Zum Anfang

Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 729 Gäste online

Neue Kommentare

Friedrich von der Lange zu „Snowden” – Patriot oder Verräter? : Von keinem anderen, als von Ollie Stone hätte ic...
Hein Daddel zu „Alice und das Meer” – oder das Ende der Treue: Ein starker Film über eine starke Frau. Sehr gut...
Gerhard P. zu OKRA – Piano & Field Recordings: Wunderbar und spitzfindig geschrieben. Macht Spa...
Hans G. Gohlisch zu Chefredakteur von ZEIT ONLINE spricht über "Community Engagement und New Storytelling: Eigentlich habe ich einen Bericht über David Hoc...
adarompf@gmx.de zu „Mahana – Eine Maori-Saga”. Zwischen Tradition und Tyrannei : In allen Facetten genaue Beschreibung des Films, ...

Anzeige

Spezial - Lange Nacht der Museen Hamburg 2016

Spezial - Hamburger Architektur Sommer 2015


Fotografie

„Gefangenes Licht“: Multimediale Auftakt-Ausstellung von Emir Haveric

Drucken
(226 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Geschrieben von Mirjam Kappes  -  Dienstag, den 13. August 2013 um 09:53 Uhr
„Gefangenes Licht“: Multimediale Auftakt-Ausstellung von Emir Haveric 4.3 out of 5 based on 226 votes.
Gefangenes Licht - Multimediale Auftakt-Ausstellung von Emir Haveric

Der aus Sarajevo stammende Fotograf Emir Haveric präsentiert seine künstlerischen Arbeiten erstmals in Europa.
Die Ausstellung „Gefangenes Licht“ in der ehemaligen Oberpostdirektion in Hamburg eröffnet dabei zugleich die neue Ausstellungsreihe „Young Blood“, die sich den Werken noch wenig bekannter zeitgenössischer Jungkünstler widmet.

Ein paar Schritte die Treppe hinab ins weitläufige Kellergewölbe, in dem nur gedämpftes Licht herrscht. Einzig die an den Seitenwänden entlanglaufenden Up-Light-Strahler erhellen das rustikale Mauerwerk – und setzen so die dort angebrachten, großformatigen Fotografien effektvoll in Szene. Mit der Hamburger Oberpostdirektion hat sich Kuratorin Yvonne Boland eine imposante Kulisse für die Einzelausstellung von Emir Haveric ausgesucht: Unter dem Titel „Gefangenes Licht“ präsentiert der Künstler ausgewählte fotografische Arbeiten und Video-Installationen, die sich dem „richtigen Moment“ der medialen Aufzeichnung widmen. Denn: Hat ein Maler alle Zeit der Welt, sein Bild zu gestalten, so sind dem Fotograf dafür häufig nur wenige Sekunden gegeben.

Das Augenblickliche, das in der Kunst eingefangen wird, thematisiert Emir Haveric sowohl im statischen wie auch im bewegten Bild. Dabei wendet sich der Künstler bewusst gegen eine fotorealistische Darstellung, sondern nutzt visuelle Verfremdungseffekte, wie sie die Fotografie zum Beispiel in Langzeitbelichtung, Weichzeichnung oder Verzerrung etabliert hat. Das ist vielleicht nicht unbedingt neu, geschieht hier aber mit bemerkenswert expressiver Eindrücklichkeit.

Für mehrere seiner Arbeiten wählt er dabei das Sujet der Autofahrt, wobei deren temporeiche Fahrt und flackerndes Vorbeirauschen der Umgebung digital nachempfunden wird. Bei „Lost Highway“ zum Beispiel verzieht sich die Landschaft zu langen, schwarzen Bildstreifen, wie elektrische Leitungen, wie zitternde Notenlinien, die vermeintlich über den Köpfen der Betrachter hinwegziehen und in ein undefinierbares, fast bedrohliches Grau münden. Ähnlich ist zeigt eine Video-Installation, die innerhalb einer separat begehbaren, quaderförmig-hochkantig aufgestellten Box projiziert wird, eine in bunter Farbigkeit vorbeirauschende, aber nicht mehr eindeutig zu identifizierende (Stadt-)Kulisse, deren Durchquerung der Betrachter durch das Bewegtbild der laserstrahlartigen Lichtblitze quasi live miterleben kann. Es überrascht dabei weniger, dass diese motorisierten Momente des Vorbeirasens den Künstler besonders interessieren: Schließlich hat sich Emir Haveric bereits einen Namen als Werbefotograf für verschiedene große Autohersteller gemacht, in denen er ähnliche Motive inszenieren konnte.

Aber nicht nur in der Geschwindigkeit, auch im Gemächlichen, ja fast Kontemplativen findet Emir Haveric den „richtigen Moment“ der Aufnahme. So beschäftigt sich die Werkgruppe „Koi“ mit schillernden Karpfen, deren Körper durchs trüb-schwarze Wasser gleiten, wobei sie jedoch nur noch verschwommen und schemenhaft zu erkennen sind. In dem nur noch undeutlich umrissenen, aber leuchtenden Farbtupfer, der in weichen Bewegungen durch ein schwarzes Nichts zu treiben scheint, werden die Lichteffekte der Aufnahme besonders deutlich in Szene gesetzt. Nicht umsonst spricht Emir Haveric von seiner Arbeit als einem „feinen Dosieren des Lichts auf ein schwarzes Negativ“.

