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Kultur und Management

Pompeji. Götter, Mythen, Menschen

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Geschrieben von Christel Busch  -  Freitag, den 03. Oktober 2014 um 10:00 Uhr
Pompeji. Götter, Mythen, Menschen 4.6 out of 5 based on 113 votes.
Pompeji. Götter, Mythen, Menschen

Die Statue Apollon-Citarista hat dem pompejischen Stadtpalast Casa del Citarista ihren Namen gegeben.
Die Bronzestatue gehört zu den Glanzlichtern der über 80 Exponate umfassenden Ausstellung im Bucerius Kunst Forum in Hamburg: Wandmalereien aus Herculaneum und Pompeji, Reliefs und Mosaike, Fresken, Skulpturen, Bronzefiguren, Möbel und Schmuckstücke aus der Casa del Citarista. Sie erzählen von der luxuriösen Wohnkultur der Familie aus dem Geschlecht der Popidier.
Eine digitale Rekonstruktion der Casa del Citarista ergänzt die Ausstellung. „Pompeji. Götter, Mythen, Menschen" nimmt den Besucher mit auf eine Zeitreise in das antike Italien.

Der erste, obere Ausstellungsraum widmet sich den Fresken aus Pompeji und Herculaneum. Noch Jahrhunderte später bezaubern die, leider nur als Fragmente erhaltenen, Wandmalereien den Betrachter. Beeindruckend ist das großformatige Wandfresko „Hochzeit von Zephyros und Chloris", welches 1824 im Speisezimmer der pompejischen Casa del Naviglio gefunden wird. Gerahmt von zwei dekorierten Marmorsäulen und einer illusionistischen Scheinarchitektur erzählt das auf rotem Grund gemalte Mythenbild die Liebesgeschichte der griechischen Nymphe Chloris und dem Windgott Zephyros.

Die Bildthemen der anderen Wandmalereien sind vielfältig: Garten- und Architekturdarstellungen, Tempel und Villen, mythologische Darstellungen von Göttern und Heroen, Stillleben mit Birnen, Äpfeln, Nüssen und Meeresfrüchten sowie Friese mit ägyptischen Figuren und heiligen Tieren. Die Farben der antiken Wandmalereien überraschen. Auch nach 2000 Jahren haben einige ihre ursprüngliche Frische und Schönheit behalten. Andere Fresken sind dagegen ausgeblichen oder zeigen Verfärbungen, verursacht durch die enorme Hitze des Vulkanausbruchs. Die einstige Farbenpracht der Objekte ist der damaligen Freskotechnik zu verdanken: Die aus natürlichen Pigmenten - Ruß, Kalk, Eisenoxyd, Zinnober und Quecksilberoxyd – hergestellten Farben werden nass auf den noch feuchten, polierten Kalkputz aufgetragen und nach Fertigstellung glatt geschliffen. So erhalten die Fresken ihre Farbfestigkeit und ihren Glanz.

Bereits 1882 teilt der deutsche Archäologe August Mau in seinem Buch „Geschichte der decorativen Wandmalerei in Pompeji" das Dekorationsschema der damals bekannten Wandgemälde in chronologische Stilepochen ein. Diese sogenannten vier Malstile werden allerdings bis zum Untergang der Vesuv-Städte fließend gehandhabt.

Das Bucerius Kunst Form präsentiert im Erdgeschoss des Hauses eine Teilrekonstruktion der Casa del Citarista. Der Stadtpalast befindet sich zwischen dem Forum und dem Amphitheater, an der Kreuzung der Via dell' Abbondanza und der Via Stabiana. Verborgen hinter den an der Straßenfront gelegenen Werkstätten, Kneipen und Geschäften, gehört er zu den größten Stadtpalästen Pompejis. Seit Generationen ist er im Besitz der reichen, alt eingesessenen Familie der Popidier. Durch Um- und Anbauten entsteht im Laufe der Zeit eine weitläufige Anlage von etwa 2700 Quadratmeter Wohnfläche mit drei Eingängen, zwei großen Atrien und einem kleinen Atrium (zentraler Innenhof), drei Peristylia mit Garten (von Säulen umgebener Innenhof) sowie fast 60 Räume. An das Peristyl schließen sich Ess- oder Aufenthaltszimmer (exemplar), Speisezimmer mit Liegen (trichilium), Räume für Repräsentationszwecke (ecus) an. Hinzu kommen Schlafräume (cubilucum), Arbeitszimmer des Hausherrn (tablinum), Latrinen und Bäder, Küchen, Wirtschafts- und Vorratsräume, Ställe, Schlafplätze für die Sklaven. Der tieferliegende Teil an der Via Stabiana ist der ältere Baukomplex, die höher gelegenen Räume an der Via dell' Abbondana sind späteren Baumaßnahmen zuzuordnen.

