Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 767 Gäste online

Neue Kommentare

Dr. Seán Ó Riain, Irische Botschaft, Wien zu Hamburg vergibt Förderpreise für Literatur und literarische Übersetzungen 2017: Ich gratuliere recht herzlich Frau Gabriele Haefs...
Herby Neubacher zu Weihnachtsoratorium vom Ensemble Resonanz: Frohlocken unter Freunden: Die Geschmacklosigkeit schreckt wirklich heute vo...
Sabine Carbon zu „Karl Marx, Das Kapital“. Eine Hommage im Museum der Arbeit: Bei zu viel Text hilft vielleicht unser Kinderbuc...
Sabine Albrecht zu Neues Angebot der Kunstmeile Hamburg: Der 3-Tage-Kunstmeilenpass: Guten Tag,
ich suche nach einer Erklärun...

B.F.Schwarze zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo, Frau Lampert,
leider gibt es nicht ...

Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Hamburger Architektur Sommer 2015


Fotografie

Huber – Umbach – von Schweinitz. Afghanistan im Fokus dreier Fotografen

Drucken
(93 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 12. September 2017 um 08:52 Uhr
Huber – Umbach – von Schweinitz. Afghanistan im Fokus dreier Fotografen 4.4 out of 5 based on 93 votes.
Huber – Umbach – von Schweinitz. Afghanistan im Fokus dreier Fotografen Foto Claus Friede

Die Leica Galerie Wetzlar präsentiert bis zum 20. November 2017 eine Ausstellung mit fotografischen Werken des österreichischen Künstlers Dieter Huber, des Fotografen Jens Umbach aus Hamburg sowie der verstorbenen Reisefotografin Yvonne von Schweinitz.
Im Fokus der Ausstellung mit insgesamt ungefähr 50 Arbeiten steht Afghanistan. Die Annäherungen der drei Ausstellenden an das Thema sind sehr unterschiedlich und so entsteht beim Betrachter ein großer Raum zur Auseinandersetzung.

Yvonne von Schweinitz (1921-2015) ist mit einer Reihe von Schwarz-Weiß-Fotos aus der Serie „Gesichter Afghanistans“ vertreten. Auf einen extra in den Raum gebauten Kubus erzählen die Fotografien von einer Reise zum Hindukusch im Jahr 1953. Damals war das Land noch recht friedlich, der König regierte das Land und von Schweinitz und ihr Begleiter, Reisebuchautor und Schauspieler Hans von Maiss-Teuffen (1911-1984), hatten während ihres dreimonatigen Aufenthalts die Möglichkeit, in Ruhe unterschiedliche Regionen des Landes zu erkunden und Menschen zu treffen. Insbesondere die Portraitaufnahme stand für von Schweinitz im Mittelgrund ihrer Arbeit. So sind eine Reihe von Konterfeis in der Ausstellung zu sehen, von paschtunischen Händlern in Jalalabad über Atan-Kriegern, die sich am Nationalfeiertag im Stadion von Kabul in Trance tanzen bis zu Verkäufern im Bazar von Ghazni, die stolz ihre einzigartigen Karakulfelle in die Kamera halten. Die Fotos zeigen aber auch die Hauptstadt Kabul: die altehrwürdige Maiwand-Straße, die Große Moschee, den Pamir-Palst und eine Waschanlage für sogenannte „Gadis“ (Droschken) sowie einen Wasserverkäufer – in der Altstadt Kabuls brachten Fuhrwerke damals mit großen Metall- oder Holztanks das Trinkwasser.
Der historische Blick auf das Land tut der Ausstellung sehr gut, denn sie definieren auch die Zeit zwischen 1950 und heute.

Der meist in Hamburg lebende Fotograf Jens Umbach (*1973) betitelt seine Serie „Afghanistan“ und steht ganz im Heute. Die Reihung präsentiert lebensgroße Portraits von deutschen Soldaten während ihrer Einsatzzeit im Norden des Landes. Ein Jahr später reiste Umbach erneut an den Hindukusch, um in vergleichbarer Weise Afghanen zu fotografieren.
„Ich möchte ein entschleunigtes und reflektiertes Betrachten ermöglichen, das sich durch die Porträts der Menschen annimmt und nicht des Krieges selbst“, sagt der Fotograf zu den Werken. Anstatt die Menschen in ihrer Umgebung abzulichten lud Umbach in ein vor Ort eingerichtetes Studio und „entortete“ die Protagonisten dadurch. Ein deutscher Soldat steht da in schwerer Montur, bewaffnet und mit Schutzweste ausgerüstet. Er wirkt wie ein amerikanischer Football-Spieler mit seinem muskulösen Nacken, dem kahl rasierten Kopf und dem martialischen Look. Und in der Tat konzentriert sich der Betrachter allein auf die Person, denn sie steht bis zu den Oberschenkeln sichtbar in einem weißen Raum. Nichts, aber auch gar nichts gibt Hinweise auf einen Ort, auf eine Situation, auf einen Zeitpunkt. Wie herausgehoben aus seiner (und unserer) Welt exponiert der Fotograf die Portraitierten.
Drei in der Burka verschleierte Frauen stehen uns als schwarzer monolithischer Block gegenüber. Wir können nicht einmal sicher sein, dass es sich um Frauen handelt, denn wir sehen einzig und allein Hülle. Das Einzelportrait einer ebenfalls verschleierten Frau, deren künstliches Bein neben ihr auf dem Boden liegt, verheißt nur indirekt und über Indizien auf ihr persönliches Schicksal, das sie getroffen hat. Das könnte auch dem Bomben- und Sprengfallenentschärfer blühen, der regelrecht ganzkörper-gepanzert posiert. Ob die textilen und metallenen Schutzmaßnahmen ihn wirklich wirkungsvoll vor dem Schicksal der Frau, die separat links neben ihm auf dem Einzelportrait zu sehen ist, behütet?

