Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 834 Gäste online

Neue Kommentare

Gerd Kruse zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo Frau Lampert,
ich war durch meine He...

Herby Neubacher zu Elbphilharmonie: Das perfekte Buch zum Bau: Absolut richtig. Ich habe das gabnze Drama Elbphi...
Giulio zu „Die Spur”. William Blake und die Rache der Eigenbrötler : Prost Neujahr! Und danke für die vielen schönen...
Hubert Hoffmann zu Elbphilharmonie: Das perfekte Buch zum Bau: Ein Prestige -Objekt für die oberen Zehntausend....
Feindt zu Hamburg: Ein Museum im Hafen: Ein schönes neues Museum und wo bleibt die Berü...

Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Hamburger Architektur Sommer 2015


Fotografie

„Gefangenes Licht“: Multimediale Auftakt-Ausstellung von Emir Haveric

Drucken
(228 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 13. August 2013 um 08:53 Uhr
„Gefangenes Licht“: Multimediale Auftakt-Ausstellung von Emir Haveric 4.3 out of 5 based on 228 votes.
Gefangenes Licht - Multimediale Auftakt-Ausstellung von Emir Haveric

Der aus Sarajevo stammende Fotograf Emir Haveric präsentiert seine künstlerischen Arbeiten erstmals in Europa.
Die Ausstellung „Gefangenes Licht“ in der ehemaligen Oberpostdirektion in Hamburg eröffnet dabei zugleich die neue Ausstellungsreihe „Young Blood“, die sich den Werken noch wenig bekannter zeitgenössischer Jungkünstler widmet.

Ein paar Schritte die Treppe hinab ins weitläufige Kellergewölbe, in dem nur gedämpftes Licht herrscht. Einzig die an den Seitenwänden entlanglaufenden Up-Light-Strahler erhellen das rustikale Mauerwerk – und setzen so die dort angebrachten, großformatigen Fotografien effektvoll in Szene. Mit der Hamburger Oberpostdirektion hat sich Kuratorin Yvonne Boland eine imposante Kulisse für die Einzelausstellung von Emir Haveric ausgesucht: Unter dem Titel „Gefangenes Licht“ präsentiert der Künstler ausgewählte fotografische Arbeiten und Video-Installationen, die sich dem „richtigen Moment“ der medialen Aufzeichnung widmen. Denn: Hat ein Maler alle Zeit der Welt, sein Bild zu gestalten, so sind dem Fotograf dafür häufig nur wenige Sekunden gegeben.

Das Augenblickliche, das in der Kunst eingefangen wird, thematisiert Emir Haveric sowohl im statischen wie auch im bewegten Bild. Dabei wendet sich der Künstler bewusst gegen eine fotorealistische Darstellung, sondern nutzt visuelle Verfremdungseffekte, wie sie die Fotografie zum Beispiel in Langzeitbelichtung, Weichzeichnung oder Verzerrung etabliert hat. Das ist vielleicht nicht unbedingt neu, geschieht hier aber mit bemerkenswert expressiver Eindrücklichkeit.

Für mehrere seiner Arbeiten wählt er dabei das Sujet der Autofahrt, wobei deren temporeiche Fahrt und flackerndes Vorbeirauschen der Umgebung digital nachempfunden wird. Bei „Lost Highway“ zum Beispiel verzieht sich die Landschaft zu langen, schwarzen Bildstreifen, wie elektrische Leitungen, wie zitternde Notenlinien, die vermeintlich über den Köpfen der Betrachter hinwegziehen und in ein undefinierbares, fast bedrohliches Grau münden. Ähnlich ist zeigt eine Video-Installation, die innerhalb einer separat begehbaren, quaderförmig-hochkantig aufgestellten Box projiziert wird, eine in bunter Farbigkeit vorbeirauschende, aber nicht mehr eindeutig zu identifizierende (Stadt-)Kulisse, deren Durchquerung der Betrachter durch das Bewegtbild der laserstrahlartigen Lichtblitze quasi live miterleben kann. Es überrascht dabei weniger, dass diese motorisierten Momente des Vorbeirasens den Künstler besonders interessieren: Schließlich hat sich Emir Haveric bereits einen Namen als Werbefotograf für verschiedene große Autohersteller gemacht, in denen er ähnliche Motive inszenieren konnte.

Aber nicht nur in der Geschwindigkeit, auch im Gemächlichen, ja fast Kontemplativen findet Emir Haveric den „richtigen Moment“ der Aufnahme. So beschäftigt sich die Werkgruppe „Koi“ mit schillernden Karpfen, deren Körper durchs trüb-schwarze Wasser gleiten, wobei sie jedoch nur noch verschwommen und schemenhaft zu erkennen sind. In dem nur noch undeutlich umrissenen, aber leuchtenden Farbtupfer, der in weichen Bewegungen durch ein schwarzes Nichts zu treiben scheint, werden die Lichteffekte der Aufnahme besonders deutlich in Szene gesetzt. Nicht umsonst spricht Emir Haveric von seiner Arbeit als einem „feinen Dosieren des Lichts auf ein schwarzes Negativ“.

