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Geschrieben von Claus Friede  -  Dienstag, den 04. Februar 2014 um 11:00 Uhr
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Komisch, lustig, drollig sind die deutschen Entsprechungen des englischen Begriffs ‚comic’.
Komisch und lustig sind die meisten heutigen ‚Comics’ nicht, dafür umso kultiger – jene Bildsequenzen, vor denen noch vor 30 bis 40 Jahren Eltern ihre Kindern warnten und ihrer Angst Ausdruck gaben, der ‚Comic’ sei der Inbegriff der Anti-Literatur und würde verblöden. Mit diesen Vorstellungen kann man heute nichts mehr anfangen und die seriöse internationale Aufbereitung des Themas sorgt dafür, dass sich der Blick auf die „bildlichen oder andere Zeichen, die in räumlichen Sequenzen angeordnete Informations- und Ästhetik-Vermittler sind“, ändert. So zumindest definierte der amerikanische Comic-Künstler und Theoretiker Scott McCould 1993 das zeitgenössische Genre. Das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg zeigt eine punktuelle, aber erlebenswerte Ausstellung mit dem Titel: „comicleben_comiclife“ und gut 400 Exponaten.
Die wenigen Beispiele aus der Historie und aus dem eigenen Haus – zu sehen sind eine Reihe von klassischen Kupferstichradierungen des britischen Malers und Grafikers William Hogarth (1697-1764) aus dem Jahr 1745, wirken etwas fremd und zusammenhangslos, denn es fehlen Exponate aus den folgenden gut 150 Jahren. Hogarth gilt als Vater der europäischen Bildgeschichte. In seinen ‚modern moral subjects’, den moralischen Bilderfolgen, prangert er die Moden, Sitten und sozialen Missstände im England seiner Zeit an. Komisch geht es also anfangs in Europa bei weitem nicht zu, der „Niedergang einer Geldheirat“ endet bei Hogarth im Suizid.

In Asien kennt man die lustigen Bildgeschichten bereits seit dem 11. Jahrhundert. Der japanische Mönch und Künstler Toba Sojo ist mit seinen tollenden und scherzenden Tieren im Menschengewändern quasi das Urgestein der Szene. Er karikierte die Extravaganzen und Charaktere seiner Mitmenschen in Tiergestalt und setzte dann die getuschten Reihen auf Rollbildern aneinander.
Zur gleichen Zeit in der auch Hogarth arbeitet, entsteht in Japan der Begriff des ‚Manga’. Mit „kleiner witziger Bildgeschichte“ könnte man das Wort, das von Katsushika Hokusai erstmals verwendet wird, übersetzen.

‚Comic’ zu zeigen, ohne ‚Manga’ zu berücksichtigen, ist heute als Ausstellungsmacher nahezu ein „no go“. Mangas werden zwar in der Ausstellung nicht direkt gezeigt, aber dafür ein Bereich, der dem zweiten Teil des Ausstellungstitels im wahrsten Sinne gerecht wird: Das Leben mit ‚Mangas’ und ‚Comics’. Die Kostüme und Puppen der ‚Cosplayerin’ Nicole S. geben Einblick in jene Fankultur, die Manga-Charaktere zum Leben erweckt und nachspielt. ‚Cosplay’ ist eine Wortkombination von „costume’ und ‚play’ – das Spielen in Kostümen. In Japan seit 30 Jahren in Mode und in Europa auch angekommen, gibt es regelmäßige Treffen von denen, die in die Kostüme ihrer Comic-Helden und -Heldinnen schlüpfen und regelrechte Wettbewerbe veranstalten.

Der eigentliche Schwerpunkt der Ausstellung liegt aber in der Vorstellung einer Handvoll respräsentativer, deutscher und österreichischer, aber international agierender Comic-Künstler. An verschiedenen Fassadenstahlgerüsten, die aussehen wie ein Mittelding aus Baugerüst, Messestand, Themenbox und Arbeitsplatz werden die einzelnen Protagonisten vorgestellt. Gerade dieser rohe Schliff verbindet sich gut mit den unterschiedlichen Inhalten. Die brillante Arbeit des serbisch-deutschen Zeichners Marko Djurdjevic gehört in die Kategorie der amerikanischen Superhelden. Mit ausdrucksstarker Mimik, martialischen Gesten in düsteren Welten bedient der in Berlin lebende Künstler beispielsweise mit seinem ‚Thor’ sein Publikum detailgenau und fördert mit seiner, auch die Phantasie seiner Fans heraus.

Ganz anders und viel feiner Ulli Lust. Ihre Werke sind komödiantische Sammlungen in Buchform und ‚Comic Reports’. Sie ist nicht nur Comic-Zeichnerin, sondern verlegt auch selbst. Die Österreicherin stellt ihren fast getreuen Arbeitsplatz zur Verfügung und dokumentiert damit Inspirationensquellen, Überlegungen, Skizzen und Vorzeichnungen. Die vielen Arbeitsschritte zeigen, wie aufwändig der Weg zur Publikation einer ‚Graphic Novel’ ist.

