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Messe Kunst und Handwerk - seit über 130 Jahren

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Geschrieben von Isabelle Hofmann  -  Montag, den 03. Dezember 2012 um 10:43 Uhr
Messe Kunst und Handwerk - seit über 130 Jahren 4.3 out of 5 based on 163 votes.
Messe Kunst und Handwerk - seit über 130 Jahren

Die alten Hasen haben ihre Stände einen Tag vor der Eröffnung bereits bestückt, die Jungen hingegen werkeln bis zur letzten Minute.

Studenten aus fünf Hochschulen (Basel, Bozen, Halle, Mainz und Zürich) sind in diesem Jahr zu Gast bei der Messe Kunst und Handwerk im MKG. Kuratorin Claudia Banz will damit Zeichen setzen: „Zukunftsorient“ heißt das eine Zauberwort, „international“ das andere. Die Beschränkung auf den norddeutschen Raum, die 130 Jahre lang profilgebend war, sei einfach nicht mehr zeitgemäß, so Banz. Das weltweit renommierte Haus am Steintorplatz agiert und sammelt international – und das soll sich ab sofort auch in der Leistungsschau der angewandten Künstler spiegeln.

Nach der umbaubedingten Durststrecke im vergangenen Jahr ist nun wieder reichlich Platz in der Belle Etage des Hauses: 1.000 Quadratmeter stehen 70 Ausstellern aus Deutschland, Südtirol und der Schweiz zur Verfügung. Luft ist dennoch kaum, der Platz wird gebraucht. Vorbei die Zeiten, da sich Schals, Colliers oder Silbergerät in kleine Schächtelchen packen ließen. Der Trend zur raumgreifenden Skulptur, der sich schon im vergangenen Jahr abzeichnete, hält unvermindert an - und zwar in sämtlichen Gewerken. Besonders deutlich wird das in Schmuck und Textil. Die exotischen Broschen aus gesägtem und gefaltetem Edelstahl von Mirjam Hiller, Neuzugang aus Potsdam, sind gleichermaßen Schutz und Schmuck. Riesengroß und farbenprächtig erinnern sie an Korallen, See-Anemonen und andere exotische Unterwasserpflanzen, wie sie am Barrier Reef wuchern. Die Trägerin solcher Stücke braucht sich jedenfalls um Gesprächsstoff nicht zu sorgen. Das gilt auch für die hochwertigen Textilobjekte der gebürtigen Finnin Kristiina Karinen. Durch eine besondere Stricktechnik wirken die Oberflächen ihrer vorwiegend schwarzen Jacken und Capes wie streng geometrische Reliefs. Die konkrete Kunst lässt grüßen. Wie immer zentral und mit vier Vitrinen prominent vertreten ist die diesjährige Justus-Brinckmann-Preisträgerin Maike Dahl, Silberschmiedin aus Hannover. Während ihre Kollegen Silber sorgsam polieren, rückt sie den von Fast-Food-Verpackungen inspirierten Bestecken, Kannen und Dosen mit Scheuermilch zu Leibe, um ihnen die Aura des Luxusgutes zu nehmen.

Neue und junge Positionen hat die Messe in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder vorgestellt, allerdings war der Radius begrenzt. Der Blick über den nationalen Tellerrand ermöglicht nun, das Auge für zwei Trends zu schärfen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Während sich die einen Newcomer verstärkt mit nachhaltigen Materialien auseinandersetzen (als Beispiel sei hier das Schuhwerk aus Schweizer Wolle genannt, ein Projekt der Zürcher Hochschule der Künste), verwischen die anderen immer stärker die Grenzen zwischen Kunst und Design. So übersetzt Sawa Aso, Meisterschülerin an der Burg Giebichenstein (Halle an der Saale), Alltagsobjekte wie Kopfhörer oder Feldstecher in Metall – und schafft damit Kunst-Objekte von surrealem Charakter, mit denen man sich gegebenenfalls auch schmücken kann. Die gebürtige Japanerin ist eine von neun Nachwuchskünstlern, die für den Justus Brinckmann Förderpreis 2012 nominiert sind, der am 2.12. vergeben wird. Auch wenn Sawa Aso in nicht erhalten sollte – sie gehört in jedem Fall zu den spannendsten Entdeckungen dieses Messe-Herbstes.

Die „Messe Kunst und Handwerk“ ist noch bis 9. Dezember zu sehen, im Museum für Kunst und Gewerbe, Steintorplatz in 20099 Hamburg.
Di-So 11-18 Uhr, Do bis 21 Uhr.


Fotonachweis:
Header: Detail aus Maike Dahl, Silberbecher, 925iger Silber geschmiedet, roter Turmalin, Paketschnur, Foto: Thomas Langreder
Galerie:
01. Anne Rößler, Becherserie ASSOZIATION, Weichporzellan, zum Teil eingefärbt, Ø 9 x 10 cm, 2011, Foto: Anne Rößler
02. Brosche von Mirjam Hiller, Foto: Isabelle Hofmann
03. Mirjam Hiller Schmuckdesingerin, Foto: isabelle Hofmann
04. Textildesign von Sibilla Pavenstedt, Foto: Isabelle Hofmann
05. Madlaina Capatt, Zürcher Hochschule der Künste Department Design, Das Schaf im Schuh, Masterthesis Be Cool - Use Swiss Wool, Madlaina Capatt, 2012, Foto: Madlaina Capatt
06. Maike Dahl, Silberbecher, Foto: MKG
07. Sawa Aso, Schmuckobjekte aus Metall, Foto: Isabelle Hofmann
08. Eintrittskarte zur Weihnachtsmesse 1926, Messearchiv, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

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