Seinen Werken kommt dabei nicht zuletzt die räumliche Beschaffenheit der Oberpostdirektion zugute, die durch punktuelle Lichtakzentuierung und übrigen Abdimmung des Raums die Farbeffekte der Fotografien noch einmal besonders hervorzuheben wissen, wie auch Kuratorin Yvonne Boland betont. Ihr sei die Fokussierung der auf einen Künstler besonders wichtig gewesen, um die Licht-Effekte der Arbeiten voll zur Geltung kommen zu lassen. In den zehn ausgewählten Fotografien und zwei Video-Installationen ist Emir Haverics Arbeit bewusst „auf den Punkt gebracht“. Und ein starker Auftakt soll „Gefangenes Licht“ ja sein: Schließlich läutet sie die nachfolgenden Pop-up-Ausstellungen der „Young Blood“-Reihe ein, mit denen die Kunstagentin aus Malaysia jungen Nachwuchs-Künstlern der nationalen und internationalen Szene eine Ausstellungsplattform bieten möchte.

Der Anfang ist wohl geglückt: Über 300 Besucher erschienen zur Vernissage am 8. August 2013, eingereist aus der ganzen Republik. „Natürlich finde ich die Ausstellung toll. Die Location, die Fläche, hat so eine Atmosphäre von Underground. Und die Lichteffekte hier unten sind besonders beeindruckend“, so eine Besucherin. Und ein anderer Gast ist so begeistert, dass er gar vom „künstlerischen Highlight des Jahres“ spricht.

Anzuschauen ist die Ausstellung noch bis zum 15. September 2013, immer von Dienstag bis Sonntag von 11 – 19 Uhr (und nach Vereinbarung) in der ehemaligen Oberpostdirektion am Stephansplatz 3 in Hamburg.


Fotonachweis:  Copyright: YOUNG BLOOD
Header: Detail aus Emir Haveric: Kois, Lambda C-Type Print,, 180 x 135 cm, 2009, Singapur, Foto: Emir Haveric
Galerie:
01. Plakat
02. und 03. Blick in die Ausstellung im Untergeschoss der ehemaligen Oberpostdirektion
04. Emir Haveric: Lost Highway, Lambda C-Type Print, 180 x 135 cm, 2007 - 2013, USA, Foto: Emir Haveric
05. Emir Haveric: Kois, Lambda C-Type Print, 180 x 135 cm, 2009, Singapur, Foto: Emir Haveric
06. Blick in die Ausstellung

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

avatar Joachim Sadowski
+3
 
 
Eine sehr interessante Ausstellung mit viel Spielraum für Interpretationen.
Den Ansatz vom Künstler, mit seinen Werken auch "leere Denkräume" geschaffen zu haben, finde ich äußerst gelungen. Im Gegensatz zu anderen Lichtkünstlern, die einen bereits in feste "visuelle Korsagen" schnüren, war die Leichtigkeit und Frische von Haveric eine kreative Ruhezone zum Sackenlassen und Interpretieren.
Toller Event + toller Künstler = Dank an die Kuratorin, Yvonne Boland!
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Fotografie > „Gefangenes Licht“: Multimediale Auftakt-...

Mehr auf KulturPort.De

James Rosenquist. Eintauchen ins Bild – vom Plakatmaler zur Pop-Art-Ikone
 James Rosenquist. Eintauchen ins Bild – vom Plakatmaler zur Pop-Art-Ikone



Speckstreifen fliegen durch das Weltall, rote Lippenstifte und Atompilze verkünden das nahende Inferno, Butterstücke zerfließen in einer Pfanne, Spaghetti mit [ ... ]



„Die dunkelste Stunde”. Winston Churchill und die Mobilisierung der Sprache
 „Die dunkelste Stunde”. Winston Churchill und die Mobilisierung der Sprache



Joe Wrights eleganter Politthriller „Die dunkelste Stunde” ist das Gegenstück zu Christoper Nolans überwältigendem Suspense-Epos „Dunkirk”. Zwei Filme [ ... ]



Die arabische Prinzessin – Von Leseratten, Fischverkäufern und einer Märchenoper, die nie geschrieben wurde
 Die arabische Prinzessin – Von Leseratten, Fischverkäufern und einer Märchenoper, die nie geschrieben wurde



Im Opernhaus in Hamburg schallen Kinderstimmen durch die Gänge: Es ist wieder opera piccola-Zeit!
Bevor die Kinderoper im Februar auf die Bühne geht, ist im H [ ... ]



Die Diktatur des Geldes – Finanz Tsunami
 Die Diktatur des Geldes – Finanz Tsunami



Ernst Wolff: „Finanz Tsunami. Wie das globale Finanzsystem uns alle bedroht“
Es ist wie es einmal war und heute noch ist: Ein Ausspruch von Henry Ford, des  [ ... ]



Verdis „Rigoletto“ als Genderfrage inszeniert von Katharina Thalbach
 Verdis „Rigoletto“ als Genderfrage inszeniert von Katharina Thalbach


  War es Absicht, dass rund um das Fest der Liebe die Kölner Oper ausgerechnet Giuseppe Verdis Bühnenstück „Rigoletto“ – das 1851 den Wel [ ... ]



„Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”. Oder die Heimat des Zorns
 „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”. Oder die Heimat des Zorns



Genialer Genre-Mix aus Neo-Western und Kleinstadt-Satire.
Manchmal ist es leichter einen Molotow-Cocktail zu werfen als zu weinen. Mildred Hayes (Frances McDorm [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.