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Fotografie

Steve McQueen – The Last Mile

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Geschrieben von Isabelle Hofmann  -  Montag, den 24. September 2012 um 09:39 Uhr
Steve McQueen – The Last Mile 4.4 out of 5 based on 199 votes.
Steve McQueen – The Last Mile

Er war der coole Typ mit den stahlblauen Augen und dem durchdringenden Blick.
Nein, nicht Paul Newman, der andere: Steve McQueen (1930-1980), berühmt geworden als knallharter Cop „Bullitt“, als unbeugsamer Gefangene „Papillon“, als tollkühner Rennfahrer von „Le Mans“ und Revolverheld in „Die glorreichen Sieben“. Viel zu früh starb der Filmstar 50jährig an Krebs. Seine Frau Barbara hat „The Last Mile“ in sehr persönlichen Aufnahmen festgehalten, 2007 als Buch veröffentlicht und 2012 neu aufgelegt. Eine Auswahl von 35 Fotografien zeigt nun das Hamburger Prototyp-Museum erstmals in Deutschland.

Fast 25 Jahre habe sie die Idee zu diesem Buch mit sich herumgetragen, sagt Barbara McQueen. Doch erst nachdem sie selbst 50 Jahre wurde (ihren Geburtstag verbrachte sie mit zugezogenen Gardinen im Bett), hätte sie sich getraut, die Foto-Schachtel, die so lange im Schrank versteckt lag, hervorzuholen und zu sichten. Immer noch schmerzt es sie, die Bilder zu betrachten, die von dem kurzen Glück zeugen, das Steve und ihr vergönnt waren. Dreieinhalb Jahre dauerte die Liebesgeschichte zwischen der jungen Schönheit und der Leinwandlegende. Als sie am 16. Januar 1980 heirateten, war Steve bereits schwerkrank. Zehn Monate später war Barbara Witwe – mit gerade mal 27 Jahren.

Eines ihrer letzten Bilder zeigen den Schauspieler im Profil: Einen alten Mann mit Bart und Holzfällerhemd, der in einem Korbstuhl in der Sonne Zeitung liest. Neben sich ein kleiner, gusseiserner Ofen, aus dem die Flammen lodern. Ein friedliches Bild. Ein respektvolles Bild. Ein fast schon entrücktes Bild. McQueen wollte in seinen letzten Tagen und Wochen nur noch seine Ruhe haben – und seine junge Frau hütete sich, ihn zu belästigen. Vielleicht hat er das Foto noch nicht einmal bemerkt.

Mehr als die Hälfte aller Aufnahmen im Prototyp-Museum zeigen den Schauspieler mit diesem wilden, immer etwas ungepflegt wirkenden Bart. So sah es also aus, das private Gesicht von Steve McQueen. Wenn der Schauspieler sein markantes Konterfei nicht gerade in die Filmkamera halten musste (und das kam zwischen 1977 und 1980 nur noch zwei Mal vor), ließ er Haare und Bart wachsen, um unbehelligt und unbekannt durch die Staaten reisen zu können. So sah er auch aus, als ihn Barbara an jenem denkwürdigen 4. Juli 1977 kennengelernte.

Die bildhübsche Farmertochter aus Oregon war zu diesem Zeitpunkt auf dem Gipfel ihrer Model-Karriere, schmückte die Titelseiten von „Cosmopolitan“, „Harper’s Bazaar“ und „Elle“. Als ihre Agentin anrief und sagte, der Star aus „Flammendes Inferno“ habe eine Anzeige mit ihr gesehen und wolle, dass sie für eine Rolle in seinem neuen Film vorspreche, verwechselte sie ihn promt mit Paul Newman, McQueens Gegenspieler in dem Action-Streifen.
Dabei hatte sie sich schon als fünfjährige in Steve verknallt, oder besser gesagt, in den jugendlichen Helden aus der TV-Serie „Wanted – Dead or Alive“, der so wahnsinnig schnell ziehen konnte.

Der Mann, dem sie dann rund 20 Jahre später begegnete, hatte mit dem „King of Cool“ nichts mehr gemein: „Steve sah eher aus wie ein heruntergekommener Hippie vom Strand als ein internationaler Filmstar“, erinnert sie sich. Dennoch war ihr nach dem ersten Treffen sonnenklar: „Ich werde diesen Mann heiraten“. Ähnliches muss auch McQueen im Sinn gehabt haben, zumindest hatte er sich bereits in ihr Bild verliebt, die besagte Rolle gab es nämlich gar nicht: „Steve hatte alles nur inszeniert, um mich kennenzulernen“.

