellung, Tatjana Dübbel.

Winston Leonard Spencer Churchill, 1874 als Sohn von Lord Randolph Spencer Churchill und der Amerikanerin Jennie Jerome im Blenheim-Palast bei Woodstock (Oxfordshire) geboren, ist trotz Internaten und Eliteschulen in Ascot, Brighton und Harrow ein unbegabter Schüler, sprich Schulversager, gewesen. Ehrgeiz entwickelt er erst während seiner militärischen Ausbildung an der Royal Military Academy Sandhurst. Er wird ein leidenschaftlicher Soldat, ein glühender Monarchist und Verfechter des Britischen Empire.

Als Soldat und Kriegsberichterstatter nimmt er an fünf Kolonialkriegen teil. Seine kritischen Berichterstattungen machen ihn in der Heimat berühmt und zum Medienstar. Er nutzt die Popularität und startet mit 26 Jahren seine politische Karriere: Als jüngster Abgeordneter zieht er für die Konservativen ins Parlament ein. Gefürchtet sind seine scharfzüngigen, rhetorisch brillanten Reden, vor allen Dingen gegen politische Gegner. Zehn Jahre später wird er Innenminister – allerdings für die Partei der Liberalen. Als Lord der Admiralität ist er verantwortlich für die Marine. Im Ersten Weltkrieg entsendet Churchill Kriegsschiffe, um die türkische Halbinsel Gallipoli zu erstürmen und von dort die osmanische Hauptstadt Konstantinopel, das heutige Istanbul, zu erobern. Die Briten erleiden eine furchtbare Niederlage – in die Geschichte eingegangen als „Gallipoli Campaign" (Gallipolifeldzug). Rund 100.000 britische Soldaten sterben. Churchill muss wegen der von ihm angeordneten Erstürmung zurücktreten, bleibt jedoch Mitglied des Kabinetts und des Kriegsrates. Er fällt in tiefe Depressionen. Die Krankheit – von ihm selbst als „black dog" bezeichnet – soll ihn Zeit seines Lebens begleiten. Quasi als Therapie entdeckt er für sich die Malerei: „Ich kenne nichts, außer körperlicher Erschöpfung, was den Geist besser reinigt. Welche Gegenwartssorgen oder Zukunftsschrecken auch immer uns quälen mögen, kaum haben wir mit einem Bild begonnen, ist kein Raum mehr im Kopf für alle Sorgen."

Mit 64 Jahren wird Churchill 1940 zum Premierminister des Vereinigten Königreichs ernannt. Der Zweite Weltkrieg und der Kampf gegen Nazi-Deutschland stellen ihn vor die größte Herausforderung seiner Laufbahn. Mit brillanten Reden und Radioansprachen versucht er seine Landsleute auf den Sieg einzuschwören: „Ich habe nichts anzubieten als Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß. Wir werden Krieg gegen einen monströsen Tyrannen wagen, der unübertroffen an der Spitze der Liste der menschlichen Verbrechen steht." Im Mai 1945 kapituliert die deutsche Wehrmacht. Die britischen Unterhauswahlen im Juli desselben Jahres führen zu einer Niederlage der Konservativen – Churchill verliert sein Amt als Premierminister. Wieder sind die Malerei und die Schriftstellerei sein Rettungsanker. In den Nachkriegsjahren entstehen unter anderem sein sechsteiliges Werk „Der Zweite Weltkrieg" sowie zahlreiche Ölgemälde, gemalt auf seinem Landsitz in Chartwell in der englischen Grafschaft Kent und auf Reisen nach Belgien, Frankreich, Marokko und in die Schweiz.

Nach dem Wahlsieg der Konservativen Partei im Jahr 1951 wird Churchill für vier Jahre erneut Premierminister. 1953 erhält er in Stockholm den Literatur Nobelpreis für sein historisches Buch „Der Zweite Weltkrieg" und von Queen Elisabeth II. den Ritterschlag mit Adelstitel „Sir". Als Winston Churchill im Januar 1965 im hohen Alter von 90 Jahren in London stirbt, verliert das Britische Königreich einen seiner größten, aber auch umstrittensten Staatsmänner.

