Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 957 Gäste online

Neue Kommentare

C.Müller zu Roots – Katja und Marielle Labèque zum Schleswig-Holstein Musik Festival in der Laeiszhalle: Erhalt des Kultursommers auf der Trabrennbahn Bah...
Marlies Lampert zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo liebe Hüsungianer,
ich bin ca. 1999...

SingulART zu Kunstmuseum Wolfsburg: This Was Tomorrow. Pop Art in Great Britain: Grossartige Ausstellung war das! Wir haben unsere...
tommy zu Ensemble Resonanz zu Gast bei NEW HAMBURG: gute sache, dass sie mal aus ihrem bunker rauskom...
Lena Baal zu Zum Tode von Peter Härtling: Peter Härtling war nicht nur ein großartiger Sc...

Anzeige

Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Hamburger Architektur Sommer 2015


Fotografie

Ruslan Hrushchak: analog oder digital

Drucken
(142 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 03. Juni 2014 um 09:54 Uhr
Ruslan Hrushchak: analog oder digital 4.3 out of 5 based on 142 votes.
Ruslan Hrushchak: analog oder digital

Was beeindruckt eigentlich so an diesem Foto? Der intensive Blick des Mannes?
Die Kontraste, die den gesamten sakralen Raum zeigen? Dass auch der Betrachter sich über die Schulter angesehen fühlt? Was es auch ist, dieses Foto ist immer noch mehr, denn genaugenommen beinhaltet es ein Erbe. Dazu gehört die Geschichte seiner Entstehung: Ruslan Hrushchak war allein in einer Kirche in der Ukraine, machte einige Fotos. Da kam ein Mönch herein, setzte sich zum Beten. Das wollte
Hrushchak fotografieren. Das war für ihn das Glücksmotiv des Tages. In dem Augenblick aber dreht der Mönch sich um und bittet darum, ohne Blitz zu fotografieren – der Moment und das Motiv waren fort.

Während des kurzen Gesprächs aber hat Hrushchak auf den Auslöser gedrückt. Da er anlog fotografiert hat, entdeckt er das Foto erst zu Hause. Er schickt es an das Kloster. Und erhält eine sehr dankbare Antwort. Das Bild sei das einzige Bild von dem Mönch. Er war kein Geistlicher. Er war ein sehr armer, kranker, einfacher Mann. Er war inzwischen verstorben. Durch dieses zufällige Bild aber bleibt ein Teil seiner Persönlichkeit in der Welt präsent. „Oft erstaunt es mich, wie viel mehr man von den Menschen auf einem Foto sieht“, entdeckt Hrushchak.

Ruslan Hrushchaks Fotos machen Kleinigkeiten groß. Sie geben dem flüchtigen Moment Zeit. Sie treffen den Schelm im Augenblick. Sie zeigen die Schönheit des Alltäglichen – und dass man für ihre Offenbarung manchmal nur die Perspektive oder den Fokus ein klein wenig verändern muss.

Da werden Alltagsmomente zu nicht alltäglichen Momenten. Um das zu sehen, haben ihn unter anderem mehr als 1500 Leute auf Facebook abonniert. Auf ‚Instagram’ und bei ‚google+’ zeigt er seine Bilder auch.
Da liegt der Schatten einer Blume auf einem Teller mit Kuchen: Sonne, Zeit für einen
Nachmittagskaffee mit Kuchen und Tischdecke, Blumenduft und Vase. Für „Step by Step“ sind zwei Fotos übereinandergelegt: ein Treppenhaus von oben und Füße. Und schon lächelt man. Der Leipziger Uniriese hat einen Knick, die Pfütze ändert auch noch die Farben. Das Foto mit dem Mönch ist eines der Gewinnerfotos der ersten „Black-and-White Photo Competition“ 2014 auf „I Shot It“. Viele seiner Fotos sind prämiert. Und oft wurde Ruslan Hrushchak schon gefragt, ob er nicht Berufsfotograf werden wolle.

Er ist Informatiker. Er beschäftigt sich vor allem mit mobilen Technologien. Im vergangenen Jahr hat er die Firma ‚appPlant’ gegründet. Wenn er von seinen Projekten erzählt, vermitteln sich zusätzlich zum Inhalt Ruhe, Klarheit und Begeisterung. Er offenbart in seiner Haltung Leidenschaft für seinen Job – es scheint, er mache fast alles zwar bedacht doch mit Verve. Informatik hat er in Deutschland studiert. Da musste er sich erst durch exzellente Noten behaupten, denn in seiner
Heimat, der Ukraine, hatte er bereits ein Journalistik-Studium abgeschlossen. Doch für ihn ging nicht gut zusammen: verkaufen zu müssen, was man mit Leidenschaft tut.

