Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 779 Gäste online

Neue Kommentare

Marlies Lampert zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo liebe Hüsungianer,
ich bin ca. 1999...

SingulART zu Kunstmuseum Wolfsburg: This Was Tomorrow. Pop Art in Great Britain: Grossartige Ausstellung war das! Wir haben unsere...
tommy zu Ensemble Resonanz zu Gast bei NEW HAMBURG: gute sache, dass sie mal aus ihrem bunker rauskom...
Lena Baal zu Zum Tode von Peter Härtling: Peter Härtling war nicht nur ein großartiger Sc...
Elisabeth Warken zu Gurre-Lieder in der Elbphilharmonie: Zu wenig Vertrauen in die leisen Töne: Die Kritik zu den Sängern kann ich nicht ganz ve...

Anzeige

Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Hamburger Architektur Sommer 2015


Fotografie

Unbelichtet: Münchner Fotografen im Exil

Drucken
(109 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Montag, den 15. Februar 2010 um 12:43 Uhr
Unbelichtet: Münchner Fotografen im Exil 4.6 out of 5 based on 109 votes.
Unbelichtet: Münchner Fotografen im Exil

Das Jüdische Museum in München zeigt vom 10. Februar bis 23. Mai 2010 die Ausstellung „Unbelichtet: Münchner Fotografen im Exil“.
Die Schau beleuchtet drei bisher weitgehend unbekannte Fotografen: Alfons Himmelreich (1904-1993), Efrem Ilani (1910-1999) und Jakob Rosner (1902-1950) flüchteten in den 1930er Jahren vor den Nationalsozialisten nach Palästina und dokumentierten das Land unter britischem Mandat und ab 1948 den Aufbau des Staates Israel.

Alfons Himmelreich war bereits in Deutschland als Fotograf tätig und widmete sich in der neuen Heimat Palästina der Industrie- und Werbefotografie. Efrem Ilani und Jakob Rosner fanden erst in der Fremde ihre Bestimmung in der Fotografie und dokumentierten den Ausbau der Infrastruktur, den Arbeitsalltag und den Verbleib der Spendengelder für den Keren Kayemeth Le’lsrael (KKL = Jüdischer Nationalfonds e.V.: engagiert sich bis heute in 38 Ländern bei der Begrünung und Kultivierung des Staates Israel, durch die Anpflanzung von 220 Millionen Bäumen, Bau von Straßen und Häusern, Verlegung von Wasserrohren, etc.).

Die Motive der drei Fotografen sind also nicht exotische Darstellungen eines fremdes Landes und ihrer Bewohner – diese blieben eher ‚unbelichtet’. Vielmehr zeigen die realistische, fast russisch-sozialistisch anmutende s/w-Aufnahmen auf Silbergelatinepapier von Arbeitern und Arbeit. Sie sind von einem klaren, präzisen Bildaufbau gekennzeichnet, der unter dem Begriff „Neues Sehen“ in Deutschland damals bereits in Mode war. Sie kannten den avantgardistischen Stil und konnten diesen durch ihre neuen Handkameras (Leica, AGFA) umsetzen.

Efrem Ilani, in Stuttgart geboren, arbeitete in der Forschungsabteilung des AGFA-Werks in München. Zu Weihnachten 1933 bekam er von der Firma eine Kamera geschenkt. Als seine Abteilung 1934 der NSDAP beitritt, war das für Ilani das Signal zur Flucht. In seinen Bildern stehen die Arbeiter und der Aufbau im Vordergrund: Bildmotive sind Bauarbeiter, Baumpflanzung, Feldarbeit und Verlegung von Eisenbahngleisen.

Jakob Rosner studierte in München und Frankfurt/M. Volkswirtschaft und Jura. Während seiner Studienzeit arbeitete er bereits als Fotograf für die „Frankfurter Zeitung“, später in Berlin in der Werbung und Reklame. In seinen Aufnahmen in Palästina verzichtet er fast vollständig auf Personen: Er zeigt beispielsweise Arbeiten im Steinbruch, die Textilfabrik Aka und ein Gewächshaus.

Alfons Himmelreich präsentiert neben Stillleben von Ersatzteilen der Autoindustrie, Gewinde, Landwirtschaftliche Produkte, Seile und Schnüre der Firma Israel Cordage Ltd., auch Naturprodukte wie Eier von Tnuva und Kochgeschirr der Firma Palaeum. Einflüsse des Bauhaus und der Neuen Sachlichkeit sind deutlich in seinen Fotografien zu erkennen. Er war Sohn eines Münchner Textilhändlers und fotografierte bereits als Jugendlicher. Seine Kenntnisse über Fototechnik eignete er sich autodidaktisch in der Bibliothek des Deutschen Museums in München an. Als ab 1933 jüdische Geschäfte geächtet wurden, emigrierte er nach Palästina.