Aber wer war Winston Churchill jenseits der öffentlichen Funktionen, der in einer telefonischen Umfrage der BBC 2003 zum bedeutendsten Briten aller Zeiten gewählt wurde? In einer kleinen, aber feinen Ausstellung nähert sich das Günter Grass-Haus dem britischen Staatsmann, zeigt ihn als Privatmensch, als Schriftsteller und Maler.

Über 500 Gemälde hat Churchill gemalt: Landschaften, Naturbilder und Stillleben. In seinem Essay „Painting as a Pastime" (Malen als Zeitvertreib) erzählt er humorvoll seine Abenteuer mit Pinsel und Farben: „Wenn ich dereinst im Himmel bin, werde ich eine beträchtliche Anzahl meiner ersten Million Jahre dem Malen widmen und so dem Thema auf den Grund kommen." Er selbst bezeichnet seine Gemälde übrigens als „my little daubs" (meine kleinen Schmierflecken). Elf Gemälde aus den Jahren 1920 bis 1950 präsentiert die Lübecker Schau, darunter das Bild einer griechischen Tempelruine von 1934, das der Ex-Premierminister bei einem Besuch 1956 Bundeskanzler Konrad Adenauer geschenkt hat. Über die künstlerische Qualität der Churchill Bilder sollte der Besucher allerdings hinwegsehen; sie gehen – trotz hochkarätiger Lehrer wie John Lavery oder William Nicholson – nicht über den Status eines Hobbymalers hinaus. Um so erstaunlicher ist es, dass sein Gemälde „The Goldfish Pool at Chartwell" bei einer Auktion von Sotheby’s in London vor zwei Jahren für 1,8 Millionen Pfund den Besitzer wechselt.

In der Ausstellung informieren Hörstationen den Besucher über Churchills literarische Werke, darunter die Romane „Kreuzzug gegen das Reich des Mahdi" und „Savrola. Die Revolution in Laurania" sowie über seine Reden im Parlament und im Radio. Zu hören ist auch seine weltberühmte Europa-Rede „Let Europe arise!", die er im September 1946 an der Universität Zürich hielt. Nur ein Jahr nach Kriegsende, entwirft er in dieser Rede die Vision eines Vereinten Europas, mit Frankreich und Deutschland als Verbündete: „Wenn Europa vor endlosem Elend und schließlich vor seinem Untergang bewahrt werden soll, dann muss es in der europäischen Völkerfamilie diesen Akt des Vertrauens und diesen Akt des Vergessens gegenüber den Verbrechen und Wahnsinnstaten der Vergangenheit geben. [...] Es ist die Neuschöpfung der europäischen Völkerfamilie, oder doch soviel davon, wie möglich ist, indem wir ihr eine Struktur geben, in welcher sie in Frieden, in Sicherheit und in Freiheit bestehen kann. Wir müssen eine Art Vereinigte Staaten von Europa errichten." Allerdings hat Winston Churchill Großbritannien nur als Partner und Förderer eines Vereinten Europas gesehen, nicht aber als Teil dieses Europa.

Informativ ist der Filmbeitrag mit dem Literaturkritiker und Journalisten Denis Scheck, in dem er die Artikel, Essays und Bücher von Churchill analysiert. Sind seine Reden, Texte und Schriften für die heutige Zeit noch aktuell? „Churchill ist für mich eine der faszinierenden Gestalten des 20. Jahrhunderts überhaupt", so Scheck.

Die Sonderausstellung „Winston Churchill. Schriften. Reden. Bilder" steht unter der Schirmherrschaft von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier.