Das Künstlerduo ‚Bachwald’, Julian Fiebach und Benjamin Gottwald hat einen ganz eigenen, fast expressionistisch-kantigen Zeichenstil entwickelt. Schubladendenken ist bei diesen Exponaten wenig hilfreich, hier gilt es das zeichnerische Können zu genießen.

Auch Comic-Verleger, -Händler und -Forscher werden in der Ausstellung vorgestellt.
Zwischen all den Zeitgenossen findet der Besucher Beispiele der Klassiker: Hal Fosters „Prinz Eisenherz“ und Winsor McCays „Prince Valiant“ sowie „Captain Easy“. Dass Kunst und Comic-Zeichnung nahe zusammen liegen, sieht man an den Arbeitsbeispielen aus „Wee Willie Winkie’s World” aus dem Jahr 1906 von Lyonel Feininger und Cartoons aus dem „New Yorker“ von Art Spiegelman.

Diese künstlerische Note unterstützen auch Absolventen der Klasse Anke Feuchtenberger von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften, die Abschlussarbeiten zeigen. Die Eindeutigkeit der Genre verschmilzt hier und gibt sowohl einen Blick auf künstlerisches wie angewandtes Zeichnen frei.

Schließlich findet sich in der Mitte des Ausstellungsraums ein Hamburg-Schwerpunkt. Mit dem Carlsen-Verlag als Publikationsmedium hat die Hansestadt eine langjährige, aktive und sehenswerte Szene hervorgebracht, die auffälliger Weise den Stadtraum mit Hafen, St- Pauli-Werbeschildern, Brücken und Fassaden zeichnerisch liebt. Gerne auch hier und dort zurückgewandt ins Hamburg der 1920er-, 30ger- und 60ger-Jahre. Isabel Kreitz, Sascha Hommer, Philip Cassirer und Arne Bellsdorf sind einige der Vertreter.

Videos, Interviews und Touchscreens unterstützen die lohnende Schau und helfen den Besucher in unterschiedliche Gefühlswelten geführt zu werden und die verschiedenen Orte, analog, digital und virtuell zu entdecken.


"comicleben_comiclife"
zu sehen bis zum 4. Mai 2014 im Museum für Kunst und Gewerbe, Steintorplatz in Hamburg.
Eintritt: 10 Euro, ermäßigt 7 Euro, Donnerstag ab 17 Uhr 7 Euro
Die Ausstellung wurde im Museum Europäischer Kulturen – Staatliche Museen zu Berlin entwickelt. Die Adaption für die Hamburger Station erfolgt in Kooperation mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW). Kuratoren: Dennis Conrad und Simon Klingler.
www.mkg-hamburg.de


Abbildungsnachweis:
Header: Detail aus Marko Djurdjevic, Thor, Cover-Artwork, 2007, © Marko Djurdjevic
Galerie:
01. Marko Djurdjevic, Spider-Man, Cover-Artwork, 2009, © Marko Djurdjevic
02. Ausstellungsansicht
03. Ulli Lust; Ach nö Mama, Alltagsszene im Prenzlauer Berg, 2002, © Ulli Lust
04. Ulli Lust, Buchcover: Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens, 2009, © Ulli Lust
05. Ausstellungsansicht
06. und 7. Bachwald (Benjamin Gottwald & Julian Fiebach); Der Ausflug, 2013, Ausschnitt © Benjamin Gottwald & Julian Fiebach, Bachwald
08. Magdalena Kaszuba; Katerlot, 2013 © Magdalena Kaszuba
09. Galja Panchenko; unvollendet, 2013, Ausschnitt © Galja Panchenko
10. Arne Bellstorf, Baby’s in black. The Story of Astrid Kirchherr & Stuart Sutcliffe. Berlin, Reprodukt 2010, Seite 128, Originalzeichnungen, Tusche und Aquarellstift auf Papier, © Arne Bellstorf
11. Philip Cassirer, Was kostet ein Yak? Hamburg, erschienen im Carlsen 2013, Originalzeichnungen, Bleistift und Tusche auf Papier, © Philip Cassirer
12. Isabel Kreitz, Vorzeichnungen zu Rohrkrepierer, Nach einem Roman von Konrad Lorenz, erscheint 2015 im Carlsen Verlag, Buntstift auf Layout-Papier, Tusche und Buntstift auf Aquarellpapier, © Isabel Kreitz
13. Sascha Hommer: City Tales. Goethe Institut 2012-2013, blog.goethe.de/CityTales, © Sascha Hommer.

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