Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 866 Gäste online

Neue Kommentare

Marlies Lampert zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo liebe Hüsungianer,
ich bin ca. 1999...

SingulART zu Kunstmuseum Wolfsburg: This Was Tomorrow. Pop Art in Great Britain: Grossartige Ausstellung war das! Wir haben unsere...
tommy zu Ensemble Resonanz zu Gast bei NEW HAMBURG: gute sache, dass sie mal aus ihrem bunker rauskom...
Lena Baal zu Zum Tode von Peter Härtling: Peter Härtling war nicht nur ein großartiger Sc...
Elisabeth Warken zu Gurre-Lieder in der Elbphilharmonie: Zu wenig Vertrauen in die leisen Töne: Die Kritik zu den Sängern kann ich nicht ganz ve...

Anzeige

Lange Nacht der Museen Hamburg 2017

Hamburger Architektur Sommer 2015


Film

Der Film, der einen Oscar erhielt: „Departures“

Drucken
(171 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 01. September 2009 um 15:00 Uhr
Der Film, der einen Oscar erhielt: „Departures“ 4.7 out of 5 based on 171 votes.
Der Film, der einen Oscar erhielt: „Departures“

Als man sich im Februar den Kopf zerbrach, welcher ausländische Film wohl den Oscar gewinnen würde, da galt dieser hier nicht einmal als Geheimtipp. Er erhielt indessen nicht nur den „Academy Award“, sondern auch den „Grand Prix des Amériques“ in Toronto und zehn von dreizehn Preisen der Japanischen Filmakademie.
„Departures“ wird manchmal als Drama und dann wieder als Komödie angekündigt. Beides ist richtig - und stimmt doch nicht. Dieser Film entzieht sich der „Schubladisierung“. Eins jedoch ist mit Bestimmtheit zu sagen: obwohl an Leichen ganz und gar kein Mangel herrscht, handelt es sich hier nicht um Action.

Regisseur Yojiro Takita erzählt seine Geschichte so gemächlich wie genießerisch (das Ganze dauert immerhin 130 Minuten!)
Er verschmäht es nicht einmal, sich hier und da zu wiederholen. Und er kann sich das leisten.
Es geht um Daigo (Masahiro Motoki), einen typischen modernen Antihelden, dem so recht nichts gelingt. Er stolpert auf nahezu jeder Treppe, das Orchester, in dem er als Cellist spielt, macht Pleite und der Tintenfisch, den seine niedliche Ehefrau Mika (Ryoko Hirosue) kreischend auf den Küchenfußboden fallen lässt, weil er noch lebt, ist natürlich tot, als Daigo ihn mit aufmunternden Worten zurück in den Fluss wirft.

Das junge Ehepaar beschließt tapfer, sich vom kürzlich gekauften Cello und überhaupt vom teuren Tokio zu trennen und in Daigos ländliche Heimat im Norden Japans zu ziehen, zumal sie dort kostenlos im winzigen Häuschen seiner verstorbenen Mutter wohnen können. Mika hat Arbeit und Daigo wird etwas Neues finden – denn er zweifelt inzwischen daran, überhaupt zum Musiker geboren zu sein.

Tatsächlich entdeckt er eine viel versprechende Anzeige in der Zeitung. Es handelt sich um Hilfe bei Abreisen, offenbar sucht ein Reisebüro Mitarbeiter. Daigo stellt sich dem Inhaber der Firma, dem unerschütterlichen alten Herrn Sasaki (Tsutumo Yamazaki) vor und ist mit einem Bombengehalt eingestellt, bevor der Chef auch nur weiß, wie sein neuer Mitarbeiter heißt. Etwas schwieriger gestaltet es sich, herauszufinden, was denn nun seine Aufgabe sein soll. Herr Sasaki murmelt etwas von ‚Einsargen’ oder so ähnlich.
„Bitte?“
„Menschen in Särge tun.“
„TOTE Menschen - ?!“, fragt Daigo entsetzt und Sasaki bewundert sarkastisch seinen Sinn für Humor.
Es stellt sich heraus, dass diese Firma – NK Agency - sich auf etwas spezialisiert hat, das Nokanshi heißt. Früher waren es stets nur die Hinterbliebenen, die den Toten durch Waschen, Anziehen besonders schöner oder geliebter Kleidung und eventuell Zurechtmachen auf seine letzte irdische Reise ins Krematorium vorbereiteten. Seit einigen Jahren sind Nokanshi-Institute entstanden, die diese Aufgaben übernehmen – und zwar auf höchst zeremonielle Art, fast wie eine Aufführung, vor den Augen der trauernden Familie.
Daigo läst sich nur zögernd darauf ein, wenigstens einen Versuch zu machen. Seiner Frau erklärt er lieber nicht, worum es geht.