Der Palast ist nicht nur Lebensmittelpunkt der Familie, sondern auch ein Ort der Repräsentation und der wirtschaftlichen Tätigkeit gewesen. Beim Ausbruch des Vesuvs im August 79 nach Christus wird er binnen weniger Stunden zerstört. Diese Naturkatastrophe ist – aus heutiger Sicht – ein Glücksfall für Archäologen und Kunsthistoriker, denn eine meterhohe Schicht aus Bimsstein und vulkanischer Asche konserviert über Jahrhunderte Mobiliar, Kunst- und Kultgegenstände sowie Fresken.

Die in den Palastruinen gefundenen Ausstellungsobjekte belegen den luxuriösen Wohnstil einer zur Oberschicht gehörenden Familie. Wie groß der Reichtum und Luxus, die soziale Stellung, das exquisite Interieur sind, zeigt jetzt die Hamburger Schau: Raum-hohe Fotografien der Ruinen des Stadtpalastes bilden den Auftakt. Dahinter sind – allerdings in kleinerem Maßstab – das Atrium und das zentrale Peristyl mit angrenzenden Räumen rekonstruiert. Sie markieren die Fundorte der Wandmalereien, Bronzen, Möbel, Mosaike, Marmorbüsten und Statuetten, Oscilla und Schmuckstücke. Zum ersten Mal seit den Ausgrabungen Ende der 1850er-Jahre werden diese Luxusobjekte in ihrem originalen Kontext vorgestellt. „Da gibt es das Atrium, den sozusagen öffentlichsten Bereich des Hauses, in dem natürlich der Hauskult stattfindet, in dem aber auch die Familie und die Geschichte der Familie gezeigt wird, in wunderbaren Porträts aus Marmor und Bronze, die wir eben hier auch zeigen können", erklärt Andreas Hoffmann, Kurator der Ausstellung. Im Garten des Peristyles stehen Brunnenfiguren aus Bronze: eine Schlange, ein springender Löwe, ein laufender Hirsch. Auf einem halbrunden Wasserbecken ist die einst wasserspeiende Skulpturengruppe „Wildschwein, das von Hunden angegriffen wird" platziert. An den Säulen hängen Oscilla, runde oder halbmondförmige Marmorreliefs, dekoriert mit dionysischen Themen. Der Säulengang des Peristyles ist der Fundort der ausgestellten Wandfresken „Meereslandschaft mit Villen" sowie der Statue des Apollon, die dem Haus seinen Namen gegeben hat. Nackt, fast lebensgroß steht die Bronze auf einer runden Basis, der Knopf mit den eingelegten Augen ist leicht gesenkt, das Stirnhaar zu einer Haarrolle mit Mittelscheitel gekämmt, Spirallocken fallen auf die Schultern herab, der angewinkelte linke Arm mit den gespreizten Fingern soll eine, heute nicht mehr vorhandene Kithara, ein Saiteninstrument, gehalten haben.

Ob der Gott tatsächlich eine Kithara in der Hand hielt, wird in der heutigen Forschung kontrovers diskutiert. Fresken mit idyllischen Szenen aus der griechischen Mythologie, liebestrunkene Götterpaare, Gärten und Landschaften dekorieren die sich anschließenden, der Repräsentation dienenden Räume: Bilder voller Harmonie, Luxus und Dekadenz. Ein Fresko an der Nordwand des oecus zeigt noch annähernd seine ursprüngliche Farbigkeit. Ein Liebespaar, vielleicht Mars und Venus, sitzen auf einer Bank an einem Fluss. Dahinter ein Bergmassiv und ein kleiner, schwebender Eros. „Es gibt keine Bilder der Gewalt. Es gibt keine politischen Bilder. Es gibt keine Darstellungen von Sklaven, obwohl die natürlich auch in Pompeji eine große Rolle gespielt haben. Stattdessen haben wir eine Welt des privaten Glücks, die uns verliebte Götter und Heroen präsentiert. Die uns trunkene Figuren aus der dionysischen Welt zeigt", so Andreas Hoffmann, Co-Kurator der Ausstellung.

Die ausgestellten Kostbarkeiten sind Leihgaben des Archäologischen Nationalmuseums Neapel, das seit den Ausgrabungen im 18. Jahrhundert eine umfangreiche Sammlung aus Herculaneum und Pompeji besitzt. Die gemeinsam von Valeria Sampaolo, Direktorin des Nationalmuseums in Neapel kuratierte Ausstellung gibt – aufgrund der vorhandenen Ausstellungsfläche – nur einen kleinen Einblick in die Wohnkultur der Familie aus dem Geschlecht der Popidier. Unmittelbar vor dem Ausbruch des Vesuvs, der den Palast unter Schutt und Asche begraben wird.

In Zusammenarbeit mit dem Museo Archeologico Virtuale in Herculaneum entsteht eine digitale Rekonstruktion der Casa del Citarista. Der virtuelle Rundgang informiert über die Architektur des Palastes, die Farbenpracht der Räume und Wanddekorationen.


Die besuchenswerte Ausstellung "Pompeji. Götter, Mythen, Menschen" ist bis zum 11. Januar 2015 im Bucerius Kunst Forum, Rathausmarkt 2, 20095 Hamburg zu besichtigen.
Die Öffnungszeiten sind täglich von 11 bis 19 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr.

Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog "Pompeji. Götter, Mythen, Menschen" mit Exponat-Beschreibungen und wissenschaftlich fundierten Essays beim Hirmer-Verlag erschienen.
www.buceriuskunstforum.de

Abbildungsnachweis:
Header: Pompeji. Götter, Mythen, Menschen, Ausstellungsansicht. Foto: Ulrich Perrey
Galerie:
01. Statue des Apollon Kitharoedus, aus der Casa del Citarista, spätes 1. Jahrhundert v. Chr., nach 50 v. Chr., Archäologisches Nationalmuseum Neapel
02. Hochzeit von Zephyros und Chloris, Wandfresko (Detail), Vierter Stil, um 50–79 n. Chr., Archäologisches Nationalmuseum Neapel
03. Hochzeit von Zephyros und Chloris, Wandfresko, Vierter Stil, um 50–79 n. Chr., Archäologisches Nationalmuseum Neapel
04. Wildschwein, das von Hunden angegriffen wird, Ensemble von Brunnenfiguren aus der Casa del Citarista, 1. Jahrhundert n. Chr., Archäologisches Nationalmuseum Neapel
05. Pompeji. Götter, Mythen, Menschen, Ausstellungsansicht. Foto: Ulrich Perrey
06. Io, Argos und Hermes, Wandfresko aus der Casa del Citarista, Vierter Stil, um 50–79 n. Chr., Archäologisches Nationalmuseum Neapel
07. Portraitbüste einer Frau, aus der Casa del Citarista, claudisch, 41–54 n. Chr., Archäologisches Nationalmuseum Neapel
08. Satyr vor cista mystica (Vorderseite), Oscillum aus der Casa del Citarista wohl 1. Jahrhundert n. Chr., Archäologisches Nationalmuseum Neapel
09. Plan der Stadt Pompeji
10. Gesamtplan Insula
11. Pompeji. Götter, Mythen, Menschen, Ausstellungsansicht. Foto: Ulrich Perrey.

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avatar Peter Schmidt
+2
 
 
1976 unternahm ich als Politiker eine Delegationsreise zum Nato-Kommando Süd. Auf der Fahrt lernte ich einen Bürgerschaftskollegen erstmals näher kennen. Es war Günter Glatz, Vorsitzender des Umweltausschusses der Bürgerschaft. Der Flug mit der Transall war bemerkenswert. Der Kommandant, ein Oberst, der mittlerweile am Schreibtisch saß, brauchte noch einige Flugstunden, um seine Pilotenlizenz zu verlängern. Ich hatte selbst stets Flugangst und erstand im militärischen Teil von Köln-Wahn eine Flasche Weinbrand (Maria Kron), die Hermann Höcherl belustigt in Augenschein nahm. Der ehemalige Minister hatte gerade seinen Abschied aus der Politik verkündet und sich auf die letzte Reise als MdB begeben. Also der junge Kollege aus Hamburg geht mit Weinbrand und nicht mit Cognac gegen die Flugangst vor. Er ,Höcherl habe keine. Nun, diese Selbsteinschätzung reichte bis Neapel. Der Fast-Hobby-Pilot von Oberst hatte im Nebel die Orientierung verloren. Wer es wünschte, konnte einige Zeit vorn in der Flugkanzel verbringen. In dieser Zeit waren einige ehemalige Starfighter-Piloten, nun Politiker, dort. Die berichteten später. Der Oberst vertraute der Flugkontrolle am Boden nicht und riss die Maschine hoch, um nicht gegen den Vesuv zu prallen. In beträchtlicher Höhe kreiste er unaufhaltsam. Nun wollten Höcherl (" ich trage das Grundgesetz nicht ständig unter dem Arm") und Glatz doch am Fusel Maria Kron teilhaben. Das begründete eine Freundschaft für die Reise. Irgendwann ging der Sprit der Maschine- nicht der Flasche- zur Neige und der Pilot ließ sich nach unten diigieren. Er nahm das L mit niedrigster Geschwindigkeit, wie uns die gelernten Piloten berichteten. Eine Meile weniger und wir wären mit der sonst gutmütigen Transall wie ein Stein zu Boden gefallen. Der Ausflug nach Pompei war dann das andere unvergessliche Ereignis. Nach dem Durchgang bat mich Glatz zu bleiben und auf dem Forum sitzend den Abend und die Stille und das Zirpen der Grillen zu genießen. Wir ließen den Nato-Bus abfahren und saßen über eine Stunde schweigend in der antiken Stadt und versetzten uns in die Römerzeit. 1989 bei meiner zweiten Reise war das nicht mehr möglich. Der Bus wurde stets von Carabineri im Alpha mit Blaulicht begleitet. Die MP`s lagen
griffbereit auf der Konsole und in Pompei mussten wir aus Sicherheitsgründen geschlossen bleiben. Pompei und Capri- sie sind und bleiben ein Traum. Bin gespannt auf die Ausstellung, die hier so gut beschrieben wird.
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