Zum Anfang

Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 941 Gäste online

Neue Kommentare

Friedrich von der Lange zu „Snowden” – Patriot oder Verräter? : Von keinem anderen, als von Ollie Stone hätte ic...
Hein Daddel zu „Alice und das Meer” – oder das Ende der Treue: Ein starker Film über eine starke Frau. Sehr gut...
Gerhard P. zu OKRA – Piano & Field Recordings: Wunderbar und spitzfindig geschrieben. Macht Spa...
Hans G. Gohlisch zu Chefredakteur von ZEIT ONLINE spricht über "Community Engagement und New Storytelling: Eigentlich habe ich einen Bericht über David Hoc...
adarompf@gmx.de zu „Mahana – Eine Maori-Saga”. Zwischen Tradition und Tyrannei : In allen Facetten genaue Beschreibung des Films, ...

Anzeige

Spezial - Lange Nacht der Museen Hamburg 2016

Spezial - Hamburger Architektur Sommer 2015


Fotografie

Unbelichtet: Münchner Fotografen im Exil

Drucken
(109 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Geschrieben von Marie-Charlotte Grawe  -  Montag, den 15. Februar 2010 um 12:43 Uhr
Unbelichtet: Münchner Fotografen im Exil 4.6 out of 5 based on 109 votes.
Unbelichtet: Münchner Fotografen im Exil

Das Jüdische Museum in München zeigt vom 10. Februar bis 23. Mai 2010 die Ausstellung „Unbelichtet: Münchner Fotografen im Exil“.
Die Schau beleuchtet drei bisher weitgehend unbekannte Fotografen: Alfons Himmelreich (1904-1993), Efrem Ilani (1910-1999) und Jakob Rosner (1902-1950) flüchteten in den 1930er Jahren vor den Nationalsozialisten nach Palästina und dokumentierten das Land unter britischem Mandat und ab 1948 den Aufbau des Staates Israel.

Alfons Himmelreich war bereits in Deutschland als Fotograf tätig und widmete sich in der neuen Heimat Palästina der Industrie- und Werbefotografie. Efrem Ilani und Jakob Rosner fanden erst in der Fremde ihre Bestimmung in der Fotografie und dokumentierten den Ausbau der Infrastruktur, den Arbeitsalltag und den Verbleib der Spendengelder für den Keren Kayemeth Le’lsrael (KKL = Jüdischer Nationalfonds e.V.: engagiert sich bis heute in 38 Ländern bei der Begrünung und Kultivierung des Staates Israel, durch die Anpflanzung von 220 Millionen Bäumen, Bau von Straßen und Häusern, Verlegung von Wasserrohren, etc.).

Die Motive der drei Fotografen sind also nicht exotische Darstellungen eines fremdes Landes und ihrer Bewohner – diese blieben eher ‚unbelichtet’. Vielmehr zeigen die realistische, fast russisch-sozialistisch anmutende s/w-Aufnahmen auf Silbergelatinepapier von Arbeitern und Arbeit. Sie sind von einem klaren, präzisen Bildaufbau gekennzeichnet, der unter dem Begriff „Neues Sehen“ in Deutschland damals bereits in Mode war. Sie kannten den avantgardistischen Stil und konnten diesen durch ihre neuen Handkameras (Leica, AGFA) umsetzen.

Efrem Ilani, in Stuttgart geboren, arbeitete in der Forschungsabteilung des AGFA-Werks in München. Zu Weihnachten 1933 bekam er von der Firma eine Kamera geschenkt. Als seine Abteilung 1934 der NSDAP beitritt, war das für Ilani das Signal zur Flucht. In seinen Bildern stehen die Arbeiter und der Aufbau im Vordergrund: Bildmotive sind Bauarbeiter, Baumpflanzung, Feldarbeit und Verlegung von Eisenbahngleisen.

Jakob Rosner studierte in München und Frankfurt/M. Volkswirtschaft und Jura. Während seiner Studienzeit arbeitete er bereits als Fotograf für die „Frankfurter Zeitung“, später in Berlin in der Werbung und Reklame. In seinen Aufnahmen in Palästina verzichtet er fast vollständig auf Personen: Er zeigt beispielsweise Arbeiten im Steinbruch, die Textilfabrik Aka und ein Gewächshaus.

Alfons Himmelreich präsentiert neben Stillleben von Ersatzteilen der Autoindustrie, Gewinde, Landwirtschaftliche Produkte, Seile und Schnüre der Firma Israel Cordage Ltd., auch Naturprodukte wie Eier von Tnuva und Kochgeschirr der Firma Palaeum. Einflüsse des Bauhaus und der Neuen Sachlichkeit sind deutlich in seinen Fotografien zu erkennen. Er war Sohn eines Münchner Textilhändlers und fotografierte bereits als Jugendlicher. Seine Kenntnisse über Fototechnik eignete er sich autodidaktisch in der Bibliothek des Deutschen Museums in München an. Als ab 1933 jüdische Geschäfte geächtet wurden, emigrierte er nach Palästina.