Unglücklicherweise beginnt sein neuer Job mit einem schweren Fall: eine allein stehende alte Frau lag schon seit Wochen in ihrer Behausung, wo inzwischen nicht nur die Lebensmittel verdorben sind. Hier geht es nicht mehr um eine Zeremonie, nur noch um Beseitigung. Daigo wird übel. Noch im Bus, nach Feierabend, schnuppern die Leute misstrauisch in seine Richtung, so dass er sich, bevor er nach Hause geht, erst mal in einem Badehaus wie ein Besessener säubert. Endlich Zuhause, konfrontiert ihn Mika mit dem toten Hühnchen, das sie zubereiten will und das ihren Mann zwingend an seine erste Klientin erinnert. Worauf ihm schon wieder schlecht wird.

Doch nach und nach gefällt ihm, was er tut, das respektvolle Ritual, in dem jede Bewegung stimmen muss. Er, der früher so leicht verzagte, der sich selbst nicht traute, ist zwar gekränkt, als ein alter Schulfreund ihn auf der Straße anraunzt, die Leute würden reden und er solle sich mal einen anständigeren Job suchen. Er ist auch traurig, als seine Frau, nachdem sie begreift, was er macht, ihn wegschiebt, weil er ‚unrein’ sei - und ihn ganz klar vor die Wahl stellt: dieser Job oder ich! Aber als Mika ihn wirklich verlässt, hält er sie nicht zurück und entscheidet sich so für den missachteten Beruf, den er als seine wahre Profession erkannt hat.

Zudem wachsen seine Sympathie und Bewunderung für Herrn Sasaki, vielleicht auch, weil er Sehnsucht nach einer Vaterfigur hat, nachdem sein eigener Vater die Familie im Stich ließ, als Daigo noch ein kleiner Junge war.
So ‚feiert’ Daigo recht vergnügt Weihnachten mit seinem Chef und der Sekretärin der Nokanshi-Firma neben einem grauenhaft bunten, blinkenden Plastikbaum und mit einer Fressorgie gebratener Hühnchenteile – ja, Hühnchen, denn inzwischen kann seine Tätigkeit ihm nicht mehr den Appetit verderben.

 

 



 

Home > Blog > Film > Der Film, der einen Oscar erhielt: „Departu...

Mehr auf KulturPort.De

Franz Andreas Meyer – Hamburgs vergessener Stadtplaner
 Franz Andreas Meyer – Hamburgs vergessener Stadtplaner



Kennen Sie die Heiligengeistbrücke über das Alsterfleet? Die Feenteichbrücke an der Außenalster? Die Brooksbrücke, die vom Katharinenviertel zur Speichersta [ ... ]



Philippe Quesne: Die Nacht der Maulwürfe – magische Farborigien
 Philippe Quesne: Die Nacht der Maulwürfe – magische Farborigien



Es gibt sie noch, die wundersamen Glücksmomente im Theater, die gestandene Kritiker (und Kritikerinnen) mit großen Augen dasitzen und staunen lassen wie Kinder [ ... ]



Mariano Pensotti: „Loderndes Leuchten in den Wäldern der Nacht“
 Mariano Pensotti: „Loderndes Leuchten in den Wäldern der Nacht“



Was für ein ungewöhnliches Stück! Eines? Nein: Was für drei ungewöhnliche Stücke – so intelligent, humorvoll und hintersinnig!
Mariano Pensottis „Lod [ ... ]



Vienna Vocal Consort: Nostre Dame
 Vienna Vocal Consort: Nostre Dame



Das Vienna Vocal Consort zählt seit Gründung im Jahr 2007 zu Österreichs renommiertesten Vokalensembles für Alte Musik. Deren neues Album „Nostre Dame“  [ ... ]



„Dalida”. Oder die Angst vor der Dunkelheit
 „Dalida”. Oder die Angst vor der Dunkelheit



Wie viel Tragik verkraftet ein Film in Zeiten von „Wonder Woman” oder „Atomic Blonde”? Tough ist angesagt, und viele Kritiker reagierten eher störrisch  [ ... ]



Chilly Gonzales in Lübeck – atemberaubend mitreißend
 Chilly Gonzales in Lübeck – atemberaubend mitreißend



Der Schlafrock war schwarz und nicht rot, wie am Vorabend in der Elbphilharmonie. Entsprechend seriös, ganz leise und melodisch der Einstieg.
Chilly Gonzales l [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.