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Die fantastische Bilderwelt des Hans-Ruprecht Leiß

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Geschrieben von Christel Busch  -  Montag, den 26. November 2012 um 10:53 Uhr
Die fantastische Bilderwelt des Hans-Ruprecht Leiß 4.6 out of 5 based on 309 votes.
Hans Ruprecht Leiss


Die Galerie Müller & Petzinna im schleswig-holsteinischen Groß Grönau zeigt aus dem kunterbunten Bilderkosmos des Flensburger Zeichners, Malers und Grafikers die Ausstellung „Hans-Ruprecht Leiß – Gezeichnete Welten“.
Die märchenhaft anmutenden Illustrationen spielen mit der Fantasie des Betrachters. Sie erzählen vom Leben am Meer und in der Natur, vom Elefanten in Jägeruniform, dessen Familienmitglieder als Schnepfen auf Sofa und Sessel drapiert sind, oder dem Mann, der mit einem Fisch unter dem Arm und an der Hundeleine auf einem geöffneten Walmaul spaziert.

Leiß' überbrodelnder Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Es sind teils reale, teils irreale Welten, die zweifelsohne geprägt sind von seiner Affinität zur Nord- und Ostsee, dem Hafen, der Seefahrt und dem Fischfang sowie zur Landschaft, zu Wald und Flur – seit Jahren ist er passionierter Angler und Jäger. In den Kompositionen wimmelt es von Booten, Schiffen, Werft- und Hafensilhouetten. Hasen, allerlei Geflügel sowie anderes Getier, Meerestiere, Fische aller Arten und skurrilen Variationen tummeln sich in seinen Bildern. Aber auch Elefanten, Giraffen, Nashörner und andere exotische Tiere sowie Fabelwesen und menschliche Gestalten mit ausgefallenen Accessoires. In die Schiffsleiber zeichnet er zum Beispiel als Bestandteil der Hülle oder des Inneren Giebelhäusern von Städten oder Tiere. Diese Details sind eingebettet in teils humorvolle, teils ironisch-witzige aber auch grotesk anmutende Bildergeschichten, die sich dem Betrachter jedoch erst beim Herantreten erschließen. Man meint das Rauschen der Wellen zu hören, die frische Seeluft zu schnuppern, spürt den salzigen Geruch des Meeres und den des modrigen Brackwassers im Hafen sowie den erdigen Duft des Waldes. Gleichwohl kommen beim intensiven Studium seiner Werke Assoziationen zu den rätselhaften Figuren eines Hieronymus Bosch oder Pieter Brueghel d. Ä. auf. Auch fühlt sich der Besucher „Am Strand“, „Auf dem Wal“ oder „In den Wolken“ bisweilen an die Zeit der 60-er Jahre erinnert, explizit an den Film „Yellow submarine“ der Beatles.

Wie es auch sei, Leiß erzählt in seiner lebhaften, oft kuriosen Bildsprache eigene Geschichten, die sich nach einer anfänglichen Idee, allmählich und immer mehr an Details gewinnend unter seinen Farbstiften entwickeln. Verständlich, dass er ständig auf der Suche nach neuen Inspirationen ist, die er dann - irgendwann einmal - als Motiv in seinen Bildern verwendet: knorrige Bäume, Steine, Muscheln, ausrangiertes Spielzeug, Schuhwerk und Kleidung, Geweihe und vieles mehr. Neben Papier und Karton verwendet er als Malgrund lithografische Probedrucke und Seekarten der Nord- und Ostsee, auf die er in akribischer Detailfreudigkeit seine Buntstiftzeichnungen aufträgt oder sie mit Gouache-Farben bemalt. In „Hirsche des Meeres“ schwimmen in den dänischen Gewässern Dorsche und andere Fische mit Hirschgeweihen. Als Hommage an die alte Hansestadt ist sein neuestes Bild „Lübecker Serenade“ zu sehen. Vor der Silhouette der Stadt mit den sieben Türmen marschiert eine Prozession von Zwittern, halb Mensch halb Fisch, die Laternen tragen und Musik machen. „Auf dem Mond“ zeigt dagegen einen hüpfenden Astronauten eine Kuh an der Leine führend. Die Mondoberfläche ist übersät mit Wohlstandmüll. In einigen Bildern greift er Geschichten der Bibel auf, wie etwa den Turm zu Babel oder die Arche Noah sowie biblische Gestalten „Adam“, „Christophorus“ oder „Jona“. Das großformatige Triptychon zeigt Jona nicht - wie überliefert - in dem Bauch eines Wales. Er sitzt, vergleichbar mit einem U-Boot, mit allerlei technischen Instrumenten in dem Leib eines Dorsches.

Von sich selbst sagt Leiß, er habe sein ganzes Lebens mit den Füßen im Salzwasser verbracht, einen Zeichenstift hinters Ohr geklemmt. Eigentlich sei er kein Künstler, sondern eher Zeichner, Maler und Grafiker. Die Klassifizierung, er setze seine Bilder oftmals im Stil eines „phantastischen Realismus“ um, lehnt er ab. Er sieht sich vielmehr als „phantastischer Realist“.

Leiß, 1954 in Husum geboren, hat in Flensburg zunächst ein Lehrerstudium absolviert. 1985 gibt er diese gesicherte Existenz auf und macht sich als freischaffender Künstler selbstständig. Inzwischen ist er äußerst erfolgreich und in der Grafik- und Kunstszene etabliert. Der norddeutsche Jung von der Waterkant ist seit seinem Plakat „habemus papam“ zum Weltjugendtag und Papstbesuch Benedikt XVI. im Jahr 2005 in Köln über die Grenzen Schleswig-Holsteins bekannt geworden. Er ist auf nationalen und internationalen Ausstellungen vertreten, erhielt den Kulturpreis des Kreises Schleswig-Flensburg, den Kunstpreis des Rheinischen Kunstvereins und 1999 den Beate-Uhse-Erotik-Preis für eine Zeichnung, die heute im Besitz seiner Frau Sonja ist. Seit 2003 gibt er mit dem dänischen Sternekoch Christian Bind aus Kollund Kunstkochbücher heraus. Kulinarische Köstlichkeiten kombiniert mit fantasievollen Zeichnungen des Flensburgers. Das Buchprojekt, das Märchen „Vom Fischer und seiner Frau“ von Feridun Zaimoglu, 2008 erschienen, illustrierte er mit 32 Lithografien.


In der Galerie Müller & Petzinna sind rund 50 Exponate - Leiß' groß- und kleinformatige, farbenfrohe Zeichnungen und Grafiken - zu besichtigen. Die Ausstellung „Hans-Ruprecht Leiß – Gezeichnete Welten“ läuft bis zum 9. Dezember 2012 in der Galerie Müller & Petzinna, Hauptstraße 49 a, in 23627 Groß Grönau.
Die Öffnungszeiten sind Freitag bis Sonntag von 14 bis 18 Uhr.
www.skulptur.com

Fotonachweis: (c) Hans-Ruprecht Leiß und Galerie Müller & Pezinna
Header: Detail aus "Fischküche"
Galerie:
01. Hans-Ruprecht Leiß bei der Arbeit
02. "Auf dem Wal", Foto: Christel Busch
03. "Angsthase" Foto: Christel Busch
04. "Gelber Fisch"
05. "Giraffe"
06. "In einem Stillleben" Foto: Christel Busch
07. "Lübecker Serenande"
 

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