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Die fünf Leben des Henri de Toulouse-Lautrec

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Geschrieben von Corinna Jedieß und Charlotte Lacroix  -  Montag, den 24. November 2014 um 10:57 Uhr
Die fünf Leben des Henri de Toulouse-Lautrec 4.5 out of 5 based on 177 votes.
Henri de Toulouse-Lautrec

Als einer der bedeutendsten französischen Maler und Grafiker des Post-Impressionismus fing Henri de Toulouse-Lautrec (1864-1901) wie kein anderer Künstler seiner Zeit das Pariser Leben der Belle Époque ein.
Doch bis heute hat nicht nur die Faszination für seine Werke überlebt, sondern auch die längst als „antiquarisch“ gehandelten Objekte seines Lebens. Das „Zentrale Verzeichnis Antquarischer Bücher" stellt in Zusammenarbeit mit KulturPort.De anlässlich des 150. Geburtstages des Künstlers und Grafikers Henri de Toulouse-Lautrec fünf Besonderheiten vor.

Der Schüler
Aus seiner Schulzeit stammt ein Notizbuch des 12-jährigen Henri, das einen einmaligen Einblick in die typische Erziehung eines Jungens Ende des 19. Jahrhunderts gibt. Henri de Toulouse-Lautrec wurde von seiner strenggläubigen Mutter in Paris aufgezogen, deren Einfluss deutlich in seinen Notizen über religiöse Lehren und moralische Reflektionen zum Ausdruck kommt.
Im Alter von 13 und 14 Jahren erlitt der kleine Henri zwei aufeinanderfolgende Beinbrüche, welche – gefolgt von einem schwierigen Heilungsprozess – dazu führten, dass er nie über eine Körpergröße von 1,52 m hinauswachsen würde. Da er aufgrund seiner Krankheit an vielen sozialen Aktivitäten nicht teilnehmen konnte, widmete er sich bereits früh der Malerei. In einem Absatz seiner Notizen spricht er sich stark gegen jede Art von Schöntuerei aus – eine Haltung, die sich zeitlebens in seinen Zeichnungen widerspiegeln wird, in denen er eine ungeschönte Darstellung seiner Umwelt bevorzugte.

Der Gelehrte
Während er sich schon in seinem Schulnotizbuch mit der antiken Mythologie und den Fabeln von Phaedrus und La Fontaine auseinandersetzt, zeigt sich seine Beschäftigung mit mythologischen Stoffen später, wenn auch nicht vorrangig in seiner Kunst, so doch in diesem handschriftlichen Manuskript.
Darin erzählt der Künstler den römischen Mythos von Herkules und Cacus, einem feuerspeienden Riesen, der vom Heros im Zweikampf getötet wird. Das vierseitige Manuskript zeigt mehrere Skizzen in Tusche sowie das berühmte Monogramm des Künstlers, welches seine Initialen „HTL“ vereint.

Der Bohèmien
1893 lernte Lautrec die Sängerin Yvette Guilbert kennen, die zu einem seiner künstlerischen Lieblingsmotive wurde. Dieses handschriftliche Telegramm an den Verleger André Marty aus demselben Jahr berichtet von einem geplanten Treffen, bei dem es wahrscheinlich um die Veröffentlichung eines durch Lautrec entworfenen Albumcovers der Sängerin gehen sollte.
Henri de Toulouse-Lautrec portraitierte mit Vorliebe Tänzerinnen, Artisten und Besucher der Pariser Nachtklubs. Seine ersten Aufträge erhielt er von Künstlern und Persönlichkeiten der Belle Époque, zu denen auch der Nachtklubbesitzer Aristide Bruant gehörte. Durch die Plakate wurde er als Mann im roten Schal und schwarzen Mantel berühmt.

Der Künstler
Wohl eines der bekanntesten Motive von Henri de Toulouse-Lautrec: die Sängerin Jane Avril. Plakate wie dieses oder die, die er für das Variété Moulin Rouge anfertigte, machten den Künstler um die Jahrhundertwende berühmt. Mit seiner Technik für das Anfertigen von Plakaten und Illustrationen ebnete er den Weg für die weitere Entwicklung der Plakatwerbung.
Bereits sehr früh hatte Toulouse-Lautrec seine eigene Maltechnik entwickelt, die sich von der konventionellen Malweise der Pariser Salons unterschied. In der Kunst fand er nicht nur Anregungen bei Édouard Manet, Edgar Degas und Paul Gauguin, sondern auch bei seinen Freunden, darunter Émile Bernard und Vincent van Gogh. Inspiriert wurde er zudem vom japanischen Holzschnitt, der in dieser Zeit in den Künstlerkreisen von Paris besonders beliebt war.
Neben eindrucksvollen Darstellungen des bunten, verruchten Pariser Nachtlebens, steht bei Lautrec vor allem der einzelne Mensch im Fokus, der aus der vergnüglichen Masse hervorsticht. Dabei zeichnen sich seine Werke durch große, flächige Farbformen aus, mit denen er das Wesentliche umreißt. Obwohl er bereits im Alter von nur 36 Jahren verstarb, schuf Lautrec ein sehr umfangreiches Werk, das neben Zeichnungen und Lithografien auch zahlreiche Ölgemälde und Aquarelle umfasst.

Der Gourmet
Aber wer hätte gedacht, dass der leidenschaftliche Maler auch ein leidenschaftlicher Koch war? Maurice Joyant, Kunsthändler und treuer Lebensbegleiter Lautrecs, hat nach dem Tod seines Freundes die vielfältigen kulinarischen Variationen des Malers aufgeschrieben und somit für die Nachwelt erhalten.
Diese kulinarischen Werke bieten nicht nur Originalrezepte von Toulouse-Lautrec, sondern auch die Illustrationen des Meisters und sind somit Kochbuch und Kunstband in einem. Darin zeigt sich, dass Lautrec nicht nur in der Kunst seiner Zeit voraus war und ganz eigene Wege gegangen ist, sondern auch in der Gourmet-Küche mit neuen und originellen Kreationen aufwarten konnte.
Seine Großmutter soll einmal gesagt haben: Wenn meine Söhne eine Wildente töten, dann haben sie daran ein dreifaches Vergnügen: sie zu schießen, sie zu essen und - sie zu zeichnen. Und so nutzte auch Henri die künstlerisch gestalteten Mahlzeiten, um seine Gäste zu porträtieren und die kulinarischen Genüsse aufs Papier zu bringen.

Weitere Informationen ZVAB


Abbildungsnachweis:
Header: Detail aus Henri de Toulouse-Lautrec-Plakat „divan japonais“, um 1892/93
Galerie:
01. Portrait von Henri de Toulouse-Lautrec fotografiert von Paul Sescau. Cliché um 1880/1890
02. Das persönliche Schulheft (Hardcover) als Toulouse-Lautrec ungefähr 12 Jahre alt war. Mit Initialen TL.
03. Manuscrit autographe en Francais et en Latin
04. Henri de Toulouse-Lautrec : „moulin rouge“, Plakat, 1891
05. Henri de Toulouse-Lautrec: „Jane Avril im Jardin de Paris“, Plakat
06. Henri de Toulouse-Lautrec: „reine de joie“, Plakat 1892

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