Dieter Huber ist mit seiner Serie „STRIKE“ der visuell am weitesten entfernte vom Thema Afghanistan. Seine Position in der Ausstellung ist jedoch eine extrem wichtige, weil sie dem Publikum zusätzliche Denkräume eröffnet. Auf unterschiedlich großen runden Untergründen präsentiert er vielfach vergrößerte Ein- und Durchschusslöcher auf Zielscheiben, Metallplatten, Kunststoffbehältnisse und eine alte Autotür. Letztgenanntes Motiv ist historisch relevant, zeigt es doch jene kleine hintere Beifahrertür, hinter der der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand saß, der in Sarajevo am 28. Juni 1918 ermordet wurde. Etwas glänzendes Metall, schwarzer abgeplatzter Autolack, ein Krater und ein kreisrundes Loch in der Mitte davon – mehr ist nicht zu sehen. Eigentlich nichts bedeutsames, die Geschichte dahinter trägt die Brisanz. Und diese überträgt jeder Betrachter typologisch auf alle weiteren Bilder. Wer kam da ums Leben? Was ist jenseits dessen passiert, was uns Huber in seinen Fotos anbietet?
Die größtenteils sehr ästhetisierten Ein- und Durchschüsse haben zwar ihren ganz eigenen, unabhängigen und auch abstrakten Reiz, sie lassen jedoch immer und stets auch die Geschichte hinter dem Bild vermuten – und die führt selbstredend auch nach Afghanistan.
„Als Künstler habe ich auch den Auftrag sozial relevante Themen zu bearbeiten, einen Blick auf das scheinbar Unbedeutende, Randständige und Verdrängte zu werfen und in einer ästhetisch hochwertigen, zeitgenössischen und individuellen Interpretation in die Gesellschaft zurückzuspiegeln“, sagt der Künstler zu seiner Bildserie.

Die Ausstellung ist in den großzügigen Räumen inhaltlich wie formal sehr gut und beeindruckend kuratiert. Alle Werke kommunizieren auf unterschiedliche Weise miteinander. Ein lohnender Besuch in der Leica Galerie in Wetzlar.

Huber, Umbach, von Schweinitz
Die Ausstellung ist zu sehen bis zum 20. November 2017
In der Leica Galerie Wetzlar, Am Leitz-Park 5 in 35578 Wetzlar
Weitere Informationen


Abbildungsnachweis:
Header: Blick in die Ausstellung mit Bildtafeln von Jens Umbach. Foto: Claus Friede
Galerie:
01. Besucher vor den „Gesichter Afghanistans“, Yvonne von Schweinitz. Foto: Claus Friede
02. „Gesichter Afghanistans“, Yvonne von Schweinitz. Foto: Claus Friede
03. Blick in die Ausstellung mit Bildtafeln von Jens Umbach. © Leica Camera AG
04. Jens Umbach vor seinen Bildern. © Leica Camera AG
05. Blick in die Ausstellung mit Werken von Dieter Huber. © Leica Camera AG
06. Dieter Huber vor seinen Bildern. © Leica Camera AG
07. Ausstellungsankündigung am Counter der Leica Camera AG. Foto: Claus Friede

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Fotografie > Huber – Umbach – von Schweinitz. Afghanis...

Mehr auf KulturPort.De

Studio Braun: „Der goldene Handschuh“ im Deutschen Schauspielhaus
 Studio Braun: „Der goldene Handschuh“ im Deutschen Schauspielhaus



Was Kult ist, muss nicht unbedingt gut sein. Heinz Strunk ist Kult und tut alles dafür, dass es so bleibt. Egal, auf welchem Niveau. Sein blutrünstiger Bestsel [ ... ]



Dschungelbuch für Kinder – ganz eng am Original
 Dschungelbuch für Kinder – ganz eng am Original



Das Hamburger Theater für Kinder im Allee Theater, das in dieser Spielzeit seinen 50. Geburtstag feiert, bezaubert mit einer fantastischen Version des „Dschun [ ... ]



„Detroit” – Kathryn Bigelows Blick zurück im Zorn
 „Detroit” – Kathryn Bigelows Blick zurück im Zorn



Furioser Politthriller als Chronik staatlich autorisierter Gewalt.
Detroit, 25. Juli 1967. Hinter der Bühne des legendären Fox-Theatres fiebern Leadsinger Lar [ ... ]



Kopf-Hörer 18
 Kopf-Hörer 18



Alexander M. Wagner ist 22 Jahre jung. Er brilliert bei TYXart mit Tschaikowskys b-Moll-Klavierkonzert und präsentiert seine eigene zweite Symphonie. Außerdem  [ ... ]



Andreas Brandhorst: „Das Erwachen“ – Maschinenintelligenz außer Kontrolle
 Andreas Brandhorst: „Das Erwachen“ – Maschinenintelligenz außer Kontrolle



Dieser Thriller hat es in sich. „Das Erwachen“ bestätigt all unsere Ängste und Befürchtungen: Maschinenintelligenz (MI) bemächtigt sich der Künstlichen  [ ... ]



All Johr Wedder – Schöne Bescherungen im Ohnsorg Theater
 All Johr Wedder – Schöne Bescherungen im Ohnsorg Theater



Oje, du Fröhliche! Das Ohnsorg Theater stimmt mit „All Johr wedder“, der plattdeutschen Fassung von Alan Ayckbourns „Schöne Bescherungen“, auf die Weih [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.