Seinen Werken kommt dabei nicht zuletzt die räumliche Beschaffenheit der Oberpostdirektion zugute, die durch punktuelle Lichtakzentuierung und übrigen Abdimmung des Raums die Farbeffekte der Fotografien noch einmal besonders hervorzuheben wissen, wie auch Kuratorin Yvonne Boland betont. Ihr sei die Fokussierung der auf einen Künstler besonders wichtig gewesen, um die Licht-Effekte der Arbeiten voll zur Geltung kommen zu lassen. In den zehn ausgewählten Fotografien und zwei Video-Installationen ist Emir Haverics Arbeit bewusst „auf den Punkt gebracht“. Und ein starker Auftakt soll „Gefangenes Licht“ ja sein: Schließlich läutet sie die nachfolgenden Pop-up-Ausstellungen der „Young Blood“-Reihe ein, mit denen die Kunstagentin aus Malaysia jungen Nachwuchs-Künstlern der nationalen und internationalen Szene eine Ausstellungsplattform bieten möchte.

Der Anfang ist wohl geglückt: Über 300 Besucher erschienen zur Vernissage am 8. August 2013, eingereist aus der ganzen Republik. „Natürlich finde ich die Ausstellung toll. Die Location, die Fläche, hat so eine Atmosphäre von Underground. Und die Lichteffekte hier unten sind besonders beeindruckend“, so eine Besucherin. Und ein anderer Gast ist so begeistert, dass er gar vom „künstlerischen Highlight des Jahres“ spricht.

Anzuschauen ist die Ausstellung noch bis zum 15. September 2013, immer von Dienstag bis Sonntag von 11 – 19 Uhr (und nach Vereinbarung) in der ehemaligen Oberpostdirektion am Stephansplatz 3 in Hamburg.


Fotonachweis:  Copyright: YOUNG BLOOD
Header: Detail aus Emir Haveric: Kois, Lambda C-Type Print,, 180 x 135 cm, 2009, Singapur, Foto: Emir Haveric
Galerie:
01. Plakat
02. und 03. Blick in die Ausstellung im Untergeschoss der ehemaligen Oberpostdirektion
04. Emir Haveric: Lost Highway, Lambda C-Type Print, 180 x 135 cm, 2007 - 2013, USA, Foto: Emir Haveric
05. Emir Haveric: Kois, Lambda C-Type Print, 180 x 135 cm, 2009, Singapur, Foto: Emir Haveric
06. Blick in die Ausstellung

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

avatar Joachim Sadowski
+3
 
 
Eine sehr interessante Ausstellung mit viel Spielraum für Interpretationen.
Den Ansatz vom Künstler, mit seinen Werken auch "leere Denkräume" geschaffen zu haben, finde ich äußerst gelungen. Im Gegensatz zu anderen Lichtkünstlern, die einen bereits in feste "visuelle Korsagen" schnüren, war die Leichtigkeit und Frische von Haveric eine kreative Ruhezone zum Sackenlassen und Interpretieren.
Toller Event + toller Künstler = Dank an die Kuratorin, Yvonne Boland!
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Mehr auf KulturPort.De

„Frantz” – Oder die tiefere Wahrheit der Lüge
 „Frantz” – Oder die tiefere Wahrheit der Lüge



In seinem elegischen Nachkriegs-Epos inszeniert Regisseur François Ozon die schmerzhafte Verstrickung von Trauer, Träumen, Schuld und Liebe als deuts [ ... ]



Knauer, Safaian, Schumacher: Zeitloses Treiben in Bachs Notenmeer
 Knauer, Safaian, Schumacher: Zeitloses Treiben in Bachs Notenmeer



In der CD-Reihe „Neue Meister“ präsentieren Arash Safaian, Sebastian Knauer und Pascal Schumacher die Musik nach Motiven von Bach so, wie der Meiste [ ... ]



Reeperbahn Festival 2016: Auf der Suche nach der Kunst
 Reeperbahn Festival 2016: Auf der Suche nach der Kunst



Die Autorin dieses Beitrags ist begeisterte Reeperbahn Festival-Besucherin, schaut sich aber neben dem umfassenden Konzertangebot besonders gerne im „Arts& [ ... ]



Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper
 Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper



Radikal entschlackt, mit großen Lichtvorhängen ins Computerzeitalter gebeamt, lässt Regisseurin Jette Steckel die Neuinszenierung von Mozarts Opernhit „ [ ... ]



„Snowden” – Patriot oder Verräter?
 „Snowden” – Patriot oder Verräter?



Das Schlachtfeld heißt Cyberspace, und für US-Regisseur Oliver Stone ist sein Protagonist ein Widerstandskämpfer mit Vorbildfunktion. Ziviler Ung [ ... ]



Ars apodemica – Foto-Text-Reisen mit Boris von Brauchitsch
 Ars apodemica – Foto-Text-Reisen mit Boris von Brauchitsch



„Manchmal fotografiert man die Welt, um sie und sich selbst besser verstehen zu können, eignet sich Dinge durch Abbilder an, um sie sich zu gegebener Zeit [ ... ]



Weitere aktuelle Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.