Während Schriftsteller und Schauspieler in der Ferne oft an der Fremdsprache scheiterten, konnten die Fotografen sich unkomplizierter eine neue Existenz aufbauen – Bilder funktionieren ohne Worte. Die Auswanderung war also gleichzeitig Verlust von Heimat aber auch ein Neugewinn.
Ihre Bilder, die bis weit in die 1950er Jahre aufgenommen wurden, standen bisher nie als eigenständige Werke in der Öffentlichkeit. Sie fanden in Deutschland oder sonst außerhalb Israels keinerlei Beachtung. Dokumentiert wurden von jenen Fotografen allerdings überwiegend jüdische Entwicklung, Erfolge und Errungenschaften im 'Gelobten Land', die arabische Bevölkerung und deren Lebensweise sowie die wiederkehrenden kriegerischen Auseinandersetzungen schlossen die Fotografen aus. Somit bleiben die Blickwinkel auf die Zeit und das Land in dieser Ausstellung fokussiert und begrenzt.
Basis der Ausstellung ist das bio-bibliographische Lexikon, „Jüdische Fotografen aus München 1900 bis 1938“, das 2009 und 2010 durch das Museum erstellt wurde. Hier finden sich bekannte Namen wie Robert Capa, Madame d´Ora, Horst P. Horst, Helmut Newton und weitere.

Begleitend zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen: „Unbelichtet: Münchner Fotografen im Exil“ (Gebundene Ausgabe), hg. von Tatjana Neef (Kuratorin der Ausstellung) € 30,00

Jüdisches Museum München
St.-Jakobs-Platz 16
80311 München
Tel.: 089 233-96096

Öffnungszeiten: Di.-So. 10.00-18.00 Uhr - Eintritt: 6,- / 3,- €

Header: Blick in die Ausstellung (c) Franz Kimmel, JMM
Fotos:
1. Alfons Himmelreich, (c) Igal Presler
2. und 3. Jakob Rosner, KKL / JNF Photography Archive
4. Gordons Kalvarienberg und die Nordwand, (c) Joods Historisch Museum, Amsterdam
5. Jüdische Frau an der Klagemauer, (c) Joods Historisch Museum, Amsterdam
6. Auslegen der "Netze zum Fang" (Lukas 5:4), (c) Joods Historisch Museum, Amsterdam

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Mehr auf KulturPort.De

„Frantz” – Oder die tiefere Wahrheit der Lüge
 „Frantz” – Oder die tiefere Wahrheit der Lüge



In seinem elegischen Nachkriegs-Epos inszeniert Regisseur François Ozon die schmerzhafte Verstrickung von Trauer, Träumen, Schuld und Liebe als deuts [ ... ]



Knauer, Safaian, Schumacher: Zeitloses Treiben in Bachs Notenmeer
 Knauer, Safaian, Schumacher: Zeitloses Treiben in Bachs Notenmeer



In der CD-Reihe „Neue Meister“ präsentieren Arash Safaian, Sebastian Knauer und Pascal Schumacher die Musik nach Motiven von Bach so, wie der Meiste [ ... ]



Reeperbahn Festival 2016: Auf der Suche nach der Kunst
 Reeperbahn Festival 2016: Auf der Suche nach der Kunst



Die Autorin dieses Beitrags ist begeisterte Reeperbahn Festival-Besucherin, schaut sich aber neben dem umfassenden Konzertangebot besonders gerne im „Arts& [ ... ]



Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper
 Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper



Radikal entschlackt, mit großen Lichtvorhängen ins Computerzeitalter gebeamt, lässt Regisseurin Jette Steckel die Neuinszenierung von Mozarts Opernhit „ [ ... ]



„Snowden” – Patriot oder Verräter?
 „Snowden” – Patriot oder Verräter?



Das Schlachtfeld heißt Cyberspace, und für US-Regisseur Oliver Stone ist sein Protagonist ein Widerstandskämpfer mit Vorbildfunktion. Ziviler Ung [ ... ]



Ars apodemica – Foto-Text-Reisen mit Boris von Brauchitsch
 Ars apodemica – Foto-Text-Reisen mit Boris von Brauchitsch



„Manchmal fotografiert man die Welt, um sie und sich selbst besser verstehen zu können, eignet sich Dinge durch Abbilder an, um sie sich zu gegebener Zeit [ ... ]



Weitere aktuelle Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.