Während Schriftsteller und Schauspieler in der Ferne oft an der Fremdsprache scheiterten, konnten die Fotografen sich unkomplizierter eine neue Existenz aufbauen – Bilder funktionieren ohne Worte. Die Auswanderung war also gleichzeitig Verlust von Heimat aber auch ein Neugewinn.
Ihre Bilder, die bis weit in die 1950er Jahre aufgenommen wurden, standen bisher nie als eigenständige Werke in der Öffentlichkeit. Sie fanden in Deutschland oder sonst außerhalb Israels keinerlei Beachtung. Dokumentiert wurden von jenen Fotografen allerdings überwiegend jüdische Entwicklung, Erfolge und Errungenschaften im 'Gelobten Land', die arabische Bevölkerung und deren Lebensweise sowie die wiederkehrenden kriegerischen Auseinandersetzungen schlossen die Fotografen aus. Somit bleiben die Blickwinkel auf die Zeit und das Land in dieser Ausstellung fokussiert und begrenzt.
Basis der Ausstellung ist das bio-bibliographische Lexikon, „Jüdische Fotografen aus München 1900 bis 1938“, das 2009 und 2010 durch das Museum erstellt wurde. Hier finden sich bekannte Namen wie Robert Capa, Madame d´Ora, Horst P. Horst, Helmut Newton und weitere.

Begleitend zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen: „Unbelichtet: Münchner Fotografen im Exil“ (Gebundene Ausgabe), hg. von Tatjana Neef (Kuratorin der Ausstellung) € 30,00

Jüdisches Museum München
St.-Jakobs-Platz 16
80311 München
Tel.: 089 233-96096

Öffnungszeiten: Di.-So. 10.00-18.00 Uhr - Eintritt: 6,- / 3,- €

Header: Blick in die Ausstellung (c) Franz Kimmel, JMM
Fotos:
1. Alfons Himmelreich, (c) Igal Presler
2. und 3. Jakob Rosner, KKL / JNF Photography Archive
4. Gordons Kalvarienberg und die Nordwand, (c) Joods Historisch Museum, Amsterdam
5. Jüdische Frau an der Klagemauer, (c) Joods Historisch Museum, Amsterdam
6. Auslegen der "Netze zum Fang" (Lukas 5:4), (c) Joods Historisch Museum, Amsterdam

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Fotografie > Unbelichtet: Münchner Fotografen im Exil

Mehr auf KulturPort.De

Mariano Pensotti: „Loderndes Leuchten in den Wäldern der Nacht“
 Mariano Pensotti: „Loderndes Leuchten in den Wäldern der Nacht“



Was für ein ungewöhnliches Stück! Eines? Nein: Was für drei ungewöhnliche Stücke – so intelligent, humorvoll und hintersinnig!
Mariano Pensottis „Lod [ ... ]



Vienna Vocal Consort: Nostre Dame
 Vienna Vocal Consort: Nostre Dame



Das Vienna Vocal Consort zählt seit Gründung im Jahr 2007 zu Österreichs renommiertesten Vokalensembles für Alte Musik. Deren neues Album „Nostre Dame“  [ ... ]



„Dalida”. Oder die Angst vor der Dunkelheit
 „Dalida”. Oder die Angst vor der Dunkelheit



Wie viel Tragik verkraftet ein Film in Zeiten von „Wonder Woman” oder „Atomic Blonde”? Tough ist angesagt, und viele Kritiker reagierten eher störrisch  [ ... ]



Chilly Gonzales in Lübeck – atemberaubend mitreißend
 Chilly Gonzales in Lübeck – atemberaubend mitreißend



Der Schlafrock war schwarz und nicht rot, wie am Vorabend in der Elbphilharmonie. Entsprechend seriös, ganz leise und melodisch der Einstieg.
Chilly Gonzales l [ ... ]



Sommerliche Musiktage in Hitzacker: Durchwoben vom ständigen Wandel
 Sommerliche Musiktage in Hitzacker: Durchwoben vom ständigen Wandel



Dass „die Tonkunst eine rührend-kurze Freude (ist), die aus dem Nichts entsteht und ins Nichts vergeht... eine kleine fröhliche Insel... die auf dem dunklen, [ ... ]



Kassé Mady Diabaté – ein Ausflug in die westafrikanische Musik
 Kassé Mady Diabaté – ein Ausflug in die westafrikanische Musik



„La parole des anciens est secrée.“ (Das Wort des Ältesten ist heilig)

Das Mandingo-Reich (Manding) wurde im 13. Jahrhundert vom sagenhaften Mali-Kaiser [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.