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Fotografie

Unbelichtet: Münchner Fotografen im Exil

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Montag, den 15. Februar 2010 um 11:43 Uhr
Unbelichtet: Münchner Fotografen im Exil 4.6 out of 5 based on 109 votes.
Unbelichtet: Münchner Fotografen im Exil

Das Jüdische Museum in München zeigt vom 10. Februar bis 23. Mai 2010 die Ausstellung „Unbelichtet: Münchner Fotografen im Exil“.
Die Schau beleuchtet drei bisher weitgehend unbekannte Fotografen: Alfons Himmelreich (1904-1993), Efrem Ilani (1910-1999) und Jakob Rosner (1902-1950) flüchteten in den 1930er Jahren vor den Nationalsozialisten nach Palästina und dokumentierten das Land unter britischem Mandat und ab 1948 den Aufbau des Staates Israel.

Alfons Himmelreich war bereits in Deutschland als Fotograf tätig und widmete sich in der neuen Heimat Palästina der Industrie- und Werbefotografie. Efrem Ilani und Jakob Rosner fanden erst in der Fremde ihre Bestimmung in der Fotografie und dokumentierten den Ausbau der Infrastruktur, den Arbeitsalltag und den Verbleib der Spendengelder für den Keren Kayemeth Le’lsrael (KKL = Jüdischer Nationalfonds e.V.: engagiert sich bis heute in 38 Ländern bei der Begrünung und Kultivierung des Staates Israel, durch die Anpflanzung von 220 Millionen Bäumen, Bau von Straßen und Häusern, Verlegung von Wasserrohren, etc.).

Die Motive der drei Fotografen sind also nicht exotische Darstellungen eines fremdes Landes und ihrer Bewohner – diese blieben eher ‚unbelichtet’. Vielmehr zeigen die realistische, fast russisch-sozialistisch anmutende s/w-Aufnahmen auf Silbergelatinepapier von Arbeitern und Arbeit. Sie sind von einem klaren, präzisen Bildaufbau gekennzeichnet, der unter dem Begriff „Neues Sehen“ in Deutschland damals bereits in Mode war. Sie kannten den avantgardistischen Stil und konnten diesen durch ihre neuen Handkameras (Leica, AGFA) umsetzen.

Efrem Ilani, in Stuttgart geboren, arbeitete in der Forschungsabteilung des AGFA-Werks in München. Zu Weihnachten 1933 bekam er von der Firma eine Kamera geschenkt. Als seine Abteilung 1934 der NSDAP beitritt, war das für Ilani das Signal zur Flucht. In seinen Bildern stehen die Arbeiter und der Aufbau im Vordergrund: Bildmotive sind Bauarbeiter, Baumpflanzung, Feldarbeit und Verlegung von Eisenbahngleisen.

Jakob Rosner studierte in München und Frankfurt/M. Volkswirtschaft und Jura. Während seiner Studienzeit arbeitete er bereits als Fotograf für die „Frankfurter Zeitung“, später in Berlin in der Werbung und Reklame. In seinen Aufnahmen in Palästina verzichtet er fast vollständig auf Personen: Er zeigt beispielsweise Arbeiten im Steinbruch, die Textilfabrik Aka und ein Gewächshaus.

Alfons Himmelreich präsentiert neben Stillleben von Ersatzteilen der Autoindustrie, Gewinde, Landwirtschaftliche Produkte, Seile und Schnüre der Firma Israel Cordage Ltd., auch Naturprodukte wie Eier von Tnuva und Kochgeschirr der Firma Palaeum. Einflüsse des Bauhaus und der Neuen Sachlichkeit sind deutlich in seinen Fotografien zu erkennen. Er war Sohn eines Münchner Textilhändlers und fotografierte bereits als Jugendlicher. Seine Kenntnisse über Fototechnik eignete er sich autodidaktisch in der Bibliothek des Deutschen Museums in München an. Als ab 1933 jüdische Geschäfte geächtet wurden, emigrierte er nach Palästina.

Während Schriftsteller und Schauspieler in der Ferne oft an der Fremdsprache scheiterten, konnten die Fotografen sich unkomplizierter eine neue Existenz aufbauen – Bilder funktionieren ohne Worte. Die Auswanderung war also gleichzeitig Verlust von Heimat aber auch ein Neugewinn.
Ihre Bilder, die bis weit in die 1950er Jahre aufgenommen wurden, standen bisher nie als eigenständige Werke in der Öffentlichkeit. Sie fanden in Deutschland oder sonst außerhalb Israels keinerlei Beachtung. Dokumentiert wurden von jenen Fotografen allerdings überwiegend jüdische Entwicklung, Erfolge und Errungenschaften im 'Gelobten Land', die arabische Bevölkerung und deren Lebensweise sowie die wiederkehrenden kriegerischen Auseinandersetzungen schlossen die Fotografen aus. Somit bleiben die Blickwinkel auf die Zeit und das Land in dieser Ausstellung fokussiert und begrenzt.
Basis der Ausstellung ist das bio-bibliographische Lexikon, „Jüdische Fotografen aus München 1900 bis 1938“, das 2009 und 2010 durch das Museum erstellt wurde. Hier finden sich bekannte Namen wie Robert Capa, Madame d´Ora, Horst P. Horst, Helmut Newton und weitere.

Begleitend zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen: „Unbelichtet: Münchner Fotografen im Exil“ (Gebundene Ausgabe), hg. von Tatjana Neef (Kuratorin der Ausstellung) € 30,00

Jüdisches Museum München
St.-Jakobs-Platz 16
80311 München
Tel.: 089 233-96096

Öffnungszeiten: Di.-So. 10.00-18.00 Uhr - Eintritt: 6,- / 3,- €

Header: Blick in die Ausstellung (c) Franz Kimmel, JMM
Fotos:
1. Alfons Himmelreich, (c) Igal Presler
2. und 3. Jakob Rosner, KKL / JNF Photography Archive
4. Gordons Kalvarienberg und die Nordwand, (c) Joods Historisch Museum, Amsterdam
5. Jüdische Frau an der Klagemauer, (c) Joods Historisch Museum, Amsterdam
6. Auslegen der "Netze zum Fang" (Lukas 5:4), (c) Joods Historisch Museum, Amsterdam

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