Ähnlich ist es mit der Fotografie: „Es lässt nicht so viel Raum, sich künstlerisch zu entwickeln, wenn man davon leben muss.“ Die künstlerische Entwicklung aber ist es, die Ruslan Hrushchak derzeit vor allem sucht. Impulse dafür findet er auf unterschiedlichen Wegen: Sei es zum Beispiel durch eine „neue“, nämlich eine alte analoge Kamera – „Die Menschen lassen sich schneller darauf ein, mit so einer Kamera fotografiert zu werden!“ – oder sei es durch das Entwickeln der Filme –
„Seit diesem Jahr entwickle ich auch Farbfilme. Das ist viel komplizierter als schwarz-weiß. Ich habe mir extra ein Aquariumsthermostat gekauft, um die Temperatur konstant bei 38°C zu halten.“

Zur Zeit überlegt er, seine Bilder nicht so schnell zu zeigen. „Vielleicht passiert mehr, wenn man es erst mal weglegt. Wenn man es dann einige Wochen später wieder nimmt, bearbeitet oder anders neu macht.“ Denn Lob gibt es schnell. Und so schön das für ihn ist, es fehlt ihm doch Kritik. Eine Kritik, die das Motiv aufgreift, die ihm hilft, sich zu entwickeln. Die eine arbeitende Auseinandersetzung ist.
Die gemeinsame Arbeit, die Lust am Entstehen und das gegenseitige, einander inspirierende Überraschen sind es vielleicht auch, die ihn so sehr zum Jazz ziehen. Nicht nur zur Musik an sich, sondern auch zur Atmosphäre im Konzert – und dazu, dieses Konglomerat ins Bild zu bringen.

„Viele Jazz-Musiker mögen es, beim Konzert fotografiert zu werden. Und sie schönen sich nicht. Die mögen, wenn man die Konzentration im Gesichtsausdruck sieht und Schweißperlen.“ Jazz zu fotografieren – das könnte ihn doch noch verführen, vollberuflicher Fotograf zu sein. „Wenn ich da eine Chance bekäme, ich glaub, das würde ich sofort machen!“

Ruslan Hrushchak Haltung zu dem, was er macht und wie er es macht, regt immer auch zum Nachdenken an. So berichten zwar viele Fotografen, dass digitale Fotografie irgendwie kälter und gleichsam professioneller sei als analoge. Und dass die analoge dafür emotionaler wirke. Ruslan Hrushchak sagt das auch. Doch er beschreibt das Phänomen weiter: „Digital kann man, so wirkt es fast, unendlich viele Fotos machen. Man kann überprüfen, ob die Schärfe, der Ausschnitt und das Licht stimmen. Man kann das korrigieren. Analog macht man weniger Bilder, die sind besonderer.“

Darum hat er auch, wenn er mit seinem Sohn oder Freunden zusammen ist immer nur eine kleine analoge Kamera dabei. „Da bleibt man mehr im Moment. Man macht mal ein Foto. Und die anderen wissen das auch. Es stört die Situation nicht.“ Die Frage entsteht: Wann und wie fotografiere ich selbst? Suche ich, einen speziellen Moment festzuhalten? Oder knipse ich ständig und trete dafür andauernd aus der Situation heraus?

Die Geschichte um das Foto von dem Mönch offenbart einen wesentlichen Aspekt, den man auch bedenken muss in der Auseinandersetzung mit und der häufig anzutreffenden Angst vor Fotografie heute: Mit einem Foto kann ein Ausdruck der Person als Abdruck in der Welt bestehen bleiben.
Grade auch durch eine Aufnahme in einem unbemerkten Moment, vielleicht sogar durch einen Fremden.


Abbildungsnachweis: Alle Fotos © Ruslan Hrushchak
Header: Sakral (Mönch)
Galerie:
01. Sakral (Ausgang)
02. Frauen in der Bahn
03. Senioren mit Tauben
04. Heinrich Köbberling, Jazz Club Leipzig
05. Mateo, Saxophon
06. o.T.
07. o.T.

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Fotografie > Ruslan Hrushchak: analog oder digital

Mehr auf KulturPort.De

200 Jahre Kunstverein in Hamburg
 200 Jahre Kunstverein in Hamburg



„Just what is it that makes today’s Kunstverein so different? So appealing?” Nach Charity Auktion (14.9.) und Festakt im Rathaus (22.9.) klingen mit einer  [ ... ]



Fassadendemokratie und tiefer Staat. Das marktgetreue Grinsen
 Fassadendemokratie und tiefer Staat. Das marktgetreue Grinsen



Was denn? Das Volk sei unfähig, Politisches zu durchschauen oder gar mitzuregieren? Liest man dies im Buch „Fassadendemokratie“, dann ist man bass erstaunt, [ ... ]



„Tom of Finland” – Revolutionär schwuler Ästhetik
 „Tom of Finland” – Revolutionär schwuler Ästhetik



Er inspirierte Künstler wie Andy Warhol, Robert Mapplethorpe und die Village People, seine markanten erotischen Zeichnungen veränderten radikal das Selbstverst [ ... ]



Serenata Italiana – Raphaela Gromes und Julian Riem
 Serenata Italiana – Raphaela Gromes und Julian Riem



Gerade war sie noch beim Schleswig-Holstein-Musikfestival zu hören und debütierte – nun kommt zeitnah dazu ihr Debütalbum auf dem Markt. Gemeinsam mit Piani [ ... ]



Achim Freyer und sein „Parsifal“ in Hamburg: Viel Bühne, wenig Weihe, eine Menge Spiel
 Achim Freyer und sein „Parsifal“ in Hamburg: Viel Bühne, wenig Weihe, eine Menge Spiel



Es ist dunkel in der Hamburger Gralsburg, als Achim Freyer mit seiner „Parsifal“-Interpretation den Start in die neue Saison der Staatsoper zelebriert. Der 8 [ ... ]



Jens Düppe: Dancing Beauty. Eine Hommage an John Cage
 Jens Düppe: Dancing Beauty. Eine Hommage an John Cage



Wie kann ein Künstler heute ungebunden und frei arbeiten? Ungebunden ist durchaus möglich – frei arbeiten stößt aus unterschiedlichen Gründen an Grenzen.  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.