Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 413 Gäste online

Neue Kommentare

Lothar zu „Axolotl Overkill”. Dialektik eines Enfant Terrible: Zugegeben ... ich fand das Buch recht grauenvoll,...
Lena Baal zu La Fura dels Baus: Die ‚Schöpfung’ in der Elbphilharmonie – tonbrillant, aber bildideenschwach: Wieder einige Fragen an den Autor dieser Zeilen, ...
Herby Neubacher zu La Fura dels Baus: Die ‚Schöpfung’ in der Elbphilharmonie – tonbrillant, aber bildideenschwach: Tja die Koelner - immer vorneweg. Hier in Vietnam...
Dr. Hans Jürgen von Lengerke, Hannover zu Urvashi Butalia, Emily Nasrallah und Irina Scherbakowa erhalten Goethe-Medaille: Ich würde gern an der Veranstaltung am 28. Augus...
Lena Baal zu Max Merseny: „World Traveller“: Das hört sich so spannend, groovig und "lecker" ...

Anzeige

Spezial - Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Spezial - Hamburger Architektur Sommer 2015


Fotografie

The Day Will Come When Man Falls – Phillip Toledanos ganz persönliche Zukunftsvisionen

Drucken
(109 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 04. August 2015 um 10:08 Uhr
The Day Will Come When Man Falls – Phillip Toledanos ganz persönliche Zukunftsvisionen 4.5 out of 5 based on 109 votes.
The Day Will Come When Man Falls – Phillip Toledanos ganz persönliche Zukunftsvisionen

Das Bauchgefühl meldet sich auf Anhieb, beim ersten flüchtigen Blick durch den zentralen Ausstellungsraum: Irgendetwas ist merkwürdig an diesen wahnsinnig tollen Fotos von Menschen aller sozialen Schichten und Altersgruppen.
Genauer gesagt: Von Männern. So zusammengewürfelt und zufällig, wie sie hier nebeneinander erscheinen, sind sie nicht, das spürt man sofort. Nur was verbindet sie? Was hat das Riesenporträt von dem feisten Typ mit dem wohlgefälligen Grinsen an der Stirnwand gemein mit dem smarten, graumelierten Dandy im Smoking? Was verbindet den Obdachlosen mit dem vornehmen Herrn im Morgenmantel, der mit seinem Hündchen einsam die Suppe schlürft? Was den frustriert dreinblickenden Büroangestellten in der unordentlichen Lagerhalle mit dem eingeschlafenen Alten im Rollstuhl?

Es dauert eine ganze Weile, bis man Phillip Toledano (47) drauf kommt: Jede dieser Personen ist er selbst. Von Maskenbildnern verwandelt bis zur Unkenntlichkeit. Die letzten verräterischen Spuren der hoch artifiziellen Inszenierungen mit Photoshop bereinigt.

Phillip Toledano ist ein genialer Fotograf und ein genialer Schauspieler. Was der gebürtige Engländer, der heute in New York lebt und arbeitet, an Aufwand betreibt, um überhaupt erst die Voraussetzungen für ein Foto zu schaffen, macht sprachlos. Tage, Wochen hat er die Bewegungsmuster der Persönlichkeiten studiert, in deren Haut er schlüpft, Stunden dauern die Sitzungen beim Maskenbildner, nach denen ihn seine eigene Familie nicht mehr erkennt.

„May be“ heißt die Serie, die Toledano 2011 begann und die 2015 noch andauert, auf Deutsch „Vielleicht“. Es sind seine Zukunftsvisionen. All die Schicksalsschläge, die dem sympathischen Fotografen in den kommenden Jahren zustoßen könnten... Die ihm Wahrsager und Kartenleger prophezeit haben: Fettsucht, Schlaganfall, Aufstieg in die High Society, ein Leben auf der Straße, eine Karriere als Heilsbringer, das Versinken in der Bedeutungslosigkeit. Die Bandbreite ist enorm und ein Großteil davon sind existentielle Ängste, die einen jeden umtreiben. Toledano hat sie in vollen Zügen ausgelebt. Selbstironisch und provokativ zeigt er dabei wie unter dem Vergrößerungsglas die Muster unseres auf Macht, Erfolg, Jugend und Schönheit basierenden Systems.
„May be“ entstand gleichsam zwangsläufig nach einer anderen Serie, die den Fotografen drei Jahre lang beschäftigte und die ihn stark mitnahmen: „Days With My Father“ (2006-2009), nun ebenfalls in den Deichtorhallen zu sehen, ist ein Abschied in Bildern vom demenzkranken Vater. Es sind zweifellos Todedanos bislang intimsten und berührendsten Fotografien: Bilder voller Liebe und Respekt. Voller Traurigkeit, Resignation, manchmal aber auch voller Humor und Fröhlichkeit. In ihrer Ruhe, Klarheit und sanften Melancholie haben diese Aufnahmen mitunter schon etwas Transzendentales. Dazu Toledanos tagebuchartigen Aufzeichnungen und Kommentare, die noch einmal unterstreichen, wie innig die Beziehung von Vater und Sohn gewesen sein muss.