Drei Monate später fragte er, ob sie mit ihm in Kalifornien leben wolle und holte sie mit Sack und Pack aus Idaho ab. Barbaras Eltern waren darüber wenig begeistert. Sie glaubten nicht an die ernsten Absichten des Filmstars, der bereits zwei Ehen hinter sich hatte und locker als ihr Vater durchging.

Es ist rührend, wie Barbara McQueen den Besuch von Mr. und Mrs. Minty schildert und das ernste Gespräch, dass Papa Minty mit Steve McQueen unter vier Augen führt. Die beiden verschwanden im Busch und kamen in bestem Einvernehmen wieder zurück. Steve hatte versichert, seine junge Freundin in jedem Fall heiraten zu wollen.

Barbara Minty wurde nicht nur seine letzte Liebe, sie wurde auch seine sehr persönliche Biografin und Dokumentarin. Gleich zu Anfang ihrer Beziehung, so schreibt sie in ihrem Bildband, habe sie ihm das „Ultimatum“ gestellt, ihn immer und überall fotografieren zu dürfen. Exklusiv wohlgemerkt.
Die 24-Jährige hatte sich schon damals Gedanken darüber gemacht, was sie nach ihrer Karriere als Fotomodell anfangen könnte und einen Beruf „auf der anderen Seite der Linse“ ins Auge gefasst. Bis zu seinem Tod war sie nicht nur die Frau an seiner Seite, sondern auch die Fotografin an seiner Seite.

Hunderte von Fotos sind in dieser Zeit entstanden, darunter sehr eindringliche Porträts. Eines der schönsten zeigt ein von Wind und Wetter gegerbtes Gesicht, einen alten Haudegen, wie aus Hemingways Novelle „Der alte Mann und das Meer“. Die meisten Fotos jedoch sind Schnappschüsse und wollen auch gar nichts anderes sein: Steve mit Sonnenbrille und Cord-Jackett in den Rocky Mountains, Steve mit Cowboyhut auf seinem Ford-Pickup-Oldtimer. Steve mit Schlägermütze auf seinem antiken Indian Motorrad von 1941. Steve mit Hund, Steve mit Kalb. Steve mit Kaffeebecher am Morgen. Steve vor seinem historischen Stearman-Doppeldecker am Mittag, Steve vor untergehender Sonne am Abend.

„Ich wollte nicht sein Sterben, sondern sein Leben dokumentieren“, sagt Barbara McQueen. Das ist ihr auch gelungen. Gemeinsam mit ihren Anekdoten – auch über Nachbarn, Freunde und Exfrauen, die damals wichtig waren – zeichnen diese Aufnahmen das Bild eines großherzigen, unprätentiösen und überaus gelassenen Menschen, der Normalität und schätze und Hollywood-Rummel verabscheute. Eines Menschen, der leidenschaftlich Antiquitäten sammelte und ebenso leidenschaftlich an seinen alten Autos, alten Motorrädern und alten Flugzeugen herumschraubte, der aber nicht den geringsten Wert auf Äußeres legte, sich wie ein alter Trucker kleidete und am liebsten mit seinem Hund in der Natur war. Die Liebe zu Tieren und zur Natur, das war etwas, was das Paar wohl am stärksten verband.
Man kann davon ausgehen, dass Barbara McQueen ihre Erinnerungen mit der rosaroten Brille auf der Nase geschrieben hat. Sie hat Steve McQueen vergöttert. Er war ihre große Liebe. Doch ihre Bilder zeigen keinen Mythos. Sie zeigen einen ganz normalen Mann.


Die Ausstellung "Steve McQueen – The Last Mile" wird mit 35 ausgewählten Fotografien erstmals in Deutschland von der Gesellschaft für biografische Kommunikation in Zusammenarbeit mit der Galerie Jens Goethel im Automuseum Prototyp präsentiert. 27.9.- 30.12.2012, Shanghaiallee 7, in 20457 Hamburg,
Geöffnet: Di-So 10-18 Uhr, Eintritt 9 Euro.

Die Neuauflage „Steve McQueen – The Last Mile… revisited” von Barbara McQueen (with Marshall Terrill) ist bei Dalton Watson erschienen und kostet 45 Euro.


Fotonachweis: Copyright alle Barbara McQueen
Header: Broad Beach,1977
Galerie:
01. The Hunter, 1979
02. Bull Session at the Hangar, 1979
03. Steve MacQueen and Lee Majors, 1979
04. The Handsome Flyboy, 1979
05. Montana Dreaming, 1978
06. Home on the Range, 1978
07. Blue Skies, 1978

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