Winston Churchill. Schriften. Reden. Bilder.
Zu sehen bis zum 12. Februar 2017 im Günter Grass-Haus, Glockengießerstraße 21, 23552 Lübeck.
Öffnungszeiten: 01.01.-31.03. | Di-So | 11-17 Uhr und 01.04.-31.12. | Mo-So | 10-17 Uhr.
Eintritt: Erwachsene 7 EUR, ermäßigt: 3,50 EUR
www.grass-haus.de

Rahmenprogramm
Fr. 25.11. und 27.1.2017 sowie 10.2.2017 um jeweils 19 Uhr | Günter Grass-Haus
DINNER WITH CHURCHILL
Kuratorin Tatjana Dübbel führt durch die Sonderausstellung. Dazu werden Köstlichkeiten wie Beef Tea, Stilton-Cheese, Gooey Toffee Pudding sowie Cognac und Champagner gereicht. Die Speisen und Getränke werden vom Restaurantleiter Henning Raht fachkundig erläutert. In Zusammenarbeit mit dem Radisson Blu Senator Hotel.
Preis: 25 Euro

Do. 12.1.2017 um 19:30 Uhr im Günter Grass-Haus
Lesung aus Werken von Winston Churchill, Heinrich und Thomas Mann. Mit den Schauspielern Barbara Nüsse und André Szymanski (Thalia Theater, Hamburg). In Zusammenarbeit mit dem Buddenbrookhaus.
Preis: 12 / 9 Euro

Jeden Sonntag I 15 Uhr I Günter Grass-Haus
Churchill Express: 30-minütige Führung durch die Ausstellung


Abbildungsnachweis:
Header: Blick in die Ausstellung. Foto: Christel Busch
Galerie:
01. Winston Churchill. Foto © Robert Lebeck
02. Blick in die Ausstellung. Foto: Christel Busch
03. The Bridge at Aix-en-Provence, 1946. Leihgabe der Familie Sax © Sax-Farben, Churchill Heritage Ltd.
04. Antike Tempelruine, 1956. © Stiftung Bundeskanzler Adenauer Haus, Churchill Heritage Ltd.
05. Black Swans at Chartwell, 1948. © Chartwell, The Churchill Collection (The National Trust)
06. Film-Station in der Ausstellung. Foto: Christel Busch

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Kultur & Management > Winston Churchill. Schriften. Reden. Bilder

Mehr auf KulturPort.De

Das ist Hamburg! 10. Spielzeit im Hansa-Theater: Magie, Charme, Eleganz
 Das ist Hamburg! 10. Spielzeit im Hansa-Theater: Magie, Charme, Eleganz



Man musste wirklich zwei Mal hinsehen, um sie zu erkennen: Als Bob-Marley-Verschnitte, mit langen, schwarzen Dreadlocks, grün-gelb-rot gestreiften Mützen und r [ ... ]



Hudson (Jack DeJohnette, Larry Grenadier, John Medeski, John Scofield): Hudson
 Hudson (Jack DeJohnette, Larry Grenadier, John Medeski, John Scofield): Hudson



Unter dem Bandnamen „Hudson” haben sich mit Jack DeJohnette, Larry Grenadier, John Medeski und John Scofield vier großmächtige Jazzmusiker zusammengetan, d [ ... ]



„The Square”. Oder das Zeitalter des Misstrauens
 „The Square”. Oder das Zeitalter des Misstrauens



Ein Museum ist der perfekte Tatort, doch in Ruben Östlunds Film „The Square” steht weniger der Kulturbetrieb als Jahrmarkt der Eitelkeiten am Pranger sonder [ ... ]



Clegg & Guttmann „Die Offene Bibliothek“
 Clegg & Guttmann „Die Offene Bibliothek“



Ein Musterbeispiel partizipativer Kunst mit Langzeitwirkung und gesellschaftlicher Verselbstständigung. Ein Entwicklungsbestimmung.

1989 begannen die Künstl [ ... ]



Jeff Cascaro: Love & Blues In The City
 Jeff Cascaro: Love & Blues In The City



Also – ich mag Sänger, die zwischen Blues, Soul und Jazz oszillieren. Und Jeff Cascaro ist so einer. Der Mann aus Bochum, der mittlerweile Professor in Weimar [ ... ]



Lügen die Medien? Propaganda, Rudeljournalismus und der Kampf um die öffentliche Meinung
 Lügen die Medien? Propaganda, Rudeljournalismus und der Kampf um die öffentliche Meinung



Gezüchtete Unschärfen
Den Blick in die Welt könne man mit einer Zeitung versperren, so ein Aphorismus. Von wegen. In die große Welt schon, aber nicht in die [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.