Alter und Abschied, Individualität und Zukunft beschäftigen Phillip Toledano, seit er 2002 seinen gutbezahlten Job in der Werbeindustrie an den Nagel hing und sich ganz für die Kunst entschied. Gesellschaftlich relevante Themen, die andere gern ausklammern, die aber hervorragend mit dem Leitthema „The Day Will Come“ der VI. Triennale der Photographie korrespondierte (18. bis 28.6.2015), zu der Todedano eingeladen wurde. Ein würdiger Auftakt für die erste große Ausstellung in Deutschland, die Sabine Schnakenberg ausgezeichnet kuratierte. Diese unerhört sehenswerte Schau macht deutlich, wie breit Toledanos Spektrum ist und wie groß sein Interesse an Außenseitern der Gesellschaft: So zeigt „A New Kind of Beauty“ (2008-2010) Personen, die sich zigfach unters Messer gelegt haben, um gängigen Schönheitsidealen zu entsprechen. Vor dunklem Grund im Halbprofil aufgenommen, hat der Fotograf sie zu hellenistischen Helden-Skulpturen und madonnengleiche Heiligenbilder stilisiert. Die Serie „Phonesex“ (2008-2009) dagegen besticht durch die Lockerheit und das lässige Selbstbewusstsein, mit der sich 30 Telefonsex-Anbieter an ihrem Arbeitsplatz präsentieren.
Auch das gehört zu Phillip Toledanos Qualitäten: Menschen zu zeigen, die man normalerweise nie zu Gesicht bekommt.

„The Day Will Come When Man Falls” – Phillip Toledano
ist bis 6. September 2015 zu sehen in den Deichtorhallen Hamburg, Deichtorstraße 1-2, 20095 Hamburg.
Infos unter www.deichtorhallen.de


Abbildungsnachweis:
Header: Phillip Toledano: aus der Serie "Days With My Father", 2006-2009, © Phillip Toledano
Galerie:
01. Phillip Toledano. Foto: Isabelle Hofmann
02.
Phillip Toledano: aus der Serie "Days With My Father", 2006-2009, © Phillip Toledano
03. und 04. Phillip Toledano: "Untitled", aus der Serie "Maybe", 2011-2015, © Phillip Toledano
05. Phillip Toledano: "Nikki", aus der Serie "A New Kind Of Beauty", 2008-2010, © Phillip Toledano
06. Phillip Toledano: "Tiana", aus der Serie "A New Kind Of Beauty", 2008-2010, © Phillip Toledano
07. Phillip Toledano: "Derek", aus der Serie "Phonesex", 2008-2009, © Phillip Toledano
08. Phillip Toledano: "Sally", aus der Serie "Phonesex", 2008-2009, © Phillip Toledano
09. Phillip Toledano: aus der Serie "When I Was Six", 2013-2015, © Phillip Toledano
10. Phillip Toledano vor "Big Phil". Foto: Isabelle Hofmann

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Blog > Fotografie > The Day Will Come When Man Falls – Phillip ...

Mehr auf KulturPort.De

Felice Varini in Osnabrück: Trapeze, Dreiecke, Bögen und ein Zirkeltanz
 Felice Varini in Osnabrück: Trapeze, Dreiecke, Bögen und ein Zirkeltanz



Der Schweizer Künstler Felice Varini wurde 1952 in Locarno geboren, lebt und arbeitet seit 1980 in Paris. Seit Ende der 70er-Jahre arbeitet er an Projekten im  [ ... ]



Von Hopper bis Rothko. Amerikas Weg in die Moderne – Ein Rundgang durch die Ausstellung
 Von Hopper bis Rothko. Amerikas Weg in die Moderne – Ein Rundgang durch die Ausstellung



Amerikaner erobern Potsdam! Nach der spektakulären Impressionismus-Ausstellung nun der Blick über den großen Teich nach Nord-Amerika: Das Museum Barberini am  [ ... ]



„Axolotl Overkill”. Dialektik eines Enfant Terrible
 „Axolotl Overkill”. Dialektik eines Enfant Terrible



Verweigerung als Selbststimmung: „Axolotl Overkill” ist das hinreißend provokante Porträt einer 16-Jährigen zwischen Realität un [ ... ]



Das Ravenna-Festival. Himmel und Hölle an der Adria
 Das Ravenna-Festival. Himmel und Hölle an der Adria



Das Leben das Universum und der ganze Rest: Nein, ganz so viel wie Douglas Adams berühmter Sience-Fiction-Klassiker „Per Anhalter durch die Galaxis&l [ ... ]



Gurre-Lieder in der Elbphilharmonie: Zu wenig Vertrauen in die leisen Töne
 Gurre-Lieder in der Elbphilharmonie: Zu wenig Vertrauen in die leisen Töne



Noch ein Anlauf, Repertoire-Riesen zu bezwingen. Und diesmal, für Arnold Schönbergs „Gurre-Lieder“, stand Kent Nagano wieder genesen selbst am Pult [ ... ]



Pascal Schumacher, Maxime Delpierre: Drops & Points
 Pascal Schumacher, Maxime Delpierre: Drops & Points



Keine Linie in Sicht – weit und breit. Dafür Tropfen, Punkte, Flecken, Tupfen und Blasen.
„Drops & Points“ heißt das neue Album des Luxembu [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.